
Premio Nadal
Seit 1944 wird der berühmte spanische Literaturpreis vergeben. Man stiftete ihn zu einer Zeit, als sich Spanien von den verheerenden Folgen des Bürgerkriegs erholte. Seitdem wird der Preis an bedeutende Autoren der spanischen Gegenwartsliteratur verliehen. Immer zu Anfang des Jahres in Barcelona. Inzwischen ist er mit 18.000 Euro dotiert. Neben dem Premio Planeta ist der „Nadal“ die wichtigste spanische Literaturauszeichnung.
Felipe Benitez Reyes heißt der diesjährige Gewinner, der in der Nacht des 6. Januar bekannt gegeben wurde. Er hat "mercado de espejismos" („Markt der Illusionen“) geschrieben, eine Parodie auf moderne, esoterisch ange- hauchte Historienromane wie "Sakri- leg". Der Schriftsteller vergleicht sein Werk mit "Don Quijote": Diese groß- artige Erzählung Cervantes sei schluss- endlich nichts anderes gewesen als eine Veräppelung der damals so beliebten Ritterromane.
Die Werke des 1960 in Cádiz geborenen Benitez Reyes umfassen neben Gedichten viele Erzählungen und Romane, die auch ins Deutsche und Englische übersetzt wurden. Seine intimistische Lyrik erhielt bereits den National- und Kritikerpreis.
In "mercado de espejismos" beschreibt der Erfolgsautor amüsant die Geschichte zweier Kunsträuber. Sie wollen die Reliquien der Heiligen Drei Könige aus dem Kölner Dom stehlen. Insofern ist das Datum der Preisverleihung, der 6. Januar, mindestens so humorig wie der Roman
Felipe Benitez Reyes heißt der diesjährige Gewinner, der in der Nacht des 6. Januar bekannt gegeben wurde. Er hat "mercado de espejismos" („Markt der Illusionen“) geschrieben, eine Parodie auf moderne, esoterisch ange- hauchte Historienromane wie "Sakri- leg". Der Schriftsteller vergleicht sein Werk mit "Don Quijote": Diese groß- artige Erzählung Cervantes sei schluss- endlich nichts anderes gewesen als eine Veräppelung der damals so beliebten Ritterromane.Die Werke des 1960 in Cádiz geborenen Benitez Reyes umfassen neben Gedichten viele Erzählungen und Romane, die auch ins Deutsche und Englische übersetzt wurden. Seine intimistische Lyrik erhielt bereits den National- und Kritikerpreis.
In "mercado de espejismos" beschreibt der Erfolgsautor amüsant die Geschichte zweier Kunsträuber. Sie wollen die Reliquien der Heiligen Drei Könige aus dem Kölner Dom stehlen. Insofern ist das Datum der Preisverleihung, der 6. Januar, mindestens so humorig wie der Roman
21.01.2007, 07.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren
Spekulationen
Schon mehrmals schrieb ich an dieser Stelle über eine befreundete Philoso- phin, die in regelmäßigen Abständen seltsame Symptome zeigt: Ihre Krank- heit ist die Verzweiflung an den nicht lösbaren Fragen des Universums, die sie quartalsmäßig dazu zwingt, ein ganzes Wochenende zu Hause mit Grübeln zuzubringen. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Was bleibt von der Liebe, wenn sie geht? Können wir jemals die Welt einer anderen Person teilen, wenn doch unsere Wahrnehm- ung der einfachsten Dinge so grund- verschieden ist?Längst habe ich aufgegeben, sie mit Vernunft zur Räson bringen zu wollen - es existiert schlichtweg kein Argument, dass sie nicht mit einer metaphysischen Weisheit entkräften könnte. Leider verstehe ich meinerseits nicht so viel von Philosophie, um sie zum Beispiel mit einem Zitat Kants, des großartigen Erkenntnis- theoretikers, von der Sinnlosigkeit transzendentaler Spekulationen überzeugen zu können.
