
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Eichendorff
Träumereien
Es ist Frühling, das ist keine Neuigkeit. Ich würde es auch ohne meine Frau bemerken. Aber mit meiner Frau ist es bedeutend einfacher mitzukriegen, dass es an der Zeit wird, die dicken Jacken und Schals auf dem Dachboden verschwinden zu lassen. Und das liegt keineswegs nur daran, dass sie nun wieder beginnt, sich luftiger zu kleiden.Nein, den Frühling merke ich bei uns zuhause vor allem daran, dass meine Frau trällernd durch die Zimmer schwebt, Blumen kunstvoll in Vasen arrangiert, abends mit großen Augen auf dem Balkon steht, um den Vollmond zu bewundern – und dass sie sich ein neues Hobby sucht. Alle Jahre wieder.
Ja, Frühling ist Zeit für den Neubeginn, für den Aufbruch, für das Anstrengen neuer Unterfangen. Und er läutet eben auch die Phase ein, in der meine Frau nach einem frischen Zeitvertreib sucht.
Seltsame Tätigkeiten wurden da im Laufe der Zeit schon ausprobiert – ich verstehe immer noch nicht, weshalb sie unbedingt den Schweißerkurs machen musste oder weshalb das Seminar in Wünschelrutengehen nötig war, aber sei´s drum – diese Saison hat sie tatsächlich etwas in meinen Augen sehr Schönes aufgetan: Sie kombiniert nun nämlich ihre Leidenschaft für Poesie mit der Aquarellmalerei.
Ein Beispiel: Sie liebt seit jeher die „Perle der Perlen“, wie Thomas Mann die „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff nannte: Und mit diesen Klängen im Ohr schwingt sie ihren Pinsel, so dass er wie von selbst über das Papier tanzt, und bringt ihre Emotionen, die Eichendorffs Verse in ihr wachrufen, so zum Ausdruck. Traumhaft!
Mondnacht
Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
Für alle, die nicht ganz so begabt mit dem Pinsel sind, haben wir ein wunderschönes Büchlein im Programm: „Als hätt der Himmel die Erde still geküsst“ heißt der Geschenkband, in dem die schönsten Gedichte Eichendorffs von zauberhaften Fotoimpressionen begleitet werden.
16.04.2010, 10.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Eichendorff fürs Gemüt
Dass Jokers seinen 10-jährigen Geburtstag feiert, haben Sie natürlich mitbekommen: Wir haben ja auch mit genügend Jubiläums-Angebote gefeiert.
Nun habe ich mir persönlich noch überlegt, was für mich diese zehn Jahre Jokers bedeuten. Was heißt es, zehn Jahre lang den Menschen den Zugriff auf kostengünstige Bücher zu ermöglichen? Was meint denn „LESEN“ für uns alle?
Ich glaube, dass uns Geschichten vor allem eines schenken. Zuversicht. Sie spenden Trost, sie geben Mut, sie beflügeln die Phantasie, sie helfen, den Alltag erträglich zu machen. Ja, Bücher stehen dem Leser zu Seite, auf sie ist Verlass, sie scheinen einem still zuzuflüstern: Komm zu mir, ich bin dein Versteck, mit mir kannst du die Welt außen vor lassen. Literatur ist Trost. Jedenfalls kann das ein Aspekt von Literatur sein, wie ich meine.
Und über diese Gedankenkette bin ich bei dem wunderbaren Gedicht von Eichendorff gelandet: „Komm, Trost, du stille Nacht“ heißt es:
Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd',
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.
Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.
O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd' gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Lass ausruhn mich von Lust und Not,
Bis dass das ew´ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.
Noch mehr Eichendorff fürs Gemüt gibt es hier bei Jokers:
Eichendorff
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
15.09.2009, 09.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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