
Ist Liebe lauter nichts...
Ist Liebe lauter nichts, wie dass sie mich entzündet?Ist sie dann gleichwohl was, wem ist ihr Tun bewusst?
Ist sie auch recht und gut, wie bringt sie böse Lust?
Ist sie nicht gut, wie dass man Freud aus ihr empfindet?
Lieb ich gar williglich, wie dass ich Schmerzen trage?
Muss ich es tun, was hilft´s, dass ich solch Trauren führ?
Tu ich´s nicht gern, wer ist´s, der es befiehlet mir?
Tu ich´s gern, warum, dass ich mich dann beklage?
Ich wanke wie das Gras, so von den kühlen Winden
Um Vesperzeit bald hin geneiget wird, bald her.
Ich walle wie ein Schiff, das in dem wilden Meer
Von Wellen umgejagt nicht kann zu Rande finden.
Ich weiß nicht was ich will, ich will nicht was ich weiß,
Im Sommer ist mir kalt, im Winter ist mir heiß.
(aus dem Italienischen von Martin Opitz)
Jedes Mal, wenn ich diese Zeilen lese, entsteht vor meinem inneren Auge das Bild jenes einsamen Manns, der im Staub Italiens durch die Provinzen zieht, immer auf der Suche nach Linderung seines Liebesleids. Ja, er wusste, was ein gebrochenes Herz bedeuten kann, er spürte am eigenen Leib, wie schmerzvoll eine unmögliche Liebe sein kann. Sein Leben lang liebte Francesco Petrarca Madonna Laura. Sie war es, die ihn Jahrzehnte lang inspirierte, sie war es, die er nicht vergessen konnte. Doch im 14. Jahrhundert war es unmöglich, dass eine verheirate Frau wie Madonna Laura einen Liebhaber erhören würde.
Der großartige Poet Francesco Petrarca wurde 1304 in Arezzo geboren. 1310 folgte er seinem Vater, einem florentinischen Notar, in die politische Verbannung; zunächst nach Pisa, später nach Avignon. Dort erhielt er Unterricht in Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Schließlich nahm er ein Studium der Rechtswissenschaften auf, das er zeitweilig in Bologna und Montpellier fortsetzte; er schloss es jedoch nicht ab. 1326 kehrte er nach Avignon zurück. Es war sein Schicksalsjahr: In Avignon traf er die verheirateten Madonna Laura zum ersten Mal. Ihr widmete er sein berühmtes Werk "Canzoniere", eine Gedichtsammlung, die von nichts anderem als seiner unerfüllten Liebe zu ihr handelt.
Mit dieser neuartigen Form der Liebesdichtung übte Petrarca so großen Einfluss auf die europäische Dichtung des Mittelalters aus, dass diese Stilform nach ihm benannt wurde: der Petrarkismus. Er löste den Minnegesang ab und lebte bis weit in die Neuzeit hinein.
Anno 1337 zog sich der Weitgereiste schließlich nach Vaucluse zurück, um sich nun vollständig seinem Schaffen zu widmen. Petrarcas Werk stellt in der italienischen Literatur den Übergang von einer mittelalterlichen, Dante verpflichteten Tradition zur neuzeitlichen Literatur dar, wobei Italienisch als lyrische Sprache verwendet wird.
1341 führte Rom zur Ehrung Petrarcas die altrömische Tradition der Krönung des "Poeta laurentis" wieder ein, was unter anderem auf das religiös-humanistische Werk "Trionfi", eine allegorisch-didaktische Dichtung, zurückgeht.
1353 schließlich ging Petrarca nach Mailand, um als Diplomat im Dienst der Visconti zu arbeiten. 1368 kehrte er zurück nach Argua, wo er am 18. Juli 1374 starb.
"Süßes Übel, süßes Leid und süße Lust" bringt Ihnen auf klangvolle Weise die zarte Poesie Petrarcas näher: Die Audio-CD zum Dahinschmelzen bietet mit 70 Minuten Laufzeit das Schönste, was uns die Liebeslyrik des 14. Jahrhunderts schenkt.
