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Tag: Astrid Lindgren

Pippi meets Sokrates

Sokrates.jpgWurde Sokrates im 20. Jahrhundert als Pippi Langstrumpf wiedergeboren? Und wenn ja, was hat der weise griechische Denker mit der frechen schwedischen Göre gemeinsam? Die Neugierde! Beide nehmen nichts als gegeben hin und hinterfragen alles. Sie gehen den Dingen gründlich auf den Grund und das mit bisweilen ungewöhnlichen Methoden.


Sokrates (469-399 v.Chr.) etwa bediente sich einer speziellen Fragetechnik. Er »nervte« seine Gesprächspartner so lange mit Fragen, bis sie von selbst auf die Wahrheiten kamen. Mäeutik nennt sich das mit Fachbegriff, was so viel wie »Hebammenkunst« bedeutet: Etwas, was schon angelegt ist, wird hervorgeholt. Sokrates wandte diese ergebnisoffene Erkenntnistheorie, auch bekannt als »sokratische Methode« oder »sokratischer Dialog«, bevorzugt in aller Öffentlichkeit an, nämlich auf dem Marktplatz von Athen. Dort rückte er seinen Zeitgenossen auf den Pelz und verwickelte sie in Gespräche. Nun ist das noch nichts ungewöhnliches, die Griechen nannten es »Agorazein« (von gr. Agora = der Platz), was man mit »auf dem Markt verkehren« übersetzen kann. Der Kulturgeschichtler Egon Friedell (1878-1938) bezeichnet diese Tätigkeit treffend als »Herumlungern« mit dem Ziel, Nachrichten und Klatsch auszutauschen, Geschäfte zu machen, zu philosophieren...


Sokrates brachte es darin zur wahren Meisterschaft. Zwar förderte er philosophische Erkenntisse über das Gute, die Tapferkeit, die Ethik, das Seelenheil etc. zu Tage, wurde aber letztendlich mit dem Schierlingsbecher ins Jenseits befördert. Das Todesurteil lautete: verderblicher Einfluss auf die Jugend und Missachtung der griechischen Götter.


Wie Sokrates »Ich weiß, dass ich nicht weiß« - geht auch Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstocher Langstrumpf unvoreingenommen an die Dinge heran. An dem kleinen Mädchen, das so stark ist, dass es ein Pferd tragen kann, fasziniert seine anarchische Art. Pippi ist unangepasst und unabhängig. Sie lebt mit Pferd und Affe ganz allein in der Villa Kunterbunt und lässt sich nichts vorschreiben. Ihr Freiheitsdrang ist nicht zu stoppen, auch nicht durch die örtliche Fürsorgebeauftragte und die Dorfpolizisten, die sie ins Kinderheim stecken wollen. Pippis Logik ist entwaffnend: »Ich bin ein Kind und das ist mein Heim, also ist es ein Kinderheim!« Ein Koffer voller Gold von ihrem Vater, einem Kapitän, beschert ihr finanzielle Unabhängigkeit.


Wie Sokrates blickt auch die rotbezopfte Schwedin hinter die Dinge und auch sie hat einen Schülerkreis, nämlich die braven Nachbarskinder Thomas und Annika, die sich, sehr zum Leidwesen ihrer Eltern, von der rebellischen Pippi anstecken lassen. Ihnen zeigt das »stärkste Mädchen der Welt«, was es heißt, selbst zu denken und auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Wie es mit Pippi weiterging, wissen wir nicht, hoffen aber, dass sie sich nicht brechen ließ und ihr nonkonformistisches Leben fortsetzte.


Weder Sokrates noch Pippi Langstrumpf haben Schriftliches hinterlassen. Die Gedanken des alten Griechen wären verloren, hätte sie nicht sein Schüler Platon in seine zahlreichen »Dialoge« fließen lassen. Die kleine Rebellin hingegen wurde bekannt durch die Aufzeichnungen Astrid Lindgrens (in den 1940er-Jahren erzählte die Schriftstellerin ihrer kranken Tochter zur Aufmunterung die Pippi-Geschichten) - ja, natürlich ist alles nur eine Fiktion, aber haben wir uns nicht immer gewünscht, Pippi würde wirklich existieren und auch mit uns eines Tages spannende Abenteuer erleben?


