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Tag: Nachbarschaft
Krieg am Gartenzaun
Hätten Sie gedacht, dass man sich wegen ein paar Grashalme so in die Haare bekommen kann, dass am Ende nur noch der Gang vors Gericht eine Lösung verspricht? Man kann! Streitereien am Gartenzaun haben schon Tragödien angerichtet. Apropos Gartenzaun: Steht der auch exakt auf Linie? Die Grenzsteine geben Aufschluss darüber. Doch auch da scheiden sich die Geister. Es gab schon Fälle, in denen ein Nachbar den anderen bezichtigte, den Grenzstein heimlich nachts versetzt zu haben, um ein Stückchen mehr Garten herauszuschinden. Ein Stein des Anstoßes also...
Die Anlässe des Nachbarschafts-Zwistes können gar nicht nichtig genug sein, irgendwann ufern sie aus - weil niemand nachgeben will und jeder dem anderen Boshaftigkeiten zutraut. Gestritten wird gerne über zu nah an die Grundstücksgrenze gepflanzte Bäume, Unkraut, das durch den Zaun wuchert, Äste, die in Nachbars Garten hängen, Grillfeuerdünste, Katzen, die Goldfische aus dem Teich angeln etc. Und wenn erst einmal der Krieg ausgebrochen ist, lässt der Rachefeldzug nicht lange auf sich warten. Da werden Kupfernägel in missliebige Bäume getrieben, extra laute Gartenpartys gefeiert oder man parkt sich gegenseitig die Einfahrt zu. Und so mancher Naturliebhaber hat sich bei seinem akkuraten, ständig ob des Wildwuchses nebenan motzenden Nachbarn mit einer »Samenbombe« gerächt: Einen Klumpen Erde, angereichert mit den schönsten Wildkräutern wie Löwenzahn, Giersch und Brennesseln, einfach über den Zaun werfen und schon ist der englische Rasen Geschichte...
Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfiehlt es sich, einen Kurs in gewaltfreiem Konflikttraining zu belegen oder dieses hilfreiche Buch im Regal stehen zu haben:
»Recht in Garten & Nachbarschaft« bei Jokers
Bild: © Susanne Schmich/PIXELIO
28.01.2011, 12.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Nachbarn, die keine Bücher lesen
Ich habe neue Nachbarn bekommen. Ich lud die zwei neuen Mieter gleich zu einem Kennenlernkaffee in meine Wohnung. Das Gespräch war sehr nett, weshalb ich kurze Zeit später gern die Gegeneinladung in die Nachbarwohnung annahm. Mittlerweile wohnte das noch relativ junge Pärchen schon einige Monate da und kannte mich als Nachbarn bereits. Allerdings mehr als mir lieb war. So begrüßte man mich mit „Schön, dass du uns besuchst. Wir dachten schon, du wärst ein Einsiedlerkrebs, so selten wie du Besuch bekommst.“
Huch! Was war das denn? Wurde ich da etwa überwacht? Es schien so, denn im weiteren Gespräch erfuhr ich, was meine geschätzten Nachbarn noch so von mir wussten: „Deine Erkältung vor ein paar Wochen hat sich ja ganz schön hingezogen. Wir konnten dich wochenlang husten hören.“ „Du hast einen komischen Musikgeschmack. Black und RnB hörst du gar nicht, oder?“ und als Krönung: „Du gehst gar nicht mehr weg, stimmt´s? Für das Nachtleben bist du wohl schon etwas zu alt.“
Die beiden gaben sich ganz einer Fähigkeit hin, um die ich sie als eher schweigsamer Mensch beneide. Sie sprachen ununterbrochen und meist sogar gleichzeitig. Dabei erfuhr ich schon nach kurzer Zeit, dass die Friseuse und der Arbeitslose gern den Feierabend mit Wodka, Red Bull und ein paar Joints ausklingen lassen. Auch von seiner Zeit im Knast, seinen sexuellen Abenteuern, dem gemeinsamen Besuch einiger Rave-Partys nebst unverzichtbarem Tablettengebrauch und diversen weiteren Vorlieben erfuhr ich, ohne mich im Geringsten wehren zu können. Die beiden überschütteten mich mit Details aus ihrem Privatleben, die ich aus reiner Höflichkeit ertrug.
Doch es kam noch schlimmer. Auch die Mitbewohner des Hauses wurden thematisiert. Ich erfuhr, dass die freundliche Dame im Parterre zunehmend dement werde, dass der muskulöse Herr im 1. Stock gern Stringtangas im Leopardenlook trüge, und dass der Sohn der Dame im 2. Stock verunglückt sei.
Das Pärchen, das ich bislang als jung und eher aufgeschlossen empfunden hatte, wetterte zum Schluss mit steigender Aggression gegen ausländische Mitbewohner, die „Türken im Viertel“ und „all das faule Gesocks“. Auch die „Studierten“ bekamen ihr Fett weg. „Die ganzen Typen, die sich für was Besseres halten, nur weil sie ständig Bücher lesen, gehören doch auch alle weg.“
Ich war so perplex, dass mir die Worte fehlten. Ziemlich schnell verabschiedete ich mich und ging in meine Wohnung zurück. Was soll man tun, wenn man solche Nachbarn hat? Ausziehen? Ich habe mir vorgenommen, diese Begegnung als Warnung zu sehen vor dem, was geschieht, wenn Menschen keine Bücher mehr lesen.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
30.01.2009, 18.00 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL



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