
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Entscheidung
Eine Ehrensache
Liebe, Angst, Scheitern, Suche – Peter Stamm schreibt über die großen Themen. Kürzlich ist sein neuer Roman „Sieben Jahre“ erschienen. In den Büchern des Schweizers – es sind hauptsächlich Romane und Bände mit Erzählungen – geht es immer um Umbruchsituationen, um Lebensentscheidungen, kurz: um die Frage nach dem Sinn. Das ist in seinem ersten großen Erfolg „Agnes“ ebenso der Fall wie in „Blitzeis“ und in „An einem Tag wie diesem“, wo ein Lehrer, ausgelöst durch die Angst vor einer negativen medizinischen Diagnose, kurzerhand sein bisheriges Leben aufgibt und sich auf die Reise in seine Vergangenheit macht. Auch die Geschichten in „Wir fliegen“ zeigen Menschen, die sich selbst hinterfragen, am liebsten noch einmal von vorn beginnen würden und zu träumen wagen, auch wenn der Alltag festgefahren scheint. Die verheiratete Heidi gehört dazu, die eigentlich Künstlerin werden wollte, oder Daphne, die ihren Nachbarn zwar oft hört, ihm aber nicht nahe kommen kann.
Peter Stamms karge, einfache Sprache ist sicher nicht jedermanns Sache. Oft wirkt die Erzählweise regelrecht distanziert und kühl. Aber ich finde, gerade dadurch kommt man sehr nahe an die Personen seiner Erzählungen und Romane heran. Er ist ein Schriftsteller, dessen leiser Stil den Leser gefangen nehmen kann – im positiven Sinne. Ich jedenfalls hätte schon einmal fast meinen Zielbahnhof verpasst, weil ich mich im Zug so an einem seiner Bücher festgelesen hatte.
Den Erzählungsband „Wir fliegen“ möchte ich Ihnen wärmstens empfehlen. Dass er außerdem preiswert ist, ist Jokers-Ehrensache.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
26.10.2009, 09.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die spinnen, die Amis
Millionen Schadensersatz für verbrühte Finger, gute Chancen, ebenso viel für "verschnittenes" Haar vom Friseur zu erhalten: Amerika setzte schon immer Exempel, wenn es um die Rechtsprechung geht. Was allerdings jetzt im Bundesstaat Nebraska vor irdischen Gerichten behandelt wird, liest sich fast wie eine Satire.
Dort suchte man nämlich nach dem Verantwortlichen für Naturkatastrophen, die Amerika heimsuchen. Dem Bezirksgericht Douglas war nichts anderes als eine Anzeige gegen Gott höchstpersönlich in den Briefkasten geflattert: Ernie Chambers, Abgeordneter im US-Bundesstaat Nebraska, schlussfolgerte nämlich durch logisches Überlegen, dass Gott der Schuldige an den Natur-Tragödien sei und klagte ihn vor dem für ihn zuständigen Gericht an.
Ich warte gespannt auf den Entscheid des irdischen amerikanischen Gerichts bezüglich des Fehlverhaltens des überirdischen Angeklagten. Wer weiß, welche göttlichen Konsequenzen das Urteil hat, wie es das Rechtsempfinden beeinflussen oder auf die Probe stellen wird. Gibt es auch für den Herrn im Himmel verbindliche Normen, an die er sich bitteschön zu halten hat? Wer wird Gott vor dem Gericht vertreten? Was, wenn der prominente Angeklagte verurteilt wird? Wie will man ihn zur Rechenschaft ziehen? Fragen über Fragen.
"Der Wille zum Recht und das Streben nach Glück". So der Titel eines Werkes, das wir gerade im Angebot haben. Nein, nicht die Anklageschrift, die in Douglas verlesen wird! Nein, ein Buch, das die Frage zu klären versucht, ob es auch dann verbindliche Normen für alle geben kann, wenn Menschen grundverschiedene Ansichten, Weltanschauungen und Religionen vertreten. Für mich fast so spannend wie der Verlauf des Prozesses in Douglas.
Dort suchte man nämlich nach dem Verantwortlichen für Naturkatastrophen, die Amerika heimsuchen. Dem Bezirksgericht Douglas war nichts anderes als eine Anzeige gegen Gott höchstpersönlich in den Briefkasten geflattert: Ernie Chambers, Abgeordneter im US-Bundesstaat Nebraska, schlussfolgerte nämlich durch logisches Überlegen, dass Gott der Schuldige an den Natur-Tragödien sei und klagte ihn vor dem für ihn zuständigen Gericht an.
Ich warte gespannt auf den Entscheid des irdischen amerikanischen Gerichts bezüglich des Fehlverhaltens des überirdischen Angeklagten. Wer weiß, welche göttlichen Konsequenzen das Urteil hat, wie es das Rechtsempfinden beeinflussen oder auf die Probe stellen wird. Gibt es auch für den Herrn im Himmel verbindliche Normen, an die er sich bitteschön zu halten hat? Wer wird Gott vor dem Gericht vertreten? Was, wenn der prominente Angeklagte verurteilt wird? Wie will man ihn zur Rechenschaft ziehen? Fragen über Fragen. "Der Wille zum Recht und das Streben nach Glück". So der Titel eines Werkes, das wir gerade im Angebot haben. Nein, nicht die Anklageschrift, die in Douglas verlesen wird! Nein, ein Buch, das die Frage zu klären versucht, ob es auch dann verbindliche Normen für alle geben kann, wenn Menschen grundverschiedene Ansichten, Weltanschauungen und Religionen vertreten. Für mich fast so spannend wie der Verlauf des Prozesses in Douglas.
07.10.2007, 10.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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