
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Alter
Betrachtungen des großen Zehs
Manchmal erzählt uns eine Freundin, die an der Universität Philosophie unterrichtet, von Diskussionen mit den Studierenden. In der letzten Sitzung ging es beispielsweise darum, was den Menschen zum Menschen macht. Das ist für mich immer noch eine ausgesprochen spannende Frage. Schließlich habe ich ja Theologie studiert, bevor ich im Verlagswesen landete.
Ja: Was macht den Menschen zum Menschen, was unterscheidet ihn von den Tieren? Oder: Gibt es überhaupt einen wesentlichen Unterschied? Groß ist die Bandbreite an Antworten. Am Schluss sind es immer die individuelle Weltsicht und das persönliche Selbstbild, von der die Ansichten geprägt sind. Macht den Unterschied die Fähigkeit zu ethischem Handeln? Oder der so genannte freie Wille? Die Bereitschaft zu lieben oder auch zu hassen? Leider lassen sich diese metaphysischen Konstrukte weder verifizieren noch falsifizieren kurzum: Man glaubt sie oder glaubt sie eben nicht.
Die Wissenschaft geht hier anders vor. Naturforscher untersuchen, welche physischen und auch psychischen Qualitäten im Laufe der Evolution auftraten, die den Menschen zum Menschen machten. Vielleicht hat der eine oder andere noch den Biologieunterricht im Kopf: Uns wurde vermittelt, dass vor allem der abspreizbare Daumen sowie der Kehlkopf des Menschen, der zur genauen Artikulation, mithin zum Sprechen befähigt, die Entwicklungsstufen für den Übergang vom Affen zum Menschen waren. Aber reicht das aus, den Unterschied zu erklären? Nein, sagt der Autor Chip Walter und belegt seine Thesen in dem Buch »Hand und Fuß« unterhaltsam und anschaulich. Neben dem Daumen und dem Kehlkopf waren auch der große Zeh sowie die emotionalen Fähigkeiten zu lachen, zu weinen und zu küssen daran beteiligt, dass der Mensch zum Menschen wurde. Der große Zeh? Die komische überflüssige dickliche Wurst am Fuß, die manchmal daran Schuld ist, dass uns Schuhe nicht richtig passen? Jawohl: Unser großer Zeh ist im Verhältnis zu denen anderer Primaten nicht nur verlängert, sondern auch von der Außenseite des Fußes nach vorne gewandert: Vom abgespreizten Greifzeh der Affen hat er sich zum Stützelement des aufrechten Gangs gemausert. Nur durch den großen Zeh konnte sich ein stabiler aufrechter Gang, mit der konsequenten Freiheit der Hände, entwickeln. Und hatte dabei noch weitreichendere Folgen: Die Hüfte des Menschen musste sich logischerweise der neuen Gangart anpassen, was wiederum zu einer Verengung des Geburtskanals und damit der Notwendigkeit der physiologischen Frühgeburt führte. Forscher gehen sogar so weit zu behaupten, dass durch die nun vermehrt als Werkzeuge und Greifinstrumente einsetzbaren Hände mit der einhergehenden besseren Ernährung das Großhirn in seinem Volumen so immens zunehmen konnte, dass eben unsere heutigen abstrakten Begriffe von Ethik, Moral, Glaube, Liebe etc. so entstehen konnten.
Spannend, nicht? Mehr dazu, wie uns die Evolution zu Menschen machte, erfahren Sie in »Hand und Fuß« von Chip Walter.
Bild: Füße © Robert Babiak jun./www.pixelio.de
28.07.2011, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Alternative Energien nutzen
Alternative Energien sind in aller Munde. Doch was bedeutet das? Was kann der Einzelne tun, um sich unabhängiger von Atomenergie und den traditionellen Stromerzeugern zu machen? Was sind Vor- und auch Nachteile so genannter alternativer Energiequellen? Atom- und Kohlekraftwerke erreichen ihre Wirtschaftlichkeit auch dadurch, dass sie mit relativ geringem Platzbedarf dezentral Energie liefern können. Dennoch ist es heute nicht mehr vertretbar, die Risiken von Atomkraft und die Umweltbelastung von Kohlekraftwerken, auch vor dem Hintergrund der schwindenden Ressourcen, zugunsten der Wirtschaftlichkeit zu vernachlässigen. Die Umwelt wird durch Atom- wie auch Kohleenergie stark beeinträchtigt: Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke erzeugen Abwärme, die in Flüsse oder die Luft abgeleitet werden muss. Was geschieht, wenn die Kühlung im Reaktor versagt, wissen wir alle. Kohlekraftwerke erzeugen enorm hohe Mengen an Kohlendioxid - trotz modernen Rauchgasreinigungsanlagen. Die terrestrische Biosphäre, also Wälder, können ihn »entsorgen« doch mit der fortschreitenden Entwaldung und Wüstenbildung ist dieses natürliche Mittel längst aufgezehrt. Atomkraftwerke werfen, wenn das Risiko, das sich schon im laufenden Betrieb ergibt, nicht weiter beachtet wird, das Problem der Endlagerung auf. Eine sichere Lösung für die Endlagerung von radioaktivem Material ist bis heute nicht gefunden worden.
