
Labyrinthisch
Weil Landwirte etwas dagegen haben, wenn Erwachsene durch ihre Maisfelder trampeln, legen manche Maisfeldlaby- rinthe an: In den übermannsgroßen Mais wird eine Bresche gezogen, so verschlungen, dass ein riesiger Irr- garten entsteht. Man stapft los, schlägt mal die eine, mal die andere Richtung ein, findet sich bald vor einer undurchdringlichen Pflanzenwand, mal entdeckt man, dass man nur im Kreis lief.Nach einer halben Stunde im Maisfeldlabyrinth war ich reichlich genervt: Eigentlich hatte ich gedacht, dass dieses "Spiel" in wenigen Minuten hinter mir läge. Nach zwei Stunden bekam ich Angst, meine Frau zwischen den Kolben verloren zu haben und nur mit Mühe schaffte ich es endlich zum Ausgang. Dort erwartete mich meine Frau lachend - sie hatte, im Gegensatz zu mir, großen Spaß gehabt.
Verstimmt ging ich zum Auto, um die Heimfahrt anzutreten, griff dabei in meine Jackentasche, um den Autoschlüssel herauszunehmen - doch der war verschwunden! Er war einfach weg! In mir flackerte Panik auf: Ich sah mich bereits die nächsten Stunden, ach was, die nächsten Tage (!), auf allen Vieren im Maisfeld herumkriechen, um meinen Autoschlüssel zu suchen!
Meine Frau blieb cool: Sie ging zum Auto, öffnete die Fahrertür und fand den Schlüssel dort, wo ich ihn gelassen hatte: Er steckte im Zündschloss.
Als ich am nächsten Tag aus der Arbeit kam, lag ein Päckchen für mich auf dem Küchentisch. Ich packte es aus und fand darin "Das große Buch der Labyrinthe und Irrgärten". "Mein lieber Bücherwurm, ich glaube, manche Dinge gehst du besser erst nach einem Studium an", stand auf der beiliegenden Karte. Und ein dickes rotes Herz war auch noch auf die Karte gemalt.
21.10.2007, 09.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Labyrinthe, Irrgärten,
Auf dem Weg zur Online-Weltherrschaft
Vor kurzem war zu lesen, dass die New York Times ihre Inhalte kostenlos ins Internet stellt. Bis dato gab es Einsicht in ältere Artikel nur gegen Gebühr. Diese Meldung zeigt, es ist im Internet nicht einfach, mit Inhalten Geld zu verdienen. Noch funktioniert es besser, Internetseiten mit Werbung zu finanzieren. Dazu aber braucht es Besucher, Besucher und noch einmal Besucher. Und hier ist der Hintergrund der Meldung zu suchen: Indem die New York Times ihre Archive öffnet und kostenlos zur Verfügung stellt, zieht sie mehr Besucher an.Das haben andere Zeitungen schon lange vorher kapiert. Etwa der linksliberale „Guardian“ in England. Man druckt etwa 350.000 Printausgaben, hat aber im Internet ein Vielfaches an Besuchern: fast 16 Mio. am Tag. Aus aller Welt. Weil der „Guardian“ schon immer kostenlos war. Und die anderen Zeitungen, die in der „Fleet Street“ entstehen, befinden sich auf einer wilden Verfolgungshatz, denn auch sie wollen etwas von dem Kuchen der zunehmenden Internetleserschaft.
Gerade amerikanische und englische Zeitungen profitieren davon, dass Englisch die übliche Internetsprache ist. Dreiviertel ihrer Leser sollen nicht aus den Heimatländern der Zeitungen kommen. Weil es genug große internationale Firmen gibt, ist es aber auch kein Problem, ihre Seiten mit Werbung voll zu kleistern, die wirkt. Ein BMW wird vielleicht auch von dem französischen Leser der „Times“ gekauft.
Manche englischen Verlage träumen gar von einer journalistischen Weltherrschaft, denn ihre Inhalte werden rund um die Welt gelesen und damit können sie die größten Werbeerlöse einheimsen, womit das weitere Wachstum finanziert wird. Schwere Zeiten für Zeitungen mit einer anderen Sprache als Englisch!
