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Fordern wir das Realistische!

Che_klein.jpg „Seien wir realistisch: Fordern wir das Unmögliche“. Dieses Zitat stammt von Che Guevara. Der Revolutionär gilt vielen als moderner Robin Hood, schon zu Lebzeiten war der Guerillero eine Legende. Auch heute noch ist er die Vorzeigefigur und das Leitbild vieler Vertreter der Arbeiterbewegung oder auch Anarchisten. Vor allem am 1. Mai schwenken sie seine Fahnen.

Für mich ist der 1. Mai, den wir grad passiert haben, nicht nur ein Feiertag, sondern steht im Zeichen seiner Geschichte. Was für uns heute selbstverständlich ist, nämlich ein 8-Stunden-Arbeitstag, war im Jahre 1884 eine Utopie. In diesem Jahr nämlich forderten die "Föderierten Gewerkschaften und Arbeitervereine der USA und Kanadas", dass ab dem 1.Mai 1886 der Arbeitstag nicht mehr als 8 Stunden betragen sollte. Um diese Forderung zu unterstreichen, traten am 1. Mai 1884 in den USA 340.000 Arbeiter in den Streik, allein in Chicago waren es 40.000. Chicago war einige Tage später der grausige Schauplatz des „Massakers vom Haymarket“, bei dem durch einen von Provokateuren angezettelten Bombenanschlag ein Polizist und in einer folgenden Schießerei sechs Polizisten und mehrere Arbeiter getötet wurden. In einem anschließenden Schauprozess wurden sieben Personen, die sich selbst zu den Anarchisten zählten, zum Tode verurteilt. Diese Tragödie trug dazu bei, dass am 14. Juli 1889 auf dem internationalen Arbeiterkongress in Paris auf Vorschlag der amerikanischen Delegation in Erinnerung an die Opfer von Chicago der 1. Mai zum internationalen Arbeitertag erklärt wurde.

Che_Guevara.jpgBis zu unseren heutigen Arbeitsbedingungen war der Weg jedoch noch lang und steinig: Erst 1900 wurde der 10-Stunden-Arbeitstag und die 6-Tage-Woche und in den Jahren 1918/19 der 8-Stunden-Arbeitstag gesetzlich geregelt. 1955/56 wurde in der damaligen Bundesrepublik schrittweise die 5-Tage-Woche eingeführt, 1965 die 40-Stunden-Woche. Seit 1990 dürfen sich einige Angestellte über eine 35-Stunden-Woche freuen.

Was hätte Che Guevara dazu gesagt? Vielleicht: „Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen. Das ist die schönste Eigenschaft eines Revolutionärs.“ Wenn Sie mehr über Ernesto Che Guevara erfahren wollen, lege ich Ihnen unsere beiden Audio-CDs „Che Guevara“ nahe. Hier erfahren Sie wirklichkeitsnah und nicht beschönigend viel Wissenswertes aus dem Leben des weltberühmten Kämpfers.

Audio-CDs „Che Guevara“ bei Jokers

Bild: Che Guevara 1958/wikimedia.de

13.05.2010, 11.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: andere Medien | Tags: Che Guevara, 1. Mai, Arbeitertag,

Eine ungewöhnliche Freundschaft

Haende_klein.jpg Warum müssen so viele Romanen über frustrierte Großstadtsingles um die 30 geschrieben werden? Nicht alle Singles sind frustriert und nicht alle alten Leute haben Alzheimer. Das zeigt Marina Lewycka mit „Das Leben kleben“. Darin trifft die frisch getrennte Georgie Sinclair auf die exzentrische Greisin Mrs. Shapiro. Diese bewohnt mit ihren sieben Katzen ein altes Haus, um das sich trotz mangelnder Hygiene in den Räumen bald alle Immobilienmakler der Stadt reißen. Als die alte Frau schließlich gegen ihren Willen in ein Heim gesperrt werden soll, nimmt Georgie den Kampf gegen Immobilienhaie und unfähige Sozialarbeiterinnen auf.

Unaufgeregt und wunderbar poetisch beschreibt Lewycka die ungewöhnliche Freundschaft der beiden Frauen. Wenn Mrs. Shapiro zum Beispiel im Supermarkt auf Schnäppchenjagd geht und Rentnern die reduzierten Würstchen aus den Fingern reißt oder sich das Katzenpärchen Violetta und Mussorgski vor dem tyrannischen Kater Wonder Boy in seinem heimlichen Liebesnest versteckt, dann ist das wahre Liebe zu den Romanfiguren. Wer Menschen sucht, die nahe an der Hysterie mit dem Älterwerden hadern und manisch dem Liebesglück hinterher jagen, wird hier nicht fündig. Im Gegenteil. Wenn Mrs. Shapiro in ihren Peeptoes mit viel zu grellen Make-up und verrutschtem Lippenstift von ihrer großen Liebe erzählt, fühlt man sich fast schon stolz, selbst bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel zu haben …

Bild: sokaeiko/pixelio.de

12.05.2010, 11.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Marina Lewycka, Das Leben kleben, alt werden, Großstadtsingles,

Für alle, die einen Knacks haben

Riss_klein.jpg Egal, wie spät es ist, egal, wie früh man am nächsten Morgen aufstehen muss – erst, wenn die letzte Zeile verschlungen ist, legt man gewisse Werke beiseite. So ein Buch war „Der Knacks“ von Roger Willemsen für mich. Dabei kann ich nicht einmal sagen, ob diese Geschichte ein Essay, ein Roman, eine autobiografische Geschichte ist.