Also suche ich in meinem Metier, der Literatur, Schützenhilfe. Und so kam es, als sie mich kürzlich am Telefon mit ihren nicht lösbaren Existenzfragen überschüttete, dass ich Theodor Fontane zitierte:
"Halte dich still, halte dich stumm,
Nur nicht forschen, warum, warum?
Nur nicht bittre Fragen tauschen,
Antwort ist doch nur wie Meeresrauschen.
Wie´s dich auch aufzuhorchen treibt,
Das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt."
Kurz blieb sie still am Telefon, dann hörte ich sie lachen: "Mensch", kicherte sie, "ich hätte nie gedacht, dass Fontane so viel mit Wittgenstein gemein hatte: Der sagte nämlich: Worüber du nicht reden kannst, darüber musst du schweigen." Und dann legte sie gut gelaunt auf - die metaphysische Krise war fürs Erste mal wieder abgewendet.
Der weise Fontane bei Jokers
18.01.2007, 09.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren
Ein Tag im Spaßbad
Weihnachtsgeschenke sind eine feine Sache. Besonders, wenn sie so liebevoll ausgewählt werden wie von meiner Frau. „Einen Tag Wellness pur im Spaßbad deiner Wahl“ stand in dem Brief, den sie mir freudestrahlend neben dem Weihnachtsbaum überreichte. Erholung kann man nie genug bekommen, und so fand ich mich auch schon wenige Tage später im Saunabereich des „Spaßbades meiner Wahl“ wieder.
Einige Bahnen kräftigen Brustschwimmens im Sportbecken, ein paar flotte Runden im „Wildwasserkanal“ des Abenteuerbeckens und ein paar Schluck Chlorwasser in der Spaßrutsche „Freier Fall“ später war ich mehr als reif für Erholung. Und begab mich in die fachkundigen Hände einer Masseurin. Erwartungsfroh legte ich mich bäuchlings auf die Massageliege, als auch schon die Tür aufging. Herein kam aber keine Masseurin, sondern ein fleischgewordener Frauentraum, Mister Masseur schlechthin. Groß, solariumgebräunt, muskulös und tätowiert. Und schon hatte er mich in Bearbeitung, an Flucht war nicht mehr zu denken. Vor Schreck verspannte ich mich dermaßen, dass ich nach einer Viertelstunde „Rückenmassage“ den Behandlungsraum verkrampfter verließ, als ich ihn betreten hatte.
„Sauna macht locker“, dachte ich mir und schleppte mich in den Wellnessbereich. Das Dampfbad schien mir der geeignete Einstieg. Als ich mich, sanft umwabert von wohltuenden Dampfschwaden, endlich begann zu entspannen, fiel mein Blick auf meine „Mitschwitzer“. Wo ich auch hinsah, gab es mehr zu schauen als erwartet. Ein Indiankopf auf dieser Schulter, ein Totenschädel auf jenem Arm. Auf dortigem Hintern ein – pardon – „Arschgeweih“, auf jenem Bizeps ein Dornenkranz. Tribals, heulende Wölfe, apokalyptische Szenarien und unzählige Rosen so weit das Auge reichte. Hier und da wurde das Körperbild durch Piercings ergänzt. Ich sah viele Bauchnabel-, manche Augenbrauen-, zahllose Nasenpiercings, und andere erahnte ich durch ein kurzes Aufblitzen an Stellen, die ich nicht genauer betrachten wollte. Kurz und gut: Ich war fast der einzige gänzlich ohne Körperverzierung. Das schien den anderen auch aufzufallen, zumindest bildete ich mir das ein.
Eilig verließ ich das Dampfbad. In allen Saunen, in die ich einen kurzen Blick warf, das Gleiche: verzierte, gestylte, bewusst ver- schönerte Körper. Ich war ver- zweifelt. Einziger Ausweg und letzte Rettung schien mir der Whirlpool. Das Wasser blubberte hier so schön dicht und hoch, dass außer meinem mittlerweile von Spannungskopfschmerz geplagten Haupt nichts mehr von mir zu sehen war.
