
Ein kleiner Unterschied
Vor einigen Tagen geschah mir ein peinliches Missgeschick. In geselliger Runde unterhielt ich mich mit ein paar guten Freunden über Literatur. Dabei erzählte Gregor von dem Roman „Der Mauerspringer“ von Peter Schneider. Ich fing sofort an zu grübeln. Peter Schneider? Hatte der nicht nach seinem hoch gelobten Erstlingswerk „Schlafes Bruder“ durchgehend Pech? War nicht erst sein „Kristus“ von der Kritik fürchterlich verrissen worden? Ich fragte nach und schon erkannte ich, dass ich an Robert Schneider gedacht hatte. Gregor, der fast ein lexikalisches Gedächtnis hat, erklärte: „Peter Schneider ist einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller der Gegenwart. Bekannt wurde er mit der Erzählung „Lenz“ (1973). „Paarungen“, „Eduards Heimkehr“ und eben „Der Mauerspringer“ gehören zu seinen bekanntesten Werken.“ Was für ein Unterschied, dachte ich mir. Zu Hause schlug ich gleich nach und entdeckte, dass der Name Schneider noch viel mehr Verwechslungspotenzial birgt. Denn neben eben jenem österreichischen Schriftsteller Robert Schneider gibt es noch einen Chemiker und einen deutschen Maler und Zeichner des gleichen Namens. Im Fall von Peter Schneider sind es sogar noch mehr bedeutende Männer, die man durcheinander bringen könnte. Den gleichen Namen tragen nämlich auch ein Schweizer Rechtswissenschaftler, ein Schweizer Kolumnist, ein deutscher Politiker, ein deutscher Schauspieler und ein österreichischer Dirigent.
Wer hat gesagt, dass ich alles wissen muss? Von Peter Schneider haben wir sogar ein Buch im Programm – eine Gelegenheit, sich wenigstens ihm zu nähern.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
27.07.2008, 14.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Peter Schneider, Reinhold Schneider, Verwechslungsgefahr,
Die neue Sucht nach Zahlen
Es begann ganz harmlos. Am Wochenende saßen meine Frau und ich nach einem opulenten Frühstück gemütlich auf der Couch und lasen. Ich blätterte etwas in meinem neuen Bildband über Frieda Kahlo und meine Frau las die Wochenend-Zeitung.Plötzlich stöhnte sie auf und warf den Feuilleton-Teil auf den Tisch. „Ich werde nie verstehen, wie die Leute so versessen auf Sudoku sein können!“ klagte sie. „Mir ist das zu hoch. Versuch´s du doch bitte mal.“ Ich nahm die Zeitung in die Hand und sah mir die Sache näher an. Bis zu diesem Moment hatte ich mich noch nicht mit Sudoku auseinandergesetzt. Ja, ich kannte nicht einmal die Regeln.
Also las ich zunächst die Spielregeln durch, nahm dann einen Stift zur Hand und rätselte los. Natürlich begann ich auf der leichtesten Stufe. Und tatsächlich hatte ich nach einiger Zeit das erste Sudoku gelöst. Das Erfolgserlebnis war so schön, dass ich gleich noch eins lösen wollte. Zum Glück hatte ich den Papiermüll noch nicht entsorgt, und so fand ich in alten Zeitungen weitere Sudokus.
Ich war wie gebannt. Schließlich knackte ich sogar die mittlere Schwierigkeitsstufe. Bis zum Abend hatte ich ganze 7 Sudokus gelöst. In meinem Kopf kreisten die Zahlen, als ich abends erschöpft neben meiner Frau ins Bett fiel. Sie war begeistert über meine neue „Sucht“. „Damit förderst du dein logisches Denken“, meinte sie. „Wenn ich mich schon nicht für Sudoku begeistern kann, bin ich froh, wenn du wenigstens ein bisschen Gehirnjogging machst.“
Und der Stoff geht mir auch nicht aus!
(geschrieben von Matthias Stöbener)
26.07.2008, 13.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Sudoku, Rätsel, Gehirnjogging,
Wie erkennt man ein wirklich gutes Buch?
