Jokers Blog Deutschland

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Autor

Vom Leiden des Lesers

Kennen Sie das auch? Zufällig haben Sie einen Ihnen unbekannten Autor entdeckt, haben wahllos eines seiner Bücher aus dem Regal gegriffen und gekauft: der Anfang einer großen Leidenschaft. Wochen später ertappen Sie sich dabei, wie Sie sämtliche Ihnen bekannten Online Shops nach dem 8., gerade neu erschienenen Fortsetzungsroman der Serie Ihres neuen Lieblingsautors durchsuchen, seine Werke vielleicht sogar im Original bestellen, weil sie noch nicht auf Deutsch erschienen sind, und sich Tage lang in ihren vier Wänden verbarrikadieren, um zu lesen. Sie tauchen ein in eine wunderbare, spannende, mitreißende Welt schwelgerischen Lesegenusses.


436692_R_K_B_by_Cisco Ripac_pixelio.de.jpgDoch dann passiert es: Lange nach Mitternacht haben Sie die allerletzte Zeile des bislang letzten Werks des Autors gelesen und Sie fallen in ein tiefes Loch. Es ist sogar möglich, dass Sie den Rest dieser sowieso schon kurzen Nacht nicht mehr schlafen können, weil Sie Gedanken um all die endlosen Tage machen, die sich scheinbar ewig düster ohne neuen Lesestoff von ihrem liebgewonnenen Dichter dahin strecken.


Müde klicken Sie sich am nächsten Feierabend durch die Listen mit Neuerscheinungen im Internet, doch irgendwie schafft es kein Titel, kein Autor, erneut Ihr Interesse zu wecken. Ich habe viele solcher deprimierender Phasen hinter mir: Immer dann, wenn ich einen Schriftsteller entdeckte, sah ich mich irgendwann damit konfrontiert, dass auch das beste Buch einmal zu Ende ist.


Zwischenzeitlich habe ich gelernt, wie ich mir »die Phase danach« etwas erleichtern kann. Ich habe es aufgegeben, unzählige andere Werke anzulesen, nur, um sie nach der zwanzigsten Seite enttäuscht aus der Hand zu legen (das hat wahrlich kaum ein Buch verdient), weil sowieso keines meine akut überhöhten Ansprüche erfüllen könnte. Wenn ich heute ein Buch, das mich zutiefst begeisterte, fertig gelesen habe, versüße ich mir die Wartezeit auf meine nächste heiße Buchflamme mit Verfilmungen früherer Lieblingstitel von mir. Und siehe da, die Stimulierung anderer sensorischer Kanäle (also Filmgucken statt Lesen) hilft tatsächlich meinen Kopf frei zu machen für weitere Buchentdeckungen.


Als es also letztens wieder so weit war und schweren Herzens die Lektüre zuklappte, die mich über Wochen gefesselt hielt, besorgte ich mir am nächsten Tag die Doppel-DVD zu genau jenen Geschichten, die mich in Jugendjahren um den Schlaf brachten: Verfilmungen zu »Die unendliche Geschichte« und »Momo«. Wer hätte es geglaubt: Zur Zeit verbringe ich jede Nacht mit Harlan Coben. Meine Augenringe sprechen für sich...


Bild: Buch © Cisco Ripac/www.pixelio.de




28.11.2011, 09.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL

»Von guten Mächten wunderbar geborgen«

Sie ist das derzeit wohl bekannteste Gesicht der evangelischen Kirche und das, obwohl sie keine hohe Position mehr innehat. Viel mehr noch: Wegen einer peinlichen Alkoholfahrt im Februar 2010 trat sie von ihren Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin von Hannover zurück. Es hat ihr nicht geschadet, im Gegenteil: Sie ist daran gewachsen und auch die Achtung ihr gegenüber wuchs. Margot Käßmann hat das schier Unmögliche erreicht: Durch einen Fehltritt bzw. ihre Reaktion darauf hat sie Sympathien und Respekt gewonnen. Sie ist noch glaubwürdiger geworden, als sie es ohnehin schon war.


