
Hommage an Coehlo
Letztens flog eine Freundin mit einer bunt gemischten Reisegruppe nach Nepal, um dort im Himalaja bergzuwandern. Sie erzählte, dass sie mit ihren Reiseplänen im Vorfeld auf starke Reaktionen in ihrer Familie stieß: Ihre Mutter wurde vor Sorge hysterisch, während ihr Vater seufzend feststellte, dass das wohl der Jugendtraum eines jeden Menschen ist.
Das Einzige, was meine Freundin bekümmerte, war der lange Flug: Mit einem Zwischenstopp in Saudi-Arabien betrug die reine Flugzeit doch mehr als 12 Stunden. Was um alles in der Welt sollte sie als Reiselektüre mitnehmen?
Ich als alter Bücherwurm wusste natürlich sofort, dass kein anderes Buch als Paulo Coehlos „Alchimist“ hier in Frage kam. Nicht, weil das Buch so dick ist, nein: In wenigen Stunden hat man die mystische Suche nach sich selbst verschlungen. Aber dieser große Roman lädt zum Wieder- und Wieder- Lesen ein: Jeder Satz ist ein Kunstwerk, jede Passage eröffnet neue Perspek- tiven. Denn Coehlo schafft spielerisch, was nur wenigen anderen Autoren gelingt: Er eröffnet dem Leser seine ganz eigene, persönliche Welt. Der Leser findet sich auf jeder Seite wieder, erfährt im Lesen so viel über sich selbst wie sonst nur in Stunden intensiver Selbstreflexion.
Meine Freundin zog also mit dem „Alchimisten“ im Handgepäck los. Und kam etwas verärgert wieder: Nicht, weil ihr diese mitreißende Geschichte nicht zugesagt hätte. Nicht, weil sie diese Erzählung nicht mehrere Male begeistert gelesen hätte. Die Gruppe hatte schließlich vereinbart, dass jeder nur ein Buch mitnehmen sollte: Man wollte „book sharing“ betreiben, um Reisegewicht zu sparen. Verärgert war sie, weil die meisten ihrer Gruppe scheinbar ähnliche Gedanken wie ich hatten: Von 10 Personen hatten sieben (!) den „Alchimisten“ dabei. Zwar in verschiedenen Sprachen - aber dennoch immer das gleiche Buch. Und da wurde das Beschaffen von neuem Lesestoff nach dem Büchertausch-Prinzip dann doch etwas schwierig!
Das Einzige, was meine Freundin bekümmerte, war der lange Flug: Mit einem Zwischenstopp in Saudi-Arabien betrug die reine Flugzeit doch mehr als 12 Stunden. Was um alles in der Welt sollte sie als Reiselektüre mitnehmen?
Ich als alter Bücherwurm wusste natürlich sofort, dass kein anderes Buch als Paulo Coehlos „Alchimist“ hier in Frage kam. Nicht, weil das Buch so dick ist, nein: In wenigen Stunden hat man die mystische Suche nach sich selbst verschlungen. Aber dieser große Roman lädt zum Wieder- und Wieder- Lesen ein: Jeder Satz ist ein Kunstwerk, jede Passage eröffnet neue Perspek- tiven. Denn Coehlo schafft spielerisch, was nur wenigen anderen Autoren gelingt: Er eröffnet dem Leser seine ganz eigene, persönliche Welt. Der Leser findet sich auf jeder Seite wieder, erfährt im Lesen so viel über sich selbst wie sonst nur in Stunden intensiver Selbstreflexion.Meine Freundin zog also mit dem „Alchimisten“ im Handgepäck los. Und kam etwas verärgert wieder: Nicht, weil ihr diese mitreißende Geschichte nicht zugesagt hätte. Nicht, weil sie diese Erzählung nicht mehrere Male begeistert gelesen hätte. Die Gruppe hatte schließlich vereinbart, dass jeder nur ein Buch mitnehmen sollte: Man wollte „book sharing“ betreiben, um Reisegewicht zu sparen. Verärgert war sie, weil die meisten ihrer Gruppe scheinbar ähnliche Gedanken wie ich hatten: Von 10 Personen hatten sieben (!) den „Alchimisten“ dabei. Zwar in verschiedenen Sprachen - aber dennoch immer das gleiche Buch. Und da wurde das Beschaffen von neuem Lesestoff nach dem Büchertausch-Prinzip dann doch etwas schwierig!
