Jokers Blog Deutschland

Kleine Wortkunde für Motorradneulinge

Also manchmal erstaunen mich meine Freunde immer wieder. Zum Beispiel eine gute Bekannte, die ich neulich zufällig im Cafe traf. Dass sie schon seit zehn Jahren ein Motorrad hat, war mir bekannt. Dass es seit vielen Jahren unbenutzt in ihrer Garage steht, auch. Dass sie sich deshalb diesen Sommer zusätzlich ein neues, „großes“, gekauft hat, nicht. Und dann auch noch das: Mit ihrer neuen Kawasaki W 650 fuhr sie zwei Wochen nach dem Kauf eben mal so nach England. Zum Ace-Cafe-Treffen, dem so genannten „Ace Day“. Davon hatte ich noch nie zuvor etwas gehört, aber sie klärte mich Gott sei Dank auf.

BikeSo erfuhr ich, dass sich hier jährlich Motorradliebhaber aus aller Welt treffen, um bei Rock- abilly-Sound mit Gel in den Haar- en, schwarzer Lederjacke und weißem Seidenschal über „Cafe Racer“ zu diskutieren. „Schon wieder so ein Begriff, der mir nix sagt“, entfuhr es mir. Um ehrlich zu sein, stellte ich mir unter „Cafe Racer“ eher ein Gefährt à la Comic-Held „Werner“ vor, das mit Cafe fährt, als das ganz spezielle Motorrad, von dem sie mir anschließend vorschwärmte.

Und so lernte ich im Gespräch noch andere vollkommen neue Begriffe wie: „Stummellenker“, „Ochsenaugenblinker“ oder „Höcker“. Bis dato unbekannt war mir auch, dass Motorräder nackt sein können, wenn sie ohne Verkleidung ausgestattet sind, Bikini tragen, wenn sie um das Licht herum eine „Maske“ haben, oder „Jogurt-Becher“ heißen, wenn sie vollverkleidet sind. Auch Begriffe wie „Nockenwelle“, „aufpilzen“ und „aufbohren“, deren Erläuterung hier aber den Rahmen sprengen würde, durfte ich in dem Gespräch mit meiner Freundin lernen. Am meisten hat mich jedoch beeindruckt, dass sie quasi in einem Sitz die kompletten Kilometer nach London „geschrubbt“ ist und dabei fast alle wichtigen Städte - zumindest im Vorbeifahren - gesehen hat – in 24 Stunden…

Motorradfahrerjargon und  Bikersprache


07.10.2006, 09.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges

Wie einst John Wayne

Auf der anderen Straßenseite meiner Wohnung hat ein neuer Frisör aufgemacht. Er heißt Sala und kommt aus dem Orient, so darf ich seine Heimat beschreiben, hat er mir gesagt. In seinem Frisör-Salon für Damen und Herren hat er eigene Gemälde und Skulpturen aufgebaut. Sala hat mal Kunst studiert. An seine Ladentüre hat er Fotos von jungen Männern gehängt, denen er ein raffiniertes Bart-Design mit Schere, Kamm und Haarschneidemaschine hingezaubert hat. Bart mit Rauten, Bart mit Streifen, Bart mit Punkten, für Sala alles kein Problem. Weil er gerade keine Kundschaft hat, darf ich mich mit einem günstigen Nachbarschaftstarif zum Haareschneiden in den Sessel setzen.

Während mir Sala aus seiner Heimat erzählt, schleift er das Rasiermesser. Ich bin das nicht mehr gewohnt, dass ich von einem fremden Mann mit umgehängten Handtuch und einem langen Rasiermesser von den Stoppeln um mein Kinn herum gründlich entsorgt werde. Erst Schaum, dann Massage, dann Rasiermesser, dann Rasierwasser, dann heißes Tuch. Genau so wurde ich von Sala rasiert, wie man das aus den alten Wildwestfilmen kennt. Den einen Streifen versuchte ich zu verdrängen, bei dem der böse Revolverheld erste den Frisör mit seinem Colt niederknallt und dann sein Opfer im Frisörsessel von hinten mit dem Rasiermesser …. Urrrrghhhh.