Es "blitzt" -
aus der Wortwahl,
aus jeder Passage,
aus den Paraphrasen,
einfach aus der Perfektion, der Brillanz, der Eleganz.
Aber auch die Persönlichkeit des Autors - oft in der literarischen Defensive - "blitzt", ja funkelt und glänzt geradezu: Mit seiner Menschen- kenntnis, mit seinem Ideenreichtum, seinen fundierten Recherchen … mit seiner unglaublichen Fleißarbeit, den ureigenen Wortschöpfungen, der mutigen Frivolität … mit seinen massiven Kenntnissen in der Semantik, der Etymologie, der Philosophie, dem Verismus, den Biographien auch einer vorzüglichen Begabung eines Übersetzers, die so oft unbeachtet bleibt. Ergo, das schriftstellerische Genie, hat seinen Seelenstempel aufgedrückt, niemals abwaschbar. Eine äußerst geschätzte, liebenswerte Zugabe, ein Geschenk für den geschulten Leser. Nach der Trennung eine Wiedersehensfreude - mit der Unsterblichkeit der Weltliteratur!
(geschrieben von Peter Baust)
25.07.2008, 02.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Peter Baust, gutes Buch, Seelenstempel, Autor, Schreiben,
Ein Brief an Herrn Nikrandt
Sie merken es schon an der Anrede, Sie sind mir relativ vertraut, ebenso das von Ihnen kreierte "Jokers Magazin" - seit Langem. Dessen Ankunft mir ein Plaisier und Unterhaltungswert bereitet, der von keinem anderen Bücherkatalog auch nur annähernd erreicht werden könnte und kann. Unter diesem Aspekt, wurde intern von mir der Ehrentitel "Magazin" verliehen. Dieses erfreuliche Produkt zeigt eingangs seine bibliophilen Buchtypen, übersichtlich und klar gegliedert. Satirisches folgt durch "Jokers Plaudereien" - auf hohem Niveau. Zwischen den Offerten, adäquat eingebaut zu den Buchthemen, sprechen die lehrreichen Aphorismen und Sprichwörter ihre philosophische Sprache in Kurzform. Es wird geredet und geschrieben, über Bibliophile und Bibliomane, über die Buchdruckkunst und deren Termini, durch das ganze Alphabet hindurch. Es gibt Beiträge über wertvolle mittelalterliche Handschriften und Antiqua oder ebenso faszinierende Faksimile-Drucke. Man liest und lernt über verwendete Materialien und Druckverfahren. - Alles höchst ungewöhnlich in einem Verkaufskatalog.
Auch jedes angebotene Buch wird durch selbst "erlesene", fundierte Kurzinhalte, mit Autor vorgestellt. Auch ein "Autor des Monats" wird präsentiert. Alles ist liiert mit dem Thema "Buch / Autoren".
Dafür gebührt einfach einmal großer Dank und Anerkennung -längst überfällig.
Kurzum, die literarische Gestaltung, die Buchauswahl, mit wahren Schätzen dazwischen, sind äußerst professionell. Nicht zuletzt durch Ihre kreativen Mitgestalter, Designer und sonstige Mitstreiter. Falls es einen Pulitzer-Preis für einen kompetenten Bücherkatalog gäbe, hätten Sie einen solchen verdient.
So etwas weckt ein "Helfer-Syndrom": Bei allen Lesenden habe ich gerne den Jokers Katalog an interessierte Bibliophile weitergereicht.
Fast hätte ich die größten philanthropischen Eigenschaften des "Jokers- Magazins" vergessen. Natürlich die äußerst günstigen Preise, welche die Erfüllung der allergrößten Begehrlichkeiten auch für den "kleinen" Geldbeutel möglich macht. Nur etwas Geduld muss investiert werden. Aber was macht es schon aus, falls ein sehr gutes Buch ein paar Jahre auf dem breiten Buckel hat, bevor es den Weg ins heimische Bücherregal findet.
