
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Kultur
Jetzt krachts!
Zu welchem Persönlichkeitstypus gehören Sie? Neigen Sie dazu, bei Meinungsverschiedenheiten zu schmollen oder hauen Sie mal gerne auf den Tisch? Oft erscheinen uns die Paare als besonders glücklich, bei denen alles in »stiller Harmonie« abläuft: Nie bekommt man als Außenstehender bei diesen Beziehungen einen Konflikt mit, scheinbar läuft alles rund. Doch spätestens seit den Bestseller-Büchern des US-Psychologen John Gottman, der anhand des Streitstils von Paaren gewagte Prophezeiungen aufstellt, ob die Beziehung die nächsten drei Jahre übersteht, blicken wir anders auf Streitigkeiten zwischen Paaren.
Nachdem Gottman immerhin eine Trefferquote von über 90% in seinen Voraussagen hatte, sprechen wir heute von einer »Streitkultur«, d.h.: Wir erachten das (kultivierte) Auseinandersetzen mit dem Partner als lebensnotwendig für die Beziehung. Denn Gottman zeigte, dass der, der nicht streitet, nur geringe Aussichten auf eine überdauernde Beziehung hat.
Ein Blick auf aktuelle Statistiken offenbart, mit welchen Meinungsverschiedenheiten die Deutschen sich hauptsächlich plagen: Das Meinungsforschungsinstitut Forsa fand in einer Umfrage heraus, dass die größten Probleme in einer Partnerschaft vor allem auf abweichenden Freizeitinteressen (28 Prozent), unterschiedlichem Humor (27 Prozent) und ungleicher Arbeitsverteilung im Alltag (24 Prozent) beruhen.
Es erscheint logisch, dass solche Themen, bleiben sie unangesprochen, für Dauer-Zündstoff in einer Beziehung sorgen. Allerdings ist auch klar, dass es, falls diese Probleme gar nicht mehr als Problem wahrgenommen werden, ein Zeichen für mangelndes Interesse am Partner sein kann, kurzum: Das Paar hat sich bereits so auseinandergelebt, dass es schlichtweg egal ist, was der andere denkt, fühlt und tut.
Die konstruktive Auseinandersetzung ist also der Schlüssel für eine gelungene und dauerhafte Beziehung. Aber wie funktioniert eine solche »Streitkultur«? Wie streitet man, ohne den anderen zu verletzen, ohne ihn in der Integrität seiner Person anzugreifen? In »Hast du mal Zeit für einen Streit?« zeigt der Psychologe Dr. Allan Guggenbühl, wie Konflikte, Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Bedürfnisse fair und vor allem gewinnbringend für die Partnerschaft in einem Streit richtig verhandelt werden können. Konstruktiv und kultiviert statt destruktiv und primitiv.
»Hast du mal Zeit für einen Streit?« bei Jokers
25.05.2011, 20.30 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Das offene Denkmal
Liebe Leser, vielleicht geht es Ihnen wie mir, wenn Sie den Begriff "Offenes Denkmal" das erste Mal hören und Sie fragen sich, was das denn bitte schön sein soll. Nein, wir bewegen uns nicht in der Jugendsprache, auch, wenn die Suche nach dem Jugendwort des Jahres 2010 im Moment das Medien-Sommerloch füllt (bis zum 31.10. kann noch online abgestimmt werden, ob "Arschfax", "Schnitzelhusten" oder vielleicht doch lieber "Loha" das Rennen macht). Dennoch hat das "Offene Denkmal", dem ein ganzer Tag gewidmet ist (der zweite Sonntag im September nämlich, also heuer der 12.), natürlich mit Kultur zu tun: Seit einigen Jahren richtet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Tag des offenen Denkmals aus.
Vor allem aber setzt sie sich für die Rettung und Bewahrung des kulturellen Erbes ein.
Am 12.09. sind zahlreiche historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, für Architektur- und Geschichtsliebhaber für ihre Streifzüge in die Vergangenheit geöffnet, frei nach dem Motto "Geschichte zum Anfassen".
Es wird viel geboten: In fachkundigen Führungen berichten Denkmalpfleger an konkreten Beispielen über die Aufgaben und Tätigkeiten der Denkmalpflege. Archäologen, Restauratoren und Handwerker demonstrieren Arbeitsweisen und Techniken..