CowboyIch konzentriere mich auf die orientalische Musik vom CD-Play- er. Orientalische Western gibt's nicht. Von dem Karl-May-Streifen „Durchs wilde Kurdistan" mal abgesehen. Ich schließe vertrau- ensvoll die Augen und spüre das gebogene Rasiermesser über meine Kehle kratzen, dann gleiten. Als ich die Augen wieder öffne, staune ich schwer. Sala hat nun eine kleine Fackel in der Hand. Nanu, denke ich mir, hat er nicht nur Kunst studiert, war er auch in der Artistenschule um sein Kunden gut unterhalten zu können? Ich staune noch mehr. Sala fährt mit der Mini-Fackel, die er in Alkohol eingetaucht und mit einem Feuerzeug entzündet hat, in die Löcher der Ohren und der Nase. Was hat er mit mir vor? Ist das eine Killer-Methode der orientalischen Cowboys? Will er mich innerlich grillen? Nein, er brennt mir nur die hervorstehenden Haare aus der Nase und den Ohren. Gute Methode, denke ich und schweige tapfer. Es riecht in Salas Salon nach verbranntem Horn. Genauso wie bei den Western-Helden, wenn die einer Kuh das glühende Brenneisen für ein Brandzeichen auf das qualmende Fell drücken.

Hallo Männer, seht ihr einen türkischen Frisör-Salon, dann geht rein und lasst euch rasieren und ausbrennen. Ihr kommt mit einem stolzen Gang raus wie einst John Wayne.

05.10.2006, 09.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges

Geburtstag verschlafen

GötterlehreIch habe ihn verschlafen, den 250. Geburtstag von Karl Philipp Moritz. Klar! Wer kennt ihn denn noch? Die „Götter- lehre“ war sein populärstes Buch. Ein Nachschlagewerk zur klassischen Mythologie, das die antiken mytholo- gischen und epischen Dichtungen nacherzählt. Wir hatten das Buch noch bis vor kurzem im Programm. Daneben hat er den ersten „psychologischen“ Roman in deutscher Sprache geschrie- ben: Anton Reiser, eine stark auto- biografisch geprägte Schrift. Auch eine psychologisch orientierte Zeitschrift gibt der Gymnasiallehrer und spätere Professor heraus, der nicht Schau- spieler werden kann und einen Suizid- versuch hinter sich hat.

Er lebt nur 36 Jahre ein Leben von verschiedenen Strömungen, ein bewegtes und begnadetes Leben. Vielleicht ist es nicht übertrieben ihn ein Genie zu nennen. Jedenfalls hat er sich ständig weiterentwickelt, war immer fruchtbar, hat ungezählte Schriften zu den verschiedensten Themen verfasst. Er wusste über Schönheit so Grandioses zu sagen wie über die Freimaurer. Ständig versuchte er sein Ich in eine gesunde Balance zur Umwelt zu bringen. Darin macht er mir einen ganz modernen, aktuellen Eindruck. Auch wir haben uns jeden Tag mit den verschiedensten Strömungen und Themen auseinanderzusetzen. Und sind jeden Tag gefährdet unsere eigene Linie zu verlieren.

03.10.2006, 02.05 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren

Wendy:
Hallo, vielen Dank für den Buchtipp! Das Buch
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Near-Dark.de:
Obwohl Polit-Thriller nicht so ganz mein Genr
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flo filmproduktion:
großartiger film! unbedingt ansehen! politthr
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Schüssler Salze abnehmen:
Toll, das ist endlich mal ein gut geschrieben
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E.Rasmus:
Ach ja, "die Rettung der Welt". Oder ist es n
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