
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Autobiografie
Ein weiser Mann
In diesen Tagen wäre Hermann Hesse 130 Jahre geworden, Grund genug, diesen großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zu würdigen. Zumal seine Werke „Narziss und Goldmund“, „Der Steppenwolf“, „Das Glasperlenspiel“ und „Siddhartha“ in einem bestimmten Alter zu meinen absoluten Lieblings- büchern zählten. Geboren wurde Hesse am 2. Juli 1877 in der Württembergischen Stadt Calw als eins von 5 Kindern. Dank seines weltoffenen und intellektuellen Eltern- hauses (Vater und Mutter hatten als Missionare in Indien gearbeitet) ent- wickelte er schon früh eine pazifistische Ader, einen Protest gegen alles Totalitäre und einen starken Individualismus.
Nach einer gescheiterten Buchhändlerlehre und 14 Monaten als Mechanikerlehrling arbeitete er ab 1899 in Basel als Buchhändler und Antiquar.
Mit dem Roman „Peter Camenzind“ gelang Hesse 1903 der Durchbruch als Schriftsteller. 1904 heiratete er die Baseler Fotografin Maria Bernoulli. Mit ihr bekam er insgesamt drei Söhne: Bruno (1905–1999), Hans Heinrich, auch „Heiner“ genannt (1909–2003) und Martin (1911–1968).Nach der Trennung von seiner Frau und drei Kindern siedelte Hesse 1919 allein ins Tessin über. 1924 heiratete er Ruth Wenger, allerdings ging die Ehe drei Jahre später ebenfalls in die Brüche. 1931 heiratete er zum dritten Mal, und zwar Ninon Dolbin.
Als wichtigste Meilensteine seines schriftstellerischen Schaffens gelten 1906 „Unterm Rad“, 1910 „Gertrud“, 1914 „Roßhalde“, 1919 „Demian“, 1920 „Klingsors letzter Sommer“, 1922 „Siddhartha“, 1927 „Der Steppenwolf“, 1930 „Narziss und Goldmund“ und 1943 „Das Glasperlenspiel“.
Hermann Hesse starb am 9. August 1962 an einem Gehirnschlag. Er liegt auf dem Friedhof Sant´Abbondio in Gentilino bei Montagnola begraben.
Sein komplettes Lebenswerk lässt sich als Autobiografie lesen, mit der Hesse den Leser auf einen „Weg nach innen“ führt. Am besten verdeutlicht das sein Gedicht „Stufen“.
Sollte glatt mal wieder etwas von ihm lesen!
13.07.2007, 08.05 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die neue Ehrlichkeit
Selbstdarstellung ist out, ehrliche Menschlichkeit in. So titelte neulich ein Frauenmagazin, das mir zufällig im Zahnarztwartezimmer in die Hände fiel. Das Erstaunliche war, dass es um Autobiografien ging. Vorbei seien die Zeiten, in denen sich Prominente wie „Normalsterbliche“ für große Taten, für Außergewöhnliches rühmten. Vielmehr interessiere heute die menschliche Komponente, die Selbst- erfahrung. Als Paradebeispiel wurde der Entertainer Hape Kerkeling herausgestellt. In seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ schildert er seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Das Buch war 2006 viele Wochen ein Bestseller und wird auch heute noch prächtig verkauft.
In eine ähnliche Richtung geht auch „Was in zwei Koffer passt“ von Veronika Peters. In ihrer Biografie schildert sie ihre Klosterjahre. Mit 21 Jahren be- schloss sie, in ein benediktinisches Kloster zu gehen. Sie beschreibt, wie sie knapp 12 Jahre als Nonne lebte, erzählt von ihrem Alltag im Kloster, welche Konflikte sie mit sich und ihren Mit- schwestern austragen musste, und wie sie letztendlich mit 33 Jahren in ihr „altes“ weltliches Leben zurückkehrte. Eine sehr ehrliche, ruhige, unaufgeregte Biografie, die nur wenig gemein hat mit Dieter Bohlens „Nichts als die Wahrheit“ oder anderen reißerischen Selbst- darstellungen.Der Trend weg von der Prominenten-Maske hin zu einer neuen Ehrlichkeit kann nur gut sein. Wenn ich wüsste, ob diese Autobiographien alle ehrlich sind, würde ich ja glatt mal eine lesen.
06.07.2007, 09.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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