Zwei norwegische Philosophen haben ein ebenso amüsantes wie kluges Buch über das ungleiche Paar geschrieben. Sie sind überzeugt: Pippi und Sokrates sind Zwillinge im Geiste. Beiden wohnt eine unglaubliche Sprengkraft inne, die die folgenden Generationen nachhaltig prägte. Und so lernen wir nicht nur das eigenwillige sommersprossige Mädchen, sondern auch den großen Denker von einer ganz neuen Seite kennen und erhalten ganz nebenbei eine vortreffliche Einleitung in die Geschichte der Philosophie.


http://www.jokers.de/3/14308595-1/buch/pippi-sokrates.html


Außerdem finden Sie bei Jokers die berühmten Pippi-Filme in der Jubiläumsausgabe auf DVD und dazu spannende Bücher über Sokrates!


http://www.jokers.de/3/15963302-1/dvd/pippi-langstrumpf-jubilaeumsedition-2-dvds.html

http://www.jokers.de/3/16433032-1/buch/socrates.html

http://www.jokers.de/3/14759172-1/buch/sokrates-fuer-manager.html


Bild: wikimedia


15.02.2011, 14.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Astrid Lindgren zum 100.

Astrid LindgrenIn diesen Tagen feiert die litera- rische Welt den 100. Geburtstag der wohl bekanntesten schwedischen Schriftstellerin: Am 14. November 1907 wurde Astrid Anna Emilia Ericsson, später bekannt als Astrid Lindgren, auf Näs bei Vimmerby geboren.

Das erstaunliche an ihrer Karriere ist, dass sie erst mit Mitte Dreißig anfing, Geschichten zu schreiben. Wie sie selbst später sagte, lag das an ihrem Umfeld, das sie bereits als Kind zur Schriftstellerei drängte: „Schon in meiner Schulzeit erhoben sich warnende Stimmen: ´Du wirst mal Schriftstellerin, wenn du groß bist.´ (…) Das entsetzte mich derart, dass ich einen förmlichen Beschluss fasste: Niemals würde ich ein Buch schreiben. (…) Ich hielt mich nicht für berufen, den Bücherstapel noch höher anwachsen zu lassen.“

Erst als ihre Tochter Karin 1941 krank im Bett lag und sich eine Figur mit dem Namen Pippi Langstrumpf ausgedacht hatte, schrieb Lindgren die passende Geschichte dazu und schenkte sie ihrer Tochter zum Geburtstag. Drei Jahre später schickte sie die Geschichte einem Verlagshaus, das sie prompt ablehnte. 1945 versuchte sie es noch einmal bei einem anderen Verlag – und hatte Glück. 1946 erschien „Pippi Langstrumpf geht an Bord“, 1948 „Pippi in Taka-Tuka-Land“. Ab da war das Eis gebrochen und Lindgren schrieb bis zu ihrem Tod zahllose Kinderbücher, die bis heute schlicht und einfach unerreicht sind. Darunter zum Beispiel „Kalle Blomquist“ (1946), „Wir Kinder aus Bullerbü“ (1947), „Karlsson vom Dach“ (1955), „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“ (1958), „Madita“ (1960), „Michel aus Lönneberga“ (1963) und „Ronja Räubertochter“ (1981).

1978 wurde Astrid Lindgren der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen – als erster Kinderbuchautorin überhaupt. Ihr ganzes Leben lang hatte sich Lindgren für den Tierschutz und die Menschenrechte, vor allem die Rechte der Kinder, eingesetzt.

Sie muss eine tolle Person gewesen sein. So kletterte sie noch zu ihrem 80. Geburtstag auf einen Baum, mit dem Kommentar, es gäbe „kein Verbot für alte Weiber, auf Bäume zu klettern.“ Am 28. Januar 2002 starb sie mit 94 Jahren in Stockholm. Die literarische Welt hat ihr viel zu verdanken.

Zu unserem Lindgren-Special geht es hier!

Astrid Lindgren-Special

Und hier kann man Fragen zu Astrid Lingren beantworten:

Fragen zu Astrid Lingren


15.11.2007, 10.21 | (3/1) Kommentare (RSS) | (2) TB | PL

Wendy:
Hallo, vielen Dank für den Buchtipp! Das Buch
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Obwohl Polit-Thriller nicht so ganz mein Genr
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großartiger film! unbedingt ansehen! politthr
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