Um Deutschland flächendeckend mit alternativem Strom zu versorgen, müsste das vorhandene Stromnetz stark ausgebaut werden, wobei die Versorgung mit alternativem Strom durch Wind- oder Sonnenenergie nicht immer konstant sein kann. Deshalb müssten verschiedene alternative Energiequellen kombiniert werden, um eine lückenlose und kontinuierliche Versorgung zu gewährleisten.
Wir kommen wohl nicht darum herum, uns mehr Gedanken um unsere Bauweise zu machen. Heute ist es nicht mehr vertretbar, ein Haus zu bauen, ohne alternative und autonome Energiequellen einzubeziehen. Doch auch in alten Gebäuden kann nachgerüstet werden. Nicht nur Sonnenkollektoren auf dem Dach, auch richtige Dämmstoffe und alternatives Heizmaterial wie z.B. eine Pellets-Heizung machen viel Sinn. Was Sie selbst tun können und welche Energiequelle die richtige für Ihr Heim ist, zeigt das Buch »Handbuch Hausversorgung«.
http://www.jokers.de/3/15560334-1/buch/handbuch-hausversorgung.html
Bild: Windräder © SILKA KAISER/www.pixlio.de
29.04.2011, 10.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Nur fliegen ist schöner
Haben Sie als Kind auch davon geträumt, einen ganzen Strauß Luftballons auf dem Jahrmarkt zu kaufen und davon zu schweben? Larry Walters hat es getan. Er band 42 Ballons an einen Gartenstuhl und erhob sich in die Lüfte. Zugegeben, es waren professionelle Wetterballons. Trotzdem hatte diese Flugreise etwas Surreales. Das Bild, das 1982 von diesem luftigen Höllenritt um die Welt ging, erinnert an einen Luftballonverkäufer, der abhebt. Ob sich Walters von Pippi Langstrumpf inspirieren ließ, ist unbekannt. Die rothaarige schwedische Göre hatte es bei ihrem abenteuerlichen Höhenflug allerdings deutlich bequemer, band Sie doch einen riesigen Ballon an ihr Bett...
Das Experiment mit dem fliegenden Gartenstuhl funktionierte übrigens besser, als es sich Larry Walters erhofft hatte. An einem lauen Sommertag erhob sich der Truckerfahrer in den Luftraum von Los Angeles. Offenbar hatte er den Auftrieb seiner mit Helium gefüllten Ballons gehörig unterschätzt. In kurzer Zeit stieg das seltsame Fluggerät bis auf über 5.000 Meter und konnte nicht gestoppt werden. Denn der Überflieger hatte im Eifer des Gefechts seine Pistole verloren, mit der er die Ballons abschießen und somit die Höhe regulieren wollte. Wie durch ein Wunder landete Walters doch noch wohlbehalten - nicht ohne vorher den Flugverkehr total durcheinander gebracht und eine Stromleitung heruntergerissen zu haben. Als »Lown Chair Larry« ging der fliegende Trucker in die Geschichte ein. Außerdem stellte er einen Höhenrekord im »clustered balloon flight« auf, dem Fliegen mit Ballonbündeln. Da werden Stühle, Kisten, Wannen, ein ganzes Häuschen oder auch nur der »Pilot« selbst an Ballons gebunden, um den Himmel unsicher zu machen.