2006 wurde die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit der Aktion Tag des offenen Denkmals als "Ort des Tages" der Kampagne Deutschland - Land der Ideen ausgezeichnet.
Hier finden Sie einen Überblick über die Entwicklung des "Tag des Offenen Denkmal":
| 1984 | Jack Lang ruft in Frankreich die "Journées Portes ouvertes monuments historiques" ins Leben. Aufgrund der großen Resonanz in der Bevölkerung folgen in den nächsten Jahren weitere Länder dem Beispiel. |
| 1991 | Der Europarat greift die Idee auf und ruft offiziell die European Heritage Days aus. |
| 1993 | In Deutschland öffnen am 1. bundesweiten Tag des offenen Denkmals 1.200 Kommunen 3.500 Denkmale, 2 Millionen Besucher werden bundesweit gezählt. In 21 europäischen Ländern sind es insgesamt 10 Millionen Besucher. |
| 1996 | 1.600 Kommunen öffnen rund 5.000 Denkmale in Deutschland, bei bundesweit 3 Millionen Besuchern. 40 Länder öffnen europaweit 30.000 Kulturdenkmale, 15 Millionen Besucher sind dabei. |
| 1999 | 2.100 Kommunen nehmen mit bundesweit über 5.500 Denkmalen teil, 3,2 Millionen Besucher werden gezählt. 46 Länder öffnen europaweit 30.000 Denkmale. Die Zahl steigt auf 19,4 Millionen Besucher. |
| 2003 | Alle 48 europäischen Länder beteiligen sich an den European Heritage Days. In Deutschland nehmen über 2.500 Kommunen mit rund 6.700 Denkmalen teil. Es werden bundesweit 4 Millionen Besucher gezählt. |
| 2005 | Der Denkmaltag ist weiter auf Rekordkurs: Über 7.000 geöffnete Objekte ziehen landauf landab rund 4,4 Millionen Menschen an. Kulturstaatsministerin Christina Weiss spricht zur Bundeseröffnung in Dresden. |
| 2006 | Am 10. September sind 4,5 Millionen Kulturinteressierte bundesweit unterwegs, um in mehr als 2.500 Städten und Gemeinden über 7.000 Denkmale aller Art zu besuchen. Allein in der Eröffnungsstadt Berlin werden 65.000 Besucher gezählt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wurde für ihr Engagement für den Tag des offenen Denkmals als "Ort des Tages" der Kampagne Deutschland - Land der Ideen gewählt. |
| 2007 | Zum 15. Tag des offenen Denkmals sind am 9. September in rund 3.450 Städten und Gemeinden mehr als 10.000 Denkmale geöffnet. Sie werden von 5,5 Millionen Kulturinteressierten besucht. Bundesbauminister Tiefensee eröffnet den Tag in Regensburg. |
| 2008 | Das Thema "Archäologie und Bauforschung" lockt am 14.9. 4,5 Millionen Besucher in rund 7.500 geöffnete Kulturdenkmale in ganz Deutschland. Eröffnet wird der Tag bundesweit in Esslingen a. N., wo allein über 100 Denkmale zu bestaunen sind. |
| 2009 | Von Aachen bis Zwickau nehmen über 2.400 Kommunen mit über 7.500 Denkmalen teil. Bundesweit sind am 13. September über 4,5 Millionen Besucher unterwegs. In Potsdam wird der Tag des offenen Denkmals von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck eröffnet. |
Bild: wikimedia.de
Tabelle: http://www.tag-des-offenen-denkmals.de/info/geschichte.html
08.09.2010, 20.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Raritäten

Ja, aber sind denn E-Mails keine Briefe? Gut, sie sind nicht mehr per Hand auf Papier niedergeschrieben, aber sie ähneln doch dem, was Briefe früher waren: Mittel zu dem Zweck, dem Empfänger eine Botschaft zu übermitteln – oder ihm auch einfach nur zu zeigen, dass man an ihn denkt.
