
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Bestseller
Auch bei Kehlmann kann man sparen!
Wissen Sie, worüber ich mich richtig freue? Nach einer langen Flaute gibt es seit einigen Jahren wieder tolle neue deutsche Literatur. So haben etwa alle bisherigen Preisträger des Deutschen Buchpreises Werke abgeliefert, die mir persönlich durch die Bank gefallen. Unter den neuen deutschen Autoren gibt es allerdings einen, der diesen speziellen Literaturpreis gar nicht mag, weil er ihn nicht nur für ein Spektakel hält, sondern auch für eine „Quelle der Sorge und der Depression“ für die Autoren, die sich der Auswahlprozedur unterziehen müssen.
Der dies gesagt hat, ist kein geringerer als Daniel Kehlmann, der mit „Die Vermessung der Welt“ 2005 einen fulminanten Bestseller verfasst hat. Mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren (nur im deutschsprachigen Raum!) und Übersetzungen in etwa 40 Sprachen ist Kehlmann zweifellos in die Kategorie der Bestsellerautoren emporgestiegen. Und das mit dem eher sperrigen Thema der Entstehung der modernen Wissenschaft, dargestellt am Leben des Forschers Alexander von Humboldt und des Mathematikers Carl Friedrich Gauß.
Beide Wissenschaftler bewegen sich ständig zwischen Erfolg und Niederlage, beide sind ein wenig sonderbar und schrullig, aber mit Leib und Seele ihrer Wissenschaft verschrieben. Das Ganze ist voller Fantasie und kommt ebenso abenteuerlich wie philosophisch daher – ein bisschen denken muss man bei der Lektüre also schon...
Bei uns können Sie sich sogar zwischen zwei Ausgaben von Daniel Kehlmanns Weltbestseller entscheiden. Kräftig sparen können Sie bei beiden!
Der dies gesagt hat, ist kein geringerer als Daniel Kehlmann, der mit „Die Vermessung der Welt“ 2005 einen fulminanten Bestseller verfasst hat. Mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren (nur im deutschsprachigen Raum!) und Übersetzungen in etwa 40 Sprachen ist Kehlmann zweifellos in die Kategorie der Bestsellerautoren emporgestiegen. Und das mit dem eher sperrigen Thema der Entstehung der modernen Wissenschaft, dargestellt am Leben des Forschers Alexander von Humboldt und des Mathematikers Carl Friedrich Gauß.
Beide Wissenschaftler bewegen sich ständig zwischen Erfolg und Niederlage, beide sind ein wenig sonderbar und schrullig, aber mit Leib und Seele ihrer Wissenschaft verschrieben. Das Ganze ist voller Fantasie und kommt ebenso abenteuerlich wie philosophisch daher – ein bisschen denken muss man bei der Lektüre also schon...
Bei uns können Sie sich sogar zwischen zwei Ausgaben von Daniel Kehlmanns Weltbestseller entscheiden. Kräftig sparen können Sie bei beiden!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
17.02.2010, 19.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Das Geheimnis ihres Erfolgs
Sie gehen weg wie warme Semmeln und sind genauso schnell wie diese in aller Munde: Bestseller. Wenn alle das lesen, was alle lesen, muss mehr dahinter stecken als „nur“ ein gutes Buch: Bestseller bringen zum Ausdruck, was die Menschen bewegt. Ob „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche oder Michael Winterhoffs „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ – Bestseller sprechen dem Volk aus der Seele.
Und das „Beste“ an solchen Bücher ist: Um sie feiern oder kritisieren zu können, muss man sie nicht einmal gelesen haben – zu Körperhygiene und Kindererziehung hat ja jeder was zu sagen.
Das „Blöde“ an Bestsellern: Sie lassen sich nicht wirklich planen – weder von den Verlagen noch von den Autoren. Der Weg, der direkt in die Bestseller-Listen führt, liegt im Dunkeln – und viele bleiben auf der Strecke.
Um einige davon kümmern sich dann diejenigen, die aus Prinzip alles meiden, was alle lesen – die gibt es nämlich auch noch. Und das ist gut so.
Und das „Beste“ an solchen Bücher ist: Um sie feiern oder kritisieren zu können, muss man sie nicht einmal gelesen haben – zu Körperhygiene und Kindererziehung hat ja jeder was zu sagen.