Coehlo bei Jokers
30.07.2006, 11.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren
Vom zu leichten Vergessen
Kürzlich wollte ich wieder mal ein wenig Laufen. Es kann ja nie schaden, ein wenig für die Badehosen-Figur zu tun. Also zog ich mir kurzerhand nach Feierabend meine Laufschuhe an und trabte los: Am Lech entlang wollte ich. Weit kam ich allerdings nicht - ein immenses Polizeiaufgebot versperrte mir den Weg. Erst, als ich mich partout nicht wegschicken lassen wollte, informierte mich ein freundlicher Polizist: Eine alte Fliegerbombe war gefunden worden. Mitten im Lech, keine zwei Meter unter der Wasseroberfläche, angeblich noch scharf.
Das Gebiet war weiträumig abgeriegelt, Anwohner evakuiert, Straßen gesperrt worden, kurz: Es herrschte Chaos pur. Ein Münchner Spezialkommando ent- schärfte das Ding schließlich und wenige Stunden später konnte das Leben wieder seinen gewohnten Gang nehmen. Gejoggt bin ich an jenem Abend allerdings nicht mehr.
Es ist eine seltsame Vorstellung, dass wir, obwohl der Krieg nun schon so viele Jahrzehnte vorbei ist, immer noch neben seinen Überresten leben: Es vergeht ja kaum ein halbes Jahr, in dem nicht an einem anderen Ort eine übrig gebliebene Bombe entdeckt wird.
Doch diese Art der unliebsamen Überraschungen hat noch eine weitere Konsequenz als die Aufregung: So wird uns immer wieder ins Gedächtnis gerufen, was damals geschah. Vergessen ist schließlich leicht und gefährlich. Solche scheußlichen Funde stoßen uns immer wieder mit der Nase darauf, was Kriege anrichten, welches Verbrechen sie an der Menschheit begehen.
Das Gebiet war weiträumig abgeriegelt, Anwohner evakuiert, Straßen gesperrt worden, kurz: Es herrschte Chaos pur. Ein Münchner Spezialkommando ent- schärfte das Ding schließlich und wenige Stunden später konnte das Leben wieder seinen gewohnten Gang nehmen. Gejoggt bin ich an jenem Abend allerdings nicht mehr.Es ist eine seltsame Vorstellung, dass wir, obwohl der Krieg nun schon so viele Jahrzehnte vorbei ist, immer noch neben seinen Überresten leben: Es vergeht ja kaum ein halbes Jahr, in dem nicht an einem anderen Ort eine übrig gebliebene Bombe entdeckt wird.
Doch diese Art der unliebsamen Überraschungen hat noch eine weitere Konsequenz als die Aufregung: So wird uns immer wieder ins Gedächtnis gerufen, was damals geschah. Vergessen ist schließlich leicht und gefährlich. Solche scheußlichen Funde stoßen uns immer wieder mit der Nase darauf, was Kriege anrichten, welches Verbrechen sie an der Menschheit begehen.
Krieg, Krieg und noch mal Krieg
28.07.2006, 10.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft
Ein Hilferuf
Über unsere Gedichte-Datenbank erreichte mich der Hilferuf eines Lyrikfreundes. Paul schrieb:
Hallo Jokers,
seit längerer Zeit suche ich nach dem Autor und den kompletten Text eines Gedichtes aus einem alten Schul-Lesebuches aus dem Jahre 1956. Der Anfang geht in etwa so:
Zur Dämmerstunde sitzen wir stumm
um Großmutters eichenen Tisch herum.
Das Herdfeuer flackert, die Bäume rauschen,
Großmutter erzählt, wir Kinder lauschen.
