
Liebe jenseits der 50
Liebe hat kein Verfallsdatum. Den schönsten Beweis dieser Tatsache liefert Marc Fitten mit „Valerias letztes Gefecht“ (engl. Valeria’s last stand). Valeria, eine missmutige alte Frau in den 60ern verliebt sich unerwartet in den verwitweten Töpfer ihres kleinen ungarischen Dorfs. Plötzlich erwacht die ehedem verbiesterte alte Dame zu neuem Leben. Doch auch Ibolya, die in die Jahre gekommene, aber nicht minder aktive Wirtshausbesitzerin, hat sich in den alten Mann verliebt. Als auch noch ein gerissener Wanderschornsteinfeger ins Dorf kommt und sich der hiesigen Damenwelt annimmt, beginnt eine Amour Fou, die das ganze Dorf umkrempelt.Dass es sich bei den Protagonisten durchgehend um Menschen jenseits der Lebensmitte handelt, kann der Leser getrost vergessen. Denn eins macht alle Menschen gleich: die Liebe zu einem anderen Menschen. Ein wunderschönes Buch, wie ich finde. Besonders tröstet es frisch gebrochene Herzen, die meinen, nach diesem Einen oder dieser Einen gäbe es in Zukunft niemanden mehr.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
04.09.2009, 09.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Marc Fitten, Valerias letztes Gefecht, Liebe jenseits der Lebensmitte,
Ein Buch mit Suchtfaktor
Ich bin etwas skeptisch, wenn auf einen großen Bestseller eine Fortsetzung folgt. Das gilt fürs Kino, aber noch mehr bei Büchern. Umso kritischer beäugte ich das jüngste Erscheinen von „Die Tore der Welt“ von Ken Follet. Dieser Roman ist die viel gepriesene Fortsetzung des Monumentalwerks „Die Säulen der Erde“ aus dem Jahr 1990.
Doch angesichts meines Urlaubs überkam mich der Wunsch, mal wieder ein dickes Buch zu lesen, in dem man über einige Tage richtig versinken kann. Das Buch „Die Tore der Welt“ (engl. „World without End“) ist nicht nur spannend geschrieben, sondern Follet zeigt sich wieder als Meister der Spannungsbögen und der ausgefeilten Charakterentwicklung. Seine Geschichten in den über 1200 Seiten sind nie verworren oder unübersichtlich. Die Handlung ist gut recherchiert und überraschend wohl durchdacht. Mittelalter-Klischees und Rollenstandards bedient Follet sichtbar ungern.
Und dann ist da natürlich noch dieser Suchtfaktor, der sich schon nach wenigen Zeilen einstellt und dafür sorgt, dass ich mich am Abend vor dem Einschlafen schon auf den nächsten Tag freue, wenn ich endlich weiter lesen kann. Genauso hatte ich es mir gewünscht.
Doch angesichts meines Urlaubs überkam mich der Wunsch, mal wieder ein dickes Buch zu lesen, in dem man über einige Tage richtig versinken kann. Das Buch „Die Tore der Welt“ (engl. „World without End“) ist nicht nur spannend geschrieben, sondern Follet zeigt sich wieder als Meister der Spannungsbögen und der ausgefeilten Charakterentwicklung. Seine Geschichten in den über 1200 Seiten sind nie verworren oder unübersichtlich. Die Handlung ist gut recherchiert und überraschend wohl durchdacht. Mittelalter-Klischees und Rollenstandards bedient Follet sichtbar ungern.
