
Kommt alles Gute wirklich von oben?
Ich kenne mein Wohnhaus in und auswendig. Das ist nichts Spekta- kuläres. Aber seit Neuestem kenne ich es sogar auch aus luftiger Höhe! Und das nicht nur aus ein paar Metern Entfernung. Nein! Dank „Google Earth“ weiß ich nicht nur, wie meine Wohn- stätte vom nächst höheren Baum aussieht. Ich kenne auch meinen Arbeitsplatz, meine Lieblingskneipe, meinen Friseur und sogar alle Plätze, an denen ich jemals gewohnt habe aus der Vogelperspektive. Was sage ich, aus der Weltraumperspektive! Ein paar Klicks und schon steigt mein Blick in die Höhe, meter-, kilometerweit, bis weit über den Horizont hinaus. Auf dem virtuellen Globus kann man in wenigen Sekunden um die ganze Welt fliegen, vom Schwabinger Wohnblock bis zum Ghetto in Brooklyn und zurück. Alles in wenigen Sekunden, alles mit ein paar Klicks am Computer.Zum Glück bin ich nirgends auf den Bildern zu sehen. Könnte ja sein, dass sie gerade fotografiert haben, als ich auf dem Balkon gelesen und meinen Rotwein getrunken habe. Gut, dass es noch keine Aufnahmen mit Röntgenkameras im Internet gibt – zumindest weiß ich davon nicht. Das wäre mir dann wirklich peinlich…
12.01.2007, 08.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft
Der Philosoph mit einem Hang zu Röcke(n)
War es ein Vorzeichen des Schick- sals, dass Friedrich Nietzsche 1844 in Röcken, in der Provinz Sachsen, geboren wurde? Nachdem sein Vater und sein Bruder verstorben waren, wuchs der spätere Philosoph in Naumburg auf, wo seine Mutter, seine Großmutter, seine Schwester und eine Haushälterin den Haushalt führten. Später studierte Nietzsche in Bonn und dann in Leipzig. Seine Studentenwohnungen in Leipzig wa- ren in der Blumengasse 4, heute ist das die Scherlstraße 10, und in der Lessingstraße 22, wo er als Unter- mieter von Prof. Biedermann lebte.In dieser Zeit lernte Nietzsche den Komponisten Richard Wagner in der Wohnung des Orientalistik-Professors Hermann Brockhaus kennen, der mit der Wagner-Schwester Ottilie verheiratet war. Sie wohnten in der Querstraße 15-16, wohin der neugierige Nietzsche am 6. November 1868 nach einer Rauferei mit dem Schneider, ausgelöst durch die Lieferung des neuen Anzugs, bei nächtlichem Regenwetter eilte.
Übrigens: Hermann Brockhaus gehörte zum gleichnamigen Verleger- Clan. Nach seiner geistigen Umnachtung wurde Friedrich Nietzsche wieder von Menschen in Röcken versorgt: von seiner Mutter und seiner Schwester. Friedrich Nietzsche konnte sich nie ganz von Röcken lösen.
11.01.2007, 14.30 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Autoren
Begeistert
Im Januar scheinen sich die Jahrestage der Geburtstage von Pro- minenten zu häufen: Bedeutende Literaten und Denker erblickten in diesem düsteren Monat das Licht der Welt. Im Freundeskreis nennen wir die Januar-Geborenen immer scherzhaft die "Frühlingskinder", weil eben die Erfahrung zeigt, dass besonders der Frühling dazu animiert, die Familienplanung in Richtung Nachwuchs zu ändern.
Einer dieser Prominenten, die im Januar geboren sind, ist einer meiner Lieblingsautoren, der große Kurt Tucholsky. Besonders ein Satz von ihm blieb mir für immer im Ohr: "Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen." O ja, wie Recht er hat!

Der deutsche Schriftsteller und Kritiker, vor allem auch bekannt durch sein Urteil "Soldaten sind Mörder", wurde am 09.01.1890 geboren und verstarb am 21.12.1935. Er wurde vom Nazi-Regime aus Deutschland vertrieben und starb im schwedischen Exil durch eigene Hand.
Seine Texte stecken voll leichter Weisheiten. Spielerisch versteckte der depressive Autor seinen Zynismus und seine Ironie in melancholischen Titeln. Wer sonst als Tucholsky käme auf die Idee, mit der Überschrift "Sehnsucht nach der Sehnsucht" ein durch und durch eindeutiges Liebesgedicht, fast im Stile Bert Brechts, zu tarnen? Oder wie verstehen Sie diese Strophe:
"Wir brauchen alle etwas, das das Blut
Rasch vorwärts treibt?
