
Nicht nur Gruselgeschichten
Neulich traf ich eine alte Freundin – ab und zu sitzen wir bei einem Bier zusammen und philosophieren. Normalerweise sind es heitere Gespräche über Gott und die Welt, die wir führen. Doch dieses Mal war sie traurig: Sie fühlt sich alleine, seit ihre Kinder aus dem Haus sind. Als sie sich bemühte, mir dieses Gefühl zu erklären, zitierte sie eine Zeile aus einem Gedicht von Edgar Allan Poe: „And all I loved, I loved alone.“ Irgendwann, vor langer Zeit, hatte ich diese Zeile selbst gelesen, doch sie musste mir das ganze Gedicht vortragen, damit ich mich wieder erinnern konnte:
Alone
From childhood´s hour I have not been 
As others were; I have not seen
As others saw; I could not bring
My passions from a common spring.
From the same source I have not taken
My sorrow; I could not awaken
My heart to joy at the same tone;
And all I loved, I loved alone.
Then - in my childhood, in the dawn
Of a most stormy life - was drawn
From every depth of good and ill
The mystery which binds me still:
From the torrent, or the fountain,
From the red cliff of the mountain,
From the sun that round me rolled
In its autumn tint of gold,
From the lightning in the sky
As it passed me flying by,
From the thunder and the storm,
And the cloud that took the form
(When the rest of Heaven was blue)
Of a demon in my view.
Ich hatte schon viel von Poe gelesen, doch war er mir als Autor von Gruselgeschichten im Kopf geblieben. An seine Gedichte erinnerte ich mich nicht mehr. Obwohl er zahlreiche beeindruckende Gedichte verfasste! Ich denke, dass es vielen wie mir geht. Und dies ist auch der Grund, weshalb meine Kollegin Frau Dr. Schwarz, die englische Bücher einkauft, ein besonderes Buch ins Programm genommen hat. „Edgar Allan Poe - Selected Poems & Tales“ heißt es und sammelt neben Kurzgeschichten die schönsten Gedichte – auf Englisch natürlich. Ich gehe fest davon aus, dass auch Sie Gefallen an den wunderbaren Worten des großen Poeten finden.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
26.10.2008, 20.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Edgar Allan Poe, Selected Works, Horror, Grusel, Gedichte,
Ein überflüssiger Preis
Zum 19. Mal wurde dieses Jahr bereits der „Fernseh-Preis der beleidigten Zuschauer“ verliehen: Die Wander- trophäe, ein Fisch, ging 2008 an Oliver Pocher. Hinter dem Preis steht der Stifter Augustus Hofmann, Verleger und erster TV-Profizuschauer der BRD. Seit 2007 ist der Verein "netzwerk kritischer fernsehzuschauer" (NKF) für die Verleihung zuständig. Pocher gewann den fragwürdigen Preis durch seine seltsamen Auftritte besonders während der "Siegesfeier" der deutschen Nationalmannschaft am Brandenburger Tor - am 30. Juni 2008 feierte man nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien.
Ich finde solche Preise irritierend – es reicht doch vollkommen aus, dass sich Fernseh-Moderatoren daneben benehmen. Klar, dass der Preis eine Anti-Auszeichnung ist – aber dennoch: Können wir nicht darauf verzichten? Ist es so spannend, wenn sich jemand im TV einfach nur dumm benimmt? So werden wir nun alle erneut an das peinliche Gehabe von Pocher erinnert... Und außerdem: Das Fernsehen ist längst über seinen Zenit hinaus. Eigentlich dient es doch nur noch dafür, Leute, die nicht wissen, was sie sonst machen sollen, ruhig zu stellen. Ein Medium für die Unterschicht nennen es immer mehr Medienwissenschaftler. Warum also so viel Aufmerksamkeit diesem Medium?
Viel interessanter finde ich Preisverleihungen wie etwa den Egon Erwin Kisch-Preis. Hier ist die Auszeichnung nämlich positiv begründet: Mit dem Kisch-Preis werden die besten deutschsprachigen Reportagen geehrt. Und die wird man sicher auch noch in Jahren gerne noch einmal lesen!
23.10.2008, 12.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Preisverleihung, netzwerk kritischer fernsehzuschauer, Oliver Pocher,
Adams Hand
Kürzlich nutzte ich das schönes Wochenend-Wetter, um einen Ausflug in die Berge zu unternehmen: Meine Frau und ich wanderten einen Berg hoch, um den Drachenfliegern beim Start zuzusehen. Doch unberechenbarer Wind verhinderte, dass sich die Flieger in die Luft wagten, und so schlenderten wir ein wenig auf der dem Berg herum. Von weitem sahen wir ein Kunstwerk emporragen, das wir uns aus der Nähe ansehen wollten: „Adams Hand“ hieß die Skulptur. Zum einem Jubiläum der Bergbahn aufgestellt. Sechs Meter Höhe - und aus feuerverzinktem Stahl gefertigt. Die Finger weisen exakt nach Rom.Sofort entspann sich zwischen uns eine Diskussion: Was mag diese Hand bedeuten? Ist der Name „Adam“ Zufall oder bezieht sich der Künstler hier auf den ersten Menschen? Und überhaupt: Weshalb stellen Künstler Hände so oft dar? Weshalb bemühen sie sich, mit verschiedenen Posen der Hände Gemütslage und Persönlichkeit von Menschen zu beschreiben?
