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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Kafka

Kafka, der unsterbliche Klassiker

KafkaAn einem Dritten wurde er geboren, an einem Dritten starb er: Nur 41 Jahre war Franz Kafka alt, als er am 3. Juni 1924 verstarb. Vier Wochen später, am 3. Juli, hätte er Geburtstag gefeiert. Franz Kafka ist ein Autor der europäischen Moderne, der internationale Bedeutung erreichte. Hierzulande gibt es wohl keine Schule, in der nicht zumindest eines seiner Werke im Unterricht gelesen wird.

Doch Kafkas Werke sind mannigfaltiger Interpretation unterworfen, bei ihm verschwimmt die Grenze zwischen öffentlichen Schriften und privater Kommunikation ständig. Obwohl sich schon Heerscharen von Literaturwissenschaftler über seine Texte gemacht haben, werfen sie noch immer schwierige editorische Probleme auf, die nicht nur Herausgeber und Verlage, sondern auch die Leser betreffen.

Die meisten seiner literarischen Texte vollendete und publizierte er nicht, auch seine drei Romane „Der Verschollene“, „Der Process“ und „Das Schloss“ blieben fragmentarisch. Viele Tagebucheinträge, Aufzeichnungen oder Briefe von Kafka sind von derart hohem sprachlichem und formalen Niveau, dass man sie fast für einen beabsichtigten und bewusst ausformulierten Nachlass an die Welt erachten könnte. Kafka selbst schien nicht stringent zwischen Privatem und Öffentlichem zu unterscheiden. Für seine Textentwürfe und Ideen wie auch für seine privaten Notizen verwendete er oft den gleichen Schreibblock.

Sein Leben ist geprägt von tiefen und intensiven Freundschaften, doch sein Liebesleben war eher tragisch als erfüllt, selbst wenn er in den letzten Lebensmonaten doch noch eine starke Beziehung zu erleben schien. Seine diversen Verlobungen und Entlobungen zuvor deuten darauf hin, dass Franz Kafka seine eigenen Vorbehalte Bindungen gegenüber nie überwinden konnte.

Für alle, die sich noch mehr für Kafka interessieren, habe ich einen Lebenslauf dieses facettenreichen Menschen zusammengestellt.

