
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Tiere
Mitleid für Psychopathen?
»Ach herrje, schon wieder ein neuer Beckett-Aufguss?«, dachte ich, als ich neulich im Supermarkt »Tiere« sah. Befeuert vom Erfolg seiner David-Hunter-Reihe, die im neuesten Bestseller »Verwesung« gipfelt, hatte der Rowohlt-Verlag erst kürzlich mit »Voyeur« Becketts Erstlingswerk aus dem Hut gezaubert. Wäre seine Krimi-Reihe rund um den Forensiker David Hunter nicht so erfolgreich geworden, wäre »Voyeur« wie auch »Tiere« wohl nie ans Licht deutscher Buchläden gelangt.
Doch meine anfängliche Skepsis war unbegründet. Zwar ist »Tiere« aus Sicht des einfältigen Sonderlings Nigel in einfachen Hauptsätzen geschrieben und lässt den skeptischen Leser eine ebenso vorhersagbare Handlung befürchten. Doch die Sprache des Romans täuscht. Sie trägt im weiteren Verlauf wesentlich dazu bei, dass man immer tiefer in die kranke Psyche des Protagonisten taumelt. Mehr noch. Der empathisch begabte Leser empfindet schon bald Mitleid mit Nigel, der in seinem Keller Menschen wie Tiere gefangen hält und foltert. Als der Außenseiter Besuch bekommt von seinen beiden aufreizenden Arbeitskolleginnen, geht das Buch einen düsteren Gang, der sogar routinierte Schocker-Freunde noch überrascht und, ja, ich gebe es zu, durchaus verstört.
11.05.2011, 11.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Tiere essen in der Mittagspause?
Abschied von der Currywurst. In meiner Kindheit war sie Tradition: die Currywurst. Nach jedem längeren Bummel in der Stadt. Tja damals. Als die Schweine noch rosa und blauäugig waren. Doch heute ist alles anders. Vorbei die Zeiten des unschuldigen, weil unwissenden Genusses. Mir ist der Appetit vergangen. Gründlich!
Neulich in der Mittagspause war es wieder DAS Thema: Wie du isst kein Fleisch? WIESO DENN DAS? Bist du jetzt Vegetarierin oder was? Kein Fleisch zu essen gilt - selbst unter erklärten Tierfreunden - immer noch als uncool. Da hilft selbst der derzeitige Medienhype zum Thema Vegetarismus nichts. Oder die Verstärkung durch (von den Kollegen allseits bewunderten) Autoren wie Jonathan Safran Foer oder Karen Duve. Auch der nun endlich prominent gewordene Publizist und studierte Philosoph Richard David Precht hatte schon 1997 die glorreiche Idee, unser ambivalentes Verhältnis zu den Tieren unter die Lupe zu nehmen. Auf der einen Seite geben wir wie kaum ein anderes Volk Milliarden für unsere (nicht selten liebsten) Familienmitglieder, die Haustiere, aus Tendenz steigend. Auf der anderen Seite will kaum ein Volk weniger für fleischliche Kost bezahlen als wir.
In seinem Buch Noahs Erbe. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen (inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich) hinterfragt Precht ganz unsentimental unsere Unterscheidung zwischen Tier und Mensch. Er nennt Fakten, zitiert aus dem BGB und argumentiert sachlich überzeugend. Die unappetitlichen Details der Massentierhaltung hat er seinen Lesern im Gegensatz zu Foer und Duve weitgehend erspart. Seine Begründung: Wir wüssten ja genug über die Zustände, wollten sie jedoch nicht wahrhaben.
Korrekt! Wir wollen es nicht wahrhaben. Ich auch nicht. Deswegen werde ich mir auch Duve & Co. ersparen. Lieber werde ich gleich zum Vegetarier - ohne grausame Bilder im Kopf und folgende Brechreiz-Attacken. Aber vielleicht braucht es erst die drastische Darstellung des Leidens von Tieren, damit sich auch in bislang überzeugten Fleischessern und reinen Gewohnheitstieren etwas bewegt.
Versucht hat das Bernhard Grzimek schon im Jahr 1965: Der Zoo-Direktor und Tierfilmer hatte keine Scheu, die bestialischen Methoden der industriellen Geflügelschlachtung oder das brutale Schlachten von Robbenbabys zu dokumentieren (natürlich illegal). Damit schockte er zwar die ganze Fernseh-Nation doch viel hat sich seitdem nicht geändert.