Demgegenüber mutet die »normale« Ballonfahrt mit großen Körben für die Passagiere vergleichsweise komfortabel an. Mit einem Ballongelang es der Menschheit erstmals, sich den Traum vom Fliegen zu erfüllen obwohl man streng genommen damit nicht fliegt, sondern fährt. 1783 ließen die Brüder Montgolfier einen ersten »bemannten« heißluftbetriebenen Papierballon aufsteigen die Passagiere waren ein Hahn, eine Ente und ein Schafbock. Als die tierischen Piloten den Versuch überlebten, wagten sich auch Menschen in die fliegende Gondel. Auch erste Versuche mit Gasballonen verliefen erfolgreich. Immer wieder wurden mit Ballonen Höhenrekorde aufgestellt. So drang etwa der Physiker Auguste Piccard 1931 von Augsburg aus mit einem Gasballon in die Stratosphäre vor (etwa 16.000 Meter). Der absolute Weltrekord liegt derzeit bei knapp 35.000 Meter Höhe allerdings im geschlossenen Korb.
Noch heute übt die Ballonfahrt einen ganz besonderen Reiz aus. Ballone sind, da kaum steuerbar, ein Spielball der Winde, die Route ist nicht vorhersehbar der Weg wird zum Ziel. Wagemutigen Abenteurern gelangen immer wieder spektakuläre Fahrten: Im Ballon wurden die Alpen überflogen, die Arktis überquert, aus der DDR geflüchtet, die Welt umrundet...
In einem eigenen Museum im bayerischen Gersthofen bei Augsburg, einer alten Ballonfahrerregion, setzte man der »runden Fliegerei« ein Denkmal (http://www.ballonmuseum-gersthofen.de/index.php?idcat=2).
Alle Fans der fliegenden Gondeln finden hier Stoff zum Schmökern, Träumen und Wegfliegen:
http://www.jokers.de/3/16541259-1/dvd/erlebnisreisen-ballon-safari-kenia-kappadokien-dvd.html
http://www.jokers.de/3/13779934-1/buch/fuenf-wochen-im-ballon.html
http://www.jokers.de/3/14951571-1/buch/der-kleine-herr-jaromir-findet-das-glueck.html
18.04.2011, 14.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Vom Ende der Tintenkleckserei
Im pulsierenden New York des Jahres 1884: Der Versicherungsmakler Lewis Edson Waterman hat sorgfältig einen Vertrag aufgesetzt und eilt damit zum Kunden.
Diesem übergibt er den Vertrag und einen Füllfederhalter zur Unterschrift. Was passiert? Zunächst nichts, der Füller schreibt nicht! Dann scheint sich ein Pfropfen gelöst zu haben und es ergießt sich eine ganze Flut von Tinte auf das Dokument. Vertrag futsch, Kunde sauer, Geschäft geplatzt.
Das soll Waterman nicht noch einmal passieren. Wutentbrannt geht er nach Hause und
vertieft sich in die problematische Technik seines Füllfederhalters. Und er erfindet ein revolutionäres Kapillarsystem, das gleichmäßigen Tintenfluss gewährleistet, ohne dass der Füllfederhalter je auslaufen könnte.
Dieses Schreibgerät ist bis heute überall in Gebrauch. Werden Unterschriften unter wichtige Verträge gesetzt, ist der klassische »Füller« immer die erste Wahl. Schließlich wäre es stillos, z.B. einen Friedensvertrag mal eben im Vorbeigehen mit dem Kugelschreiber zu unterzeichnen...
03.01.2011, 08.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Gefährliche Bücher
Lesen ist nicht gerade als Risikosportart bekannt. Und dennoch: Bücher können höllisch gefährlich sein. Erinnern wir uns nur an Umberto Ecos „Der Name der Rose“. Was da ein alter Schmöker so alles angerichtet hat… Fünf Mönche brachte das Werk um die Ecke – und warum? Weil sein Inhalt als so brisant eingestuft wurde, dass der Bibliothekar, der es hütete, beschloss, niemand dürfe die Lektüre überleben. Er präparierte die Seiten mit Gift. Dabei ging es durchaus um ein heiteres Thema. Bei dem „gefährlichen“ Buch handelte es sich um Augustinus’ Band über die Komödie. Humor kann ja bekanntlich äußerst subversiv wirken... Mindestens ebenso furchtbar ist das Buch in Robert W. Chambers „Der König in Gelb“: Es treibt jeden, der darin liest, in den Wahnsinn.
Von ganz anderem Kaliber ist der Schmöker in Michaels Endes „Unendlicher Geschichte“. Durch seine Seiten schlüpft der kleine Balthasar in die „Anderswelt“ hinein und erlebt dort gefährliche Abenteuer. Auch das geheimnisvolle Buch in Cornelia Funkes „Tintenwelt“-Geschichten ist ein Tor zu anderen Sphären.
In Walter Moers
„Stadt der träumenden Bücher“ haben es ahnungslose Bücherfreunde gehäuft mit gefahrbringendem
Lesestoff zu tun und verlieren sich hoffnungslos im Bücher-Labyrinth.
