
Nicht überfordern
Vielleicht kennen Sie die schaurige Geschichte, die auch verfilmt wurde: Rosemary bekommt ein Kind – vom Teufel höchstpersönlich. Meine damalige Freundin wünschte sich das Buch aus einem einfachen Grund: Einige Jahre zuvor, da war sie etwa 11, klaute sie sich den Thriller aus dem elterlichen Bücherschrank und begann ihn heimlich des Nachts unter der Bettdecke zu lesen. Doch ihre Mutter erwischte sie und machte das, was jede vernünftige Mutter getan hätte: Sie nahm ihr kurzerhand das Buch weg.
Fünf Jahre später bekam meine Freundin zum 16ten endlich das heiß ersehnte Buch – und Albträume, die einige Wochen andauerten.
Es ist verständlich, dass die Kinder auch spannende Geschichten lesen wollen. Aber genau hier fällt den Eltern die Aufgabe zu, genau hinzuschauen und ihre kleinen Leseratten nicht zu überfordern. Schlussendlich gibt es keine Altersfreigabe für Krimis, so wie es bei Kinofilmen der Fall ist. Eine kleine Hilfestellung können wir von Jokers doch geben: Auf die Bezeichnung „Kinder- und Jugendkrimi“ können Sie sich nämlich verlassen. Wenn ein Buch diesen Titel trägt, so wie zum Beispiel „Der Mann mit der Maske“ von Brian Doyle, dürfen Sie Ihre Sprösslinge ruhig schmökern lassen. Denn von diesen Büchern, die spannend und fesselnd sind, ohne zu verstören, werden Ihre Kinder keine Albträume bekommen.
(Ab und zu muss ich auch mal pädagogisch sein, immerhin ist meine Frau Lehrerin!)
(geschrieben von Matthias Stöbener)
29.06.2008, 13.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Albtraum, Kinderkrimi, Jugendkrimi, Rosemary´s Baby,
Kampf den Mücken!
Es gab mal eine Zeit, da habe ich mich im Frühling ganz bewusst dem gestellt, was in den nächsten Monaten unvermeidbar schien: Ich habe mich ohne Schutzmittel, ohne Duftkerzen, ohne Zitronengras in die Wiese und/oder an einen See gesetzt und den Sonnenuntergang, wahlweise die Sterne betrachtet. Dabei wurde ich, je nach vorangegangenem Winter, ordentlich von Mücken zerstochen. Das allerdings war Sinn der Sache. Denn so war ich den Rest des Sommers gegen die sirrenden Biester quasi „imprägniert“. Schuld an diesem nach meinen heutigen Maßstäben recht esoterischen Ritual war ein Buch, das heute sehr kontrovers diskutiert wird: „Traumfänger“ von Marlo Morgan aus dem Jahr 1991. Darin beschreibt die selbsternannte Australien-Kennerin ihre Erfahrungen bei einem „Walkabout“. Sie wandert einige Monate zusammen mit einem Aborigines-Stamm durch die Wüste Australiens und lernt dabei die Sitten und Bräuche der Ureinwohner kennen. Auf ihrem Weg muss sie mit einigem Getier kämpfen. Unter anderem wehrt sie sich vergebens gegen Fliegen, die ihr in Augen, Nase, Ohren und Mund kriechen. Sie beobachtet ihre Mitwanderer und erkennt erstaunt, dass die Aborigines die Viecher ungehindert auf sich herumklettern lassen. Denn so würden die Körperöffnungen von Staub und Schmutz gereinigt, sie könnten besser atmen.
Jahre später las ich, dass „Traumfänger“, das als Erfahrungsbericht ausgegeben in den 90er Jahren ein echter Bestseller war, reine Erfindung ist. Die Autorin hat ihre Lüge zugegeben. Kritiker betonen, das Buch habe wenig mit den tatsächlichen Gebräuchen der australischen Ureinwohner zu tun. Ich muss zugeben, ich war enttäuscht. Denn die Autorin gab mir den Mut, mich jeden Frühling wieder den kleinen Blutsaugern zu stellen. Das Ritual gegen die Stechbiester hatte ich allerdings schon vor diesem Wissen aufgegeben. Heute wehre ich mich nach europäischer Tradition gegen Insekten: mit Autan und Mückengittern.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
28.06.2008, 15.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Mücke, Traumfänger, Aborigines, Autan, Mückengitter,
Nachruf
Einer meiner Lieblingsautoren ist gestorben: Peter Rühmkorf.Rühmkorf zählte zu den bedeutendsten Nachkriegs-Lyrikern Deutschlands: Als Mitglied der "Gruppe 47" publizierte er im Eigenverlag Literaturzeitschriften. Gerade am Vormittag seines Todestages hatte die Stadt Kassel dem Literaten den mit 10.000 Euro dotierten Preis für grotesken Humor zuerkannt. "Mit seinem unübertroffen vielstimmigen Werk“ habe er „auch dem literarisch Komischen neue Wege bereitet", hieß es in der Begründung der Jury.
