
Gedichte gegen die WM
Also jetzt, wo so langsam an Urlaub und faule Nachmittage auf der Gartenliege zu denken ist (und gerade mal kein WM-Fußball läuft), brauchen Sie natürlich eine entsprechende Lese-Empfehlung. Eine, die nicht schwer im Magen liegt und trotzdem anspruchsvoll ist. Da passt die kurze Form doch besonders gut – sprich: Gedichte. Friedrich Hölderlin „Hundert Gedichte“ möchte ich Ihnen da ans Herz legen. Ob Dichtung über Natur oder Freundschaft, über die Liebe oder die Jahreszeiten, alles ist in diesem wunderschönen Bändchen zu finden.
Um 1800 entstanden gelten Hölderlins Werke in der Literaturgeschichte als einer der Höhepunkte der europäischen Poesie. Der Poet machte auch die Bekanntschaft der Dichtergrößen Goethe und Schiller. Aber ich möchte hier nicht zu viel Ehrfurcht verbreiten, die sprachliche Schönheit der Dichtung Friedrich Hölderlins erschließt sich auch so.
Um das Leben des Dichters aus Lauffen am Neckar ranken sich viele Geschichten und Mythen. Kein Wunder, denn immerhin verbrachte er 36 Jahre im später nach ihm benannten „Hölderlin-Turm“ in Tübingen, offenbar dem Wahnsinn verfallen. Jahrelang hatte er sich zuvor als Hauslehrer bei vermögenden Familien durchgeschlagen und nebenbei seine Werke verfasst. Auf einer dieser Stellen traf er auch seine große Liebe Susette Gontard, eine Frankfurter Bankiersgattin. In der Figur der „Diotima“ seines berühmten Briefromans „Hyperion“ erlangte sie literarische Unsterblichkeit.
Friedrich Hölderlin hat viele spätere Dichter mit seinem Werk beeinflusst, etwa Stefan George oder Ingeborg Bachmann. Eine schillernde Dichterpersönlichkeit also, die uns ein Werk von großer Intensität und Schönheit hinterlassen hat. Genießen Sie die „Hundert Gedichte“ des Ausnahme-Dichters – quasi als literarisches Ausgleichsprogramm zur WM.
„Hundert Gedichte“ von Friedrich Hölderlin bei Jokers
Bild Friedrich Hölderlin: wikimedia
09.07.2010, 11.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Lyrik, Gedichte, Friedrich Hölderlin, Lauffen am Neckar,
So muss der Himmel klingen
Ein Bekannter sagte neulich zu mir „Chopin kann dein Leben verändern“. Und er erzählte mir, wie er gezeichnet von zu strenger Musik-Didaktik in der Schule viele Jahre ausschließlich Popmusik hörte. Jeder Klassik hatte er sich nach Schulabschluss beharrlich verschlossen. Als er aber bei einer nächtlichen Autofahrt „aus Versehen“ im Klassiksender Chopin hörte, fühlte er sich nach eigenen Aussagen wie verzaubert. Mir war es vor vielen Jahrzehnten nicht anders ergangen. Damals hörte ich meine Jugendliebe auf einer Mitternachtsparty am Klavier die Nocturnes Nr. 7 in Cis-Moll spielen. Noch immer jagt es mir bei der Erinnerung einen Schauer über den Rücken. Doch anders als mein Bekannter fand ich so schon früh zur Klassik.
Ähnlich muss es wohl auch Maarten 't Hart ergangen sein. Eins der Lieblingsmotive seiner Romane ist die klassische Musik, vor allem Johann Sebastian Bach. Poetisch wie warmherzig erzählt der niederländische Autor zum Beispiel im „Schneeflockenbaum“ die rührende Geschichte zweier Jungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Da ist einerseits der charmante Mädchenschwarm Jouri und andererseits sein introvertierter Freund, der namenlose Ich-Erzähler, der „den ganzen Tag furzt wie ein Waldesel“. Auch der Erzähler erlebt eine Offenbarung, als er die Klassik entdeckt und erkennt, „Diese Musik spielt man im Himmel“. Stück für Stück erkundet er die alte Plattensammlung Jouris Vater und bemerkt dabei, „dass sich in meiner Seele Kräfte verbargen, von denen ich bis dahin nichts gewusst hatte.“ Wenn das nicht Poesie ist, die Leben verändert …„Mozart und ich“ von Maarten 't Hart bei Jokers
Bild Chopin: wikimedia
07.07.2010, 17.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Maarten 't Hart, Mozart und ich, Schneeflockenbaum, Chopin, Klassik,
Am besten, man beginnt mit dem Anfang
Noch nie waren Thriller so angesagt wie heute. Je mehr Horror, Splatter, Gore und Blut drin vorkommt, umso besser lässt sich ein Buch anscheinend verkaufen. Nachdem auch ich erst vor wenigen Jahren mein Interesse an diesem Genre entdeckt hatte, nahm ich mir den Autor Nr. 1 auf diesem Gebiet vor: Simon Beckett. Doch bald hatte ich alle seine Werke durch und war auf der Suche nach frischem Material. Dabei stieß ich zufällig auf „Das Böse in uns“ von Cody McFadyen und griff zu.
Auch dieser amerikanische Autor ist ein Meister auf seinem Gebiet. Allerdings beging ich unbewusst einen fatalen Fehler: Ich stieg mitten in der Reihe ein anstatt mit „Die Blutlinie“ zu beginnen, und erst nach „Der Todeskünstler“ den dritten Thriller zu lesen. Ohne Vorkenntnisse fiel mir schnell auf, wie unrealistisch mitgenommen die Protagonisten waren. Denn die Hauptfigur, Agentin Smoky Barrett, hatte bereits mehr durchgemacht, als ein normaler Mensch in drei Leben. Sie hat Tochter und Ehemann verloren, wurde von üblen Psychopathen mehrfach gefoltert und schließlich aufs Grausigste entstellt. Und dennoch arbeitet sie weiter und jagt Mörder. Sicher wäre mir der Widerspruch zur Realität nicht aufgefallen, hätte ich, wie bei Beckett, McFadyens Werk chronologisch gelesen. So aber nahm diese Realitätsfremde der Geschichte fast jede Faszination. Natürlich las ich das Buch dennoch bis zum Ende durch. Allerdings lerne ich Agentin Barrett jetzt noch mal ganz neu kennen. Und zwar mit dem ersten Band der Thrillerreihe.
„Die Blutlinie“ auf Englisch: „Shadow Man“ bei Jokers
05.07.2010, 16.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Cody McFadyen, Blutlinie, Smoky Barrett, Thriller,

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