"Süßes Übel, süßes Leid und süße Lust" bei Jokers
Bild Francesco Petrarca: wikimedia.de
11.06.2010, 13.52 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: andere Medien | Tags: Petrarca, Liebesleid, Petrarkismus,
Heilkunde für Kritische
Geahnt haben wir es ja schon immer. Aber jetzt gibt es den Nachweis dafür, dass Studien zur Medikamentenwirksamkeit meist vom Finanzgeber abhängen. Eine neue Metastudie fasst deutlich zusammen, dass von Pharmafirmen finanzierte Studien deren Produkte positiver beurteilen als unabhängige Studien.Nach einer systematischen Suche in der Datenbank PubMed wurden aus dem Zeitraum zwischen 2002 und 2009 insgesamt 57 Publikationen für die Studie ausgewählt. Der erste Teil wurde im Deutschen Ärzteblatt unter http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=74299 veröffentlicht.
Ich will Sie hier gar nicht mit den Einzelheiten langweilen oder schockieren, denn, wie gesagt: Geahnt haben wir es ja alle schon seit langem, dass auch die Wissenschaft nicht gänzlich unbestechlich ist. Die wichtige Frage ist, wie wir denn mit diesen Ergebnissen umgehen. Solange sich die Richtlinien, unter denen Studien durchgeführt und publiziert werden, nicht ändern, werden wir wohl falsch oder sagen wir interessengeleitet über Medikamente informiert bleiben.Eine Freundin ist in dieser Hinsicht ganz rigoros: Sie kehrt der Schulmedizin den Rücken und vertraut nur noch auf Homöopathie. Ich selbst bin da weniger homöopathiegläubig, bin ich doch nur allzu dankbar, wenn ich beispielsweise akuten Kopfschmerzen mit einem schnell wirkenden Medikament entgegenwirken kann. Aber trotzdem halte auch ich mich auf dem Laufenden, was die Heilkraft aus der Natur angeht. Zwar kenne ich nicht viele Mittelchen und Kräuter, aber seitdem ich "Heilkraft aus dem Klostergarten" entdeckt habe, steht das reich bebilderte Werk bei mir im Regal. Vielleicht gibt es ja eine pflanzliche Alternative zu manchem Produkt der Chemie.
"Heilkraft aus dem Klostergarten" bei Jokers
Bild Kräuter: Sigrid Rossmann/pixelio.de
10.06.2010, 12.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Heilkraft, Homöopathie, Klostergarten, Medikamentenwirkung,
Netzkarte
Ich mag Bücher über Taugenichtse, Flaneure und Hochstapler. Warum? Vielleicht weil diese Herrschaften einfach tun, was sie möchten und nichts darauf geben, was die Gesellschaft von ihnen erwartet. Sie sind lässig und unabhängig, selbstironisch, entspannt und nachdenklich ohne Grübler zu sein. Manchmal suchen sie auch nach dem für sie richtigen Lebensweg.Angefangen hat meine große Sympathie für Nichtstuer und Schlitzohren mit der Lektüre von Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ – spritzig, leicht und mit einem faszinierenden Protagonisten, der das Leben liebt. Auch bei Wilhelm Genazino tauchen solche Herren gern auf – komisch, diese Sorte Mensch wird in der Literatur meist von Männern verkörpert. Offensichtlich trauen Autoren eher Männern als Frauen diese liebenswerte Unverfrorenheit zu ...
Ein weiterer Vertreter dieser Spezies taucht bei Sten Nadolny in seinem Roman „Netzkarte“ auf. Er heißt Ole Reuter und begibt sich mit besagter Fahrkarte, die dem Buch den Titel gibt, einen Monat auf die Reise. Kreuz und quer durch Deutschland fährt der junge Mann, lässt sich treiben und mag sich so gar nicht festlegen. Ein windiger Filou ist dieser Ole Reuter aber nicht. Er steht kurz vor seinem Lehramts-Staatsexamen, als er sich zu der Fahrt entschließt. Ein letzter, wenn auch eher zahmer „Ausbruch“, bevor die Berufstätigkeit beginnt? Oder eher eine Suche? Nach Erlebnissen, vielleicht sogar nach sich selbst? Sicher spielt hier all das eine Rolle.Sten Nadolny gelingt es bravourös, das Nachdenken über das eigene Leben, über Entscheidungen oder Entscheidungsvermeidungen zu schildern. Ein bisschen schimmert in diesem frühen Werk Nadolnys schon das Thema des Lebenstempos hindurch, das dann in seinem späteren Bestseller „Die Entdeckung der Langsamkeit“ zum Hauptmotiv wird. Ein spannendes Buch also, diese „Netzkarte“, und ich empfehle es nicht nur als Zuglektüre!
