
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Poesie
Der Ruf vergangenen Glücks
Es heißt, ein Freund sei jemand, der dir die Melodie deines Herzens vorsingt, wenn du sie selbst vergessen hast. Wie ich jetzt feststellte, gilt das auch für Bücher. In meinem Fall für »Der Club der toten Dichter« von Nancy H. Kleinbaum. Ich hatte ganz vergessen, welche glückliche Bestätigung meiner Gedankenwelt mir dieses Buch schenkte, das ich vor langer Zeit gelesen habe.
Die Freude an Poesie und Kreativität, das Entwickeln eigener Gedanken und nicht zuletzt das Betreten neuer, unerforschter Wege, all dies pflanzte mir der unkonventionelle Lehrer Keating damals ins Herz. Am prägendsten jedoch war seine Forderung nach Individualität. Natürlich pflügte ich mich begierig durch alle Literaturverweise des Buches. Ich verlor und fand mich in Henry David Thoreaus »Walden«, entdeckte in den Gedichten Robert Frosts die Freude am Außergewöhnlichen und lernte seinerzeit gar ganze Textpassagen wie auch den Schlussmonolog des Waldelfs Puck aus Shakespeares »Sommernachtstraum« auswendig.
Heute, Jahrzehnte älter, sehe ich die Welt aus erwachsenen Augen. Leise und unmerklich hat sich die Poesie aus meinem Leben geschlichen. Wo früher verheißungsvolle Geheimnisse des Alltags auf mich warteten, plagen mich heute manchmal Sorgen um Geld, Job, Familie. Blickte ich damals mit Freude in die Zukunft, halten mich heute Zukunftsängste so manche Nacht wach.
Doch das ist ja das Schöne an der Literatur, dass sie immer ein wenig des vergangenen Glücks speichert und vergessene Träume zurückruft. Denn was bedeutet schon die gemeinsame Steuererklärung, wenn sich meine Frau doch so viel mehr über ein selbstgeschriebenes Gedicht freut...
08.03.2011, 10.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Der Ghostwriter der Poesiealben: Cäsar Flaischlen
Ich traue mich fast zu wetten, dass auch eingefleischten Lyrik-Freunden ein Name nur in Ausnahmefällen ein Begriff sein wird: Der des am 12.5.1864 in Stuttgart als Sohn eines Offiziers geborenen Cäsar Flaischlen nämlich.
Zunächst widmete sich der Dichter dem Buchhandel, studierte dann jedoch in Berlin, Heidelberg, Leipzig, Freiburg und Zürich, promovierte und siedelte 1890 nach Berlin über, wo er 1896 bis 1900 die Kunstzeitschrift "Pan" redigierte.
Seine ersten Gedichte erschienen im Jahr 1884, 20 Lenze zählte Flaischlen zu der Zeit.
Gestorben ist Cäsar Flaischlen am 16.10.1920 im Sanatorium Horneck, sein Ehrengrab auf dem Stuttgarter Pragfriedhof besteht noch heute.
Gut, nachdem Sie nun die groben Rahmendaten aus seinem Leben wissen, möchte ich Ihnen sein wohl berühmtestes Gedicht vorstellen – und auch hier traue ich mich zu wetten, nämlich dass Sie es ganz sicher schon einmal gehört haben, höchstwahrscheinlich sogar haben Sie selbst die erste Strophe in irgendeines der früher so beliebten Poesiebücher geschrieben: Und wahrscheinlich haben Sie auch damals nicht gewusst, wer Urheber dieser Verse war.
Hab Sonne im Herzen,
ob's stürmt oder schneit,
ob der Himmel voll Wolken,
die Erde voll Streit!
Hab Sonne im Herzen,
dann komme, was mag!
das leuchtet voll Licht dir
den dunkelsten Tag!
Hab ein Lied auf den Lippen,
mit fröhlichem Klang
und
macht auch des Alltags
Gedränge dich bang!
Hab ein Lied auf den Lippen,
dann komme, was mag!
das hilft dir verwinden
den einsamsten Tag!
Hab ein Wort auch für andre
in Sorg und in Pein
und sag, was dich selber
so frohgemut läßt sein:
Hab ein Lied auf den Lippen,
verlier nie den Mut,
hab Sonne im Herzen,
und alles wird gut!
Erinnern Sie sich? Zumindest an die erste Strophe? Und haben diese Worte Ihnen nicht ein kleines Lächeln auf die Lippen gezaubert? Dann schenken Sie diesen Reim doch weiter: Zum Beispiel als ersten Eintrag in dem niedlichen Poesiealbum, das wir von Jokers gerade im Angebot haben.
Poesiealbum bei Jokers
17.09.2010, 16.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Welttag der Poesie
Und weil es so gut in diese Jahreszeit und zu meiner momentanen Gefühlslage passt, möchte ich Ihnen ein Gedicht für die Zeit zwischen Winter und Frühling, zwischen Bangen und Hoffen, zwischen Sehnsucht und Erfüllung vorstellen. Gedichtet von Hugo von Hofmannsthal.
Es läuft der Frühlingswind
durch kahle Alleen,
seltsame Dinge sind
in seinem Wehn.
Er hat sich gewiegt,
wo weinen war,
und hat sich geschmiegt
in zerrüttetes Haar.
Er schüttelte nieder
Akazienblüten
und kühlte die Glieder,
die atmend glühten.
Lippen im Lachen
hat er berührt,
die weichen und wachen
Fluren durchspürt.
Er glitt durch die Flöte
als schluchzender Schrei,
an dämmernder Röte
flog er vorbei.
Er flog mit Schweigen
durch flüsternde Zimmer
und löschte im Neigen
der Ampel Schimmer.
Es läuft der Frühlingswind
durch kahle Alleen,
seltsame Dinge sind
in seinem Wehn.