1883 Am 3. Juli wird Franz Kafka in Prag geboren.
1885-1888 Geburt zweier Brüder, beide sterben als Kleinkinder.
1889-1892 Die Schwestern Gabriele, Valerie und Ottilie werden geboren.
1889-1893 Besuch der Deutschen Volks- und Bürgerschule.
1893-1901 Besuch des Altstädter Deutschen Gymnasiums und Abitur.
1901 Beginn des Jura-Studiums an der Prager Deutschen Universität.
1902 Oktober: Begegnung mit Max Brod. Beginn der lebenslangen Freundschaft.
1904 Beginn der Arbeit an der 1. Fassung von Beschreibung eines Kampfes. Begegnung mit Oskar Baum.
1906
  • Juni: Promotion.
  • Oktober: Beginn des einjährigen Rechtspraktikums am Landes- und am Strafgericht.
1907
  • Beginn der Arbeit an der 1. Fassung von Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande. Begegnung mit Hedwig Weiler.
  • Oktober: Anstellung als Hilfskraft bei einer Versicherungsgesellschaft.
1908
  • März: Veröffentlichung kleiner Prosastücke unter dem Titel Betrachtung in der Zeitschrift Hyperion.
  • 30. Juli: Eintritt in die halbstaatliche Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen in Prag. Beginn der erhaltenen Tagebucheintragungen. Erste Begegnung mit Franz Werfel.
  • September: Reise mit Max Brod und dessen Bruder Otto nach Norditalien. Ausflug zu einem Flugtreffen, das Kafka in seinem Text Die Aeroplane in Brescia beschreibt.
  • Herbst: Arbeit an der Zweitfassung von Beschreibung eines Kampfes.
1910 Oktober: Reise mit Otto und Max Brod nach Paris.
1911 August/September: Reise mit Max Brod in die Schweiz, nach Italien und Frankreich. Freundschaft mit dem Schauspieler Jizchak Löwy. Kafka und sein Schwager Karl Hermann gründen die Erste Prager Asbest-Fabrik.
1912
  • Arbeit an der 1.Fassung des Romans Der Verschollene, die Kafka später vernichtet.
  • Juni/Juli: Reise mit Max Brod nach Leipzig und Weimar. Begegnung mit den Verlegern Kurt Wolff und Ernst Rowohlt. Aufenthalt im Naturheilsanatorium Jungborn bei Stapelburg im Harz.
  • August: Erste Begegnung mit Felice Bauer, seiner späteren Verlobten.
  • September: Beginn des intensiven Briefwechsels mit Felice Bauer. Das Urteil entsteht. Tägliche Arbeit an der 2. Fassung von Der Verschollene.
  • Dezember: Die Verwandlung entsteht.
1913
  • Januar: Abbruch der Arbeit an Der Verschollene.
  • März: In Berlin erstes Wiedersehen mit Felice Bauer.
  • Mai: Der Heizer (das 1. Kapitel von Der Verschollene) erscheint im Kurt Wolff Verlag.
  • Juni: Das Urteil erscheint im Jahrbuch Arkadia (hrsg. von Max Brod). Beginn der Freundschaft mit dem Schriftsteller Ernst Weiß.
  • September/Oktober: Reise allein nach Wien, Venedig, Gardasee. Sanatorium Dr. von Hartungen in Riva.
1914
  • 1. Juni: Verlobung mit Felice Bauer.
  • 12. Juli: Bei einer von Kafka als „Gerichtshof“ empfundenen Auseinandersetzung in Berlin wird die Verlobung aufgelöst.
  • 28. Juli: Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg (Beginn des Ersten Weltkriegs).
  • August: Beginn der Arbeit am Roman Der Process.
  • Oktober: In der Strafkolonie entsteht.
  • Dezember: Das Fragment Der Dorfschullehrer entsteht.
1915
  • Januar: Kafka gibt die Arbeit am Process auf. Erneute Annäherung an Felice Bauer.
  • April: Reise nach Ungarn.
  • Juli: In einem Sanatorium in Rumburg (Rumburk) in Nordböhmen.
  • Oktober: Die Verwandlung erscheint bei Kurt Wolff.
1916
  • Juni: Kafka wird aus beruflichen Gründen vom Militärdienst freigestellt.
  • Juli: In Marienbad gemeinsamer Urlaub mit Felice Bauer. Neuerlicher Entschluss zur Heirat.
  • November: Kafka liest in München In der Strafkolonie
  • Im folgenden Winter entstehen dort zahlreiche kürzere Erzählungen und Fragmente, darunter Ein Landarzt, Schakale und Araber, Beim Bau der chinesischen Mauer und Auf der Galerie.
1917
  • April: Ein Bericht für die Akademie entsteht.
  • 10. August: Lungenblutsturz.
  • September: Kafka bittet wegen der diagnostizierten Tuberkulose um Pensionierung, was jedoch abgelehnt wird. Er übersiedelt zu seiner Schwester Ottla nach Zürau.
  • Oktober: Kafka beginnt, aphorismenartige Texte zu schreiben.
  • Ende Dezember: Endgültige Trennung von Felice Bauer.
1918
  • Mai: Ende der Beurlaubung.
  • Oktober: Sturz der österreichisch-ungarischen Monarchie, Proklamation der Tschechoslowakei als Republik. Kafka erkrankt an der Spanischen Grippe.
  • Ende November: Kafka fährt nach Schelesen (Želizy), wo er bis März in einer Pension lebt.
1919
  • Ende Januar: In Schelesen Begegnung mit der Prager Angestellten Julie Wohryzek.
  • Sommer: Verlobung mit ihr.
  • Oktober: In der Strafkolonie erscheint bei Kurt Wolff. Kafka sagt die geplante Heirat ab.
  • November: In Schelesen schreibt Kafka den Brief an den Vater.
1920
  • März: Ernennung zum „Anstaltssekretär“.
  • April: Kafka fährt für drei Monate auf Kur nach Meran.
  • Mai: Bei Kurt Wolff erscheint Ein Landarzt. Kleine Erzählungen.
  • Juli: Er löst die Verlobung mit Julie Wohryzek auf.
  • Dezember: Beginn eines achtmonatigen Kuraufenthalts in Matliary in der Hohen Tatra.
1921 Februar: Beginn der Freundschaft mit dem Studenten Robert Klopstock.
1922
  • Januar: Beginn der Arbeit an dem Roman Das Schloss.
  • Februar: Kuraufenthalt in Spindelmühle (Špindlerův Mlýn) im Riesengebirge.
  • Frühjahr: Ein Hungerkünstler entsteht.
  • Juni: Forschungen eines Hundes entsteht. Kafka fährt für etwa drei Monate nach Planá in Südböhmen.
  • 1. Juli: „Vorübergehende“ Pensionierung.
August: Abbruch der Arbeit an Das Schloss.
1923
  • Juni: Letzte erhaltene Tagebucheintragung.
  • Juli: Kafka fährt für ca. einen Monat nach Müritz an der Ostsee, wo er Dora Diamant trifft.
  • September: Kafka übersiedelt nach Berlin-Steglitz. Er bezieht wechselnde gemeinsame Wohnungen mit Dora Diamant.
  • November/Dezember: Eine kleine Frau und Der Bau entstehen. Verschlechterung von Kafkas Gesundheitszustand.
1924
  • März: Rückkehr nach Prag. Josefine, die Sängerin entsteht.
  • April: Kafka reist in das Sanatorium „Wiener Wald“ in Ortmann, Niederösterreich. Hier erfolgt die Diagnose der Kehlkopftuberkulose. Überführung in die Universitätsklinik Wien, später in das Sanatorium Dr. Hugo Hoffmann in Kierling bei Klosterneuburg.
  • 3. Juni: Kafka stirbt gegen Mittag.
  • 11. Juni: Bestattung auf dem jüdischen Friedhof in Prag-Straschnitz.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

18.08.2009, 08.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein verstörender Autor

Kafka„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Vor einigen Monaten gab es einen Wettbewerb zum schönsten ersten Satz – für mich gehört der Beginn der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka unbedingt zu den schönsten ersten Sätzen der deutschsprachigen Literatur.

