
Früher verschmäht
So erging es mir mit einigen Werken Goethes, aber auch Theodor Storm habe ich erst viele Jahre nach der ersten Schulbegegnung mit dem „Schimmelreiter“ noch einmal mit ganz anderem Blick gelesen. Fasziniert war ich schon seit dem ersten Lesen von der tragischen Figur des Hauke Haien. Aber die Komplexität der Rahmenhandlung und das psychologisch Genaue dieser berühmtesten Novelle Storms haben mir noch nicht viel gesagt.
Der ebenso ehrgeizige wie begabte Deichgraf Haien erfüllt sich mit dem Bau eines neuartigen, flacheren Deichs seinen Lebenstraum. Aber in der Dorfgemeinschaft bleibt er der Außenseiter, der er schon immer war. Und deswegen scheut er sich davor, die Dorfbewohner noch einmal zur Arbeit heranzuziehen, als er erkennt, dass die alten Deichreste völlig unterhöhlt und nicht mehr sicher sind.
Die Katastrophe, in der auch der Deichgraf und seine Familie den Tod finden, nimmt ihren Lauf. Und wenn dann geschildert wird, wie der Verstorbene als gespenstischer Schimmelreiter weiter reitet, wird einem schon ein bisschen mulmig zumute. Auch wenn man sonst dem Aberglauben ganz und gar nicht zugeneigt ist. Und: beim Lesen riecht man förmlich Salz und Seegras, hört die Möwen unheimlich krächzen und die Sturmwellen tosen – herrlich! Ich kann nur empfehlen, der früher verschmähten Schullektüre eine zweite Chance zu geben – sie hat sie, im Fall Theodor Storms jedenfalls mit Sicherheit, bestimmt verdient!
„Der Schimmelreiter“ bei Jokers
Bild Theodor Storm: wikimedia
16.07.2010, 10.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Theodor Storm, Schullektüre, Schimmelreiter, Klassiker, Novelle,
Kommissar Beck ermittelt
Zugegebenermaßen bin ich nicht der Welt größter Krimifan, aber ein gut gemachter Kriminalroman kann mich trotzdem immer begeistern. Zumal wenn der Ermittler einer vom Schlag des Kommissar Martin Beck ist. So lakonisch, nachdenklich und mit einer so eigenen traurigen Familiengeschichte. Das gefällt mir, und offenbar nicht nur mir: Die inzwischen riesige Fangemeinde des kauzigen Kriminalers kann schließlich nicht irren.Wenn Kommissar Beck im kühlen Stockholm ermittelt, muss man einfach dranbleiben. Denn hinter den Fällen des Schweden menschelt es oft gewaltig. Da tun sich Abgründe auf in der so heil scheinenden Welt der Nordlichter.
Zwar erschien Martin Beck schon Mitte der sechziger Jahre auf dem Markt, aber erst seit einigen Jahren – mit dem Boom der Schwedenkrimis – wird der Ahnherr dieses Krimi-Genres richtig gewürdigt. Das liegt sicherlich auch an der gut gemachten und erfolgreichen Fernsehserie mit Peter Haber in der Rolle von Kommissar Martin Beck. Hier werden immer auch die Schattenseiten der perfekt wirkenden schwedischen Gesellschaft kritisch thematisiert und Beck selbst ist oft zerknirscht und ratlos – einfach menschlich eben. Das Autorenpaar Per Wahlöö und Maj Sjöwall hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet.
Dass die Bücher um Martin Beck so einen Spaß machen, liegt auch am Ermittlungsteam. Der rüpelhafte und nicht sonderlich beliebte Gunvald Larsson etwa ist einer dieser Charaktere, mit denen man sich als Leser gern beschäftigt. Oder als Hörer. Denn den Kommissar aus dem hohen Norden gibt es auch als Hörbuch. Ein Genuss – immerhin geben sich hier Kultsprecher wie Christian Brückner oder Hannelore Hoger ein Stelldichein. Die heutige Devise lautet also: kaufen, hören, feinsten Krimistoff genießen!
„Kommissar Beck ermittelt“ als Hörbuch bei Jokers
Bild Stockholm: Alexander Hauk/pixelio.de
14.07.2010, 13.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Kommissar Beck, Schwedenkrimis, Gunvar Larsson, Christian BrücknerKommissar Beck ermittelt Zugegebe,
Was wir schon immer über Könige wissen wollten
Für Royalisten war es das Hochadel-Ereignis des Jahres: die schwedische Kronprinzessin Victoria heiratet ihren Untertan und Fitnesstrainer Daniel Westling. Ein richtiges Märchen. Es ist ein Phänomen, dass in unserer aufgeklärten Welt die königlichen Familien noch immer eine solche Anziehungskraft besitzen. Irgendwie finden wir Normalsterbliche die Blaublütigen so faszinierend, dass sich allerlei Gazetten Woche für Woche damit füllen lassen. Und die werden auch gelesen – offensichtlich nicht nur beim Friseur.
Die royale Hochzeit im Norden Europas ist ein schöner Anlass, Ihnen ein Buch vorzustellen: „Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“. Autor ist niemand geringerer als Alexander von Schönburg, der schon mit „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ seine Fähigkeit bewies, Launiges mit Zeitgeist zu einem unterhaltsamen Cocktail zu mixen. Und auch hier zeigt der Journalist wieder, dass er nicht nur tolle Themen entdecken, sondern sie auch gekonnt umsetzen kann. Außerdem gehört er selbst zum Adel und hat damit besten Zugang zu den gekrönten Häuptern und ihren kleinen Geheimnissen. Wer also wissen möchte, was die Queen in ihrer Handtasche hat, ist hier goldrichtig. Zu intime Details allerdings erfahren wir nicht – man weiß schließlich, was sich gehört und möchte es sich mit den erlauchten Herrschaften auch nicht verscherzen – aber wir bekommen eine amüsante und geistreiche Mischung aus gepflegtem Klatsch und echtem Insiderwissen.
Dass das Buch zu einem ganz und gar unadligen Preis über unsere Jokers-Ladentheke geht, ist Ehrensache!
„Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“ bei Jokers
Bild Schloss Chambord: Manuel L./panthermedia
13.07.2010, 10.38 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Könige, Adel, Alexander von Schönburg, Royalisten,

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