
Sie können in diesem Blog mitschreiben. Laden Sie einfach Ihren Text oder Ihr Bild hoch!
Hier mitmachen!
Hier mitmachen!

- Autoren
- Belletristik
- Buchmesse
- DVD/Filme
- Englische Bücher
- Fachbücher
- Fremdbeiträge
- HÖR-Bar
- In der Presse
- Jokers intern
- Kinder und Jugend
- Kulturgeschichte
- Kunst
- Musik
- Naturwissenschaften
- Nebensächliches
- Philosophie
- Politik/Gesellschaft
- Ressourcen
- Rund ums Buch
- Sachbücher
- Software
- Termine
- Gewinnspiele
- Zeitgeschehen
- Zum Schmunzeln
- Unterwegs


ø pro Tag: 0,7
Kommentare: 250
ø pro Eintrag: 0,2
Online seit dem: 15.05.2005
in Tagen: 1937
Ausgewählter Beitrag
Tucholsky war nicht nur politisch
Den meisten seiner Texte merkt man seine zerrissene Seele kaum an. Und doch beging Kurt Tucholsky 1935 im schwedischen Exil Selbstmord. Er spaltete die Meinungen der Leser wie kaum ein anderer nicht nur zu Lebzeiten während der Weimarer Republik, sondern weit über seinen Tod hinaus. Wer kennt nicht seinen Ausspruch „Soldaten sind Mörder“? Das Zitat stammt aus Tucholskys Werk Der bewachte Kriegsschauplatz:
„Der Feldgendarm wachte darüber, dass vorn richtig gestorben wurde. Für viele war das gar nicht nötig. Die Hammel trappelten mit der Herde mit, meist wussten sie gar keine Wege und Möglichkeiten, um nach hinten zu kommen, und was hätten sie da auch tun sollen! Sie wären ja doch geklappt worden, und dann: Untersuchungshaft, Kriegsgericht, Zuchthaus, oder, das schlimmste von allem: Strafkompanie. [...] Manche Nationen jagten ihre Zwangsabonnenten auch mit den Maschinengewehren in die Maschinengewehre. So kämpften sie. Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.“
Doch Kurt Tucholsky war keineswegs „nur“ ein politischer Journalist. Viele seiner Werke sind geprägt von seinem speziellen Humor, der oft die herrschenden Gesellschaftsverhältnisse kommentiert. Doch auch der Mensch als Individuum bekommt wie der Mensch als Herdentier immer wieder auf ironisch-bezaubernde Weise sein Fett ab. Ganz besonders hat es mir sein Frühlingsgedicht angetan:
„Der Feldgendarm wachte darüber, dass vorn richtig gestorben wurde. Für viele war das gar nicht nötig. Die Hammel trappelten mit der Herde mit, meist wussten sie gar keine Wege und Möglichkeiten, um nach hinten zu kommen, und was hätten sie da auch tun sollen! Sie wären ja doch geklappt worden, und dann: Untersuchungshaft, Kriegsgericht, Zuchthaus, oder, das schlimmste von allem: Strafkompanie. [...] Manche Nationen jagten ihre Zwangsabonnenten auch mit den Maschinengewehren in die Maschinengewehre. So kämpften sie. Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.“Doch Kurt Tucholsky war keineswegs „nur“ ein politischer Journalist. Viele seiner Werke sind geprägt von seinem speziellen Humor, der oft die herrschenden Gesellschaftsverhältnisse kommentiert. Doch auch der Mensch als Individuum bekommt wie der Mensch als Herdentier immer wieder auf ironisch-bezaubernde Weise sein Fett ab. Ganz besonders hat es mir sein Frühlingsgedicht angetan:
Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,
dann im Kalender und dann in der Luft,
und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde
sich in die frisch gewaschene Frühlingskluft.
Ach ja, der Mensch! Was will er nur vom Lenze?
Ist er denn nicht das ganze Jahr in Brunst?
Doch seine Triebe kennen keine Grenze –
dies Uhrwerk hat der liebe Gott verhunzt.
Der Vorgang ist in jedem Jahr derselbe:
Man schwelgt, wo man nur züchtig beten sollt,
und man zerdrückt dem Heiligtum das gelbe
geblümte Kleid – ja, hat das Gott gewollt?
Die ganze Fauna treibt es immer wieder:
Da ist ein Spitz und eine Pudelmaid,
die feine Dame senkt die Augenlider,
der Arbeitsmann hingegen scheint voll Neid.
Durch rau Gebrüll lässt sich das Paar nicht stören,
ein Fußtritt trifft den armen Romeo
mich deucht, hier sollten zwei sich nicht gehören...
Und das geht alle, alle Jahre so.
Komm, Mutter, reich mir meine Mandoline,
stell mir den Kaffee auf den Küchentritt.
Schon dröhnt mein Bass: Sabine, bine, bine ...
Was will man tun? Man macht es schließlich mit.