Das „Blöde“ an Bestsellern: Sie lassen sich nicht wirklich planen – weder von den Verlagen noch von den Autoren. Der Weg, der direkt in die Bestseller-Listen führt, liegt im Dunkeln – und viele bleiben auf der Strecke.
Um einige davon kümmern sich dann diejenigen, die aus Prinzip alles meiden, was alle lesen – die gibt es nämlich auch noch. Und das ist gut so.
(Geschrieben von Kathrin Kirschbaum)
06.06.2009, 20.42 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
Eine spanische Bestsellerautorin
Corín Tellado ist tot: Im Alter von 81 Jahren starb die berühmte Autorin von Liebesromanen in einem Krankenhaus in Gijón, der nordspanischen Hafenstadt. Am 12 Oktober 1946 wurde ihr Erstlingswerk veröffentlicht, bis heute verfasste sie mehr als 4000 Titel, von denen mehr als 400.000.000 Stück verkauft wurden.
Colín Tellado, die unter dem Namen María del Socorro Tellado geboren wurde, ist die meist gelesene spanische Schriftstellerin. Nur Miguel de Cervantes, der berühmte Autor von Don Quijote kann sich in der spanischen Literatur an Reichweite mit ihr messen. Am 25. April 1927 wurde die Liebesroman-Autorin in Asturias geboren, ihre literarische Karriere dauerte mehr als ein halbes Jahrhundert. Unter ihrem Alias Ada Miller verfasste sie auch erotische Geschichten, doch ihr Hauptwerk umfasst neben Kinder- und Jugendbüchern romantische Erzählungen.
Dabei machte sie jedoch trotz ihrer rosaroten Liebesromane keinen Hehl aus ihrer ambivalenten Einstellungen gegenüber der von Männern dominierten Welt. In Interviews betonte sie beispielsweise stets, dass auch noch ihre Enkelinnen keineswegs vollständige Gleichberechtigung erleben würden und sie prangerte an, dass die Welt von einer männlichen Gesetzgebung regiert wird.
Für alle Jokers Freunde, die des Spanischen mächtig sind, habe ich als besonderen Link-Tipp die Homepage von Corín Tellado: Unter http://www.corintellado.com finden sich zahlreiche Informationen und einige Interviews, die mit der wunderbaren Autorin geführt wurden. Für ihr gesamtes Werk erhielt sie mehrere Auszeichnungen, vor allem in ihrer Heimatregion Asturien in Nordspanien.
Colín Tellado, die unter dem Namen María del Socorro Tellado geboren wurde, ist die meist gelesene spanische Schriftstellerin. Nur Miguel de Cervantes, der berühmte Autor von Don Quijote kann sich in der spanischen Literatur an Reichweite mit ihr messen. Am 25. April 1927 wurde die Liebesroman-Autorin in Asturias geboren, ihre literarische Karriere dauerte mehr als ein halbes Jahrhundert. Unter ihrem Alias Ada Miller verfasste sie auch erotische Geschichten, doch ihr Hauptwerk umfasst neben Kinder- und Jugendbüchern romantische Erzählungen.
Dabei machte sie jedoch trotz ihrer rosaroten Liebesromane keinen Hehl aus ihrer ambivalenten Einstellungen gegenüber der von Männern dominierten Welt. In Interviews betonte sie beispielsweise stets, dass auch noch ihre Enkelinnen keineswegs vollständige Gleichberechtigung erleben würden und sie prangerte an, dass die Welt von einer männlichen Gesetzgebung regiert wird.
Für alle Jokers Freunde, die des Spanischen mächtig sind, habe ich als besonderen Link-Tipp die Homepage von Corín Tellado: Unter http://www.corintellado.com finden sich zahlreiche Informationen und einige Interviews, die mit der wunderbaren Autorin geführt wurden. Für ihr gesamtes Werk erhielt sie mehrere Auszeichnungen, vor allem in ihrer Heimatregion Asturien in Nordspanien.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
05.05.2009, 08.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL
1.000 Autoren reichen
Die deutschsprachigen Verlage produzieren jedes Jahr etwa 90.000 neue Bücher. Eine Unmenge an Büchern, die es, glaubt man einer Studie der GfK-Buchmarktforschung, überhaupt nicht braucht. Um Umsätze zu machen, braucht der Buchhandel eigentlich nur Spitzenautoren. Gut, ein bisschen übertrieben ist das, aber die Tendenz stimmt.