Die 1958 in Marburg geborene evangelisch-lutherische Theologin fiel während ihrer gesamten kirchlichen Laufbahn durch schonungslose Offenheit auf. Als sie 2006 an Brustkrebs erkrankte, machte sie das ebenso öffentlich wie ihre Scheidung ein Jahr später. Durch ihre Sympathien für feministische Theologie und das Verständnis für offen gelebte Partnerschaften homosexueller Pfarrer sorgte sie für Konfliktpotential in kirchlichen Kreisen, ebenso durch ihre Forderung nach radikaler Ökumene und einem Dialog mit dem Islam. Auch ihr bedingungsloses Eintreten für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahren der Schöpfung brachte ihr nicht nur Freundschaften ein. Ins Zentrum der Öffentlichkeit geriet Margot Käßmann durch ihre Kritik am Bundeswehreinsatz in Afghanistan. »Nichts ist gut in Afghanistan«, sagte sie in ihrer Weihnachtspredigt 2009. Ihrer Meinung nach seien der Rückzug der Armeen und zivile Konfliktbewältigungsstrategien der einzige Weg, dem gebeutelten Land Stabilität zu verleihen.


Nach ihrem Rückzug aus öffentlichen Ämtern, derzeit hat sie eine Gastprofessur an der Bochumer Ruhr-Universität, wurde es um Margot Käßmann keineswegs stiller. Auf dem evangelischen Kirchentag in Dresden, der Anfang Juni stattfand, war sie der Star, der die Massen anzog und wurde als »Mutbürgerin« gefeiert, wie es Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt ausdrückte. Und auch hier war Afghanistan wieder ihr großes Thema, mit dem sie kontroverse Diskussionen auslöste mit ihrer Meinung, es sei sinnvoller, mit den Taliban zu beten, als Tanklastzüge zu bombardieren.


Woher nimmt diese Frau den Mut und die Energie, immer und überall unbequem zu sein, anzuecken, sich einzumischen, die Stimme zu erheben und zu mahnen? Vielleicht liegt es an ihrer Grundüberzeugung: »Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand!«


Gedanken von Margot Käßmann gibt es hier auf DVD:


"Margot Käßmann in der Mitte des Lebens" bei Jokers



Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger


26.07.2011, 15.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein Pole, der mir ans Herz gewachsen ist

Gäbe es einen Preis für den kompliziertesten Autorennamen, wäre dieser hier einer meiner Favoriten: Andrzej Szczypiorski. Ausgesprochen klingt der polnische Name wunderbar melodisch, beim Schreiben muss man sich allerdings richtig konzentrieren.

Literarisch ist Szczypiorski einer meiner Favoriten, seitdem ich seinen wohl bekanntesten Titel, „Die schöne Frau Seidenman“ gelesen habe. Was da aus dem Warschau während des Zweiten Weltkriegs geschildert wird, ist nichts weniger als ein ganzes Universum an menschlichen Empfindungen – Feigheit, Mitgefühl, Hass, Wahnsinn und Hoffnung. Viele Einzelschicksale spiegeln sich in der Verhaftung der jüdischen Arztwitwe Irma Seidenman und erzählen dabei Polens wechselvolle Geschichte zu dieser Zeit.

Der_Teufel_im_Graben.jpgDass Andrzej Szczypiorski ein philosophischer Chronist und sensibler Beobachter ist, zeigt sich auch in seinem Buch „Der Teufel im Graben“. Hier wirft die Vergangenheit des Krieges erneut Schatten auf das Dasein der handelnden Personen und lässt die Zeiten verschwimmen. In einem Nest in der polnischen Provinz trifft der durchreisende Stanislaw Ruge auf Rostocki, der in diesem Dorf lebt und Ruge für einen ehemaligen Kollaborateur hält. Der Verdächtige wird am folgenden Tag tot auf den Bahngleisen aufgefunden – war es tatsächlich Selbstmord?

Das bei Andrzej Szczypiorski immer wiederkehrende Motiv der Kriegs- und Nachkriegszeit erklärt sich aus seiner Biographie: Er erlebte als Jugendlicher die Besetzung seiner Heimatstadt Warschau durch die Deutschen, zeitweise war er im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Rastlose politische Aktivität kennzeichnete sein ganzes Leben, noch in den neunziger Jahren war er Mitglied des polnischen Parlaments.

Szczypiorskis Todestag jährt sich in diesen Tagen zum zehnten Mal – Grund genug, den polnischen Autor und ein Stück literarisches Europa (wieder)zu entdecken.

