
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Humor
Loriot
87 Jahre ist er alt geworden: Er hatte ein langes Leben. Dennoch hätten wir wohl alle gewünscht, er wäre noch viel älter geworden, hätte uns noch viele Jahre mit seiner Sicht der Dinge erfreut: Vicco von Bülow verstand es wie wenig Andere, aus alltäglichen Ereignissen skurrile, unterhaltsame Anekdoten zu stricken. Am 22. August starb Loriot in seinem Haus in Ammerland am Starnberger See, er ist »sanft entschlafen«, wie Diogenes-Sprecherin Ruth Geiger mitteilte.
Warum eigentlich nannte sich Vicco von Bülow Loriot? Die Erklärung ist denkbar einfach, aber dennoch kaum bekannt: Er wählte als Künstlernamen einfach die französische Bezeichnung für das Wappentier der Familie Bülow (Pirol = loriot).
Jeder von uns hat wohl sein eigenes Bild abgespeichert, wenn er an Loriot denkt: Vielleicht ist es die der Herren im Bad, bei denen die Ente draußen bleiben soll, oder aber die Nudel im Gesicht, die beim Rendezvous reichlich stört. Und ganz sicher haben Sie entweder »Ödipussi« oder »Pappa ante portas« nicht nur gesehen, sondern geliebt.
Bekannt wurde von Bülow erstmals mit seinem Knollennasenmännchen in Zeitschriften-Cartoons, dann begeisterten seine Fernseh-Sketche, etwa in der ARD-Serie »Loriot I-VI« in den 70er Jahren, ein breites Publikum. Mit seiner 2007 gestorbenen Kollegin Evelyn Hamann verzauberte er in Sketchen über die Familie Hoppenstedt als talentierter Schauspieler.
Er war auch einer der Ersten, die die heute so populären Differenzen der Geschlechter humorvoll unter die Lupe nahmen: Sein Dialog über das weich- oder hartgekochte Frühstücksei ist ein pointiertes Beispiel für seine pointierte Weltsicht.
Die Liste seiner Kreationen ist schier unendlich: Er erschuf so viele Figuren und Charaktere, dass manch Einer erstaunt entdecken mag, dass zum Beispiel auch das Zeichentrickpärchen Wum und Wendelin in der Fernsehshow »Der große Preis« mit Wim Thoelke aus Loriots Feder stammen.
Loriot erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen wie den Deutschen Filmpreis, den Deutschen Kleinkunstpreis, die Goldene Kamera, den Karl-Valentin-Orden, den Wilhelm-Busch-Preis und den Ernst-Lubitsch-Preis. Loriot war auch Mitglied der Berliner Akademie der Künste und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Wir haben in unserem Shop ein umfangreiches »Loriot Memorial«-Programm zusammengestellt: Von Kalendern bis hin zu Sammelwerken finden Sie sicher genau das Richtige für Sie, um Loriot in Erinnerung zu behalten.
Bild: Loriot/wikimedia commons
13.09.2011, 10.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Ohne Worte
Wussten Sie, dass die Pantomime bis in die Antike zurückgeht? Der römische Pantomimus war eine Art Tanz: Ein Darsteller bot hier eine leidenschaftliche Performance. Das Wort Pantomime allerdings kommt aus dem Griechischen (griechisch: παντόμῑμος pantómīmos– „Pantomime“, wörtlich „alles nachahmend“) und bezeichnet eine Form der darstellenden Kunst. Ohne Worte stellt der Schauspieler vor allem durch Mimik und Gestik verschiedene Szenen, Örtlichkeiten und Charaktere dar. Die Pantomime wird oft sogar als Ursprung des Theaters überhaupt dargestellt. Beinahe jede Kultur enthält Elemente der Pantomime in der Kunst und auch bei rituellen Handlungen, wie z. B. Jagdtänze bei verschiedenen Indianerstämmen, bei denen Szenen der Jagd nachgeahmt wurden, oder auch expressive Meditationsformen aus Asien wie das berühmte Schattenboxen, germanisch-kultische Darstellungen im Rahmen von Frühlingsfesten etc...
Die eigenständige Form der Pantomime
im Theater wird jedoch nur selten beschrieben. Heute wird Pantomime gerne in
der Comedy verwendet, aber auch in unterhaltsamen Spielen. Vielleicht haben
auch Sie schon einmal einen lustigen Abend mit Freunden verbracht und sich
gegenseitig mit übertriebenen Darstellungen, gerne auch von Politikern,
begeistert.
Aber auch Gebrauchanweisungen können pantomimisch dargestellt werden. In einem skurril-witzigen Buch hat der preisgekrönte Illustrator Nigel Holmes die seltsamsten, gewöhnlichen und ungewöhnlichen Anleitungen für den (nicht all-)täglichen Bedarf zusammengestellt. Zum Beispiel, wie man eine Oper dirigiert, einen Stier mit dem Lasso einfängt oder einen Brautstrauß richtig wirft hat der begnadete Künstler in Bildern ausgedrückt. Wenn das nicht eine Steilvorlage für Ihren nächsten geselligen Abend ist!
