
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Verfilmung
Wo liegt Mittelerde?
An welchen Ort denken Sie, wenn Sie "Mittelerde" lesen? Jeder von uns hat ja seine eigene Vorstellung vom wunderbaren Land der Hobbits, das in Tolkiens "Herr der Ringe" die Heimat der kleinen Wesen darstellt. Die Saga wurde ja bereits verfilmt und brach in den Kinos Kassenrekorde. Zur Zeit soll nun auch die Vorgeschichte zu dem Bestseller von Tolkien, "Der kleine Hobbit", gedreht werden. Als Drehort für den Zweiteiler wurde Neuseeland, die Heimat des Produzenten und neuen Regisseurs Peter Jackson, ausgewählt, also ganz in der Linie von "Der Herr der Ringe".
Aber der geplante Streifen stand bislang
unter keinem guten Stern: Es gab und gibt Finanzprobleme, der bisherige
Regisseur hat das Handtuch geworfen, weil sich das Projekt ständig verzögerte, und
die neuseeländische Schauspieler-Gewerkschaft wirft dem Regisseur vor, sich bei den Verträgen für
Schauspieler nicht an die Standards zu halten. Der wiederum straft nicht nur die gewerkschaftlichen Vorwürfe in
verschiedenen Pressekonferenzen Lügen, sondern will auch kurzen Prozess machen
und die Dreharbeiten einfach in den Osten Europas verlagern. Die
australische Gewerkschaft Media, Entertainment and Arts Alliance (MEAA) hat nun
zu einem internationalen Boykott des Films aufgerufen, um durchzusetzen, dass
die Schauspieler nach einem mit den Gewerkschaften ausgehandelten Rahmenvertrag
eingestellt werden.
Die Dreharbeiten sollen nach Informationen britischer Zeitungen nun Anfang des nächsten Jahres beginnen. Zu einem Casting für Hobbit-Rollen waren erst Ende September 240 Freiwillige in Wellington vermessen worden. Sie durften nicht größer als 1,58 Meter sein. Nun, es bleibt abzuwarten, ob sich auch in Osteuropa genügend Kleinwüchsige finden, die Rollen übernehmen können. Für mich würde es keinen großen Unterschied machen, ob „Der kleine Hobbit“ nun in Neuseeland oder Osteuropa in den Kasten kommt: Mittelerde liegt für mich vor allem an einem Ort. In meinem Kopf nämlich, in meiner Phantasie.
Wenn auch Sie Lust haben, sich ein wenig von wundersamen Aufnahmen verzaubern zu lassen, habe ich eine Empfehlung für Sie: Unser Band „Die Tolkien Jahre: Magische Bilderreise nach Mittelerde“ entführt sie in eine gänzlich eigene Traumwelt.
„Die Tolkien Jahre: Magische Bilderreise nach Mittelerde“
Bild: Neuseeland; Cornerstone/pixelio.de
03.11.2010, 11.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Mein Ideal-Castorp
Eine Traumbesetzung! Christoph Eichhorn als Hans Castorp in der Verfilmung des Thomas-Mann-Romans „Der Zauberberg“. Noch nie hat meine Vorstellung vom Aussehen einer Romanfigur so perfekt zu der Filmfigur gepasst wie in der Verfilmung von Hans W. Geißendörfer. Meist muss ich bei einer Buchverfilmung erst ein wenig warm werden mit den fremden Personen auf der Leinwand, die jemanden darstellen, der mir im Laufe des Lesens mit einem bestimmten Bild ans Herz gewachsen ist – zumal wenn das Werk von so epochaler Länge ist wie „Der Zauberberg“ mit seinen fast tausend Seiten.
Hier jedoch war das nicht so – Eichhorn, der Schauspieler mit dem eleganten, leicht blasierten Gesichtsausdruck und der schmalsten Nase, die ich kenne, ist mein Ideal-Castorp. Genau so habe ich mir den Hamburger Patriziersohn vorgestellt, der in einem Schweizer Sanatorium statt wie geplant einige Wochen sieben Jahre verbringt, sich dort verliebt und ausdauernde philosophische Diskussionen führt. Er hält sich in dieser wie zeitlos wirkenden, morbiden Welt übrigens auf ohne selbst krank zu sein.
Hans Castorp ist Held eines Bildungsromans, der gleichzeitig den Geist der gesamten Epoche vor dem Ersten Weltkrieg zeichnet. All das in der typisch Mannschen Manier der kunstvollen Schachtelsätze und intellektuellen Reflexionen, der genauen Milieuschilderung und detailverliebten Ausschmückung.