Aber genug der "Einschleimerei". Ich möchte auch nichts von Ihnen als Gegenleistung. Außer vielleicht eine kleine Idee, meinerseits einzubringen: Über das Thema, - "Wie erkennt man ein wirklich gutes Buch"? habe ich ein kleines Essay aus meiner unakademischen Sicht, aber als erfahrener Leser geschrieben. Falls Sie es lesen und gut finden, wäre vielleicht ein Platz in einer "Kommentarecke" frei. Falls nur Interesse an einem ehrlichen Response geweckt wurde, trennen Sie bitte den letzten Abschnitt "Essay" ab und falls gewünscht, steht einer Veröffentlichung meines Briefes im Jokers-Magazin nichts im Wege.
In diesem Sinne - "weiter so" - verbleibe ich herzlich
Peter Baust
P.S. Entschuldigung! Vielleicht wäre auch noch Platz für eine neue Kolumne nur für "Hobby-Schreiberlinge", "Hobby-Aphoristiker", "Hobby-Essayisten"?
(geschrieben von Peter Baust)
25.07.2008, 01.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Peter Baust, Wolf Nikrandt, Jokers Katalog,
Man lernt nie aus
Ihre „Bis(s)“-Reihe („Bis(s) zum Morgengrauen“, 2006, „Bis(s) zur Mittagsstunde“, 2007, „Bis(s) zum Abendrot“, 2008) dreht sich nur um Vampire und verkauft sich wie geschnitten Brot: Immerhin wurden von ihrer Vampir-Reihe bislang weltweit über 5,5 Mio. Exemplare verkauft.Das Erstaunliche an der Autorin: Meyer bezeichnet sich selbst als „Angsthasen“, verabscheut als Mormonin und dreifache Mutter Gewalt- und Bettszenen und lässt in ihren Büchern so wenig Blut fließen wie möglich. Wie kann das angehen? Wenn ich daran denke, wie viele Autoren sich erst einmal jahrelang in ihre Materie einarbeiten, Bücher wälzen, recherchieren: Nur, um ihren Lesern so authentische Geschichten wie möglich zu erzählen. Anscheinend gibt es auch ein paar seltene Glückspilze, denen ihre Geschichten einfach so „zufliegen“. Beneidenswert.
Stephenie Meyer – Mystery and Suspense im Original
(geschrieben von Matthias Stöbener)
23.07.2008, 14.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Stephenie Meyer, Horror, Bis(s), Erstlingswerk,
Preisregen
Der Weltwirtschaftspreis wurde dieses Jahr zum vierten Mal in Kiel vom Institut für Weltwirtschaft (IfW), der IHK Schleswig-Holstein sowie der Stadt Kiel an je einen Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler verliehen – an Menschen, die „sich als Vordenker einer weltoffenen und marktwirtschaftlichen Gesellschaft auszeichneten und die Globalisierung als Chance begriffen“.
Spannend, nicht? Vor allem, wenn man das Zitat des IfW-Präsidenten Dennis Snower beachtet: "Ohne Risiko kann nichts Kreatives geschehen." Die Namen der Preisträger: Die undotierte Auszeichnung ging dieses Jahr an die niederländische EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, den deutschen SAP-Mitgründer Dietmar Hopp sowie den Wirtschaftsprofessor Edmund S. Phelps aus den USA.
Frau Kroes habe in ihrer Funktion stets die Marktmacht großer Unternehmen eingeschränkt und gegen Missbrauch dieser Macht gekämpft, Phelps hingegen habe die weit verbreitete Vermutung widerlegt, die Zentralbank könne dauerhaft etwas gegen die Arbeitslosigkeit tun, indem sie einfach mehr Geld drucke und eine höhere Inflation zulasse. Und wer Hopp ist, ist wohl fast jedem bekannt. Immerhin hat er innerhalb von etwa 25 Jahren seinen 5-Mann-Betrieb auf weltweit 50.000 Mitarbeiter anwachsen lassen. Was irgendwie dazu passt, dass Kroes angeblich „gleich zu Beginn ihrer Amtszeit nicht davor zurückschreckte, sich mit dem Software-Riesen Microsoft anzulegen“.
Seltsam widersprüchlich diese Preisträger Hopp und Kroes!
