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Tag: Dickens
Weihnachtliche Sozialkritik
Ebenezer Scrooge ist wohl der bekannteste Geizhals der Welt. Allein dieser Name lässt einen schon frösteln. Der alte Grantler gehört zu den wichtigsten Figuren von Charles Dickens und begegnet uns dieser Tage wieder im Kino. Diesmal in 3D und verkörpert von Jim Carey. Er zeigt uns, wie er durch den Besuch von drei Geistern eine Persönlichkeitswandlung vom Bösen zum Guten vollzieht. „Eine Weihnachtsgeschichte“ heißt Charles Dickens berühmte Erzählung, auf der dieser Film beruht. Ich habe bislang nur den Trailer zum Kinofilm gesehen und fand Scrooge ziemlich düster und unheimlich. Und Dickens’ Erzählung selbst ist ja auch nicht ohne: Dem knauserigen alten Mann, der ohne Mitleid über die Armen und Benachteiligten der Gesellschaft urteilt, wird durch die drei Geister der Weihnacht gnadenlos der Spiegel vorgehalten.
In einer der Traum-Szenen in der Nacht vor Weihnachten erlebt Ebenezer Scrooge sogar seinen eigenen Tod und muss erkennen, dass ihm niemand nachtrauert. Er erkennt, wie unbeliebt er sein muss – als kalter, nur am Profit interessierter Geschäftsmann, der keine Almosen gibt und sich dem Elend anderer gegenüber verschließt.
Charles Dickens schlägt hier ganz deutliche sozialkritische Töne an, die auch für seine übrigen Werke charakteristisch sind. Denken Sie nur an „Oliver Twist“. Die Darstellung von Kinderarmut ist hier wirklich drastisch. Auch in „David Copperfield“ widmet sich Dickens dem Thema Kindheit. Kein Wunder, hatte doch Charles Dickens selbst eine harte Jugend in einer kinderreichen Familie, die zeitweise sogar im Londoner Schuldgefängnis leben musste.
Die Lektüre dieses englischen Klassikers lohnt sich auf jeden Fall. Bei Jokers haben wir eine Vielzahl an Titeln von und über Charles Dickens, in Deutsch und im englischen Original – selbstverständlich zu unwiderstehlichen, fast schon „Scrooge“-mäßigen Preisen.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
16.12.2009, 09.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Reisen kann gefährlich sein
10 Jahre nach dem Zugunglück bei Eschede erinnere ich mich noch gut daran, wie ich damals von der Katastrophe erfuhr. Geschockt saß ich vor dem Fernseher und konnte nicht fassen, wie ein Transportmittel, das bis dato so zuverlässig schien, mit einem Mal entgleisen und 101 Menschen in den Tod reißen konnte. Auch zum zehnjährigen Jahrestag las ich in den Zeitungen zahlreiche Schilderungen von Überlebenden, die im Zug gesessen hatten und der Katastrophe zum Glück lebend entkamen. Wie traumatisierend so ein Unglück sein kann, hat etwas früher ein großer britischer Autor erlebt. Charles Dickens, dessen 137. Todestag man übrigens am 9. Juni beging, überlebte am 9. Juni 1865 ein schweres Bahnunglück in Staplehurst, Kent. Weil er im Erste-Klasse-Abteil saß, das wohl besser gesichert war als die übrigen Waggons, wurde Dickens nicht körperlich verletzt. Seelisch jedoch blieb er bis zu seinem Tod fünf Jahre später schwer traumatisiert. Wie viele Eschede-Überlebende auch, kletterte Dickens aus dem Waggon-Wrack und leistete bei Mitreisenden Erste Hilfe. Anschließend, so ist es überliefert, stieg er nochmals in den Waggon und rettete sein Manuskript „Our Mutual Friend“.
Mit der gruseligen Kurzgeschichte „The Signal-Man“ versuchte Dickens später den Unfall zu verarbeiten. Als Grundlage der Geschichte verwendete er allerdings ein Zugunglück im Clayton-Tunnel von 1861. Dabei kamen 23 Menschen ums Leben, 176 wurden verwundet. Heute wie damals gilt: Reisen kann gefährlich sein.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
21.06.2008, 15.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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