Der junge Handlungsreisende Samsa hat sich in ein abstoßendes Tier verwandelt, wird von seiner Familie in seinem Zimmer eingesperrt, miss- handelt und vernachlässigt. Der Vater bewirft ihn sogar mit Äpfeln. Ein Apfel bleibt in Gregors Rücken stecken und verletzt ihn so stark, dass er schließlich stirbt.

Diese Erzählung ist zweifellos ein Meisterwerk der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts und wohl mit das bekannteste Werk des Prager Schriftstellers. Geschrieben wie ein nüchterner Tatsachenbericht, zeigt „Die Verwandlung“ die Untiefen der menschlichen Psyche in der geschilderten Grausamkeit besonders deutlich. Und als ich zum ersten Mal „In der Strafkolonie“ gelesen habe, hat mir auch diese Lektüre, ich gebe es zu, ganz schön zugesetzt. Kafka erzeugt darin durch die Darstellung eines ausgeklügelten Folterinstruments einen sehr subtilen Horror, der durch seine typisch lakonische Erzählweise noch verstärkt wird. Nichts für schwache Nerven.

Der Schriftsteller war im „normalen Leben“ Jurist in der „Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen“ und schrieb daher oft nachts. Ob das wohl etwas mit seinen Themen zu tun hatte? Natürlich haben sich die Fachleute den Kopf über die Bedeutung des Kafkaschen Kosmos zerbrochen. Selbst ich habe in einer der höheren Schulklassen darüber eine Hausarbeit geschrieben. Kafkas Welt wimmelt von Konflikten, Ausweglosigkeiten und scheinbar sinnlosem Tun. Seine Werke sind verstörend, ja, so möchte ich das sagen. Aber sie sind auch so faszinierend, dass man sich ihrer Wirkung kaum entziehen kann.


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

28.02.2009, 12.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Eine kafkaeske Romanze

Franz KafkaVon einer Freundin, die nach wie vor Single ist, habe ich ab und zu auch schon erzählt, glaube ich. Ihre Ge- schichten geben mir manchmal Anlass, über die Liebe nachzudenken. Am 03. Juli jährt sich der Geburtstag von Franz Kafka. Was das mit meiner Freundin zu tun hat? Nun, einfach nur Anlass eine Geschichte von ihr zu erzählen, die mit Kafka zu tun hat.

Meine Freundin liebt Lesen. Deshalb gab sie diese Tätigkeit auch unter "Hobby" einer Online-Kontaktbörse an. Und als Lieblingsbuch "Das Schloss" von Kafka. Bald darauf kontaktierte sie ein anscheinend netter Mann und schlug ein Rendezvous bzw. Blind Date vor. Meine Freundin las sein Profil, in dem als Lebensmotto stand: "Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach Hindernissen - vielleicht ist keins da. Aufgeschlossener Mittvierziger sucht flotten Käfer zur gemeinsamen Verwandlung."Das Schloß Natürlich identifizierte meine Freundin den ersten Satz als Worte Kafkas und war begeistert. Und Verwandlung: Da dachte sie natürlich an die „Verwandlung“ von Kafka. Kurzum: Sie stimmte dem Treffen zu.

Was sich ihr bei dem Blind Date dann allerdings präsentierte, hatte mit ihrer Vorstellung eines belesenen, interes- santen, gebildeten Mannes nur wenig zu tun. Es wäre zu intim, ins Detail zu gehen, wahrscheinlich liest meine Freundin mit. Es muss ein wahrhaft kafkaeskes Treffen gewesen sein, denn der Typ, so stellte sich heraus, hatte überhaupt noch nichts von Kafka gehört, war arbeitslos und wollte anscheinend nur seine Freundin betrügen. Als ich sie letztens fragte, ob sie denn Partner- börsen im Internet überhaupt für sinnvoll hält, überlegte sie kurz und gab dann lapidar zurück: "Es gibt unendlich viel Hoffnung. Nur nicht für mich."


Darf´s noch ein bisschen mehr Kafka sein?


04.07.2007, 20.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Bianka Schmidtlein:
Tatsächlich. Auf jokers.de führt die Sucheing
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Ute Berger:
es ist wirklich schlimm was mit den Handys un
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Gabi Bergermann:
Auweia. Jorges Verhalten erinnert schon sehr
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Anne-Marie Kollmannsberger:
Anti-BILD-Mail-Aktion:Hier klicken
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Gabi Bergermann:
Soso, man ist ein paar Wochen in Mittelamerik
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