
Die weiße Nacht des Todes
Waren Sie schon einmal in Finnland? Ich sage Ihnen, es lohnt sich! Vor allem im Sommer, wenn es in den so genannten „weißen Nächten“ gar nicht richtig dunkel wird und die sonst eher schweigsamen Finnen vor Freude über ihren lang ersehnten Sommer richtig strahlen. Dann wird Tango getanzt und gefeiert bis zum frühen Morgen. Und bei all dem fühlt man sich stets sicher, denn trotz der sommerlichen Ausgelassenheit wirkt sogar die Hauptstadt Helsinki so ruhig, als könne einem hier schier gar nichts passieren. Doch der Volksmund weiß ja schon: Stille Wasser sind tief und so lauert hinter der friedlichen Fassade doch das Verbrechen ... „Die weiße Nacht des Todes“, die in einer hellen Juninacht die Polizei von Helsinki aufrüttelt, hat es jedenfalls in sich: Eine verkohlte Leiche in einem ausgebrannten Lastwagen führt Kommissar Takamäki in das Drogenmilieu der finnischen Großstadt. Um dort ermitteln zu können, benötigt die Polizei die Mitarbeit von verdeckten Ermittlern – eine gefährliche Angelegenheit, wie sich erweist. Schließlich sind auch Polizisten nur Menschen und damit dem Reiz ausgesetzt, die eigene Position persönlich auszunutzen. Die Berufsehre des Undercover-Ermittlers wird auf eine harte Probe gestellt und damit die Lösung des grausigen Falls erschwert.
Man merkt, dass Autor Jarkko Sipilä weiß, wovon er schreibt, hat er doch viele Jahre als Polizeireporter gearbeitet und gehört nun zu den führenden Krimi- und Drehbuchautoren des Landes.
Ein typischer nordischer Krimi mit viel Lokalkolorit – voller Spannung und unerwarteter Wendungen, so ein richtig schöner Schmöker für kalte Winterabende und alle, die mehr als Schweden kriminologisch entdecken möchten.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
14.01.2010, 09.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Finnland, Helsinki, Leiche, Jarkko Sipilä,
Stille Zeile Sechs
Ein bisschen stolz bin ich schon, dass ich es geschafft habe. Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ mit seinen fast tausend Seiten. Ein mitreißendes Panorama der letzten Jahre der DDR, wirklich faszinierend. Viele der dort beschriebenen Themen und Details waren mir neu und ich fand es spannend, sich als Wessi in diesen Kosmos zu begeben.Mehr als zwanzig Jahre nach der Wende ist es immer noch interessant, die Welt der DDR in den 1980er Jahren zu entdecken. Mit dieser Welt beschäftigt sich auch Monika Maron in „Stille Zeile Sechs“: Die Historikerin Rosalind Polkowski kündigt ihre Arbeitsstelle und lässt sich vom ehemaligen Funktionär Herbert Beerenbaum anstellen, der seine Memoiren aufschreiben lassen möchte.
Rosalind Polkowski sieht in Beerenbaum einen Täter, einen skrupellosen bildungsfeindlichen Parteigenossen, der in ihren Augen auch an der Verurteilung eines ihrer Freunde Schuld trägt. Sie konfrontiert ihn mit Vorwürfen. Der alte Mann erleidet einen Schlaganfall. Erneut also Schuld und Täterschaft – diesmal auf Seite der Historikerin, die in ihrer unbändigen Wut keine Rücksicht auf die angeschlagene Gesundheit Beerenbaums nimmt.
Monika Maron war in der ehemaligen DDR als Regieassistentin und Journalistin tätig, bevor sie Schriftstellerin wurde und schließlich 1988 in den Westen Deutschlands ging. Die Autorin soll selbst einige Jahre für die Staatssicherheit tätig gewesen sein – aber wie dem auch sei, „Stille Zeile Sechs“ ist in jedem Fall eine fesselnde Auseinandersetzung mit dem Leben in der DDR.
Wenn man die Geschichte des eigenen Landes auf eine so gefühlsintensive Weise (und, ganz nebenbei, zu einem solch attraktiven Preis) präsentiert bekommt, kann ich nur sagen: unbedingt zugreifen!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
11.01.2010, 10.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Der Turm, Tellkamp, Stille Zeile Sechs, Monika Maron,

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