Ich sehe es ähnlich, und eigentlich bin ich froh, dass ich nicht mehr allzu viele handgeschriebene Briefe erhalte. Wer schreibt denn heute noch leserlich genug, dass es eine Freude wäre, die Zeilen zu lesen? Über Mails freue ich mich jedoch immer. Die Leserlichkeit ist gewährleistet und Rechtschreibkorrekturprogramme sorgen dafür, dass auch der Orthografie Genüge getan wird.
Einen Nachteil hat das Ganze jedoch: Alles Digitale ist mehr als vergänglich. Wer hebt schon Mails auf, wer legt sie ab, wer liest sie nach Jahren noch einmal? Das war früher anders: Gott sei Dank, sage ich, gab es zu Schillers Zeiten noch keine Computer. Dann hätten wir heute nämlich nicht das Vergnügen, seine zahlreichen Briefwechsel mit großen Persönlichkeiten wie Goethe, Lotte v. Lengefeld und Caroline v. Beulwitz, Gottfried Körner oder Georg Göschen und anderen nachverfolgen zu können. Und da würde uns wirklich etwas entgehen. Über 2.200 Briefe verfasste Schiller!
Ein Brief an Goethe zum Beispiel lautet so – achten Sie auf die wunderbare, ausgefeilte Wortwahl, auf die eloquenten Formulierungen:
Hochwohlgeborner Herr,
Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath!
Beiliegendes Blatt enthält den Wunsch einer Sie unbegrenzt hochschätzenden Gesellschaft, die Zeitschrift, von der die Rede ist, mit Ihren Beiträgen zu beehren, über deren Rang und Werth nur Eine Stimme unter uns sein kann. Der Entschluß Euer Hochwohlgeboren, diese Unternehmung durch Ihren Beitritt zu unterstützen, wird für den glücklichen Erfolg derselben entscheidend sein, und mit größter Bereitwilligkeit unterwerfen wir uns allen Bedingungen, unter welchen Sie uns denselben zusagen wollen.
Hier in Jena haben sich die HH. Fichte, Woltmann und von Humboldt zur Herausgabe dieser Zeitschrift mit mir vereinigt, und da, einer nothwendigen Einrichtung gemäß, über alle einlaufenden Manuscripte die Urtheile eines engern Ausschusses eingeholt werden sollen, so würden Ew. Hochwohlgeboren uns unendlich verpflichten, wenn Sie erlauben wollten, daß Ihnen zu Zeiten eins der eingesandten Manuscripte dürfte zur Beurtheilung vorgelegt werden. Je größer und näher der Antheil ist, dessen Sie unsre Unternehmung würdigen, desto mehr wird der Werth derselben bei demjenigen Publicum steigen, dessen Beifall uns der wichtigste ist. Hochachtungsvoll verharre ich
Euer Hochwohlgeboren gehorsamster Diener und aufrichtigster Verehrer
Jena 13. Juni 1794
F. Schiller.
Als Rarität bieten wir Ihnen einige wenige Exemplare des Werkes „Schöne Briefe“ an: Eine besondere Auswahl von Schillers Briefen wird in dieser luxuriösen und bibliophilen Ausgabe in Faksimiles und Transkriptionen mit Erläuterungen vorgestellt. Ein echtes Fundstück für alle Literaturbegeisterten!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
15.03.2010, 17.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL
In Linz gestorben
Die oberösterreichische Stadt hat sich meine Zuneigung durch ein Detail ihres Kulturhauptstadt-Programms verdient. Man hat in Linz nämlich ein Akustisches Manifest verabschiedet, das sich gegen die allgegenwärtige Beschallung unserer Umgebung richtet. Das gefällt mir außerordentlich! Denn mich stören aufdringliches Werbegeplapper im Supermarkt, nervige Jingles, doofe Klingeltöne, piepsende Warntöne (warum, liebe Autobauer, baut ihr nicht einfach Autos, in denen man SEHEN kann, wohin man fährt, anstatt es an allen Ecken piepsen zu lassen?) und alberne Reklameliedchen.
Viele Leute haben beim Lesen Musik im Hintergrund laufen. Sie auch? Also ich kann das nicht, sondern bin da etwas eindimensional veranlagt und kann mich nicht auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren.