20.10.2007, 09.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Gratis-Artikel, New York Times, The Guardian, Times, Fleet Street, Englische Zeitungen,
Ein Sprichwörter-Bombardement
Ich zauderte kurz, die Fenster hätten wirklich einmal wieder klare Sicht verdient … Scherzhaft hielt ich meiner Frau entgegen: "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen." Sie musste lachen. Dann besann sie sich und meinte: "Arbeit um der Arbeit willen ist gegen die menschliche Natur." Plötzlich hatten wir entdeckt, welchen Spaß es macht, internationale Weisheiten ins Gespräch einfließen zu lassen. Um meiner Frau nicht das letzte Wort zu lassen, eilte ich flugs zu meinem Bücherregal und holte mir Unterstützung mit dem Buch "Sprichwörter aus aller Welt". Und so verbrachten wir dann den Tag: Keineswegs putzten wir Fenster oder klopften Teppiche aus, nein - lachend und schäkernd verbrachten wir den Tag auf der Couch und bombardierten uns mit den stilvollen und unterhaltsamen Argumentationshilfen aus aller Welt. Denn auch meine Frau fand noch ein Sprichwörterlexikon: "Ein gutes Buch ist der beste Freund."
Wenn Sie sich auch mal mit Zitaten bombardieren wollen, schauen Sie einfach mal hier!
19.10.2007, 09.05 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Sprichwörter, Spaß, Zitate,
Apokryph
Bücher sind nach wie vor ein beliebtes Geschenk - und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, den richtigen Lesestoff für jemanden zu besorgen. Selbst, wenn man den lit- erarischen Geschmack des Beschenk- ten sehr genau kennt. Denn: Woher will man wissen, dass er oder sie eben jenes Buch, das man aussuchte, nicht schon gelesen hat? Ähnliches passiert dem erwartungsvollen Leser ja bereits, wenn er sich selbst ein Buchgeschenk macht: Freudig beginnt man, die ersten 50 Seiten zu verschlingen, um dann auf der 51. Seite festzustellen, dass man um den Fortlauf und Ausgang der Story doch schon Bescheid weiß.Doch ich würde hier nicht bloggen, wenn ich nicht Abhilfe wüsste: Ich habe nämlich bei uns im Lager ein Buch entdeckt, das wahrscheinlich niemand aus Ihrem Umfeld kennt. Es erzählt von Mord- und Totschlag, von Affekthandlungen und wohl durchdachten Intrigen, Eifer- suchtsszenarien wechseln mit Machtbesessenheit, sogar schwarze Magie gibt sich ein Stelldichein. Um welchen Thriller es sich handelt, wollen Sie wissen?
Kein Thriller. Nur "Die andere Bibel - Gottes verbotene Worte". Dieses fesselnde Werk haben wir nun im Angebot - schnuppern Sie doch mal hinein und lassen Sie sich vom tiefen Abgrund menschlicher Eitelkeiten faszinieren! Ich wette mit Ihnen: Solch eine Bibel kam Ihnen noch niemals unter die Augen!
18.10.2007, 14.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Bibel, Gott, Buch,
Nachdenklicher Herbst
Mögen Sie den Herbst? Die Meinungen gehen ja sehr auseinander, was diese Jahreszeit betrifft: Die einen lieben seine bunten Farben, die nebeligen Morgen, die schwermütigen Abende. Die anderen jedoch laufen Gefahr, in eine Depression zu ver- sinken: Kündigt der Herbst doch den nahenden Winter an, all die endlosen Monate der klirrenden Kälte und schweren Dunkelheit. Manch einer setzt sich in den zeitlosen Nächten des Herbstes mit jenen existentiellen Fragen auseinander, die in der Wärme des Sommers leicht ungestellt bleiben können, und schwermütige Gedichtzeilen wie das berühmte "Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr" von Rilke ziehen durch den Sinn.Wozu leben wir, was steckt hinter all diesem, sinniert der grüblerische Denker und bläst in seinen dampfenden Tee. "Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach," war die resolute Feststellung von Theodor Wiesengrund Adorno. Katholisch getauft doch mit jüdischen Vorfahren, war er einer der vehementesten Kritiker des Nationalsozialismus. Der Holocaust ließ ihn verzweifeln: Wie könnte ein Leben nach diesem schrecklichen Völkermord überhaupt noch möglich sein, schrie er in die Welt, sein Glaube an das Gute im Menschen für immer verloren.