29.12.2010, 21.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Humor hilft heilen
Eigentlich bin ich kein großer Fan von Ratgebern. Entsprechend skeptisch war ich, als mir eine Freundin jüngst den derzeitigen Kassenhit zum Thema „Glück“ in die Hände legte. „Vielleicht hilft es ja auch dir, du kannst es definitiv gebrauchen“, sagte Susanne und überreichte mir „Glück kommt selten allein“ von Dr. med. Eckart von Hirschhausen. Eben jenen kannte ich noch von „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“. Weil ich von Haus aus ein neugieriger Mensch bin, gab ich dem Buch eine Chance – und wurde nicht enttäuscht. Schon beim Vorwort, das ich in den meisten Fällen eher schnell überfliege, fingen meine Mundwinkel an, sich unkontrolliert nach oben zu ziehen. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Buch nicht um einen Ratgeber. Es ist vielmehr eine sehr intelligente Untersuchung des buchstäblich unfassbaren Themas Glück. Viele schöne Anekdoten aus dem Leben des Komikers Hirschhausen, überraschend lustige Witze, Wortspiele und Illustrationen verwandeln die Lektüre schnell in ein echtes Glückserlebnis.
Und das vielleicht Schönste: Hirschhausen verfolgt mit diesem Buch nicht nur den üblichen Autoren-Wunsch, das eigene Glück durch hohe Verkaufszahlen zu vermehren. Vielmehr spendet er von jedem verkauften Buch einen Euro an die Stiftung „Humor hilft heilen“, die er vor einem Jahr gründete. Seitdem möchte die Organisation nach eigenen Aussagen „Spender und Akteure vernetzen, Ärzte, Pflegekräfte und Clowns weiterbilden und therapeutisches Lachen in Medizin, Arbeitswelt und Öffentlichkeit fördern“. Ein alles andere als lachhafter Vorsatz, wie ich finde!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
12.08.2009, 09.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Denken verboten!
In 8 Pfaden trainiert der Autor dem Leser langsam, aber zielbewusst das Denken ab. Es beginnt ganz harmlos. Zunächst soll man sich zu einer ethnischen Gruppe bekennen und beispielsweise dem örtlichen Schützenverein beitreten. Dann Ironie und Satire gegen platte Schenkelklopfer austauschen, dann das Selbstbewusstsein aufblasen und nur noch inhaltsleere Phrasen dreschen. Als Nächstes empfiehlt Stein, dem Islam beizutreten, da bei dieser Religion das Denken sogar verboten sei. Das Buch gipfelt schließlich im Tipp, drogenabhängig zu werden und das Denken somit völlig aufzugeben. Bücher sind fortan übrigens auch verboten: „Endlich Nichtdenker“ soll auf Wunsch des Autors nach der Lektüre sofort verbrannt werden.
Natürlich sind Steins Tipps nicht wirklich ernst zu nehmen. Vielmehr handelt es sich um eine satirische Abrechnung mit Gesellschaft, Politik und Kultur. Immerhin hatte es bei mir den Erfolg, dass ich hin und wieder über mich geschmunzelt habe.
02.05.2008, 13.13 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Ein Arzt mit Humor
Vor wenigen Tagen hörte ich zufällig im Radio ein Interview mit einem neuen Comedian, Eckart von Hirschhausen. Zunächst war ich skeptisch, denn die meisten so genannten Humoristen bringen mich eher zum Weinen als zum Lachen. Doch diesen fand ich wirklich lustig zu sein. Interessant erschien mir, dass er als praktizierender Arzt eines Tages zum Komiker-Dasein wechselte und seither als Comedian, Zauberkünstler und Moderator arbeitet.
Ich war von seinen Witzen über das Gesundheitssystem, die Bahn und den Gesundheitswahn so begeistert, dass ich gleich zur nächsten Buchhandelung steuerte und mir sein Werk „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ zulegte. Und in der Tat: Hier ist endlich mal wieder ein Humorist am Werk, der wenigstens ein bisschen Intelligenz von seinem Publikum verlangt. Denn neben eher einfachen Witzen findet man bei ihm auch schöne Wortspiele („Sauna – Ungeheures aus Well Ness“ oder „Schnarchen – mit dem Gaumensegel hart am Wind“) und gute Erklärungen des alltäglichen Irrsinns aus Sicht eines Mediziners. Ein Humorist, den ich auf jeden Fall weiter im Auge behalten werde.