Ich denke, es ist eine Erzählung, eine Erzählung, die von den großen und den kleinen Momenten im Leben handelt, von jenen Augenblicken, die, einmal vorbei, die eigene Zukunft gnadenlos auf den Kopf stellen. Zumindest das, was man bis dato von der Zukunft glaubte, von ihr erhoffte. „Der Knacks“ erzählt von großen Brüchen, aber vor allem von der monoton anmutenden Malocherei der Zeit: Nämlich all den unmerklichen, namenlosen Veränderungen, den hauchdünnen Rissen in einer Beziehung, dem Altern von Menschen, von Orten, von Kunstwerken, nicht zu vergessen von der Enttäuschung, den Niederlagen, den Zweifeln… Ja, „der Knacks“ beschreibt, wie unser Leben von einem Moment auf den anderen die Richtung wechselt.

Der_Knacks.jpgIn einem Interview berichtet Roger Willemsen von dem ersten tiefen Knacks, den er selbst bekam. 15 Jahre war der Autor alt, als sein Vater starb. Ausgesehen hat er wie Janis Joplin und musste gerade eine Ehrenrunde in der Schule drehen. Heute ist der 1955 geborene Schriftsteller ein promovierter Alleskönner. Er beendete sein Studium mit dem Doktor über die Ästhetik Robert Musils. Nach Tätigkeiten als Übersetzer und Korrespondent hatte er 1991 seine erste eigene Fernsehsendung bei „Premiere“, anschließend machte er sich mit „Willemsens Woche“, „Nachtkultur mit Willemsen“ und „Willemsens Musikszene“ einen Namen. Er publizierte mehrere Bücher, drehte und produzierte zahlreiche Filme und zeichnete verantwortlich für das EXPO-Projekt „Welcome home. Künstler sehen Deutschland“.

Seine eigenen Erfahrungen spielen sicher in „Der Knacks“ eine bedeutende Rolle, doch immer ist sein Werk so, als ob es dem Leser über die Schulter blickt.

„Der Knacks“ bei Jokers

Bild Holz: tommyS/pixelio.de

11.05.2010, 10.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Roger Willemsen, Knacks, Enttäuschung,

Ideale Meereslektüre

Meer_klein.jpg Beim Durchstöbern meines Lieblingsbuchladens fällt die Entscheidung meist sehr schnell. Ein Blick auf Klappentext und Buchrücken, schnell die ersten Seiten überflogen und ich weiß, ob ich das Buch brauche oder nicht. Erst neulich wieder fräste ich mich auf diese Art durch eine Reihe von Regalen. Eine um die andere Neuerscheinung legte ich zurück: zu langweilig, Thema schon zehnmal da gewesen, schon gelesen, nicht interessant. Doch dann geschah, worauf ich gehofft hatte. Die Lektüre der ersten Sätze eines bestimmten Buches ergriff mich plötzlich so sehr, dass ich mitgerissen wurde. Bei „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen.

„Larudis Madsen war im Himmel gewesen, doch dank seiner Stiefel war er auch wieder heruntergekommen. Er war nicht bis hoch zum Masttopp geflogen, eher so auf die Höhe der Großrahe eines Vollschiffs.“ So beginnt ein wunderschöner Roman über Seefahrer und das Meer, über Träume, Abenteuer und Freiheit, und über Frauen, die sich an der See rächen, die ihnen ihre Männer und Söhne genommen hat. Ein herrlich dicker Schmöker, der mir das Warten auf den nächsten Urlaub versüßt. Ein Urlaub, den ich dieses Jahr ganz sicher wieder am Meer verbringen möchte.

Bild: Astrid Dehnel/pixelio.de

10.05.2010, 10.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Carsten Jensen, Wir Ertrunkenen, Neuerscheinung,

Bianka Schmidtlein:
Tatsächlich. Auf jokers.de führt die Sucheing
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Ute Berger:
es ist wirklich schlimm was mit den Handys un
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Gabi Bergermann:
Auweia. Jorges Verhalten erinnert schon sehr
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Anne-Marie Kollmannsberger:
Anti-BILD-Mail-Aktion:Hier klicken
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Gabi Bergermann:
Soso, man ist ein paar Wochen in Mittelamerik
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