(geschrieben von Matthias Stöbener)
22.07.2008, 13.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Weltwirtschaftspreis, Institut für Weltwirtschaft, Neelie Kroes, Dietmar Hopp, Edmund S. Phelps,
Zahlen, nichts als Zahlen
Manche Leser werden mich schon für einen Zahlen-Fetischisten halten, aber ich kann es nicht aufgeben, mit Zahlen umzugehen. Denn Zahlen sagen viel. Und die vielen Auswertungen, die andere über den Buchhandel machen, sollen nicht umsonst sein.So hat der Börsenvereins-Ausschuss für den Zwischenbuchhandel eine so genannte „Logistik-Umfrage“ gemacht und jetzt in einer Zehnjahresübersicht vorgelegt. Dabei stellte sich heraus, dass der stationäre Buchhandel, das sind die Buchhandlungen, in den letzten Jahren Anteile am Branchenumsatz verloren hat. So hat sich die Kundenstruktur der Verlagsauslieferer zwischen 1998 und 2007 so entwickelt, dass der stationäre Handel von 67 auf 59, 2 Prozent gesunken ist. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Kunden im Internet-Versand von 0 auf 5,4 Prozent erhöht. Der Rückgang des stationären Bereichs geht also vor allem auf den Siegeszug des bequemen Internet-Buchhandels zurück, der darüber hinaus auch noch mehr Artikel anbieten kann als selbst die größte Buchhandlung.
Und noch eine interessante Zahl aus dem Handel mit Büchern: Nach der PwC-Studie „Haben Bücher eine Zukunft?“ hängt die Leseintensität von der Größe eines Wohnortes ab: Großstädter lesen mehr als Menschen in mittelgroßen Städten und diese wiederum mehr als Dorfbewohner. Das gilt allerdings nur für Erwachsene. Denn bei Kindern ist es umgekehrt: Landkinder lernen mehr als die Kinder in Städten. Ob das dazu führt, dass die intelligenten Dorfkinder in die Stadt ziehen und dort das Erwachsenen-Leseniveau hochhalten? Und: Rutschen die Stadtkinder, die nicht lesen, ins Prekariat ab? Da bräuchte es auch einmal Langzeitstudien!
21.07.2008, 16.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Leseverhalten, Stadt-Land-Gegensatz, Langzeitstudie, Verlagsauslieferer,
Zusammenbruch
Es war richtig heiß, und nach den ersten 150 Metern hatte ich mich schon bis aufs Unterhemd ausgezogen und überlegte, ein wenig langsamer zu gehen. Ich blickte nach oben: Noch circa 850 Meter trennten mich von der ersehnten Hütte. „Lass uns eine Abkürzung nehmen“, meinte da mein Freund, der vorauseilte, und ich stimmte zu. So schlugen wir uns querfeldein in direkter Linie zum Gipfel.
Nach einer Stunde fing ich an, meine Beine mit meinen Armen zu unterstützen: An einigen Stellen musste ich mein Bein hochheben, um den nächsten Schritt unternehmen zu können, so müde waren meine Muskeln. Mein Freund wartete liebenswürdig ab und an auf mich, er plapperte ununterbrochen, während bei mir nur noch ein Röcheln aus meiner Luftröhre drang. Er schwitze nicht einmal, während ich das Gefühl hatte, in einem Dampfbad gefangen zu sein. „Normalerweise jogge ich hier immer hoch“, grinste er, als ich ihn keuchend fragte, woher er seine unverschämte Fitness nähme. Nach weiteren fast zwei Stunden – sie erschienen mir endlos - waren wir oben. Und ich brach über meiner Wasserflasche zusammen. Himmel, dachte ich, als ich in den wolkenverhangenen Horizont blickte, ich bin dir ein Stück näher.
Für alle, die ebenso wie ich die wunderschöne Aussicht von Gipfeln und Aussichtsplattformen schätzen, aber sich diese einzigartigen Momente vielleicht nicht unbedingt selbst ersteigen wollen: Das reich bebilderte Werk „Mythos Berge“ entführt jeden Naturliebhaber in die wundersame Welt unserer Gebirge. Ohne Zusammenbruch.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
21.07.2008, 04.04 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Bergsteigen, Mythos Berge, Naturliebhaber,



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