Es dichtet sich doch noch einmal so gut,
Wenn man beweibt."
Ach, Kurt Tucholsky erfreut mich immer. Die Kunst seiner Schreibweise, die ungewöhnlichen Gedankenspielereien, die gewagten Wortkombi- nationen - unübertroffen spritzig und dennoch tiefgründig präsentiert er in jedem seiner Werke gleichsam ein Bildnis seiner selbst.
Und weil ich von Tucholsky so angetan bin, habe ich ein Special zu ihm erstellen lassen. Ich hoffe, Sie entdecken ihn auch für sich!
Einer dieser Prominenten, die im Januar geboren sind, ist einer meiner Lieblingsautoren, der große Kurt Tucholsky. Besonders ein Satz von ihm blieb mir für immer im Ohr: "Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen." O ja, wie Recht er hat!

Der deutsche Schriftsteller und Kritiker, vor allem auch bekannt durch sein Urteil "Soldaten sind Mörder", wurde am 09.01.1890 geboren und verstarb am 21.12.1935. Er wurde vom Nazi-Regime aus Deutschland vertrieben und starb im schwedischen Exil durch eigene Hand.
Seine Texte stecken voll leichter Weisheiten. Spielerisch versteckte der depressive Autor seinen Zynismus und seine Ironie in melancholischen Titeln. Wer sonst als Tucholsky käme auf die Idee, mit der Überschrift "Sehnsucht nach der Sehnsucht" ein durch und durch eindeutiges Liebesgedicht, fast im Stile Bert Brechts, zu tarnen? Oder wie verstehen Sie diese Strophe:
"Wir brauchen alle etwas, das das Blut
Rasch vorwärts treibt?
Es dichtet sich doch noch einmal so gut,
Wenn man beweibt."
Ach, Kurt Tucholsky erfreut mich immer. Die Kunst seiner Schreibweise, die ungewöhnlichen Gedankenspielereien, die gewagten Wortkombi- nationen - unübertroffen spritzig und dennoch tiefgründig präsentiert er in jedem seiner Werke gleichsam ein Bildnis seiner selbst.
Und weil ich von Tucholsky so angetan bin, habe ich ein Special zu ihm erstellen lassen. Ich hoffe, Sie entdecken ihn auch für sich!
Zum Tucholsky-Special von Jokers
09.01.2007, 17.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren
Das Jahr der Frauen
"Weißt du, dass 2007 das Jahr der Frauen ist?", freut sich meine Frau. Weshalb das so sein soll, kann sie allerdings nicht genau erklären - sie las diese Notiz in einer Frauenzeitschrift. Gemeinsam überlegten wir, weshalb gerade das Jahr 2007 eine feminine Seite haben soll. Gut, es gibt überall Reformen, so manche lässt die Gemüter hoch kochen. Doch ob die Reformen, die unsere Politiker und Wirtschaftsbosse planen, alle im Zeichen der Emanzipation stehen, wagten wir zu bezweifeln.
Wir wollten schon aufgeben, den Grund für die Ausrufung eines Frauen- jahrs zu suchen, als wir einen Blick auf unseren Literaturkalender warfen: "Du, heute ist der 9.01.! Simone de Beauvoir, die berühmte Frauenrecht- lerin, wurde just am 9.1.1908 gebor- en! Damit haben wir zwar noch kein Frauenjahr, aber zumindest einen Frauentag!", begeisterte sich meine Frau.
Ja, es stimmt: Die französische Autor- in, bekannt durch ihre philosophisch- en Texte und Vorreiterin des Feminis- mus, war eine der ersten Philosophie- Lehrerinnen Frankreichs. Mit ihrem Lebensgefährten Jean-Paul Sartre soll sie so manche existentialistische Wichtigkeit bis in die frühen Morgenstunden diskutiert haben, ohne dass die als Querdenkerin bekannte Simone sich je von ihren Glaubenssätzen abbringen ließ. Sie rebellierte zeit Lebens gegen Bevormundung und die "Tyrannei des Bürgertums", engagierte sich schließlich gegen Krieg und Gewalt. Sie avancierte zur Frauenrechtlerin und Gelehrten Frankreichs, erreichte von dort aus Herz und Verstand von Frauen in aller Welt.
"Ach, was soll´s! Mir reicht ein Frauentag – und wenn du mich als gleichberechtigt achtest. Aber nicht nur einen Tag oder ein Jahr lang!", schloss meine Frau schließlich unser Grübeln ab.