Durch die glatten
kahlen Alleen
treibt sein Wehn
blasse Schatten
Und den Duft
den er gebracht,
von wo er gekommen
seit gestern Nacht.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
21.03.2009, 13.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Macht der Poesie
Erinnern Sie sich an die Zeilen? Selbst Erwachsenen gehen sie noch unter die Haut. Zum ersten Mal veröffentlicht wurde das Gedicht im Jahr 1907 in den „Neuen Gedichten“:
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf. - Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Wenn auch Sie sich in Rilkes Zauberwelt der Poesie begeben wollen, lege ich Ihnen unsere Auswahl von Rainer Maria Rilke ans Herz. Keine einfache Kost, aber immer Horizonte öffnend.
26.10.2007, 14.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Schon das halbe Jahr vorbei
Kürzlich überfiel mich die Melancholie: Ist es tatsächlich schon Juni? Soll die Hälfte dieses Jahres schon fast vergangen sein? Wohin geht die Zeit?
Missmutig setzte ich mich vor den Computer, wollte zur Ablenkung spielen, doch dann googelte ich spontan vor mich hin: Vielleicht würde es irgendeine Webseite schaffen, meine Melancholie zu vertreiben und dem Juni etwas Positives abzugewinnen … Dabei fand ich mein persönliches Gedicht des Monats:
"Rosen sprießen an allen Ecken,Fallen dir förmlich in den Weg.
Kletterrosen wagen den Blick
Durchs Fenster, begrüßen dich
Blutrot schon am frühen Morgen,
Und leiser Windhauch atmet
Süßen Duft in den Raum.
Genieße das Bad in den Rosen-
Blüten, schlürfe ihren Duft,
Damit du dich auch im Winter
Noch erinnern kannst."
09.06.2007, 08.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Dieser Monat ist ein Kuss
Sommerlich weht der Duft aufblühender Blumen durch die Gassen, in Bayern ist die Biergartensaison ist eröffnet, die Taschentuchindustrie hat nach einem bescheidenen Winter nun zur Heu- schnupfensaison Hochkonjunktur: Alles andere als bescheiden klopft der Mai lautstark an die Pforten.Vielfach bedichtet und besungen zählt der „Wonnemonat“ zu den Lieblingskindern der Poeten und Texter: Wann sonst wirken blumige Metaphern, ohne lächerlich zu wirken, so angebracht wie jetzt? Mit persönlich hat es ein kurzer Vierzeiler von Friedrich von Logau (1604 – 1655) besonders angetan. Überschrift: „Der Mai“:
„Dieser Monat ist ein Kuß,
den der Himmel gibt der Erde,
Daß sie jetzund seine Braut,
künftig eine Mutter werde.“
05.05.2007, 08.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Mal was ganz anderes
Wussten Sie, dass Karol Wojtyla gedichtet hat? Bevor er als Oberhaupt der katholischen Kirche in den Vatikan einzog, lebte der Priester und Pro- fessor in der Nähe des polnischen Krakau. Schon früh begann er, seine Gedanken und Gefühle in bewegen- den, sensiblen Gedichten festzuhal- ten, seine künstlerischen Aktivitäten umfassten sogar die Mitwirkung in einer Experimentaltheatergruppe. Und daneben war Krieg und herrschten die Nazis in Polen.Man kann es ihnen nicht absprechen: Die Texte des späteren Doktors der Philosophie und Professors der Moraltheologie sind schon im Jugendalter geprägt von der tiefen Ein- und Weitsicht eines außergewöhnlichen Menschen.
Es gibt seine Gedichte sogar vertont auf CD. Kein anderer als der geniale Schauspieler Peter Fitz liest die Strophen mit seiner eindringlichen Stimme. Untermalt von einer angenehmen Musik wird dieses Hörbuch zum Kunstgenuss für Freunde des unvergessenen Papstes. Einige wenige Exemplare dieses ungewöhnlichen Werkes haben wir für Sie noch auf Lager – wenn Sie also den ehemaligen Papst von seiner ganz persönlichen Seite her kennen lernen wollen, sollten Sie zugreifen.
24.04.2007, 09.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Trommeln für die Poesie
Wenn Sie heute um 11.30 Uhr plötzlich Trommeln hören, wun- dern Sie sich nicht! Heute ist der Welttag der Poesie, an dem Literaten aus aller Welt, insbeson- dere auch die Nachwuchsautoren, aufgerufen sind, nicht nur ihre Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen, sondern ihnen laut Nach- druck zu verleihen: mit Trommeln eben.Schon zum siebten Mal huldigt die UNESCO an diesem Tag der Poesie. Sie will damit an den "Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern“. Das Wunderbare an dem Welttag der Poesie ist, dass nicht nur bekannten und beliebten Autoren gehuldigt wird, sondern auch unbekannte "Newcomer" der Sprache die Chance bekommen, gehört zu werden. Eigens zu diesem Zweck wurde http://www.lyrikline.org/ geschaffen - hier werden auf beeindruckende Weise Gedichte online hörbar gemacht.
Was Poesie ist und bedeuten kann, hat für mich gustavo Adolfo Bécquer wunderschön ausgedrückt:
"Was ist Poesie?", fragst du mich,
während dein tiefblauer Blick mich durchdringt.
Was ist Poesie? Du fragst mich das?
Poesie - das bist du!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen außergewöhnlichen Welttag der Poesie!
Ach ja, besuchen Sie doch auch unsere Gedichtedatenbank! Oder machen Sie mit beim Jokers Lyrikpreis: Da sind insgesamt mehrere Tausend Euro Preisgelder zu vergeben:
http://www.jokers.de/lyrikpreis
21.03.2007, 09.01 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL



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