„Der Teufel im Graben“ bei Jokers

Bild Königspalast Warschau: Bernd Schwarz/pixelio.de

28.05.2010, 14.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Welt der verbrannten Bücher

Das Buch der verbrannten BücherErich Kästner gehört zu den deutschen Kinderbuch-Autoren, die in der ganzen Welt bis heute am meisten gelesen werden. Seine bekanntesten Werke “Emil und die Detektive”, “Pünktchen und Anton” und “Das doppelte Lottchen” wurden in über 100 Sprachen übersetzt und teilweise mehrfach verfilmt.

Doch seine bezaubernden Kinderbücher, die auch noch Erwachsene verzücken, waren nicht immer so beliebt, wie sie heute sind: In der Nazizeit hatte der deutsche Literat nicht nur Publikationsverbot, seine Bücher wurden sogar verbrannt. Es lag sicher auch an seinen Antikriegs-Gedichten, die trefflich die kalte Sinnlosigkeit von Waffengewalt beschreiben. Das folgende Gedicht sollte man kennen:




Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn






Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?

Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.

Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!

Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!

Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.

Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein.
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.

Selbst Geist und Güte gibt's dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.

Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!

Unser heutiges Angebot „Das Buch der verbrannten Bücher“ sollte in ihrem Regal nicht fehlen: Es bewahrt Dutzende von Texten, die einst dem Flammentod zum Opfer fielen. Volker Weidermann hat diese einmaligen Schriftstücke, die gleichsam ein Porträt ihrer Zeit sind, gesammelt. Klassiker finden sich hier neben wieder zu entdeckenden Schätzen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

01.02.2010, 08.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein Ausflug in die Fantasy

Karen DuveLisvana lebt in Snögglingduralthorma. Ok, werden Sie vielleicht denken, wir befinden uns offensichtlich irgendwo bei „Herr der Ringe“ oder in ähnlich sagenhaften Gefilden. Dort, wo Elfen und Trolle wohnen und wo alle wallende Gewänder tragen. In gewisser Weise stimmt das auch, denn das Land mit dem unaussprechlichen Namen ist wirklich ein Reich voller märchenhafter Wesen. Erfunden hat es Karen Duve und es ist Handlungsort ihres Romans „Die entführte Prinzessin“.

Wer schon einmal etwas von Karen Duve gelesen hat, dürfte sich nicht wenig wundern, ist die Hamburger Autorin doch eher für ihre schnoddrig-modernen Bücher wie „Dies ist kein Liebeslied“ oder „Taxi“ bekannt. Aber Frau Duve kann auch anders, wie sie uns mit „Die entführte Prinzessin“ beweist.

Hier geht es um eine Brautwerbung, die grandios mit Märchenmotiven und Elementen der Fantasy-Welt spielt. Zwei Galane buhlen trotz popeliger Mitgift um die Gunst einer schönen Königstochter. Kammerjungfern, Drachen mit Mundgeruch, edle Ritter und Zwerge geben sich ein Stelldichein – eine schillernde, bunte Märchen-Parodie! Etwas, was typisch für die Schriftstellerin ist, bleibt aber zur Freude der Duve-Leser auch bei diesem Genrewechsel erhalten: Spaß, Humor und Unterhaltung. Sie versteht es, überall komische Momente zu platzieren, zu überzeichnen und amüsant zu parlieren.

Ganz offensichtlich hatte die Autorin großes Vergnügen am Ausflug in die Fantasy- und Märchenwelt und das überträgt sich! Wer also einmal Karen Duves andere Seite entdecken und sich dabei köstlich amüsieren möchte, ist hier richtig. Und absolut fantastisch ist natürlich auch unser Preis.

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

23.11.2009, 08.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Beam mich in den Urlaub

BossanovaBossa Nova. Klingt nach Sommernacht und kühlen Drinks. Für mich der perfekte Soundtrack für heiße Nächte, genauso wie Bar- und Loungemusik aus Kuba und anderen karibischen Ländern. Der Trend zu den coolen Sounds ist seit einigen Jahren ungebrochen und ich finde, man kann (und will) sich dem auch gar nicht entziehen.

Weil ich mir in meinem Alter nicht mehr die Nächte in irgendwelchen Clubs um die Ohren schlage, ist es schön, wenn sich die südlichen Klänge auf der heimischen Terrasse ausbreiten und sich der Feierabend irgendwie ein wenig lässiger anfühlt.