Wir wollten schon aufgeben, den Grund für die Ausrufung eines Frauen- jahrs zu suchen, als wir einen Blick auf unseren Literaturkalender warfen: "Du, heute ist der 9.01.! Simone de Beauvoir, die berühmte Frauenrecht- lerin, wurde just am 9.1.1908 gebor- en! Damit haben wir zwar noch kein Frauenjahr, aber zumindest einen Frauentag!", begeisterte sich meine Frau.Ja, es stimmt: Die französische Autor- in, bekannt durch ihre philosophisch- en Texte und Vorreiterin des Feminis- mus, war eine der ersten Philosophie- Lehrerinnen Frankreichs. Mit ihrem Lebensgefährten Jean-Paul Sartre soll sie so manche existentialistische Wichtigkeit bis in die frühen Morgenstunden diskutiert haben, ohne dass die als Querdenkerin bekannte Simone sich je von ihren Glaubenssätzen abbringen ließ. Sie rebellierte zeit Lebens gegen Bevormundung und die "Tyrannei des Bürgertums", engagierte sich schließlich gegen Krieg und Gewalt. Sie avancierte zur Frauenrechtlerin und Gelehrten Frankreichs, erreichte von dort aus Herz und Verstand von Frauen in aller Welt.
"Ach, was soll´s! Mir reicht ein Frauentag – und wenn du mich als gleichberechtigt achtest. Aber nicht nur einen Tag oder ein Jahr lang!", schloss meine Frau schließlich unser Grübeln ab.
09.01.2007, 09.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft
Träume entdecken
Manchmal komme ich mir vor wie Christoph Kolumbus. Besonders dann, wenn ich sitze. Naja, auf diesem speziellen Thron an einem bestimmten Örtchen. Sie wissen schon. Seit einigen Tagen habe ich dort ein ganz dickes Buch liegen. Titel „1000 Places To See Before You Die". Übersetzt: "1000 Plätze zum Entdecken, bevor du stirbst" oder so ähnlich. Ergänzt wird der Titel: „Die Lebensliste für den Weltreisenden". Jeden Tag kann ich darin einen Ort auf der Welt finden, den ich noch nicht gekannt oder besucht habe. Ganz einfach: durch das Blättern in diesem 946-Seiten-Wahnsinns-Schmöker. Dann reise ich schon mal los. In Gedanken. Superbequem. Keine Probleme wie einst Kolumbus auf dem Meer bei der Fahrt mit seinen Segelschiffen in Richtung Amerika, das er als neuen Kontinent fand und für Indien hielt. Allerdings verbunden mit Mastbruch, Hunger, Durst, Skorbut und einer drohende Rebellion der Matrosen. Viel Ärger. Die erste Festung und spanische Kolonie, die Kolumbus auf dem neuen Land, einer Insel bei Kuba, errichtete, nannte er übrigens: La Navidad. Spanisch für Weihnachten. So lange war Kolumbus seit seiner Abfahrt am 3. August 1492 unterwegs gewesen.Sitzenderweise brauche ich gerade mal eine halbe Minute, bis ich mich, mithilfe des Inhaltsverzeichnisses, zur Seite 857 mit der Überschrift „Karibik, Bahamas und Bermuda" durchgeblättert habe. Ich erblicke einen Strand mit hohen Palmen. Dann lese ich von den fantastischen Schnorchel-Revieren bei Buck Island, vom Hai-Rodeo vor Walkers Cay, vom Bonefish-Angeln im Hinterhof von Florida, vom Schwimmen mit Delphinen bei der Bahamabank oder vom weltbesten Segelgebiet um die britischen Jungferninseln herum.
Meine Gedanken wandern dabei in ungeahnten Fernen. Ans Ende der Welt und weiter. Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag einen Ort in dem Wälzer zu erkunden. Tausend Tage bin ich dann Entdecker. Fast drei Jahre lang. So ein Buch kann das Tor zu Träumen sein, die sich heutzutage sogar relativ leicht verwirklichen lassen. Kolumbus brauchte für seine zweite Reise mit 17 Segelschiffen auch fast drei Jahre. Und in Ketten kam er von seiner dritten Reise zur Neuen Welt zurück. Komisch, wenn ich „1000 Places To See Before You Die” auf seinen Platz zurücklege, fühle ich mich wunderbar frei. Wie ein Vogel. Bereit überall hin zu fliegen. Ein wunderbares Gefühl. Danke, Buch!
08.01.2007, 10.05 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft

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