So hat das Marktforschungsinstitut aus Nürnberg 177 Mio. verkaufte Romane im Jahr 2006 gezählt. Davon stammten 53 Mio., also etwa 30 Prozent, von nicht mehr als 100 Bestsellerautoren. Pro Bestsellerautor wurden also 530.000 Exemplare verkauft. Wenn man schaut, wie viele Romane die Top-1000-Autoren verkauften, so ergeben sich 116,8 Mio. Romane. Da sind wir dann schon bei Zweidritteln des Marktes.
Tja, was ist daraus zu folgern? Die GfK meint, die Kunden bräuchten Orientierung, deshalb würden sie immer wieder zu den gleichen Autoren greifen. Wie die Lemminge folgen sie den großen Stapeln, den großen Werbeplakaten, dem, was Frau Dingsbums im Fernsehen sagt.
Mal ein ketzerischer Vorschlag: Vielleicht sollten sich die Verlage auf die 1.000 bestgängigen Autoren beschränken. Die Buchhandlungen könnten sich verkleinern, bräuchten weniger Miete zahlen, die Kunden wären nicht mehr eine unüberschaubaren Titelmenge ausgesetzt und die 1.000 Bestsellerautoren könnten noch das letzte Drittel des belletristischen Marktes, das ihnen noch fehlt, unter sich aufteilen.
So hat das Marktforschungsinstitut aus Nürnberg 177 Mio. verkaufte Romane im Jahr 2006 gezählt. Davon stammten 53 Mio., also etwa 30 Prozent, von nicht mehr als 100 Bestsellerautoren. Pro Bestsellerautor wurden also 530.000 Exemplare verkauft. Wenn man schaut, wie viele Romane die Top-1000-Autoren verkauften, so ergeben sich 116,8 Mio. Romane. Da sind wir dann schon bei Zweidritteln des Marktes.
Tja, was ist daraus zu folgern? Die GfK meint, die Kunden bräuchten Orientierung, deshalb würden sie immer wieder zu den gleichen Autoren greifen. Wie die Lemminge folgen sie den großen Stapeln, den großen Werbeplakaten, dem, was Frau Dingsbums im Fernsehen sagt.
Mal ein ketzerischer Vorschlag: Vielleicht sollten sich die Verlage auf die 1.000 bestgängigen Autoren beschränken. Die Buchhandlungen könnten sich verkleinern, bräuchten weniger Miete zahlen, die Kunden wären nicht mehr eine unüberschaubaren Titelmenge ausgesetzt und die 1.000 Bestsellerautoren könnten noch das letzte Drittel des belletristischen Marktes, das ihnen noch fehlt, unter sich aufteilen.
23.02.2008, 17.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Bestsellerlisten
Auch der Buchhandel hat seine Charts. Spiegel-Bestsellerliste, hr2-Hörbuchbestenliste, Bestsellerlisten von FOCUS, STERN, MANAGER MAGAZIN, ELTERN, GONG und anderen. Sie verraten einiges über Trends und Themen, die gerade angesagt sind. Modedesigner, Fooddesig- ner, Lektoren, Unternehmer – sie alle können etwas aus ihnen lernen.Die meisten dieser Rankings beruhen auf der Er- hebung von Verkaufszahlen. Die einzelne Erhebungsbasis mag unter- schiedlich sein, aber es bleibt nichts unverborgen. Die Scanner- Kassen registrieren, egal, wo sie aufgestellt sind, objektiv den Erfolg von Autoren und Titeln. Bestechlich sind sie kaum.
Für viele Verlage haben sich die verschiedenen Bestsellerlisten längst zu einem Bestsellerdruck verdichtet. Man gibt große Summen in den verschiedenen Verlagshäusern aus, um ganz oben auf das Treppchen zu kommen. Ist man nämlich erst mal dort, bleibt man meist auch länger dort. Denn der Platz auf dem Bestseller-Treppchen erzeugt natürlich wieder neue Nachfrage. Und die Buchhändler legen die Bestseller-Ware gleich am Eingang stapelweise aus, damit ihr niemand entgeht. Es gibt kaum noch Buchhändler, die sich bei ihren Einkäufen nicht an den Bestsellerlisten orientieren, oder an Empfehlungen von Fernsehgrößen des Literaturbetriebs.