Ich kann vom Urlaub träumen oder mir vorstellen, weißer Strand und zart brandendes Meer lägen gleich hinter dem Rasen. Die Tageshektik verschwindet mehr und mehr und macht Platz für Entspannung.

Nun will ich der Art von Musik nicht Unrecht tun und sie komplett in den Hintergrund verweisen, aber man kann natürlich auch wunderbar dazu lesen. Zum Beispiel mal wieder südamerikanische Autoren wie Isabel Allende, Carlos Fuentes oder Mario Vargas Llosa. Die finden Sie natürlich bei Jokers zum kleinen Preis.

Es muss also nicht immer der ganz große Urlaub sein – manchmal bewirkt ein wenig Chillout-Musik in Begleitung eines stimmungsvollen oder spannenden Buches auch schon ganz viel. Probieren Sie es doch einfach mal aus, es kostet ja schließlich nicht viel:

Chillout-Musik

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

19.08.2009, 13.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Kafka, der unsterbliche Klassiker

KafkaAn einem Dritten wurde er geboren, an einem Dritten starb er: Nur 41 Jahre war Franz Kafka alt, als er am 3. Juni 1924 verstarb. Vier Wochen später, am 3. Juli, hätte er Geburtstag gefeiert. Franz Kafka ist ein Autor der europäischen Moderne, der internationale Bedeutung erreichte. Hierzulande gibt es wohl keine Schule, in der nicht zumindest eines seiner Werke im Unterricht gelesen wird.

Doch Kafkas Werke sind mannigfaltiger Interpretation unterworfen, bei ihm verschwimmt die Grenze zwischen öffentlichen Schriften und privater Kommunikation ständig. Obwohl sich schon Heerscharen von Literaturwissenschaftler über seine Texte gemacht haben, werfen sie noch immer schwierige editorische Probleme auf, die nicht nur Herausgeber und Verlage, sondern auch die Leser betreffen.

Die meisten seiner literarischen Texte vollendete und publizierte er nicht, auch seine drei Romane „Der Verschollene“, „Der Process“ und „Das Schloss“ blieben fragmentarisch. Viele Tagebucheinträge, Aufzeichnungen oder Briefe von Kafka sind von derart hohem sprachlichem und formalen Niveau, dass man sie fast für einen beabsichtigten und bewusst ausformulierten Nachlass an die Welt erachten könnte. Kafka selbst schien nicht stringent zwischen Privatem und Öffentlichem zu unterscheiden. Für seine Textentwürfe und Ideen wie auch für seine privaten Notizen verwendete er oft den gleichen Schreibblock.

Sein Leben ist geprägt von tiefen und intensiven Freundschaften, doch sein Liebesleben war eher tragisch als erfüllt, selbst wenn er in den letzten Lebensmonaten doch noch eine starke Beziehung zu erleben schien. Seine diversen Verlobungen und Entlobungen zuvor deuten darauf hin, dass Franz Kafka seine eigenen Vorbehalte Bindungen gegenüber nie überwinden konnte.

Für alle, die sich noch mehr für Kafka interessieren, habe ich einen Lebenslauf dieses facettenreichen Menschen zusammengestellt.