Vielleicht möchten Sie sich auch gern einmal wieder konzentrieren, und zwar auf ein Buch eines österreichischen Autors? Zum Beispiel auf eines von Adalbert Stifter, der in Linz starb. Lange verkannt, gilt Stifter längst als einer der großen Autoren Österreichs. Bei uns können Sie ihn zum Top-Preis entdecken:
Was Sie von mir allerdings nicht bekommen, ist eine Musikempfehlung dazu ...
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
06.10.2009, 08.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Der Würth-Preis ging an Ilija Trojanow
Trojanow reiht sich somit in die Liste bedeutender Namen ein, die zuvor den Würth-Preis verliehen bekamen: Hermann Lenz (1997), Claudio Magris (2000), Claude Vigée (2002), Harald Hartung (2004) Herta Müller (2006) und Peter Turrini (2008) sind bislang ausgezeichnet worden.
Der am 23. August 1965 in Sofia geborene Ilija Trojanow wurde im Jahre 1971 von seiner Familie auf der Flucht über Jugoslawien und Italien nach Deutschland gebracht. Nach einer abwechslungsreichen Jugend in verschiedenen Ländern (Kenia, Deutschland, Frankreich …) lebt er heute in Wien. Ilija Trojanow sei ein „poetischer Chronist der großen Exil- und Migrationsphänome der Moderne“, hieß es in der Begründung der Jury am 10. Juli. Der Preis wird Ende Januar 2010 in Stuttgart überreicht.
Speziell der Titel des Essays „Kampfabsage. Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen“ (2007) gelte als Motto des literarischen Schaffens von Trojanow, hieß es in der Preisbegründung. „Dokumentation, Reisebericht, ethnologische Studie, Reportage, Erzählung und andere Formen der Fiktionalisierung bilden ein ästhetisches Ganzes, das dem Leser ein neues Gefühl für die Komplexität inter- und transkultureller Wirklichkeitserfahrungen vermittelt.“
An die Stelle des heute klischeehaft anmutenden „Dialogs der Kulturen“ trete das Modell „einer neuen Dialogizität der Kulturen“. Dies sei die „vielleicht kreativste Antwort auf die Herausforderungen und Gefahren einer kulturellen Nivellierung“.
Weitere Informationen zum Würth-Preis finden Sie hier: http://www.wuerth.de/de/wuerth/stiftung-literatur-europa.html
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
28.07.2009, 19.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL
10 Jahre Mauerfall – die humorvolle Seite
Vor zehn Jahren fiel die Mauer – Deutschland konnte sich wiederver- einigen. Ich finde, wir haben uns in diesen Jahren sehr gut zusammen- gerauft. All die kleinen und großen Meinungsverschiedenheiten, zu denen es nun mal kommt, wenn Menschen lange getrennt waren und dann plötzlich so etwas wie eine Wohngemeinschaft bilden, sind verständlich und auf dem Weg bereinigt zu werden. Oft werden sie mit einer großen Portion Humor getragen. Und Humor war und ist auf beiden Seiten notwendig!Als Wessi bin ich persönlich ein Fan der alten Trabi-Witze. Hier eine kleine Auswahl meiner Favoriten:
Ein anderer Name für "Trabbi-Fahrer" ? - Teilchenbeschleuniger...
Übrigens ist der Trabbi ein echter Fortschritt im Automobilbau: Bei einem
Unfall haben Fußgänger die Möglichkeit, zurückzuschlagen...
Ein Scheich hat gehört, dass es in der DDR ein Auto gibt, das so toll sein muss, dass man zwanzig Jahre auf die Lieferung warten muss. Das kannte er noch nicht mal von seinem Rolls Royce. Natürlich musste der Scheich ein solches Auto haben und hat sofort einen Brief an das entsprechende Kombinat aufsetzen lassen. Als der Brief in der DDR ankommt, ist man natürlich geschmeichelt. Selbstverständlich will man ein so hohes Tier wie einen Scheich nicht 20 Jahre auf ein Auto warten lassen. Der nächste Trabi, der hergestellt wird, wird sofort eingezogen und in das Emirat geschickt. Eine Woche später kommt das Dankschreiben vom Scheich: "Liebe Genossen, ich freue mich auf unsere begonnenen Handelsbeziehungen. In Erwartung des Trabant 601 De Luxe möchte ich ihnen schon mal für das mir übersandte Modell danken ... "
Was ist ein Trabbi mit einem Taschenrechner im Handschuhfach? Die Antwort der DDR auf "Knight Rider".