Was aber, wenn sich bei manchen Titeln die Hunderttausende von Euros, die für die Werbung ausgegeben werden, nicht rechnen? Dann kann ein Verlag nur hoffen, dass andere Bücher des eigenen Hauses die Verluste im Bestseller-Marketing wieder einspielen, unverhofft. Jedenfalls haben Bestsellerlisten den Kampf um den Kunden nicht einfacher gemacht, ja, sie haben den Lebenszyklus der meisten Bücher verkürzt. Denn die Bücher, die keinen Erfolg haben, werden schon bald von Buchhändlern und Verlagen ausgelistet. Remittenden.
Was bei den Bestsellerlisten überhaupt keine Rolle spielt, ist literarische Qualität. Die lässt sich leider oder Gott sei Dank immer noch nicht über den demokratischen Weg der Scanner-Kassen eruieren. Einzig die monatlich erscheinende SWR-Bestenliste, die es seit 1975 gibt, wird von 30 deutschen Literaturkritikern auf Grund von Qualität bestückt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die deutschsprachige Literaturlandschaft.
04.01.2008, 14.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Literatur-TÜV
In der Frankfurter Rundschau ist vor wenigen Tagen ein Artikel erschienen, der den Einfluss von Literaturprämierungen auf die verkaufte Auflage von Büchern beschreibt. Fazit: In den meisten Fällen kommen prämierte Autoren in die Bestsellerlisten und da ganz nach oben. Aber fangen wir mit einem Gegenbeispiel an: Daniel Kehlmanns Roman "Die Vermessung der Welt" hat sich zunächst ohne Auszeichnung zum Erfolg entwickelt. Erst nach dem Erfolg in den Bestsellerlisten kamen die Literaturpreise. Das spricht dafür, dass wohl „virales Marketing“, also die Weiterempfehlung durch Freunde und Bekannte gerade bei Büchern durch nichts zu ersetzen ist. Und das „virale Marketing“ spielt auch bei den „ausgezeichneten“ Werken eine große Rolle, denn allein die Ehrung durch eine Jury macht es nicht. Wenn die Leser nicht zu einer weiterempfehlenden Jury werden, kommt ein Titel kaum in die Bestseller-Regionen.
Unter den deutschen Literaturpreisen, die Bestseller zu machen imstande sind, greift die FR zwei heraus, den Preis der Leipziger Buchmesse und den Deutschen Buchpreis. Und sie zeigt an Hand von ein paar Beispielen, was mit Büchern passieren kann, die ausgezeichnet werden. Etwa mit Ilija Trojanows Roman "Der Weltensammler". Vor dem Preis der Leipziger Buchmesse hatte sich das Buch gerade mal 5.000 mal verkauft, heute schon 330.000 mal. Oder „Die Mittagsfrau“ von Julia Franck, im Oktober dieses Jahres mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Der Verlag will bis Ende dieses Jahres 300.000 Exemplare verkauft haben, obwohl bis Oktober erst 20.000 Exemplare verkauft wurden.
Die FR führt noch weitere Beispiele dafür an, dass Literaturpreise heutzutage funktionieren. Im Gegensatz zu früher, als sie eher eine finanzielle Unterstützung für Autoren waren, die sich mit ihrem Schreiben kaum über Wasser halten konnten, weniger ein Marketinggewinn.
Ich habe mich gefragt, warum heute Literaturpreise solche Wellen schlagen. Zum einen denke ich, hat man es im Alten Europa nun auch gelernt, Literaturpreise zu inszenieren – nicht nur drüben jenseits des Großen Teichs. Zum anderen meine ich schätzt der heutige Leser Orientierung. In der Überfülle des Angebots vertraut er sich gerne Institutionen und Jurys an, die vorselektieren und Gütesiegel vergeben – sozusagen als Literatur-TÜV fungieren. Ich brauche ja heute nur in eine der großen Buchhandlungen zu gehen. Da springen mich die Jahrhundertwerke, die einzigartigen Würfe, die besten Bücher dieses Leseherbstes, dieses Lesewinters so aggressiv an, dass ich am liebsten oft rückwärts wieder das Buchkaufhaus verlassen würde, so desorientiert bin ich.
