Jokers Blog Deutschland

Brennend interessant!

Alle Jahre wieder: Kerzen, Weihnachtsbäume, Adventskränze brennen, und schnell kommt der Rest des Mobiliars dazu. Ich weiß nicht, wie viele Wohnungen in den letzten Tagen Feuer gefangen haben, aber es müssen einige gewesen sein. An Heilig Abend zählte ich immerhin ganze fünf Mal das Martinshorn, das die beschauliche Stille durchbrach.

Wie schnell ein Feuerchen entsteht, habe ich selbst vergangenes Jahr erlebt. Eine Kerze, ein Kerzenständer aus Plastik, ein Bücherregal aus Holz - und ich im Nebenraum am PC... Zum Glück kam meine Frau gerade zufällig ins Wohnzimmer, als „nur“ das oberste Regal brannte. Die Gieskanne war nicht weit und Gott sei Dank voll mit Wasser. Das Feuer war schnell gelöscht. Bis auf die Decke, die ich neu streichen musste, das angekokelte Holzbrett und natür- lich den gänzlich zusammengeschmolzenen Kerzenständer, war nichts zerstört worden. Der Schreck bei meiner Frau und mir sitzt jedoch immer noch im Nacken. Seitdem benutzen wir nur noch feuerfeste Kerzenständer und zudem bleibt kein Kerzchen unbeaufsichtigt. Mag es auch noch so romantisch brennen.

Brennendes BuchDieses Jahr kam mir an Weihnachten ein seltsamer Gedanke: Was würde ich retten, wenn es wieder brennt? Ausgenommen Frau und Sohn natür- lich. Die werden als erstes gerettet. Wichtige Dokumente, Zeugnisse, Papiere, Versicherungen, Pi-Pa-Po – all das zu verlieren wäre zwar keine Katastrophe. Jedoch ein gewisser wirtschaftlicher und vor allem zeitlicher Schaden. Allein die Behörden-Rennerei nach neuen Unterlagen...

Und dann? Was ist mit den Unmengen Fotoalben, Tagebüchern, Briefen, den vielen handsignierten Erstausgaben, den in Leinen eingebundenen Klassikern, der Brockhaus-Enzyklopädie, den gesammelten Werken Hölderlins, Brechts, Schillers? Das Feuer müsste sich schon sehr viel Zeit lassen, wenn ich all meine Schätze retten wollte!

Vielleicht sollte ich mir einen feuerfesten Dokumentenkoffer und eine Gasmaske zulegen. Dann könnte ich in aller Ruhe meine Bücher retten, während nebenan Kleider, Schuhe, CDs und Fotoausrüstung verschmoren …

07.01.2007, 09.28 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft

Ecco – was für ein Schriftsteller!

Umberto EcoIn diesen Tagen feierte einer der bedeu- tendsten zeitgenössischen Denker Italiens Geburtstag: Umberto Eco ist am 5. Januar 75 Jahre alt geworden. Bekannt wurde er 1980 durch sein Werk „Der Name der Rose“. Es gilt seitdem als eins der meistgelesenen Bücher der Welt. Unter vielen anderen folgten 1988 „Das Foucaultsche Pendel“, 1994 „Die Insel des vorigen Tages“ und 2000 „Baudo- lino“.

In seinen Büchern, die meistens im Mittelalter spielen, zeigt sich Eco – dessen Name nichts mit dem italienischen Ausruf „Ecco“ zu tun hat, wie man fälschlicherweise immer wieder liest – als hervorragender Historiker, Philosoph und vor allem als großartiger Semiotiker beziehungsweise Zeichentheoretiker.

Als ich während meines Studiums in zum ersten Mal seinen Namen hörte, war ich verwirrt. Immerhin assoziierte ich als junger Student damals den Namen Umberto Eco automatisch und exklusiv mit Sean Connery und dem Kinofilm „Der Name der Rose“ von 1985. Tatsächlich aber kommt heute niemand, der sich mit Medien, Zeichen und Sprache auseinandersetzt, um Eco herum, der übrigens stolze 31 Ehrendoktortitel trägt.

Sein Gesamtwerk dreht sich um die Theorie, dass Zeichen die Grundlage jeglicher Beschäftigung mit kulturellen Phänomenen sind. Geheimkulte, Verschwörungstheorien, genau recherchierte geschicht- liche Daten und brillante Detektivgeschichten sind die Zutaten, aus denen Eco immer wieder großartige Romane erschafft.

Verglichen mit anderen Schriftstellern driftet Umberto Eco nur selten ins Reich der Fantasie ab. Seine Geschichten sind stets genau hinterfragt, wissenschaftlich exakt überprüft. So wie mein persönliches Lieb- lingswerk von ihm: „Das Foucaultsche Pendel“. An dieses inhaltlich sehr dichte Buch habe ich fast einen Monat hingelesen. Aber auch dann hatte ich noch nicht wirklich alle Einzelheiten verstanden.

