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Neulich im Hausflur
Was meinen Sie, wie sehen Menschen aus, die „Die deutsche Ideologie“ von Karl Marx lesen, Gustav Maler hören und am liebsten „Tod in Venedig“ sehen? Doch sicher nicht ungepflegt, klein, untersetzt, mit Schürze und Hühneraugen als Concierge in einem Pariser Stadthaus arbeitend. Aber genau das ist die 54jährige Renée, die Muriel Barbery in „Die Eleganz des Igels“ beschreibt. Geboren als Hochbegabte aus reichem Haus, kehrt sie sich bewusst von den Reichen und Schönen ab und führt fortan quasi „unerkannt“ ihr eigenes philosophisches Leben. Als ich dieses Buch neulich zur Hand nahm, hatte ich die vielen Putzfrauen und Hausfrauen meines Wohnviertels vor Augen. Allmorgendlich sammeln sie sich vor den Haustüren und tauschen, Wischmob und Eimer in der Hand, lautstark Neuigkeiten aus den Wohnhäusern aus.
Wie schön wäre es doch, wenn auch sie, wie Barberys Protagonistin, lieber über die elfte These Feuerbachs philosophierten anstatt über den Job der neuen Mieterin. Doch wer weiß, vielleicht tun sie es ja - und alles Geklatsche ist nur Show …
(geschrieben von Matthias Stöbener)
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