Inzwischen ist es sogar wieder Mode, Pelz zu tragen wenn auch nur als kuschelige Deko für den Saum der Polyester-Kapuze. Dass dafür ja nur (niedliche) Waschbären getötet werden oder Marderhunden (in Asienauch Haushunden und Katzen) zum Teil bei lebendigem Leibe der Pelz vom Körper abgezogen wird, verdrängen modebewusste Menschen gerne. Oder halten so was für ein Ammenmärchen.Wer es genau wissen will:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,242477-2,00.html
Ja,ja - die Natur ist grausam. Und der Mensch ist ein Teil der Natur. Er ist leidensfähig und grausam zugleich. Doch bevor Sie jetzt falsche, weil fatalistische Schlüsse ziehen: Nicht nur der Mensch, auch Tiere sind leidensfähig. Wissenschaftlich inzwischen unbestritten. So argumentiert auch der Tierethiker Helmut F. Kaplan: Je weniger Leiden, desto besser. (...) Ethische Ideale werden nicht dadurch unsinnig, dass sie nicht vollständig verwirklicht werden können. (SPIEGEL 3/2011, S.45)
Tja denken Sie sich jetzt: Schon wieder so eine Gutmenschin. Pfui Deibel! Ja,ich gestehe: Auch ich will gut sein. Ich will nicht mehr nur auf spätrömisch-dekadente Art zartes Kalbsfilet, knusprige Hähnchenkeulen oder würzigen Schwarzwälder-Schinken goutieren.
Wenn, dann muss alles verwertet werden: vom Ochsenschwanz über das Kuhauge bis zum Schweineohr und auch der Hasenfuß. Aber tut mir leid da vergeht mir dann doch der Appetit. So was überlass ich dann lieber meinem Hund. Der ist wenigstens ein richtiges Raubtier und per definitionem Fleischfresser (Carnivora kommt übrigens von: caro, carnis Fleisch und vorare verschlingen.) Dabei hat er auch überhaupt kein schlechtes Gewissen. Garantiert.
Aber bitte: Verlangen Sie jetzt nicht von mir, dass ich konsequenterweise auch noch meinen Hund abschaffen soll. Der will schließlich auch leben. Wie war das noch mal mit den überzähligen Wildschweinen in hiesigen Wäldern? Da hätte man sich doch gleich noch das Agility-Training gespart. Aber stopp! Ich fang jetzt nicht noch an, über Sinn und Ethik der Jagd zu sinnieren. Vielleicht im nächsten Blog...
Geschrieben von Anne Eichmann.
Literatur für (potentielle) Vegetarier:
Kochbücher für Vegetarier bei Jokers:
http://www.jokers.de/9/vegetarisch.html?tt=1&ts=1
Alfred Biolek/Eckart Witzigmann: Unser Kochbuch - Vegetarisch. Verlag Tre
Torri:
Bernhard Kathan: Zum Fressen gern. Zwischen Haustier und Schlachtvieh. Kulturverlag Kadmos :
http://www.weltbild.de/3/14391857-1/buch/zum-fressen-gern.html
Bild: © Kerstin Nimmerrichter/PIXELIO.DE
14.04.2011, 11.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Wieviel Tier darf´s denn sein?
Schutztiere sind aus der Mythologie und vielen Eingeborenen-Religionen bekannt. Und vielleicht freut sich der ein oder andere, dass sein persönliches Schutztier ein wagemutiger Löwe, ein starker Tiger oder gar ein imposanter Elefant ist. Autoren von Castaneda bis Allende haben Geschichten um die Begegnung zwischen Mensch und Schutztier verfasst. Und viele Menschen glauben, dass wir mehr, als uns bewusst ist, mit Tieren gemein haben.Wir haben uns zwischenzeitlich daran gewöhnt, dass wir etliche Gene mit Schweinen, Kühen und natürlich auch Affen teilen. Aber wie weit können wir die Evolutionsleiter hinunter klettern, bis sich unser Verstand weigert, Gemeinsamkeiten mit „niederen Tieren“ wie Fischen oder Würmern und Bakterien zu akzeptieren?
Von der Logik her ist es uns klar: Der Mensch ist nichts weiter als ein höher entwickeltes Tier, Resultat der Evolution. Das Werk „Der Fisch in uns“ erzählt die spannende Geschichte, wie unser Organismus genau so geworden ist, wie er heute ist. Angeblich gehört dazu auch ein Anteil Fisch in uns. Anhand neuester Ergebnisse aus Paläontologie und vergleichender DNA-Forschung schildert der Autor Neil Shubin, wie er das evolutionsgeschichtliche Bindeglied zwischen Fisch und Landlebewesen entdeckte.