Unter den deutschen Literaturpreisen, die Bestseller zu machen imstande sind, greift die FR zwei heraus, den Preis der Leipziger Buchmesse und den Deutschen Buchpreis. Und sie zeigt an Hand von ein paar Beispielen, was mit Büchern passieren kann, die ausgezeichnet werden. Etwa mit Ilija Trojanows Roman "Der Weltensammler". Vor dem Preis der Leipziger Buchmesse hatte sich das Buch gerade mal 5.000 mal verkauft, heute schon 330.000 mal. Oder „Die Mittagsfrau“ von Julia Franck, im Oktober dieses Jahres mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Der Verlag will bis Ende dieses Jahres 300.000 Exemplare verkauft haben, obwohl bis Oktober erst 20.000 Exemplare verkauft wurden.
Die FR führt noch weitere Beispiele dafür an, dass Literaturpreise heutzutage funktionieren. Im Gegensatz zu früher, als sie eher eine finanzielle Unterstützung für Autoren waren, die sich mit ihrem Schreiben kaum über Wasser halten konnten, weniger ein Marketinggewinn.
Ich habe mich gefragt, warum heute Literaturpreise solche Wellen schlagen. Zum einen denke ich, hat man es im Alten Europa nun auch gelernt, Literaturpreise zu inszenieren – nicht nur drüben jenseits des Großen Teichs. Zum anderen meine ich schätzt der heutige Leser Orientierung. In der Überfülle des Angebots vertraut er sich gerne Institutionen und Jurys an, die vorselektieren und Gütesiegel vergeben – sozusagen als Literatur-TÜV fungieren. Ich brauche ja heute nur in eine der großen Buchhandlungen zu gehen. Da springen mich die Jahrhundertwerke, die einzigartigen Würfe, die besten Bücher dieses Leseherbstes, dieses Lesewinters so aggressiv an, dass ich am liebsten oft rückwärts wieder das Buchkaufhaus verlassen würde, so desorientiert bin ich.
27.12.2007, 12.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Warum ich noch kein Bestsellerautor bin
Vor ein paar Tagen las ich auf der Webseite des Literaturcafés einen interessanten Text. Es handelte sich um die angeblich wichtigsten Tipps eines Verlagslektors für Autoren, die ihre Texte bei Verlagen unterbringen wollen. Ein gewisser Andreas Paschedag, Lektor beim Aufbau-Verlag, der vor allem für seine Belletristik bekannt ist, hat diese Tipps verfasst.
Unter den häufigsten Fehlern nennt er die Tatsache, dass viele Autoren sich schon im Anschreiben für Schwach- stellen im Manuskript entschuldigen. Hmm, puh, das mach ich auch immer. Z. B. habe ich letztens mein Manuskript „Wie ich die Welt verbessern würde“ an den N. N.-Verlag geschickt und dem Lektor geschrieben: „Sicher ist die Rechtschreibung noch verbesserungs- fähig. Nach Annahme durch Ihren Verlag werde ich das Buch komplett durch eine befreundete Deutschlehrerin auf die korrekte Schreibweise und Rechtschreibung durchsehen lassen.“ Na gut, wenn ich so was nicht mehr schreiben darf, dann lass ich das halt in Zukunft. Aber gut finde ich den Tipp nicht.
Außerdem meint Andreas Paschedag, dass man den eigenen Text nicht zu marktschreierisch anpreisen dürfe. Ja, aber wenn es nun eben der weltweit beste Text zu einem bestimmten Thema ist? Das wird man doch wohl noch sagen dürfen. Also letztens habe ich ein Gedicht über die Fontänen eines römischen Brunnens an ein Lyrikheft geschickt, vor dem erblassen alle Rilke-Gedichte, wie mir die schon genannte Deutschlehrerin bestätigte. Sowas wird man doch wohl noch schreiben dürfen!
Auch solle man nicht erwähnen, dass Freunde, die Oma oder die Ehefrau die eigenen Texte supertoll fänden. Na gut, ich sehe ein, dass man das nicht in einem Verlagsanschreiben erwähnen braucht. Auf der anderen Seite wäre das doch schon ein nützlicher Hinweis auf die Zielgruppe des zu veröffentlichenden Buchs für den Verlag. Da könnte der Verlag die Kompetenz der Autoren nutzen!