Hände gelten als Spiegel zur Seele: Ich weiß noch genau, wie oft ich selbst mich als Kind und Jugendlicher bemühte, eine Hand realitätsgetreu zu zeichnen. Es klappte nie. Meine Frau glaubt nicht, dass es an meinem mangelnden Talent liegt. Sie geht davon aus, dass mir bislang nur eine genaue Vorlage fehlte, um eine Hand akkurat malen zu können. Deshalb überredete sie mich, aus unserem Lager das Kunstbuch „Die Hand“ mitzubringen. Es enthält Hand-Detailskizzen berühmter Künstler – und ihm liegt eine Modellhand bei. Diese Modellhand kann in verschiedene Posen gebracht werden, was das Nachzeichnen erleichtern soll. Mal sehen, wann ich dazu komme, die Theorie meiner Frau zu beweisen …
(geschrieben von Matthias Stöbener)
22.10.2008, 23.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Hand, Handmodell, Hand malen, Hand skizzieren,
Im Nebel
Er ist da, der Herbst, ganz eindeutig. Seit einigen Wochen liegen dichte morgendliche Bodennebel in Schwaden auf den Feldern, die Sonne muss sich erst mühsam ihren Weg hindurch bahnen. Für mich ist es diese wunderbar melancholische Zeit, in der ich wieder und wieder über das Leben nachdenke.
Doch wir alle wissen, dass das ewige Grübeln über Sinn und Verstehen, Leben und Tod zu wenig führt. Zu leicht bricht ein menschliches Herz am wirklichen Schmerz, ehe es letztgültige Antworten findet. Ich flüchte mich dann oft in Gedichte: Denn sie beschreiben so eindringlich die Emotionen vieler anderer vor mir, großer Denker und Philosophen, die sich ebenfalls irgendwann damit begnügen musste, niemals WISSEN, sondern stets nur GLAUBEN zu können.
Letztens wanderte ich frühmorgens alleine über die Wiesen: Nebel umgab mich, es war still, kein Vogel erhob seine Stimme. Mir kam das bezauberndes Gedicht von Hermann Hesse in den Sinn:
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern,
einsam ist jeder Busch und Stein,
kein Baum kennt den andern,
jeder ist allein.
Und so weiter.
Mich trösteten diese Zeilen auf eine behutsame Art. Das, was uns trennt, sagt mir das Gedicht, ist unser Alleinsein, aber weil es uns alle trennt, verbindet es uns wieder in unserer Erfahrung. Nicht nur ich bin allein, alle sind allein. Ein schönes Gefühl der Verbundenheit.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
21.10.2008, 13.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Hermann Hesse, Im Nebel, Alleinsein, Herbst,
Wo kluge Leute Bücher kaufen
Auch das kann man untersuchen: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Bildung und der Bevorzugung des Versandhandels als Einkaufsort für Bücher? Ja, hat eine Umfrage unter 25.000 Personen ergeben. Ich hatte hier schon öfter über die Untersuchung berichtet. Dabei hat sich herausgestellt, dass vor allem Menschen mit höherer Bildung im Versandhandel Bücher kaufen. Bei Menschen mit Realschulabschluss sind es 15 Prozent mehr als im Durchschnitt, die per Versandhandel an ihre Bücher kommen, unter Menschen mit Abitur sind es 35 Prozent, unter Hochschulabsolventen sind es 52 Prozent mehr als im Durchschnitt. Ähnlich sieht es auch bei Interneteinkäufen aus, ja Akademiker kaufen sogar zu 100 Prozent mehr im Internet-Buchhandel ein als der Durchschnitt der Bevölkerung.
Ob das daran liegt, dass Menschen mit höherer Schulbildung die modernen Medien lieber nutzen? Oder stellen das Internet und der Versandhandel höhere Ansprüche an den Benutzer, denen sich Menschen mit geringerer Schulbildung nicht gewachsen fühlen? Aber möglicherweise ergibt sich das Ergebnis einfach daraus, dass weniger Gebildete auch weniger lesen und deshalb im Versand- oder Internethandel auch weniger Bücher kaufen.
Egal, was die Gründe für die Ergebnisse sind: Ich wusste schon immer, dass Sie als Jokers KundInnen intelligenter als der Durchschnitt sind. Ganz nach unserem Motto: Wo kluge Leute Bücher kaufen!
(geschrieben von Matthias Stöbener)
21.10.2008, 00.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Bildung, Versandhandel, Akademiker, Internet-Buchhandel,



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