Das Gedicht war sehr lang; es hatte 8 bis 10 Strophen. Es würde mich freuen, wenn der Joker was finden würde. Grüße aus Bocholt, ein Gedicht-Freund namens Paul.
Meine Recherchen ergaben, dass Paul auch schon über andere Communities und Lyrikwebseiten gesucht hat. Seit 2004. Und immer noch scheint er nicht fündig geworden zu sein. Auch ich muss passen. In unserer Jokers Gedichte-Datenbank sind zwar schon ca. 12.000 Gedichte gesammelt, aber das gesuchte Gedichte ist nicht dabei.
Aber vielleicht gibt es ja unter den Jokers Blog-Leserinnen und –Lesern jemanden, der sagt: Ja klar, das Gedicht kenne ich. Es ist von …
Hallo Jokers,
seit längerer Zeit suche ich nach dem Autor und den kompletten Text eines Gedichtes aus einem alten Schul-Lesebuches aus dem Jahre 1956. Der Anfang geht in etwa so:
Zur Dämmerstunde sitzen wir stumm
um Großmutters eichenen Tisch herum.
Das Herdfeuer flackert, die Bäume rauschen,
Großmutter erzählt, wir Kinder lauschen.
Das Gedicht war sehr lang; es hatte 8 bis 10 Strophen. Es würde mich freuen, wenn der Joker was finden würde. Grüße aus Bocholt, ein Gedicht-Freund namens Paul.
Meine Recherchen ergaben, dass Paul auch schon über andere Communities und Lyrikwebseiten gesucht hat. Seit 2004. Und immer noch scheint er nicht fündig geworden zu sein. Auch ich muss passen. In unserer Jokers Gedichte-Datenbank sind zwar schon ca. 12.000 Gedichte gesammelt, aber das gesuchte Gedichte ist nicht dabei.
Aber vielleicht gibt es ja unter den Jokers Blog-Leserinnen und –Lesern jemanden, der sagt: Ja klar, das Gedicht kenne ich. Es ist von …
27.07.2006, 15.08 | (7/4) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges
Endlich Gitarrist!
Ich habe es geschafft: Nach vielen Jahren des Zögerns und des Hinausschiebens habe ich mir jetzt endlich eine Gitarre gekauft. Nicht, dass ich darauf spielen könnte. Noch nicht. Aber das wird, glauben Sie mir. Ich habe mir gleich ein Buch zum Selbstunter- richt gekauft. Jetzt übe ich fleißig Griffe und Tonleitern. Meine Nach- barn sind weniger begeistert, aber je länger ich übe, umso besser werde ich und wer weiß, vielleicht singen die Nachbarn ja eines Tages mit?Vielleicht bin ich bis dahin auch schon in der Lage, Musikwünsche zu erfüllen – „Angie“ von den Rolling Stones zum Beispiel kann man in groben Zügen bereits „erhören“. Außerdem habe ich mir auch noch einige Notenbücher dazu besorgt. So verfüge ich jetzt über eine komplette Sammlung der Beatles-Hits für Gitarre und Klavier! Und wenn es weiterhin so gut läuft… Wer weiß? Es gibt noch viele Instrumente, die ich lernen könnte. Ich wollte immer schon einmal Geige lernen oder Saxophon …
Auch gitarrenbegeistert?
26.07.2006, 09.12 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft
25.07.1949: Thomas Mann und der Goethepreis
"Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen."Der Grund, warum ich gerade heute dieses wundervolle Zitat des begna- deten Thomas Mann bringe, ist einfach: Heute vor 57 Jahren wurde der Nobel- preisträger der Literatur von 1929 mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Zu Ehren des Geburts- tages Goethes am 28. August wird diese wertvolle Ehrung alle drei Jahre an Personen vergeben, deren schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung würdig ist, wie es etwas steif heißt. Der Goethepreis ist derzeit mit 50.000 Euro dotiert und besticht durch einebesondere Ästhetik: Er besteht aus einer auf Pergament geschriebenen, künstlerisch gestalteten Urkunde.