1883 Am 3. Juli wird Franz Kafka in Prag geboren.
1885-1888 Geburt zweier Brüder, beide sterben als Kleinkinder.
1889-1892 Die Schwestern Gabriele, Valerie und Ottilie werden geboren.
1889-1893 Besuch der Deutschen Volks- und Bürgerschule.
1893-1901 Besuch des Altstädter Deutschen Gymnasiums und Abitur.
1901 Beginn des Jura-Studiums an der Prager Deutschen Universität.
1902 Oktober: Begegnung mit Max Brod. Beginn der lebenslangen Freundschaft.
1904 Beginn der Arbeit an der 1. Fassung von Beschreibung eines Kampfes. Begegnung mit Oskar Baum.
1906
  • Juni: Promotion.
  • Oktober: Beginn des einjährigen Rechtspraktikums am Landes- und am Strafgericht.
1907
  • Beginn der Arbeit an der 1. Fassung von Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande. Begegnung mit Hedwig Weiler.
  • Oktober: Anstellung als Hilfskraft bei einer Versicherungsgesellschaft.
1908
  • März: Veröffentlichung kleiner Prosastücke unter dem Titel Betrachtung in der Zeitschrift Hyperion.
  • 30. Juli: Eintritt in die halbstaatliche Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen in Prag. Beginn der erhaltenen Tagebucheintragungen. Erste Begegnung mit Franz Werfel.
  • September: Reise mit Max Brod und dessen Bruder Otto nach Norditalien. Ausflug zu einem Flugtreffen, das Kafka in seinem Text Die Aeroplane in Brescia beschreibt.
  • Herbst: Arbeit an der Zweitfassung von Beschreibung eines Kampfes.
1910 Oktober: Reise mit Otto und Max Brod nach Paris.
1911 August/September: Reise mit Max Brod in die Schweiz, nach Italien und Frankreich. Freundschaft mit dem Schauspieler Jizchak Löwy. Kafka und sein Schwager Karl Hermann gründen die Erste Prager Asbest-Fabrik.
1912
  • Arbeit an der 1.Fassung des Romans Der Verschollene, die Kafka später vernichtet.
  • Juni/Juli: Reise mit Max Brod nach Leipzig und Weimar. Begegnung mit den Verlegern Kurt Wolff und Ernst Rowohlt. Aufenthalt im Naturheilsanatorium Jungborn bei Stapelburg im Harz.
  • August: Erste Begegnung mit Felice Bauer, seiner späteren Verlobten.
  • September: Beginn des intensiven Briefwechsels mit Felice Bauer. Das Urteil entsteht. Tägliche Arbeit an der 2. Fassung von Der Verschollene.
  • Dezember: Die Verwandlung entsteht.
1913
  • Januar: Abbruch der Arbeit an Der Verschollene.
  • März: In Berlin erstes Wiedersehen mit Felice Bauer.
  • Mai: Der Heizer (das 1. Kapitel von Der Verschollene) erscheint im Kurt Wolff Verlag.
  • Juni: Das Urteil erscheint im Jahrbuch Arkadia (hrsg. von Max Brod). Beginn der Freundschaft mit dem Schriftsteller Ernst Weiß.
  • September/Oktober: Reise allein nach Wien, Venedig, Gardasee. Sanatorium Dr. von Hartungen in Riva.
1914
  • 1. Juni: Verlobung mit Felice Bauer.
  • 12. Juli: Bei einer von Kafka als „Gerichtshof“ empfundenen Auseinandersetzung in Berlin wird die Verlobung aufgelöst.
  • 28. Juli: Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg (Beginn des Ersten Weltkriegs).
  • August: Beginn der Arbeit am Roman Der Process.
  • Oktober: In der Strafkolonie entsteht.
  • Dezember: Das Fragment Der Dorfschullehrer entsteht.
1915
  • Januar: Kafka gibt die Arbeit am Process auf. Erneute Annäherung an Felice Bauer.
  • April: Reise nach Ungarn.
  • Juli: In einem Sanatorium in Rumburg (Rumburk) in Nordböhmen.
  • Oktober: Die Verwandlung erscheint bei Kurt Wolff.
1916
  • Juni: Kafka wird aus beruflichen Gründen vom Militärdienst freigestellt.
  • Juli: In Marienbad gemeinsamer Urlaub mit Felice Bauer. Neuerlicher Entschluss zur Heirat.
  • November: Kafka liest in München In der Strafkolonie
  • Im folgenden Winter entstehen dort zahlreiche kürzere Erzählungen und Fragmente, darunter Ein Landarzt, Schakale und Araber, Beim Bau der chinesischen Mauer und Auf der Galerie.
1917
  • April: Ein Bericht für die Akademie entsteht.
  • 10. August: Lungenblutsturz.
  • September: Kafka bittet wegen der diagnostizierten Tuberkulose um Pensionierung, was jedoch abgelehnt wird. Er übersiedelt zu seiner Schwester Ottla nach Zürau.
  • Oktober: Kafka beginnt, aphorismenartige Texte zu schreiben.
  • Ende Dezember: Endgültige Trennung von Felice Bauer.
1918
  • Mai: Ende der Beurlaubung.
  • Oktober: Sturz der österreichisch-ungarischen Monarchie, Proklamation der Tschechoslowakei als Republik. Kafka erkrankt an der Spanischen Grippe.
  • Ende November: Kafka fährt nach Schelesen (Želizy), wo er bis März in einer Pension lebt.
1919
  • Ende Januar: In Schelesen Begegnung mit der Prager Angestellten Julie Wohryzek.
  • Sommer: Verlobung mit ihr.
  • Oktober: In der Strafkolonie erscheint bei Kurt Wolff. Kafka sagt die geplante Heirat ab.
  • November: In Schelesen schreibt Kafka den Brief an den Vater.
1920
  • März: Ernennung zum „Anstaltssekretär“.
  • April: Kafka fährt für drei Monate auf Kur nach Meran.
  • Mai: Bei Kurt Wolff erscheint Ein Landarzt. Kleine Erzählungen.
  • Juli: Er löst die Verlobung mit Julie Wohryzek auf.
  • Dezember: Beginn eines achtmonatigen Kuraufenthalts in Matliary in der Hohen Tatra.
1921 Februar: Beginn der Freundschaft mit dem Studenten Robert Klopstock.
1922
  • Januar: Beginn der Arbeit an dem Roman Das Schloss.
  • Februar: Kuraufenthalt in Spindelmühle (Špindlerův Mlýn) im Riesengebirge.
  • Frühjahr: Ein Hungerkünstler entsteht.
  • Juni: Forschungen eines Hundes entsteht. Kafka fährt für etwa drei Monate nach Planá in Südböhmen.
  • 1. Juli: „Vorübergehende“ Pensionierung.
August: Abbruch der Arbeit an Das Schloss.
1923
  • Juni: Letzte erhaltene Tagebucheintragung.
  • Juli: Kafka fährt für ca. einen Monat nach Müritz an der Ostsee, wo er Dora Diamant trifft.
  • September: Kafka übersiedelt nach Berlin-Steglitz. Er bezieht wechselnde gemeinsame Wohnungen mit Dora Diamant.
  • November/Dezember: Eine kleine Frau und Der Bau entstehen. Verschlechterung von Kafkas Gesundheitszustand.
1924
  • März: Rückkehr nach Prag. Josefine, die Sängerin entsteht.
  • April: Kafka reist in das Sanatorium „Wiener Wald“ in Ortmann, Niederösterreich. Hier erfolgt die Diagnose der Kehlkopftuberkulose. Überführung in die Universitätsklinik Wien, später in das Sanatorium Dr. Hugo Hoffmann in Kierling bei Klosterneuburg.
  • 3. Juni: Kafka stirbt gegen Mittag.
  • 11. Juni: Bestattung auf dem jüdischen Friedhof in Prag-Straschnitz.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