Warum heißt der Trabbi Trabbi? Wäre er schneller, hieße er Galoppi!
Was ist wenn 5 Trabbis an der Ampel stehen? Tupperparty.
Wie verdoppelt man den Wert des Trabbi? Einmal volltanken! Und wie verdreifacht man seinen Wert ? Eine Banane in den Fond legen.
Wann erreicht der Trabbi seine Höchstgeschwindigkeit? Wenn er abgeschleppt wird!
Aber selbstverständlich gibt es nicht nur Witze ÜBER die DDR. In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wurde die eigene Scherzkultur mehr als gepflegt und entwickelte ein spannendes Eigenleben – wohl auch deshalb, weil insbesondere bei politischen Witzen mehr als aufgepasst werden musste. Unser Werk „Witzkultur in der DDR“ präsentiert Ihnen die besten Wort- und Gedankenspiele der DDR.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
27.04.2009, 08.21 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Kulturschaffende am Ende der Verdienstleiter
Von den Übersetzern weiß man es. Schon seit Jahren wabert ein Streit in der Buchbranche, was denn eine angemessene Entlohnung von Übersetzern bedeutet. Mit dem Ergebnis, dass die Übersetzer meist immer noch viel zu wenig für ihre kulturschöpferische Arbeit verdienen. Einer Gesellschaft, die darauf aufbaut, dass sie sich mit Wissen und Bildung auf ihrem Wohlstandsniveau hält, wird es nicht mehr lange möglich sein, Bankern, die gigantische Werte vernichten, Jahresgehälter von Millionen in den Rachen zu werfen, während sie gleichzeitig Menschen, die im Kulturbereich Werte schaffen, mit einem Hungerlohn abspeiset.
Viel Arbeit und wenig Geld, das ist auch die Überschrift eines Börsenblatt-Artikels zu den Einkünften von BuchillustratorInnen. 732 von ihnen haben ihre Einkünfte offengelegt. Mit erschreckendem Ergebnis. Fast 66 Prozent der Illustratoren können von ihrem Verdienst keine Familie ernähren. Etwa ein Drittel hat einen zweiten Beruf und mehr als 40 Prozent sind auf das Einkommen ihres Partners angewiesen, um überlegen zu können. Ganz konkrete Zahlen: 45 % verdienen im Schnitt unter 12.000 Euro netto im Jahr, etwa 16 % kommen bis 18.000 netto, etwa 12 % auf bis zu 24.000 netto.
Und es wird in den nächsten Jahren sicher nicht besser, denn der Kostendruck der Verlage nimmt zu. Um das auszugleichen, müssten die Illustratoren noch mehr Bücher illustrieren – oder in Länder auswandern, wo sie besser verdienen. Auch an dem Beispiel der Illustratoren zeigt sich, dass die Hochschätzung von Kultur in unseren Breiten meistens nur einem Lippenbekenntnis gleichkommt. Jungen Menschen zu einem Beruf in der Kulturindustrie zu raten, kann nur noch mit einem schlechten Gewissen getan werden.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
14.12.2008, 10.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Interkulturelle Bibliothek
Nun wurde für die öffentlichen Bibliotheken ein so genanntes interkulturelles Webportal freigeschaltet, das den Bibliothekskunden und den Bibliothekaren den Zugang zu fremdsprachigen Beständen in mehr als 20 Sprachen erleichtern soll. Denn auch in kleinen Orten und kleinen Städten wächst der Anteil an Bibliotheksbenutzern, die fremdsprachige Literatur oder Materialien zum Deutschlernen suchen – ohne dass jedoch die kleinen Bibliotheken dort entsprechend reagieren können. Die Etats sind oft einfach zu gering. Aber die Fernleihe kann hier helfen. Das interkulturelle Bibliotheksportal kann so mithelfen bei der weiteren Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.