19.04.2008, 17.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Ein Dichter voller Tücke
Der eigensinnige Dichter und Zeichner war zeitlebens ein starker Raucher und geprägt von einer stetigen, aber erfolglosen Suche nach der wahren Liebe. Tragisch: Schon als Kind wurde ihm von seiner Mutter echte Liebe verweigert. Als Eigenbrötler war er für seine Exzentrik bekannt. So konnte es durchaus vorkommen, dass er jemandem den Stuhl unterm Hintern wegzog oder ohne ersichtlichen Grund beim Abendessen die Käseplatte an die Wand.
Diesem seltsamen Kauz verdanken wir jenen einzigartigen Humor, der sich in Geschichten wie „Die Fromme Helene“, „Fips, der Affe“, „Balduin Bählamm“ oder „Plisch und Plum“ widerspiegelt:
„Zugereist in diese Gegend,
Noch viel mehr als sehr vermögend,
In der Hand das Perspektiv,
Kam ein Mister namens Pief.
‚Warum soll ich nicht beim Gehen‘ –
sprach er – ‚in die Ferne sehen?
Schön ist es auch anderswo,
Und hier bin ich sowieso.‘
Hierbei aber stolpert er
In den Teich und sieht nichts mehr.“
03.12.2007, 13.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Witz komm raus!
Sie kennen das sicher auch: Nach ein paar Gläschen auf einer Party fängt der erste Witzbold an mit seinen Witzen zu prahlen und einen nach dem anderen zu erzählen. Am Wochenende war es Siggi, der begann: „Neulich hab ich meinen Lieblingswitz wieder gefunden! Darüber hab ich als Kind stundenlang gelacht.“ Und er erzählte:Kommt das Häschen in ein Geschäft und fragt: „Haddu grüne Tomaten?“
Der Verkäufer sagt: „Nein, ich habe keine grünen Tomaten, nur rote.“
Am nächsten und übernächsten Tag kommt das Häuschen wieder und fragt: „Haddu grüne Tomaten?“
„Nein, ich habe keine grünen Tomaten.“
Das nächste Mal hat der Verkäufer tatsächlich grüne Tomaten besorgt.
Als das Häschen wieder in den Laden kommt, fragt es: „Haddu grüne Tomaten?“
„Ja, heute habe ich grüne Tomaten!“
Da antwortet das Häschen: „Muddu in die Sonne legen, werden dann rot!“
Das Gelächter in der angeheiterten Runde war groß. Und so ging es weiter. Der Reihe nach erzählte jeder seine Lieblingswitze. Bis ich an der Reihe war. Das ist immer der Moment, in dem ich am liebsten davon laufen würde. Denn ich kann mir keine Witze merken und wenn ich meine, einen Witz zu kennen, versemmele ich ihn sicher beim Erzählen.
Ein Glück, dass ich wusste, wo unser Heinz-Ehrhardt-Hausbuch stand. Ich huschte schnell ans Regal, blätterte ein wenig und fand:
Die Made
„Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.
Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.
Eines Morgens sprach die Made:
„Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl!
Halt, noch eins! Denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa!“
Also sprach sie und entwich. -
Made junior aber schlich hinterdrein;
doch das war schlecht!
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. Schade!
Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde ....“
Die Runde kringelte sich vor Lachen – und ich war gerettet!
Noch mehr Erhardt-Witze?
08.07.2007, 08.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Lach mal wieder
Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen behaupten, über sich selbst lachen zu können, es dann aber nicht tun. Stattdessen herrscht Verbissenheit. Manchmal wenn ich zum Beispiel mit dem Auto in der größten Rushhour mitten in der Stadt unterwegs bin, überlege ich mir, wie viel weniger Aggression, wie viel weniger Krieg und Leid es wohl gäbe, wenn tatsächlich alle Menschen über sich lachen könnten.Ich persönlich bin auch nicht gerade der geborene Humorist, der in jeder Situation vor sich hin kichert. Doch immer, wenn mir überhaupt nicht mehr zum Lachen ist, wenn alles trostlos erscheint, denke ich an Hermann Hesses „Steppenwolf“. An die „Geschichte eines Menschen, der darunter leidet, dass er zur Hälfte ein Mensch, zur Hälfte ein Wolf ist. Die eine Hälfte will fressen, saufen, morden und dergleichen Dinge, die andere will denken, Mozart hören und so weiter … Aus diesem Gegensatz entstehen Störungen, und es geht dem Mann nicht gut, bis er entdeckt, dass es zwei Auswege aus seiner Lage gibt: sich entweder aufzuhängen oder aber sich zum Humor zu bekehren. So etwa erklärt Hesse selbst das Grunddebakel eines jeden Menschen. Für dieses Werk bekam Hesse übrigens den Literaturnobelpreis. Nur schade, dass ihn trotzdem scheinbar wenige Menschen verstanden haben.
Hermann Hesse bei Jokers
09.04.2007, 09.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL



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