Selbstverständlich haben wir einen ganzen Fundus an Werken von Kurt Tucholsky in unserem Programm: Stöbern Sie doch einfach mal darin!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 03.03.2010, 08.07 TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Kurt Tucholsky, Soldaten, Mörder, Journalist,
Aufgrund des gestiegenen Spams durch sogenannte Spambots, müssen wir Euch bitten, zunächst die folgende Captcha Abfrage zu beantworten, bevor Ihr kommentieren könnt.
Kommentare zu diesem Beitrag
1.
von Henk Mantel
Hallo Kollege,
Schön in diesem Beitrag: Tucholsky ist nicht nur ein politischer Publizist. Am Anfang war das für mich so, danach immer mehr: Wer war er wirklich? Nur ein Journalist, umstritten und bedroht wegen seinen Weltbühne-Beiträgen.
Wer war er wirklich?. Zerrissen war er. Dann in den Biografien fast immer wieder die gleichen Antworten: Er ist gestorben, weil es sein Deutschland nicht mehr gab. Weil er ausgebürgert worden war, weil er pleite war.
Für mich war immer sein Gedicht "Im Käfig" entscheidend. Man geht ja nicht, schreibt er. Meiner Meinung nach ist er stecken geblieben. So wie im Sumpf.
Er möchte gerne mit der neuen Zeit Schritt halten, aber war er, wie seine Freundin Hedwig Müller schreibt, nicht noch immer ein wenig wilhelminisch? Dann recherchiert man doch selber und schreibt ein Buch.
Ich denke, wenn gesprochen wird von Tucholskys Zerrissenheit, dann stimmt die Aussage seiner Freundin genau. Auch hat er mal von sich selber geschrieben: "Ich bin ein feiner Psychologe usw." Das war er auch. Wie hat er sich zu "seinen Bräuten" verhalten?
Dann sein Freitod? Stimmt´s oder nicht? Wieder ist es ungenau in den Biografien. Es gibt noch so viele Unklarheiten.
Damit beschäftige ich mich im Moment.
Daraus wird noch eine schöne Geschichte.
Henk
vom 24.03.2010, 17.17
Antwort von Jokers:
Hallo Henk,
ich hab dein Blog gesehen, das scheint ein großes Thema für dich zu sein. Ist dein Blog schon bei Bloggernetz angemeldet? Zu Tucholsky haben wir mal früher auch ein Kulturspecial gemacht: unter Jokers-kultur.de findest du es.
Hallo Kollege,
Schön in diesem Beitrag: Tucholsky ist nicht nur ein politischer Publizist. Am Anfang war das für mich so, danach immer mehr: Wer war er wirklich? Nur ein Journalist, umstritten und bedroht wegen seinen Weltbühne-Beiträgen.
Wer war er wirklich?. Zerrissen war er. Dann in den Biografien fast immer wieder die gleichen Antworten: Er ist gestorben, weil es sein Deutschland nicht mehr gab. Weil er ausgebürgert worden war, weil er pleite war.
Für mich war immer sein Gedicht "Im Käfig" entscheidend. Man geht ja nicht, schreibt er. Meiner Meinung nach ist er stecken geblieben. So wie im Sumpf.
Er möchte gerne mit der neuen Zeit Schritt halten, aber war er, wie seine Freundin Hedwig Müller schreibt, nicht noch immer ein wenig wilhelminisch? Dann recherchiert man doch selber und schreibt ein Buch.
Ich denke, wenn gesprochen wird von Tucholskys Zerrissenheit, dann stimmt die Aussage seiner Freundin genau. Auch hat er mal von sich selber geschrieben: "Ich bin ein feiner Psychologe usw." Das war er auch. Wie hat er sich zu "seinen Bräuten" verhalten?
Dann sein Freitod? Stimmt´s oder nicht? Wieder ist es ungenau in den Biografien. Es gibt noch so viele Unklarheiten.
Damit beschäftige ich mich im Moment.
Daraus wird noch eine schöne Geschichte.
Henk
vom 24.03.2010, 17.17
Hallo Henk,
ich hab dein Blog gesehen, das scheint ein großes Thema für dich zu sein. Ist dein Blog schon bei Bloggernetz angemeldet? Zu Tucholsky haben wir mal früher auch ein Kulturspecial gemacht: unter Jokers-kultur.de findest du es.

Gedichte Katalog Geschenke Herbst Frühling Wien Humor Buchhändler Bücher-Wiki Harry Potter DVD Leipzig Buchmesse Weihnachten Poesie E-Books Reise Wilhelm Busch Buch Gewinner Musik Sherlock Holmes Autor Kritik Zitate Philosophie Märchen Wasser Bücher Gewinnspiel Kinder Comic Brauch Biographie Thomas Mann Goethe Geburtstag Messe Hermann Hesse Prominente E-Book Buchhandel Jokers Lyrik Lesen Liebe Bücherfreunde Krimi Hörbuch Stand
| << | September 2010 | >> | ||
| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
| 01 | 02 | 03 | 04 | 05 | ||
| 06 | 07 | 08 | 09 | 10 | 11 | 12 |
| 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |
| 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 |
| 27 | 28 | 29 | 30 |


