Wer sich dafür begeistern kann, wird auch die 1981 entstandene Verfilmung des Werkes lieben – sie hat den Deutschen Filmpreis erhalten und das zu Recht. Die leicht makabre Stimmung von Krankheit gemischt mit trotziger Lebensfreude, Eleganz und Pracht, die verschiedenen Charaktere der Sanatoriumsbesucher, all das setzt Geißendörfers Film meisterhaft um. Das ist Unterhaltung vom Feinsten! Also: zugreifen, denn diese DVD gehört in jeden gut sortierten Haushalt und unser Preis ist einfach unschlagbar!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
01.03.2010, 08.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Effi Briest lässt mir keine Ruhe
Ich muss noch einmal auf „Effi Briest“ zu sprechen kommen. Sie gehört zu meinen Lieblingsromanen, obwohl ich das Fontane-Werk in der Schule lesen musste. Ein junges Mädchen aus guter Familie heiratet den deutlich älteren Baron Innstetten, einen früheren Verehrer ihrer Mutter, und zieht mit ihm in die Provinz nach Hinterpommern. Während er dort als Landrat arbeitet, ist die noch immer kindliche Effi oft allein in ihrem großen Haus, in dem es ihr zu spuken scheint. Nicht wirklich glücklich an der Seite ihres spröden Ehemannes, lässt sie sich auf eine heimliche Affäre mit Major von Crampas ein. Erst Jahre später - die Affäre ist längst vorüber, das Ehepaar Innstetten lebt mit Tochter in Berlin, Effi fühlt sich in der pulsierenden Großstadt endlich wohl – entdeckt Baron Innstetten verräterische Briefe, fordert Crampas zum Duell und tötet ihn dabei. Effi wird von Ehemann und Eltern verstoßen, lebt mit ihrer Haushälterin in einer kleinen Wohnung und darf die Tochter erst nach Jahren wieder sehen. Als sie dabei erkennt, dass sich das Kind völlig von ihr entfremdet hat, schwindet jeglicher Lebensmut. Effi stirbt, wie man so sagt, an gebrochenem Herzen.Ein Buch, das nicht nur den oft absurden preußischen Ehrenkodex, sondern auch die Männer, die ihn gegen besseres Wissen anwenden, in die Mangel nimmt. So richtig gut kommen wir Männer bei Fontane ja oft nicht weg … Und in „Effi Briest“ bezahlt die Frau mit dem Leben. Vielleicht erschien das der Regisseurin Hermine Huntgeburth nicht mehr zeitgemäß. Jedenfalls kommt Effi in ihrer Neuverfilmung des Stoffes nicht nur mit dem Leben davon, sondern geht emanzipiert und zielstrebig in ihre eigene selbstbestimmte Zukunft. Der Kinofilm ist frisch angelaufen und wie Julia Jentsch (bekannt aus „Die fetten Jahre sind vorbei“ und „Sophie Scholl - Die letzten Tage“) die Effi spielt und Sebastian Koch ihren Ehemann Baron Innstetten, das werde ich mir auf jeden Fall ansehen. Dass Effi Briest nun in einer Leihbücherei arbeitet – nun ja, das ist nichts für Literatur-Puristen, aber schauen wir mal … Pur und garantiert ohne modische Änderungen finden Sie bei uns preiswerte Ausgaben des Originals als Buch und Hörbuch.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
01.03.2009, 16.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Eine Buchverfilmung, die anregt
Der Kinoliebhaber in mir sagt: feine Sache! Tolle Schauspieler, wunderbare Kostüme, ein guter Regisseur, das wird ein schöner Filmabend. Der Büchermensch in mir aber hat auch etwas zu sagen: Wäre es nicht etwas, die „Buddenbrooks“ zu lesen? Im Gegensatz zum Film an einem Abend nicht zu schaffen, aber wer will das auch? So hat man einige Stunden Genuss. Herrliche Mannsche Schach- telsätze, feine Beobachtungsgabe, Charme, Ironie und Menschenkenntnis. Der Roman über das Leben der Lübecker Kaufmannsfamilie ist mehr als hundert Jahre alt, aber dennoch immer aktuell und hat nichts von seinem Reiz verloren. Heißt es.Senator Thomas Buddenbrook, seinen Bruder Christian und die Schwester Tony von ihrer Kindheit an zu begleiten, an den diversen Hochzeiten, Geburten, Familienfesten und Begräbnissen der Patrizierfamilie teilzunehmen, das ist es doch, was wir Leser wollen.
Vorletzte Woche war ich mit meiner Frau im Film „Buddenbrooks“. Wirklich sehenswert. Viele Szenen davon sind im Augsburger Kurhaus bzw. Parktheater gedreht. Opulent, sage ich Ihnen. Und die Kleider, das Rauschen der Stoffe, die sinnlichen Beleuchtungen, die spröde Erotik hinter seidenen Tüchlein! Anschließend verschlang meine Frau den Mann-Wälzer. Und hat ihn schon an eine Kollegin verliehen. Sollte er wieder seinen Weg zu uns finden, folgt auf Victor Hugos Elende der deutsche Sprachgenuss.
Von dem wohl bekanntesten Roman Thomas Manns wurden bislang etwa sechs Millionen Exemplare verkauft.
Ihr Exemplar gibt es hier!
Zum günstigen Taschenbuch-Preis natürlich!
(geschrieben von Matthias Stöbener)
07.02.2009, 10.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL



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