Thomas Mann (06.06.1875 - 12.08.1955) erreichte insbesondere mit seinen Romanen wie Buddenbrooks - Verfall einer Familie, Der Zauberberg, Lotte in Weimar und Doktor Faustus international große Bedeutung. Essays wie Betrachtungen eines Unpolitischen, Das Problem der Freiheit, Versuch über Schiller, Über Goethe sollte man kennen.
Der Gegner des Nazi-Regimes, der lange Jahre in Amerika im Exil verbrachte, schaffte es wie kein anderer, seine Weltsicht eindringlich darzustellen. Ein Ausschnitt aus seiner Radiorede zum Ausbruch des 2. Weltkriegs verdeutlicht dies:
„Wäre dieser Krieg zu Ende! Wären die grauenhaften Menschen erst beseitigt, die Deutschland hierhin gebracht haben, und könnte man anfangen, an einen Neubeginn des Lebens, an ein Forträumen der Trümmer, der inneren und äußeren, an den allmählichen Wiederaufbau, an eine verständige Aussöhnung mit den anderen Völkern und ein würdiges Zusammenleben mit ihnen zu denken! – Ist es das, was ihr wünscht? Spreche ich damit eure Sehnsucht aus? Ich glaube es. Ihr seid des Todes, der Zerstörung, des Chaos übersatt, wie sehr euer Heimlichstes zeitweise danach verlangt haben möge. Ihr wollt Ordnung und Leben, eine neue Lebensordnung, wie düster und schwer sie sich für Jahre auch anlassen wird."Aber: Mann war ein Träumer wie kein anderer. Er entführte sein Publikum in andere Welten, erschuf fantastische Wirklichkeiten vor den Augen seiner Leser. Für ihn galt: "Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?"
Thomas Mann bei Jokers
25.07.2006, 08.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren
Hier kommt die Flut…
Genau eine halbe Stunde, 30 Minuten – so lange hat es gebraucht, bis neulich der kom- plette Keller meiner Mutter unter Wasser stand. Davor und danach herrschte das schönste Sommer- wetter, nur dazwischen brach ein kleines bisschen Katastrophen- Feeling über das beschauliche Dörfchen herein, in dem meine Mutter wohnt. Es war Gott sei Dank kein häuserzerstörendes Unwetter. Allerdings liegt Mutters Häuschen direkt an einem Hang und der verwandelte die Regenmassen kurzerhand in eine kleine Schlammlawine, die auf ihrem Weg ins Tal auch in ihrem Keller vorbeischaute. Nun, das Schlamassel hat durchaus auch einen positiven Effekt, der die Schipperei und den schmerzenden Rücken beim Aufräumen wert war.So ein Keller hat ja die Funktion ein mehr oder weniger hübsch hergerichteter Abstellraum für Nicht-mehr-Benötigtes zu sein. Und so wanderten endlich alte Schränke, mein Ikea-Schreibtisch, auf dem ich seinerzeit Hausaufgaben gemacht hatte, und das alte Jugendstil-Sofa, auf dem die Katze deutliche Spuren hinterlassen hatte, in den Müll. Hinzu kam, dass sich die Gemeinde sofort bereit erklärte, den Sperrmüll, der kurz zuvor noch als Mobiliar galt, kostenfrei abzuholen.
Wirklich geschmerzt hat es mich nur, dass im Brackwasser auch einige Bücher herum schwammen. Neben dem Stapel mit alten Zeitungen – Hand aufs Herz, meine Mutter hätte diese auch ohne Überschwemmung nie mehr „durchgearbeitet“ - wurde auch ein Bücherstapel durchweicht, der im Keller darauf gewartet hatte, uns auf dem Flohmarkt noch ein paar Euros in die Taschen zu spülen. Nur ein Buch wurde vom Wasser verschont, da es ganz oben auf gelegen hatte: „Feng Shui – oder die Kunst, Altes loszulassen“…
Feng Shui bei Jokers
24.07.2006, 08.25 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher

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