Es müsste doch möglich sein, sich mit letzten Fragen nach der Bedeutung des Lebens auseinanderzusetzen, ohne dabei depressiv zu werden. So, dass die eigene Erfahrung ihr Zentrum bekommt.
17.10.2007, 13.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Herbst, Depressionen, Philosophie,
Märchenschreiber
Haben Sie sich schon einmal mit dem Schreiben versucht? Es muss ja nicht gleich ein Buch sein, aber hat es Sie nie in den Fingern gejuckt, vielleicht eine Kurzgeschichte oder eine kleine Erzählung zu verfassen?Ich selbst probiere mich gerade an Märchen - und das mit gutem Grund: Meine Nichte ist jetzt in dem Alter, in dem sie sämtliche Märchenbücher längst selbst gelesen hat - und nach Neuem verlangt. Nachdem ich als der Schreiberling der Familie bekannt bin, hat man mich gefracht, ob ich nicht die Kleine mit neuem Lesefutter versorgen könne. Nun habe im Laufe meines Lebens schon allerhand verfasst: Neben diversen Seminararbeiten natürlich auch eine Abschlussarbeit für die Uni, einige
Artikel für Zeitungen und Zeitschriften, Abhandlungen zur Geschichte und zu Sachthemen und – ich gestehe es – ein bisschen Lyrik. Aber: Von Märchen hatte ich bislang keine Ahnung.Und so kam mir die Idee: Auch wenn meine Nicht bereits die schönen Märchen von Grimm, Hauff und Co. durch hat - kennt sie die fantasievollen Erzählungen anderer Völker? Kennt sie schon die alten Indianer-Sagen oder die Mythen der Antike? Nicht, dass ich es wusste. Also schenkte ich ihr kurzerhand unsere Ausgabe der "Indianer-Märchen" und der "Märchen der Antike" - und habe nun Zeit gewonnen, mich im Schreiben von Märchen zu versuchen.
16.10.2007, 07.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Märchen, Indianer-Märchen,
Arme Schriftsteller
Schriftstellerei ist ein hartes Brot, so das Klischee. Wie oft tritt einem die romantisch-verklärte Vorstellung vom armen Schrift- steller entgegen, der sich gerade mal eben seinen Schirm leisten kann, damit ihm der Regen beim Schlafen nicht auf den Kopf tropft. Mag sein, dass es das auch heute noch gibt. Doch es geht auch anders. Als ich gestern in meiner Lieblingspizzeria auf meine „Salami Supreme“ wartete, blätterte ich in einem bekannten Nachrichtenmagazin. Dabei fiel mein Blick sofort auf einen Artikel über Joanne K. Rowling.
Mit einem geschätzten Vermögen von 1 Milliarden US-Dollar ist die Kinderbuchautorin und Harry-Potter-Erfinderin die reichste Frau Großbritanniens. Ihr Vermögen soll sogar den Reichtum Königin Elisabeths II. übersteigen. Kaum vorstellbar!
Harry Potter wurde bislang in mehr als 60 Sprachen übersetzt, sogar ins Lateinische und Altgriechische. Weltweit erschien eine Gesamtauflage des Zauberlehrling-Romans von über 325 Millionen Exemplaren. Keine Frage also, ob über Rowlings Bett ein Regenschirm hängt – zumindest nicht, um ein Loch im Dach zu verdecken.
15.10.2007, 08.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Spitzweg, Harry Potter, Reichtum,



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