Nach einer halben Stunde im warmen Sprudelbecken fühlte ich mich weitgehend wieder hergestellt, um auch den Außenbereich des Spaßbades zu erkunden. Doch als ich die Stufen aus dem Becken beherzt nehmen wollte, rutschte ich aus und landete unsanft auf meinem Hintern. Das gab mir den Rest. Ich eilte zu den Umkleiden, zog mich an und verließ fluchtartig das Spaßbad meiner Wahl.
Daheim angekommen gönnte ich meinem geschundenen Leib als erstes ein richtiges Entspannungsbad in der eigenen Badewanne – in Ruhe dabei ein Buch über meine Heimatstadt lesend. Das tat gut!
Einige Bahnen kräftigen Brustschwimmens im Sportbecken, ein paar flotte Runden im „Wildwasserkanal“ des Abenteuerbeckens und ein paar Schluck Chlorwasser in der Spaßrutsche „Freier Fall“ später war ich mehr als reif für Erholung. Und begab mich in die fachkundigen Hände einer Masseurin. Erwartungsfroh legte ich mich bäuchlings auf die Massageliege, als auch schon die Tür aufging. Herein kam aber keine Masseurin, sondern ein fleischgewordener Frauentraum, Mister Masseur schlechthin. Groß, solariumgebräunt, muskulös und tätowiert. Und schon hatte er mich in Bearbeitung, an Flucht war nicht mehr zu denken. Vor Schreck verspannte ich mich dermaßen, dass ich nach einer Viertelstunde „Rückenmassage“ den Behandlungsraum verkrampfter verließ, als ich ihn betreten hatte.
„Sauna macht locker“, dachte ich mir und schleppte mich in den Wellnessbereich. Das Dampfbad schien mir der geeignete Einstieg. Als ich mich, sanft umwabert von wohltuenden Dampfschwaden, endlich begann zu entspannen, fiel mein Blick auf meine „Mitschwitzer“. Wo ich auch hinsah, gab es mehr zu schauen als erwartet. Ein Indiankopf auf dieser Schulter, ein Totenschädel auf jenem Arm. Auf dortigem Hintern ein – pardon – „Arschgeweih“, auf jenem Bizeps ein Dornenkranz. Tribals, heulende Wölfe, apokalyptische Szenarien und unzählige Rosen so weit das Auge reichte. Hier und da wurde das Körperbild durch Piercings ergänzt. Ich sah viele Bauchnabel-, manche Augenbrauen-, zahllose Nasenpiercings, und andere erahnte ich durch ein kurzes Aufblitzen an Stellen, die ich nicht genauer betrachten wollte. Kurz und gut: Ich war fast der einzige gänzlich ohne Körperverzierung. Das schien den anderen auch aufzufallen, zumindest bildete ich mir das ein.
Eilig verließ ich das Dampfbad. In allen Saunen, in die ich einen kurzen Blick warf, das Gleiche: verzierte, gestylte, bewusst ver- schönerte Körper. Ich war ver- zweifelt. Einziger Ausweg und letzte Rettung schien mir der Whirlpool. Das Wasser blubberte hier so schön dicht und hoch, dass außer meinem mittlerweile von Spannungskopfschmerz geplagten Haupt nichts mehr von mir zu sehen war.Nach einer halben Stunde im warmen Sprudelbecken fühlte ich mich weitgehend wieder hergestellt, um auch den Außenbereich des Spaßbades zu erkunden. Doch als ich die Stufen aus dem Becken beherzt nehmen wollte, rutschte ich aus und landete unsanft auf meinem Hintern. Das gab mir den Rest. Ich eilte zu den Umkleiden, zog mich an und verließ fluchtartig das Spaßbad meiner Wahl.
Daheim angekommen gönnte ich meinem geschundenen Leib als erstes ein richtiges Entspannungsbad in der eigenen Badewanne – in Ruhe dabei ein Buch über meine Heimatstadt lesend. Das tat gut!
15.01.2007, 15.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges

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