Zum einen stellt das Portal den Bibliothekaren Informationen und Hilfestellungen zur Verfügung, zum anderen bekommen aber die User selbst Zugang zu den fremdsprachigen Beständen und Quellen von mehr als 20 wichtigen Migrantensprachen. Ein Fernziel im Hintergrund ist auch die Einrichtung einer interkulturellen Bibliothek. Eine solche multikulturelle Nationalbibliothek könnte sicher viel zur Verständigung und Kommunikation zwischen den Kulturen beitragen. Ich hoffe, dass die Initiatoren die gesteckten Ziele verwirklichen können.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
16.11.2008, 16.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Reiseverlage haben es schwer
Die Gründerzeit der modernen Reiseführer waren die 70er Jahre, als der Massentourismus immer mehr Länder der Welt entdeckte. Viele reisten damals in Länder, zu denen es noch keine deutschsprachigen Reiseführer gab und wurden selbst nebenbei zu Reiseschriftstellern oder –verlegern. So entstanden Verlage wie „Lonely planet“, der Oase-Verlag oder der Apa-Guide-Verlag.
Der deutschsprachige Marktführer bei Reiseliteratur ist der Verlag Mair-Dumont, der um die 80 Prozent des deutschsprachigen Marktes abdeckt. Man kennt vielleicht die „Marco Polo“-Reihe und den Baedecker aus diesem Verlag.
Der Reiseführermarkt ist heute jedoch in der Bedrängnis. Nicht nur durch Dienste wie Google-Earth, sondern auch durch den Kostendruck auf dem engen Markt. Vor allem Service-Informationen, die über Gratis-Informationen im Internet hinausgehen kosten Geld. Aber teurere Preise für Reiseführer sind am Markt nur schwer durchzusetzen. Viele Verlage versuchen sich dadurch zu helfen, dass sie die einmal erarbeiteten Informationen in den verschiedensten Publikationen im Print- und Onlinebereich anbieten. Aus Datenbanken werden so Bücher, Magazine, Handys, ja sogar Navigationsgeräte gefüttert. Ob das aber nicht dazu führt, dass die einzelnen Produkte immer austauschbarer werden? Die Zukunft wird zeigen, ob es neben den Internetinformationen noch einen eigenständigen Markt für Reiseführer geben wird – und wie groß es ist.
Kein Wunder, dass einer der weltweit bestens verkauften Reiseführer der letzten Jahre, einer über ein Land war, das gar nicht existiert: Die Reiseführersatire "Molwanien - Land des schadhaften Lächelns". Drei australische Autoren stellen den Phantasiestaat Molwanien als sympathisches Land am Rande Osteuropas vor, in dem Hexenverbrennungen noch zu Folklore gehören.
Dabei lässt das Autorenteam kaum ein Klischee des Reisejournalismus aus. Inklusive der Leserorientierung. Auf der letzen Seite steht: "Ihre Meinung ist uns wichtig. Wenn sie auf Ihrer Molwanien-Reise auf etwas Großartiges stoßen, etwa ein Dorf mit trinkbarem Wasser - Schreiben sie uns."
(geschrieben von Matthias Stöbener)
13.09.2008, 14.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Kultur hat ihren Preis
Aber auch Printtitel werden illegal im Internet getauscht. Als Beispiel führt der Tagesspiegel „Eine Billion Dollar“, einen Roman von Andreas Eschbach an, der von 35.000 Anbietern im Netz kostenlos zu haben sei. Wenn sich E-Book-Lesegeräte am Markt durchsetzen, so die düstere Prophezeiung, werden die illegalen Downloads von Büchern noch mehr. Wie sich Verlage dagegen wehren können? Nur durch Verfolgung mit Mitteln des Strafrechts sicher nicht. Meiner Meinung nach muss es zu fairen Preisen und einem Dialog der „Macher“ und „Nutzer“ kommen. Jeder Nutzer, der etwas arbeitet, wird einsehen, dass auch ein Schriftsteller oder Verlag etwas an seinem Werk verdienen will. Dass man sich nicht einfach Monate und Jahre hinsetzen, ein Buch schreiben und dann kostenlos unter die „User“ streuen kann. Jedenfalls nicht, wenn man auf den Verdienst angewiesen ist. Und die finanziellen Schäden, die Autoren und Verleger durch eine umfassende Gratiskultur erleiden, bringen natürlich weitere Produktionen in Gefahr. Und unsere Kultur wird ärmer.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
04.09.2008, 15.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL



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