Bild Schienen: Thorben Wengert/pixelio.de
09.06.2010, 12.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Netzkarte, Sten Nadolny, Ausbruch, Zuglektüre,
Golfbälle im All
Rein äußerlich betrachtet scheint es, als ob zwei über-dimensionale Golfbälle unsere Erde umkreisen. Und das schon seit vielen Jahren! Denn es ist bereits acht bzw. 34 Jahre her, dass die Satelliten LAGEOS I und II als Variante der überholten Flaschenpost auf einer stabilen Umlaufbahn um den Globus vagabundieren. Das werden sie auch noch eine Weile tun, wenn nicht vorher eine extraterrestrische Zivilisation die gut 400 Kilo schweren Kapseln mit einem Durchmesser von 60 Zentimeter einfängt. Acht Millionen Jahre haben die LAGEOS-Satelliten noch, bevor sie ihr programmiertes Ende finden. Ihre Aufgabe ist es, die irdische Kontinentalverschiebung auszumessen.
Fast 6.000 Kilometer sind LAGEOS I und II von der Erde entfernt: Sie registrieren die Bewegungen und Stauchungen der Erdkrustenplatten und gehen auch den Ursachen von Vulkanismus und Erdbeben auf den Grund. Die Kugelsonden umrunden den Erdball binnen 225 Minuten einmal.
Außerdem sollen die beiden Satelliten eine Botschaft übermitteln. Auf Stahlplatten sind historische und aktuelle Weltkarten eingeätzt, der Abflug des Satelliten wie auch ein Zukunftsentwurf, wie die Erde beim geplanten Absturz des Satelliten in acht Millionen Jahren aussehen könnte, sind ebenfalls vermerkt. Oder wie der Urkontinent Pangäa aussah.
Ein bisschen crazy, finden Sie nicht? Was sollte das ein außerirdisches Lebewesen interessieren? Nun gut, wer weiß. In der "National Geographic Enzyklopädie Weltall" habe ich die Informationen zu den beiden LAGEOS-Satelliten gelesen. Ein geniales Werk für alle, die sich ein wenig für "Überirdisches" begeistern können.
"National Geographic Enzyklopädie Weltall" bei Jokers
Bild: David R./panthermedia.de
08.06.2010, 12.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: National Geographic, Enzyklopädie Weltall, Satelliten, Lageos,
Lob der Leidenschaft
Sie wissen es, ich weiß es und Stefan Bollmann weiß es auch: Lesen macht glücklich. Wenn man sich im Zug, in der Sofaecke oder sogar im Wartezimmer in ein Buch vertieft, ist man ganz weit weg und vergisst alles um sich herum. Wer die Fähigkeit hat, sich auf eine faszinierende Geschichte, einen gefühlvollen Roman oder einen spannenden Krimi einzulassen, der kann in seinem Kopf mal kurz Urlaub machen und hat damit Nichtlesern etwas voraus. Schließlich ist man bei seiner persönlichen Lese-Auszeit völlig frei und absolut ortsunabhängig.Der Autor Stefan Bollmann hat aus dieser Einsicht ein kleines Werk gemacht. Es führt uns vor Augen, dass unser Zufriedenheitsgefühl beim Lesen nicht trügt. „Warum Lesen glücklich macht“ heißt das kluge Brevier, in dem er schildert, was beim Lesen das Wohlbefinden auslöst, wie sich unsere Lesegewohnheiten ändern, wie unterschiedlich Männer und Frauen lesen und was das Schöne am Vorlesen ist.
Wir sollten Stefan Bollmanns Analysen vertrauen, denn der Mann ist nicht nur Germanist und somit Fachmann in Sachen Sprache und Literatur, sondern hat auch Philosophie studiert. Das qualifiziert ihn für den geisteswissenschaftlichen und eben philosophischen Hintergrund der Lesepassion. Also nicht, dass das jetzt abschreckend theoretisch klingt: das Buch ist spritzig, humorvoll und unterhaltsam. So wie wir es von Stefan Bollmann schon kennen, denn der hat mit „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ bereits zuvor einen Überraschungs-Bestseller gelandet.
Und warum sollte es uns Lesern anders gehen als anderen Passionierten: wir beschäftigen uns gern mit dem, was uns froh macht und lesen gern etwas darüber, warum das so ist. Eine tolle Lektüre für bekennende Buchfreunde! Dass man außerdem noch Jokers-typisch sparen kann, ist da fast Nebensache ...
„Warum Lesen glücklich macht“ bei Jokers
Bild: Hajo Rebers/pixelio.de
07.06.2010, 10.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Stefan Bollmann, Passion, Lesepassion, Lesen,

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