Keine Angst, die Bücher, die Sie bei Jokers finden, richten keinerlei Schaden an. Gefährlich sind sie trotzdem: gefährlich fesselnd, spannend, amüsant… Und für alle Mutigen haben wir hier die Verfilmung „gefährlicher“ Klassiker!
"Die unendliche Geschichte" auf DVD bei Jokers
"Der Name der Rose" auf DVD bei Jokers
23.12.2010, 17.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Dunkles Mittelalter?
Jetzt sprießen sie wieder wie Pilze aus dem Boden: die Mittelaltermärkte. Fast an jedem Wochenende kann man sich nun wie ein Landsknecht, eine Marketenderin oder ein edler Ritter fühlen. Ganz Passionierte hüllen sich sogar in eigens angefertigte Gewänder, setzen leinene Hauben auf und tragen spitzes Schuhwerk. Dann werden deftige Speisen aufgetischt und ein Humpen aus gebranntem Ton mit dunklem Bier oder Met gefüllt – fertig ist unser Bild vom Mittelalter. Nur dass wir für das Spektakel Eintritt zahlen, im klimatisierten Auto oder mit dem High-Tech-Fahrrad angereist sind und unter dem Leinenwams Funktionsunterwäsche tragen. Klar, dass der sommerliche Mittelalter-Zinnober in ganz Deutschland kaum ansatzweise etwas mit der realen Epoche zu tun hat.
Von dunklen Katen, strohgefüllten Bettlagern voller Ungeziefer, Armut, Hunger, Aberglauben und Krankheiten möchte man ja auch eigentlich nicht so viel wissen. Aber irgendwie übt dieses Zeitalter auf uns eine ganz große Anziehungskraft aus. Vielleicht, weil die Welt von damals so überschaubar scheint. Alles war ein paar Nummern kleiner, und jeder kannte seinen Platz in der Gesellschaft. Und außerdem gab es sie ja tatsächlich, die Ritter im Kettenhemd, die Minnesänger, Gaukler und Edeldamen. Faszinierende Gestalten einer immer noch einflussreichen Zeit.
Vielleicht haben Sie ja Lust, einmal hinter die Kulissen des Mittelalters zu blicken und mehr darüber zu erfahren, wie das Alltagsleben damals tatsächlich aussah, wie man mit der Umwelt umging, was auf dem Speiseplan stand und wie die gesellschaftliche Position von Mann und Frau war. Sehr spannend! Denn es gibt zu entdecken, dass das Mittelalter gar nicht so „dunkel“ war, wie wir meist glauben.
"Streifzüge durch das Mittelalter" bei Jokers
"Mensch und Umwelt im Mittelalter" bei Jokers
Bild: Codex manesse Heinrich von Breslau/wikimedia
27.08.2010, 07.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Warum Rentner nie Zeit haben

Geht es Ihnen auch so? Früher war ein Jahr wie eine Ewigkeit, alleine die Sommerferien glichen einem nicht endenden Jahrzehnt… Und heute? Wir schreiben das Jahr 2010, ich erinnere mich aber genau, wie wir alle dem Jahrtausendwechsel schon Jahre zuvor entgegenfieberten.
So ist das mit dem Älterwerden, und die Theorien zum subjektiven Zeitempfinden sind zahlreich: Meine Lieblingsthese ist diese: Je älter wir werden, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen. Alleine deswegen, weil wir doch schon einige Erinnerungen und Erfahrungen mehr haben als Kinder – unser Gehirn vergleicht angeblich stets die bereits gelebte Zeit mit eben jener Zeitspanne, die uns gerade bewusst ist. Nehmen wir mal an, Sie sind 45 Jahre alt: Was sind denn schon 12 Monate zu den 540 bereits gelebten Monaten? Treiben Sie das Spiel ruhig weiter und rechnen Sie mal nach, wie viele Wochen, wie viele Tage schon auf Ihr Lebenszeitkonto gehen… Wahrlich: Was sind da schon 24 Stunden?
Nur manchmal wird es mir richtig deutlich, dass ich keine 20 mehr bin: Dann nämlich, wenn ich 20-Jährige sehe und von ihnen als „Kinder“ denke. So jung sehen sie aus, so kindlich verhalten sie sich… Ich in ihren Augen bin hingegen wohl ein Greis, genau so, wie uns früher alle über 30 vorkamen…
„Was heißt hier alt?“ von Lo von Gienanth ist eines meiner derzeitigen Lieblingsbücher. Der Untertitel „Anstiftung zum Eigensinn“ spricht für sich und bedarf keiner weiteren Erläuterungen.