Einer seiner neuen Romane ist übrigens „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“. Das Buch liegt bereits auf meinem Schreibtisch. Ich werde es mir gleich morgen zur Brust nehmen – dann habe ich die nächsten Wochen wieder reichlich zu lesen…

Ach übrigens: Haben Sie sich auch schon immer gefragt, was es eigentlich mit dem Titel „Der Name der Rose“ auf sich hat? Im ganzen Film kommt doch keine einzige Rose vor! Die Antwort auf diese Frage liegt im Ende des Buches. Dort schreibt der Mönch Adson von Melk die Worte nieder: „Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus“ („Von der Rose von einst steht nur noch der Name, uns bleiben nur nackte Namen“). Er meint damit das in Flammen aufgegangene „Zweite Buch der Poetik“ von Aristoteles, welches die Komödie behandelt.

06.01.2007, 17.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren

Knigge modern

Umgangsformen - Ein moderner Knigge"Ich glaube es nicht", seufzt eine Freun- din, als wir beide in einer Kneipe auf ihre spanischen Freunde warten, "sie kommen einfach immer zu spät!" Das mag durchaus sein - ich allerdings sehe eine Verspätung von einer Vier- telstunde noch nicht als allzu tragisch an. Und füge mich damit in die Mehrheit der Mitteleuropäer: Denn wie eine welt- weite Umfrage zu den Umgangsformen der Nationen feststellte, halten wir 5 bis 15 Minuten Wartezeit durchaus für okay. Und übertreffen mit unserer Geduld alle anderen Völker! Dabei zeigen Deutsche vor allem im privaten Bereich nicht gerade den Hang zur berühmten "preußischen Pünktlichkeit": 18 Prozent der deutschen Umfrageteilnehmer ga- ben an, dass sie meist zu spät zu einem Treffen erscheinen.

Mehr als 20.000 Bürger aus 20 verschiedenen Ländern wurden vom Forschungsinstitut GfK im Auftrag des Wall Street Journals Europe zu ihrer Meinung über die Umgangsformen der Staatsbürger befragt. Briten schnitten mit Abstand am besten ab: Ganze 16 Prozent der Befragten schätzen die Bewohner der Insel als das Volk mit dem besten Benehmen. Deutschland und Frankreich teilten sich den 2. Platz.

Was das Handy angeht, sind wir Europäer uns allerdings ziemlich einig: Über 40 Prozent legen Wert darauf, beim Essen das Mobiltelefon auszuschalten. Da frage ich mich allerdings, ob ich auch meinen Pocket-PC ausschalten muss, um nicht durch ankommende E-Mails andere zu stören ... Zeitgemäße Knigge-Fragen beantwortet übrigens auf amüsante Weise das Büchlein "Umgangsformen" - Sie werden staunen, auf welche Dinge ein gut erzogener Kosmopolit beachten sollte!

03.01.2007, 07.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft

Wünsch dir was!

2007Neues Jahr, neues Glück. Jedes Jahr ist es das Gleiche. Immer diese Jah- resrückblicke. Pünktlich im Dezember geht es los. Das Rekapitulieren, das Überlegen: „War es ein gutes Jahr? Was ist alles schief gelaufen? Was hab ich erreicht?“ Und natürlich die Frage aller Fragen: „Was sind meine Vorsätze für das nächste Jahr?“ In diesen Tagen scheint manche Leute nichts mehr zu beschäftigen als gut gemeinte, aufrichtige, aber leider schnell wieder vergessene Vorsätze für 2007.

Zurzeit ist es nicht schwer aufzuschnappen, was den Leuten wirklich am Herzen liegt. Eine kleine Studie: „Ich will endlich abnehmen“. Das ist der unangefochtene Klassiker nicht nur unter Frauen. Dicht gefolgt von „mit dem Rauchen/Trinken aufhören“. “Mehr Sport treiben“ gehört auch zu den Klassikern der Neujahrsvorsätze. Dann wird es beruflich: „mehr erreichen“/“neue Aufgabengebiete finden“ liegt weit oben auf der Wunschliste. Eng damit verbunden sind erfolgreiche Schul-/Studien- /Ausbildungsabschlüsse. Fast gleichauf liegt der Vorsatz: „Ich will mich mehr um meine Familie kümmern.“ Das Privatleben besser in den Griff bekommen, sprich: einen neuen Partner finden, das lotterhafte Single- Dasein beenden bzw. eine zerrüttete Liebe neu beleben – hört man auch relativ oft als Wunsch.

Wenn all die wesentlichen „Herzenswünsche“ abgearbeitet sind, wird es interessant. Dann hört man nämlich oft „ich will wieder mehr Bücher lesen“! Ja, in der Tat! Dieser Wunsch oder Vorsatz liegt sogar noch deutlich vor „meinen Motorradführerschein machen“ oder „die Wohnung streichen“. Immerhin! Ich gebe mir größte Mühe, diesen Wunsch so gut wie möglich zu seiner Erfüllung zu verhelfen. Indem ich nicht nur an Weihnachten Bücher verschenke ...