Und dann ist da natürlich noch dieser Suchtfaktor, der sich schon nach wenigen Zeilen einstellt und dafür sorgt, dass ich mich am Abend vor dem Einschlafen schon auf den nächsten Tag freue, wenn ich endlich weiter lesen kann. Genauso hatte ich es mir gewünscht.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
03.09.2009, 08.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Ken Follet, Die Tore der Welt, Mittelalter-Klischees, Suchtfaktor,
Partnertausch im Urlaub
Sie heißen Eduard und Charlotte, Otto und Ottilie. Klingt schon fast wieder modern, es handelt sich aber um die Hauptfiguren in Goethes Roman „Die Wahlverwandschaften“. Zwei Paare, die sich unglücklicherweise in den jeweils anderen Partner verlieben.Heute heißen Sie Hanna und Thomas, Fritz und Augustine und sind die Filmcharaktere des Films „Mitte Ende August“, der sich an Goethes großen Roman anlehnt. Vielleicht haben Sie „Die Wahlverwandschaften“ schon einmal gelesen, vielleicht können Sie das Buch neu entdecken. Wie gesagt, es geht um Partnerwechsel: Während sich Baron Eduard rückhaltlos in Ottilie, die Pflegetochter seiner Frau Charlotte verliebt, gesteht diese sich ihre Neigung zu Otto, Eduards altem Freund, zunächst nicht ein. Beide neuen Paare finden schließlich, zumindest zeitweise, zusammen.
Sollten Sie das Buch noch nicht gelesen haben, verzeihen Sie mir, wenn ich es schon einmal verrate: Das Ganze geht nicht gut aus. Es wird gelitten und gestorben und es kommt schließlich zur Katastrophe. Dennoch eine unbedingte Lese-Empfehlung meinerseits – ein ganz und gar unverstaubter Klassiker.
Den Film können Sie sich ja trotzdem noch anschauen. Der ist jedenfalls weniger hart im Umgang mit seinen Protagonisten und unserer Zeit entsprechend lässiger. Wo Goethe noch große Konsequenzen folgen lässt, es um alles oder nichts geht, ist heute nur noch der Sommerurlaub ruiniert.
Ihr Urlaub soll hingegen erholsam und einfach schön sein? Dann nehmen Sie doch Eduard, Charlotte, Otto und Ottilie einfach mit und genießen Sie Literatur vom Feinsten.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
02.09.2009, 09.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Die Wahlverwandtschaften, Mitte Ende August, Sommerurlaub, Partnertausch,
Isaac Asimov's
Plötzlich wird das Thema erneut diskutiert. Seit im Februar ein Treffen der Association for the Advancement of Artificial Intelligence in Kalifornien stattfand, richtet sich das Augenmerk einer bestimmten wissenschaftlichen Gemeinde wieder auf den Angriff der Roboter auf die Menschheit, der bald bevorstehen soll.Mich belustigt das. Hatte nicht schon Isaac Asimov in den 40er bis 50er des letzten Jahrhunderts eindeutige Regeln für das Miteinander von Mensch und Maschine kommuniziert? Wie war das noch einmal mit seinen „Robotergesetzen“, die er in „I, Robot“ so klar beschrieb?
- 1. A robot may not injure a human being or, through inaction, allow a human being to come to harm.
- A robot must obey orders given it by human beings except where such orders would conflict with the First Law.
- A robot must protect its own existence as long as such protection does not conflict with the First or Second Law.
Auf Deutsch in etwa:
Ein Roboter darf kein menschliches Leben verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
Ein Roboter muss seine eigene Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.
Eine eventuelle Übernahme der Weltherrschaft durch ein System der Künstlichen Intelligenz erachte ich persönlich schlichtweg als Nonsens. Mein Problem mit den „Robotergesetzen“ bezieht sich auf den Begriff „Mensch“. Was hat es denn auf sich, das mit dem Menschsein? Welche Definition von Menschsein liegt hier zugrunde? Der Mensch als biologischer Organismus?
Ich beschäftige mich manchmal gerne mit den philosophischen Aspekten des Menschseins. So kommt es, dass ich Bücher entdecke, die diesen Themenkomplex ganz unterschiedlich beleuchten. Meine neueste Entdeckung ist „Abenteuer Menschlichkeit“, ein Werk, das die Arbeit und den Kampf des Menschenrechtlers Rupert Neudeck beschreibt. Er will Menschlichkeit, Menschenrechte und Menschenwürde real bewahren und sich nicht in theoretischen Horrorszenarien von Künstlicher Intelligenz verlieren.
http://www.aaai.org/home.html
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
01.09.2009, 09.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Künstliche Intelligenz, Robotergesetze, Isaac Asimov, Rupert Neudeck,

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