18.08.2009, 08.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Eine spanische Bestsellerautorin

Corín Tellado ist tot: Im Alter von 81 Jahren starb die berühmte Autorin von Liebesromanen in einem Krankenhaus in Gijón, der nordspanischen Hafenstadt. Am 12 Oktober 1946 wurde ihr Erstlingswerk veröffentlicht, bis heute verfasste sie mehr als 4000 Titel, von denen mehr als 400.000.000 Stück verkauft wurden.

Colín Tellado, die unter dem Namen María del Socorro Tellado geboren wurde, ist die meist gelesene spanische Schriftstellerin. Nur Miguel de Cervantes, der berühmte Autor von Don Quijote kann sich in der spanischen Literatur an Reichweite mit ihr messen. Am 25. April 1927 wurde die Liebesroman-Autorin in Asturias geboren, ihre literarische Karriere dauerte mehr als ein halbes Jahrhundert. Unter ihrem Alias Ada Miller verfasste sie auch erotische Geschichten, doch ihr Hauptwerk umfasst neben Kinder- und Jugendbüchern romantische Erzählungen.

Dabei machte sie jedoch trotz ihrer rosaroten Liebesromane keinen Hehl aus ihrer ambivalenten Einstellungen gegenüber der von Männern dominierten Welt. In Interviews betonte sie beispielsweise stets, dass auch noch ihre Enkelinnen keineswegs vollständige Gleichberechtigung erleben würden und sie prangerte an, dass die Welt von einer männlichen Gesetzgebung regiert wird.