Anno 2006 machte er einen Fund von enormer Bedeutung: Er entdeckte Tiktaalik, eben genau das bis dato fehlende Bindeglied zwischen Fisch und Landwesen. In seinem Buch berichtet Shubin davon, wie Tiktaalik gefunden wurde und zeigt packend die Konsequenzen dieses sensationellen Fundes auf.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
07.05.2009, 07.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Zahme Zoo-Insassen
Ich lese ja, wie Sie bereits wissen, Mon- tags äußerst gerne die Schlagzeilen des Wochenendes – und dieses Mal musste ich herzhaft über eine Meldung unter „Verschiedenes“ lachen: Gleich mehrere Zootiere sind aus ihren Gehegen in verschiedenen Tierparks ausgebüchst. Der Grund ist ungewiss, vielleicht ahnten sie den herein- brechenden Winter und dachten, ihre Spuren würden vom Schnee verweht werden. Oder sie wollten nur noch einen kleinen Ausflug starten, bevor die Kälte endgültig hereinbricht.
Die entkommenen Zoobewohner waren ein Steinbock und zwei Kängurus – beide Tierarten sind für ihre weiten und gekonnten Sprünge bekannt. Sowohl der Steinbock als auch die Kängurus hielten gleich über mehrere Tage die Suchmannschaften in Trab. Denn die Tiere dachten gar nicht daran, sich einfangen zu lassen.
Schlussendlich jedoch wurden alle drei Tiere wieder in ihre jeweiligen Zoos gebracht: Eines der Kängurus hatte es nicht so gut getroffen, es wurde verletzt in einem Waldstück gefunden. Ein Schäferhund hatte es angefallen. Das zweite Sprungtier hatte sich auf einem Bauernhof verschanzt. Der Steinbock wurde durch ein Betäubungsgewehr am weiteren Entspringen gehindert.
Ich weiß nicht, ob ich traurig oder froh sein soll, dass die Tiere nun erneut hinter Gittern sitzen. Ich hätte ihnen die Freiheit gegönnt. Auf der anderen Seite bin ich mir nicht sicher, wie die Überlebenschancen für Kängurus bei einem Meter Schnee stehen...
Auf alle Fälle hat mir diese Meldung endlich eine Anregung beschert, was ich meiner Mutter, eine leidenschaftliche Handarbeiterin, zu Weihnachten schenken könnte: Die Anleitung „Strickzoo“! Dieses Buch gibt nämlich detaillierte Anleitungen zum Anfertigen von wahrhaft zahmen Zootieren, die sicher nicht an ein Entkommen denken...
(geschrieben von Matthias Stöbener)
04.12.2008, 23.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Von der tierischen Intelligenz
Immer wieder liest man solche und ähnliche Schlagzeilen in den Medien: „Seehund rettet Taucher vor dem Ertrinken“ oder „Delfin als Therapeut bei autistischem Mädchen erfolgreich“, „Hund läuft 1.300 km nach Hause“ oder „Hund rettet Bergsteiger aus Lawine“. Immer wieder liest man solche oder ähnliche Schlagzeilen in den Medien. Und man fragt sich ernsthaft, ob man bislang die Intelligenz der Tiere unterschätzt hat.Sicherlich haben Sie auch schon gehört, dass insbesondere Meeres- säuger wie Delfine und Wale angeblich über eine eigene Sprache verfügen oder dass Schimpansen sogar das Lesen lernen können. Ich glaube auch daran, dass Tiere um ein Vielfaches schlauer sind, als wir gemeinhin denken. Wenn ich mir zum Beispiel den Hund meiner Kollegin anschaue, bin ich oft überrascht, mit welcher Raffinesse er seine Kauknochen vor eventuellen Futterneidern versteckt.
Für alle, die nicht nur glauben, sondern wissen wollen, sei „Das geheime Leben der Tiere“ empfohlen. Sehr deutlich und an Hand vieler Beispiele wird darin gezeigt, dass Tiere alles andere als nur instinktgesteuert sind. Vielmehr verfügen alle Lebewesen über ihre eigene Art der Intelligenz, die sich von der humanen Logik oft gar nicht so sehr unterscheidet. Ein umfangreiches und aufklärendes Werk, das mich stets aufs Neue fasziniert!
(geschrieben von Matthias Stöbener)
08.07.2008, 14.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL



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