Man soll immer nur Texte einschicken, die ins Verlagsprogramm passen. Also, was das soll, weiß ich wirklich nicht. Sind denn alle Verlage beschränkt? Die betreiben doch Inzucht! Warum soll ein Krimi-Verlag nicht auch ein Standbein Gartenbücher aufmachen? Aber da sieht man mal wieder, dass keiner vertraute Gleise verlassen will. Da ist die Öffentlichkeit den Verlagen meilenweit voraus. Z. B. kenne ich da eine Krankenschwester, die im Internet eine Webseite hat, auf der sie sich mit den ägyptischen Pyramiden beschäftigt. Wenn die auch so wie die Verlage denken würde, könnte man auf ihrer Seite wohl nur Wickelverbände studieren.
Und zum Schluss rät dieser Aufbau-Lektor auch noch, man solle viel lesen, bevor man Bücher schreibt. Das ist ja wohl der Gipfel! Da wird man ja von allen Seiten beeinflusst! Wo bleibt da die schriftstellerische Individualität? Wie soll man angesichts der vielen veröffentlichten Bücher dann noch eigene Ideen haben?
Ich glaube, ich will gar nicht mehr ein Bestsellerautor werden, wenn die Tipps von dem Herrn Paschedag wirklich richtig sind …
Unter den häufigsten Fehlern nennt er die Tatsache, dass viele Autoren sich schon im Anschreiben für Schwach- stellen im Manuskript entschuldigen. Hmm, puh, das mach ich auch immer. Z. B. habe ich letztens mein Manuskript „Wie ich die Welt verbessern würde“ an den N. N.-Verlag geschickt und dem Lektor geschrieben: „Sicher ist die Rechtschreibung noch verbesserungs- fähig. Nach Annahme durch Ihren Verlag werde ich das Buch komplett durch eine befreundete Deutschlehrerin auf die korrekte Schreibweise und Rechtschreibung durchsehen lassen.“ Na gut, wenn ich so was nicht mehr schreiben darf, dann lass ich das halt in Zukunft. Aber gut finde ich den Tipp nicht.Außerdem meint Andreas Paschedag, dass man den eigenen Text nicht zu marktschreierisch anpreisen dürfe. Ja, aber wenn es nun eben der weltweit beste Text zu einem bestimmten Thema ist? Das wird man doch wohl noch sagen dürfen. Also letztens habe ich ein Gedicht über die Fontänen eines römischen Brunnens an ein Lyrikheft geschickt, vor dem erblassen alle Rilke-Gedichte, wie mir die schon genannte Deutschlehrerin bestätigte. Sowas wird man doch wohl noch schreiben dürfen!
Auch solle man nicht erwähnen, dass Freunde, die Oma oder die Ehefrau die eigenen Texte supertoll fänden. Na gut, ich sehe ein, dass man das nicht in einem Verlagsanschreiben erwähnen braucht. Auf der anderen Seite wäre das doch schon ein nützlicher Hinweis auf die Zielgruppe des zu veröffentlichenden Buchs für den Verlag. Da könnte der Verlag die Kompetenz der Autoren nutzen!
Man soll immer nur Texte einschicken, die ins Verlagsprogramm passen. Also, was das soll, weiß ich wirklich nicht. Sind denn alle Verlage beschränkt? Die betreiben doch Inzucht! Warum soll ein Krimi-Verlag nicht auch ein Standbein Gartenbücher aufmachen? Aber da sieht man mal wieder, dass keiner vertraute Gleise verlassen will. Da ist die Öffentlichkeit den Verlagen meilenweit voraus. Z. B. kenne ich da eine Krankenschwester, die im Internet eine Webseite hat, auf der sie sich mit den ägyptischen Pyramiden beschäftigt. Wenn die auch so wie die Verlage denken würde, könnte man auf ihrer Seite wohl nur Wickelverbände studieren.
Und zum Schluss rät dieser Aufbau-Lektor auch noch, man solle viel lesen, bevor man Bücher schreibt. Das ist ja wohl der Gipfel! Da wird man ja von allen Seiten beeinflusst! Wo bleibt da die schriftstellerische Individualität? Wie soll man angesichts der vielen veröffentlichten Bücher dann noch eigene Ideen haben?
Ich glaube, ich will gar nicht mehr ein Bestsellerautor werden, wenn die Tipps von dem Herrn Paschedag wirklich richtig sind …
11.05.2007, 09.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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