Ach, lieber Leser, Älterwerden kann so amüsant sein!
21.04.2010, 10.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Wo Bücher töten können
Bücher können schrecklich heimtückisch sein. Sie können sogar töten. Das glauben Sie nicht? Dann kommen Sie mal mit in „Die Stadt der träumenden Bücher“, dort werden Sie sehen, dass ich recht habe ... Dass Lesen ein Abenteuer wird, wenn man die Tür öffnet zu Buchhaim, wo die träumenden Bücher zu Hause sind und es verführerisch nach Druckerschwärze, Papier und Leim duftet. Genau diese verlockende Tür nämlich öffnet der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz, der unbedingt das Geheimnis eines geerbten Manuskripts ergründen möchte. In der geheimnisvollen Stadt trifft er auf leidenschaftliche Bücherjäger und seltsame Buchlinge, bis er sich fast in der labyrinthischen Welt der Bücher verliert. Autor der herrlich verrückten Geschichte ist Walter Moers, der Tausendsassa unter den deutschen Autoren der Gegenwart. Moers, der auch als Comiczeichner und Illustrator arbeitet, ist mit „Käpt’n Blaubär“ und dem „Kleinen Arschloch“ einem großen Publikum bekannt geworden – keine Frage, der Mann hat einen brachialen Humor und Sinn fürs Groteske. Alles ist in der Regel wahnsinnig übertrieben und politische Korrektheit ist definitiv Fehlanzeige.
Was ich wirklich bewundere, ist seine überbordende, alle Grenzen sprengende Phantasie. Was Walter Moers einfällt, ist einfach kaum zu glauben: Sprachspiele, wilde Zeichnungen und eine eigentümliche Mischung alter Mythen und Sagen gemixt mit den Fakten der postmodernen Welt.
Da ich auch Sie als Bücherjäger einschätze – sonst wären Sie ja nicht bei Jokers unterwegs, oder? – lege ich Ihnen diesen über 400 Seiten feinsten Lesestoff zum fantastischen Preis gern ans Herz!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
18.12.2009, 09.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Ein Buch mit Suchtfaktor
Doch angesichts meines Urlaubs überkam mich der Wunsch, mal wieder ein dickes Buch zu lesen, in dem man über einige Tage richtig versinken kann. Das Buch „Die Tore der Welt“ (engl. „World without End“) ist nicht nur spannend geschrieben, sondern Follet zeigt sich wieder als Meister der Spannungsbögen und der ausgefeilten Charakterentwicklung. Seine Geschichten in den über 1200 Seiten sind nie verworren oder unübersichtlich. Die Handlung ist gut recherchiert und überraschend wohl durchdacht. Mittelalter-Klischees und Rollenstandards bedient Follet sichtbar ungern.
Und dann ist da natürlich noch dieser Suchtfaktor, der sich schon nach wenigen Zeilen einstellt und dafür sorgt, dass ich mich am Abend vor dem Einschlafen schon auf den nächsten Tag freue, wenn ich endlich weiter lesen kann. Genauso hatte ich es mir gewünscht.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
03.09.2009, 08.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Thema Alter
Erst recht, wenn ich von Jubiläen bekannter Persönlichkeiten lese. Wie etwa von Udo Lindenberg, der mit 62 Jahren jetzt ein neues Album herausgebracht hat, und von dem Zeitschriften wie der „Spiegel“ schwärmen: „Udos Stimme hat sich verändert: Sie will nicht mehr so viel. Sie klingt jetzt lässig alt. Es singen Zuversicht, Gelöstheit, die totale Entspannung.“
Gänzlich anders vom Altern spricht der amerikanische Schriftsteller Philip Roth in seinem neuen Roman „Jedermann“. Denn für den 73-Jährigen ist Altern kein Kampf, „das Alter ist ein Massaker“. Entsprechend beginnt das Buch mit der Beerdigung der namenlosen Hauptfigur. In zahlreichen Rückblicken erzählt Roth die Geschichte eines normalen Amerikaners, der seine mit dem Alter zunehmenden Krankheiten nur schwer akzeptieren kann. Im Mittelpunkt stehen der körperliche Verfall und das Altern. Eine Geschichte, die alles andere als verklärt und „entspannt“ ist.
Philip Roth bei Bücher-Wiki
02.04.2008, 16.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL



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