Für alle Jokers Freunde, die des Spanischen mächtig sind, habe ich als besonderen Link-Tipp die Homepage von Corín Tellado: Unter http://www.corintellado.com finden sich zahlreiche Informationen und einige Interviews, die mit der wunderbaren Autorin geführt wurden. Für ihr gesamtes Werk erhielt sie mehrere Auszeichnungen, vor allem in ihrer Heimatregion Asturien in Nordspanien.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

05.05.2009, 08.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der letzte Welterklärer

Zwischen den FrontenEr gilt laut SPIEGEL als der „letzte Welterklärer“: Peter Scholl-Latour. Der Nahostexperte hat nun seinen 85. Geburtstag gefeiert. Südostasien, China, Afrika, Vorderer Orient, Vereinigte Staaten – Scholl-Latour war nahezu überall auf der Welt und gilt auch als Experte für den Islam. All das macht ihn zu einem überaus beliebten Talk- showgast. Der eloquente Journalist eignet sich mit seinen oft kontroversen Thesen natürlich hervorragend für Fernsehdiskussionen. Er eckt an und ist alles andere als unumstritten in der deutschen Medienszene, unter anderem auch deshalb, weil er sich bisweilen kritisch gegenüber den USA äußert.

Wie auch immer man zu seiner politischen Gesinnung und seinen Sichtweisen auf die Krisenregionen der Welt stehen mag, eines steht fest, wie ich finde: Er versteht es, den oft auf die eigene Umgebung beschränkten Blick auf die Gegenden zu richten, die von unhaltbaren Zuständen geprägt sind. Die Menschen, die dort leben, verschwinden nach kurz aufflackerndem Interesse in der Regel schnell aus unserem Blickfeld. Peter Scholl-Latour weist mit seinen Filmen und Büchern immer wieder auf die Pulverfässer und Konfliktherde der Welt hin. Mit fast jedem seiner insgesamt 29 Titel landete der Journalist auf den Bestsellerlisten und ist damit Deutschlands erfolgreichster Sachbuchautor.

Machen Sie sich selbst ein Bild vom „Welterklärer“ Scholl-Latour und beschäftigen Sie sich mit seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Journalist und Korrespondent. Mag man ihm auch nicht in allem zustimmen, so ist die Beschäftigung mit seinem umtriebigen und gefährlichen Berufsleben doch zweifellos eine spannende Lektüre.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

02.05.2009, 01.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Lieben Sie feine Ironie?

Sie heißen Antal Szerb, János Székely, Imre Kertész oder Sándor Márai: ungarische Autoren, die die Literatur des 20. Jahrhunderts mitgeprägt haben und es wert sind, entdeckt oder wiedergelesen zu werden.

50 Jahre völlig in Vergessenheit geraten, wurde man auf Sándor Márai aufmerksam, als sein Roman „Die Glut“ 1999 in einer Neuübersetzung auf Deutsch erschien. Eine tragische Dreiecksbeziehung voller Leidenschaft, Verrat , Treue und Stolz und ein großer Erfolg auf dem Buchmarkt. Márais wichtigste Werke sind inzwischen alle auf Deutsch erhältlich.

Auch Imre Kertész gehört vor allem mit seinem „Roman eines Schicksallosen“ – der Schilderung seiner KZ-Erlebnisse – zweifellos zu den großen europäischen Schriftstellern. Eine Liebeserklärung an das Leben ist Antal Szerbs „Reise im Mondlicht“, auf der ein junger Mann während der Hochzeitsreise seine frisch angetraute Frau am Bahnhof vergisst – ein witziges, melancholisches und auf altmodische Weise charmantes Buch. Wer sich einen 800-Seiten-Wälzer zutraut, dem sei „Verlockung“ von János Székely empfohlen: eine ebenso schillernde wie realistisch-traurige Schilderung Ungarns in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen Liftboy Béla zum Günstling einer reichen Frau wird.

Eines steht fest – einen Hauch von Melancholie muss man vertragen können, wenn man sich diesen Autoren nähert, aber: Es lohnt sich! Wer ein Faible für feine Ironie, Untertöne und poetisches Erzählen hat, wird sich für diese ungarischen Autoren begeistern. Als Einstieg empfehle ich: Lassen Sie sich doch einfach einmal etwas vorlesen und lauschen den Hörbüchern:

Sándor Márai         
       



(geschrieben von Matthias Stöbener)

12.02.2009, 08.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Wendy:
Hallo, vielen Dank für den Buchtipp! Das Buch
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