Ich persönlich liebe vor allem seine Gedichte, insbesondere dieses hat es mir angetan:
Wir turnen in höchsten Höhen herum ...
Wir turnen in höchsten Höhen herum,
selbstredend und selbstreimend,
von einem I n d i v i d u u m
aus nichts als Worten träumend.
Was uns bewegt - warum? wozu? –
den Teppich zu verlassen?
Ein nie erforschtes Who-is-who
im Sturzflug zu erfassen.
Wer von so hoch zu Boden blickt,
der sieht nur Verarmtes / Verirrtes.
Ich sage: wer Lyrik schreibt, ist verrückt,
wer sie für wahr nimmt, wird es.
Ich spiel mit meinem Astralleib Klavier,
v i e r f ü ß i g - vierzigzehig –
Ganz unten am Boden gelten wir
für nicht mehr ganz zurechnungsfähig.
Die Loreley entblößt ihr Haar
am umgekippten Rheine ...
Ich schwebe graziös in Lebensgefahr
grad zwischen Freund Hein und Freund Heine.
Wenn auch Sie wunderbare Momente mit dem von uns gegangenen Lyriker genießen möchten: In dem Werk „Außer der Liebe nichts“ finden Sie die schönsten Liebesgedichte Peter Rühmkorfs versammelt.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
27.06.2008, 15.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Rühmkorf, Liebesgedichte, Nachkriegs-Lyriker,
Noch ein Verlag
Vielleicht ist es ja so, dass man sich in München, wo der Sitz der Verlagsgruppe ist, überlegt hat: Es fehlt uns noch ein toller Verlag zum Thema Musik. Wer hat einen zugkräftigen Namen, den wir mit der Leitung des Verlags betreuen könnten? Und so kam man auf Elke Heidenreich, fragte und bekam ein JA zur Antwort.
In der Mitteilung schreibt die Presseabteilung von Random House, Elke Heidenreich habe gesagt: „Ich freue mich, meine beiden großen gelebten Leidenschaften – die Musik und die Literatur – als Verlegerin zusammenführen zu können.“ Ich kenne Frau Heidenreich nicht, bin aber nirgendwo in einer Biografie auf einen Hinweis gestoßen, die Tochter eines Kfz-Mechanikers und Tankstelleninhabers habe in ihrer Vergangenheit komponiert, dirigiert oder in einem Orchester oder etwas Ähnlichem gespielt. Vielleicht meint sie mit Leidenschaft für die Musik, dass sie Konzerte besucht oder früher in der Schule Blockflöte gelernt hat.
Aber wer Elke Heidenreich heißt, muss vielleicht gar nicht so ganz dicht an der Musik sein. Denn Karl Heinz Pütz, der Verlagsleiter von Random House Audio, soll den Verlag zusammen mit Frau Literaturkritik führen. Das hat auch den zusätzlichen Vorteil, dass sie so einen Fachmann an der Seite hat und ihren vielfältigen sonstigen Beschäftigungen nachgehen kann.
Bertelsmann betont, man wolle ihr mit der Einbindung ins 1,8 Milliarden schwere Random-House-Imperium nicht ihre Unabhängigkeit als Autorin oder Kritikerin nehmen. Nein, wo denken Sie hin!
Kluge Jungs, die Leute an der Isar.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
26.06.2008, 13.28 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Elke-Heidenreich-Verlag, Random House, Karl Heinz Pütz,
Anfänge einer modernen Zensur
Empfindet der Schreiber einer Rezension das Buch, den Film, das Spiel oder die CD als nicht gut, als fehlerhaft, als unlogisch, als langweilig oder gefällt es ihm schlicht und ergreifend nicht, dann wird er dies in seiner Rezension kundtun. Ist er dagegen von dem Produkt überzeugt, hatte er Spaß damit, hat es ihn gefesselt, ihm Neues vermittelt, konnte er es genießen oder hat es ihm schlicht und ergreifend gefallen, dann wird er auch dies kundtun.
Und auch das ist gut so.
Jeder Autor einer Rezension schreibt diese aus seinem Erfahrungshorizont heraus, gespickt mit seinen persönlichen Bedürfnissen. Da kann er noch so um sachliche Objektivität bemüht sein. Eine sterile, vom Rest der Welt abgekoppelte Rezension wird und kann es nicht geben.
Und auch das ist gut so.
Auch jeder Leser einer Rezension konsumiert diese aus seinem Erfahrungshorizont heraus, gespickt mit seinen persönlichen Bedürfnissen. Der eine Leser möchte sich kurz über den Inhalt informieren, der andere interessiert sich für die persönliche Bewertung des Autors.
Und auch das ist gut so.