02.01.2007, 12.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft

Pippis Vater gab es wirklich

Pippi LangstrumpfDie Augen meiner Nichte strahlten, als sie "Pippi im Takatukaland" von Astrid Lindgren unter dem Weihnachtsbaum hervorzog - die Kleine liebt die freche und tapfere Pippi Langstrumpf, das berühmteste Geschöpf Astrid Lind- grens, über alles. Mein Schwager je- doch stöhnte auf: Er wusste nur zu ge- nau, dass er die nächsten Tage wieder kontinuierlich mit Efraim, dem mutigen Abenteurer und Vater von Pippi, ver- glichen werden würde. Und natürlich zieht er als Bankangestellte dabei den Kürzeren.

"Aber der Efraim ist doch nur erfunden, den gibt es doch nicht wirklich", glaubte er sich schließlich helfen zu können. Doch meine kleine Nichte funkelte ihn an: „Doch gab´s den! Der Onkel (und damit meinte sie mich) hat´s mir gesagt!“

Pippi LangstrumpfUnd da hatte das kleine Gör tatsächlich Recht: Vor kurzem erzählte ich ihr eine Geschichte, die Stina Lindgren, die Schwester von Astrid Lindgren, preis- gab: Pippis Vater existierte tatsächlich! Auch wenn nicht alle Details stimmen, so dürfte es sich bei der Heldenvorlage um keinen anderen als den Schweden König Karl I. Pettersson handeln, der 1884 als Arbeiter-Anwerber in einer Kolonie auf Neu-Guinea arbeitete. Der große Blonde verliebte sich in die halbwüchsige Tochter des dortigen Kannibalen-Häuptlings, der nur mit Widerwillen die Hand seiner Tochter dem "starken Karl" zusagte. Aus ihrer Liebe entstanden schließlich bis zum Jahre 1921 insgesamt 8 Sprösslinge. Erst nach dem Tod seiner Frau kehrte "Kung Karl", König Karl, nach Schweden zurück.

Mein Schwager hatte also das Nachsehen: Niemals wird er mit Pippis Papa konkurrieren können. Aber schließlich einigte er sich mit seiner Tochter in einer fairen Abmachung: Wenn sie einmal so stark sein würde, dass sie ein Pferd hochheben könnte, würde er mit ihr auf einem Schiff anheuern und viele, viele Abenteuer in der Südsee erleben.


Lindgren bei Jokers

02.01.2007, 07.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher

Märchen braucht das Kind

„Unsere Kinder kennen keine Märchen mehr“, beklagt sich eine be- freundete Grundschullehrerin. Die Vorweihnachtszeit hat sie dazu ge- nutzt, den Schulkindern jeden Tag ein anderes Märchen vorzulesen. „Es ist zum Verzweifeln – nicht einmal Aschenputtel ist ihnen bekannt.“

Auch ich seufze innerlich auf – das alte Vorurteil, dass unser Nachwuchs viel zu viel vor Computer und Fernseher sitzt, scheint sich tatsächlich zu bestätigen. Ich würde wetten, dass viele der Kleinen eher „Cinderella“ als die klassischen Märchen kennen. Was können sie noch mit den „Gebrüdern Grimm“ anfangen?

Grimms MärchenAllerleirauh, Frau Holle, Rotkäppchen, Rumpelstilzchen – all diese wunder- baren Märchen der berühmten Brüder begleiteten uns durch unsere Kinder- und Jugendzeit. Allerdings, und das muss ich zugeben: Mit „Fundevogel“, „Gottes Speise“ oder einer „Frau Trude“ kann auch ich nicht viel verbinden. Doch man sollte bedenken, dass die krea- tiven Erzähler Jakob Ludwig Karl und Wilhelm Karl Grimm, 1785 bzw. 1786 in Hanau als Söhne eines Juristen gebo- ren, hunderte von Sagen, Märchen und Geschichten hinterließen. Wäre es nicht ein schöner Vorsatz für das Neue Jahr, sich selbst und den Kindern einige davon zu gönnen?


01.01.2007, 06.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher

Wendy:
Hallo, vielen Dank für den Buchtipp! Das Buch
...mehr

Near-Dark.de:
Obwohl Polit-Thriller nicht so ganz mein Genr
...mehr

flo filmproduktion:
großartiger film! unbedingt ansehen! politthr
...mehr

Schüssler Salze abnehmen:
Toll, das ist endlich mal ein gut geschrieben
...mehr

E.Rasmus:
Ach ja, "die Rettung der Welt". Oder ist es n
...mehr

Einträge ges.: 1485
ø pro Tag: 0,6
Kommentare: 265
ø pro Eintrag: 0,2
Online seit dem: 15.05.2005
in Tagen: 2457
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
Bloggeramt.de
frisch gebloggt
Deutsches Blog Verzeichnis
Blog Top Liste - by TopBlogs.de
TwitThisFacebookGoogleMySpaceTechnoratiMister WongDiggDeliciousYiggLinksilo
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3





<< Februar 2012 >>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  0102030405
06070809101112
13141516171819
20212223242526
272829    


160x600_adventskalender.gif