Es gibt Menschen, die huldigen den Rezensionen, kaufen nur die über den Klee gelobten Bücher, schauen sich nur die mit dicken bunten Sternen geschmückten Filme an und kaufen auch nur die CDs, die ein erlesener Zirkel von Hörgenussexperten anpreist wie warme Brötchen. Andere Menschen dagegen (ja, ich bekenne mich) machen sich einen Heidenspaß daraus, oftmals genau entgegengesetzt Medien zu konsumieren und fahren nicht immer schlecht damit. Einige Insider meinen sogar, dass ein Verriss die Verkaufszahlen weit mehr fördert als eine gefällig dahinplätschernde Besprechung.
Und auch das ist gut so.
Neuerdings aber gibt es Verlage und Labels, die gern einmal dem Rezensenten oder dessen Auftraggeber eine Abmahnung schicken, weil sie ihr Produkt nicht objektiv genug bewertet sehen. Nicht nur, dass der Lohn ein recht zweifelhafter Ruf für den Abmahnenden sein wird, er gleichzeitig Dritte in finanzielle Nöte bringt, vielmehr werden diese seltsamen Gestalten Türen zu einer modernen Form der Zensur aufstoßen.
Und das ist nun ganz und gar nicht gut so.
(geschrieben von André Kröckel, Pößneck)
25.06.2008, 20.35 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Kritik, Rezensionen, Abmahnungen,
Besser als ein Krimi
Die Geschichte liest sich wie ein packender Thriller: Ein junger Mann ermordet in den 70er Jahren brutal ein junges Mädchen, als er in deren Elternhaus einbricht und von ihr überrascht wird. Der Täter wird geschnappt, ein weiterer Mord wird ihm vorgeworfen, der aber nicht weiter verfolgt wird, weil die Verantwortlichen davon ausgehen, dass der Verhaftete sowieso lebenslänglich bekommt.Andere Zeiten, andere Sitten.
Nach 16 Jahren wird der Mann, er heißt Jack, entlassen – zwischenzeitlich wurde er als „Knastpoet“ bekannt: Im Gefängnis entdeckte er seinen Hang zum Schreiben. Jack stieg sofort zum Dandy seiner Zeit auf, die High Society riss sich um den „Resozialisierten“. Doch bald darauf erschüttert eine grausame Mordserie an Prostituierten das Land. Im Jahre 1994 wird Jack Unterweger in einem Indizienprozess wegen neunfachen Mordes erneut zu lebenslanger Haft verurteilt. Er entzieht sich dem Urteil dadurch, dass er sich mit einer Kordel in seiner Zelle erhängt.
Wer das „Große Lexikon des Verbrechens“ auf seinem Nachttisch liegen hat, kann sich für die nächste Zeit jeden Thriller sparen: Dieses spannende Werk erklärt nicht nur Fachtermini wie „V-Mann“ oder gibt Einblick in diverse Untergrundorganisationen wie die Mafia, es stellt auch anschaulich die Aufsehen erregenden Verbrechen unserer Zeit dar. Halten Sie Baldrian bereit!
(geschrieben von Matthias Stöbener)
25.06.2008, 01.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Jack Unterweger, Lexikon des Verbrechens, Knastpoet,
Frauen: schön, aber arm?
Sie gelten als das schöne und schwache Geschlecht: Dass sich diese Vorurteile auch knallhart auf den Gehaltszettel auswirken, macht keinen Spaß. Wie EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla der Zeitung „Die Welt“ verriet, verdienen Frauen im Durch- schnitt 22 Prozent pro Stunde weniger als Männer – für den gleichen Job, mit der gleichen Ausbildung, mit dem gleichen Engagement. Kaum zu glauben – oder?Wenn ich mich allerdings im Bekanntenkreis umhöre, stelle ich fest, dass die Statistiken durchaus ihr Äquivalent im wahren Leben finden: Fast alle Frauen verdienen deutlich weniger als ihre Partner, ihr Gehalt reicht meist nur für die „Extras“ des Lebens, während der Verdienst der Männer die Grundkosten trägt. Und das ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass jede 3. Frau in Teilzeit arbeitet (bei Männern sind es 8 Prozent), sondern eben darauf, dass die Personalchefs Frauen grundsätzlich ein kleineres Gehalt in den Arbeitsvertrag schreiben.
„Frauen, macht was aus eurem Geld!“, ist der Kampfspruch der Finanzberaterin Svea Kuschel. In ihrem Buch „Geld steht jeder Frau“, das von einer CD begleitet wird, zeigt sie Methoden auf, wie frau an Geld kommt und es vermehrt.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
23.06.2008, 15.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Gehalt, Gleichstellung, Verdienst von Frauen, Arbeitsvertrag,



ø pro Tag: 0,6
Kommentare: 265
ø pro Eintrag: 0,2
Online seit dem: 15.05.2005
in Tagen: 2459





















