Jokers Blog Deutschland

Ich freue mich auf China

Die Türkei war 2008 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. China bereitet sich schon auf diese Rolle im Jahre 2009 vor. Doch chinesische Literatur: Wer hat schon einen chinesischen Autor gelesen? Im Original sicherlich die wenigsten, doch auch in der Übersetzung sind chinesische Werke rar.

Die Erdentage
werden nie den „sechsten Mond“ verwinden,
der sechste Mond, in dem mein Herz erstirbt
wie meine Poesie
und die Ersehnte, in unwirklich blutiger Lache erstickt.
Die Glut der Sonne sprengt im sechsten Mond die Haut,
entlarvt das wahre Bild der Wunden.
An andren Ort zur Überwinterung entfliehn dem blutgetränkten Meer
im sechsten Mond die Fische.
Im sechsten Mond verformt die Erde sich,
die Flüsse fließen tonlos.
Briefe und Karten bleiben zuhauf zurück, ohne die Hoffnung
Dass je sie die Toten erreichen.


"Der sechste Mond", ein Gedicht des chinesischen Poeten Shi Tao. Diese Zeilen wurden in mehr als 60 Sprachen übersetzt, diese Verse gehen um die Welt. Auch, weil der chinesische Verfasser 10 Jahre inhaftiert war. "Der sechste Mond" von Shi Tao, Ehrenmitglied des deutschen P.E.N., geht seit März diesen Jahres als elektronischer Staffellauf von P.E.N..-Postfach zu P.E.N.-Postfach. Hintergründe erfahren Sie unter http://www.penpoemrelay.org .



Ich selbst finde das Gedicht wunderbar. Und ich freue mich auf die Buchmesse 2009, wenn uns hoffentlich viele chinesische Autoren ihre Werke präsentieren werden ...



(geschrieben von Matthias Stöbener)

02.11.2008, 23.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Ehrengast China, Shi Tao, Writers In Prison in China, Der sechste Mond,

Buchmesse-Kritik

Gestern in der Mittagspause redete ich mit einem Kollegen noch einmal über die Frankfurter Buchmesse, obwohl sie ja schon längst vorbei ist. Mit Besucherrekorden ging sie zu Ende. Vor allem der Samstag übertraf alle Erwartungen: Weit über 70.000 Personen drängten sich in den Gängen.

Comic HeldenMein Kollege, der auf der Messe war, berichteten Seltsames: Denn während an den Fachtagen zuvor Geschäfts- kunden und Fachbesucherinnen in Anzug und Kostüm durch die Hallen drängten, gaben sich am Publikums- wochenende zahlreiche Fans der Fantasy und Science Fiction ein Stelldichein. Nicht nur, dass Aber- tausende von jungen und auch älteren Herrschaften sich wie ihr jeweiliger Comic-Held (oder ihre Heldin) kleideten, sie führten auch deren Waffen mit sich: Riesige, selbst gebastelte Schwerter, Hämmer und Bogen aus Pappmaché. Um die Mittagszeit sammelten sich die bunten Heere im Innenhof. Meinem Kollegen bot sich ein außergewöhnliches Bild. Oder haben Sie schon einmal gesehen, wie sich zahllose Wesen ferner Welten vereinen, um sich mit gezückten Waffen gegenüberzutreten?

Was das alles mit der Buchmesse zu tun habe? Mancher fragte sich das. Mein Kollege berichtete von Kritik an dem Treiben. Was diese vielen Rollenspiel-Fans denn da zu suchen haben, beschwerten sich manche andere Besucher, die nicht mehr durch die verstopften Gänge kamen.

Ich verstehe nicht, weshalb sich die Besucher aufregen. Ich finde es sogar aufregend, auf diese Weise ein wenig in die Welt der Fantasy- und Comic-Anhänger hineinschnuppern zu können. Wer bestimmt denn, was Literatur ist und was nicht, wer zur Messe darf und wer nicht?

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.10.2008, 00.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Frankfurter Buchmesse, Fantasie-Rollenspiel, Comic-Held,

Die Giftmörderin

Agatha ChristiSchwach in der Orthografie, eine ausgeprägte Affinität zu exklusiven Speisen, leider keine Singstimme, dafür eine einzigartige Fantasie. Vielleicht hätte Agatha Clarissa Miller sich selbst so charakterisiert. Sie kennen Sie nicht? Aber wahrscheinlich unter ihrem Namen Agatha Christie! Sie ist eine meiner Lieblings-Krimi-Schreiberinnen!

Am 15. September 1890 wurde die Bestseller-Autorin als drittes Kind in Torquay geboren. Sehr zum Leidwesen ihrer Mutter lernte die vorlaute Agatha schon vor ihrem 8. Lebensjahr lesen – allerdings nur, weil sie sich von ihren Kindermädchen, so die Legende, Straßenschilder vorlesen ließ. Daher stammte angeblich auch ihre Rechtschreibschwäche. Nach einer für damalige Verhältnisse wohl typischen Kindheit, das einzige wirklich tragische Erlebnis war, dass sie bereits mit 11 Jahren ihren Vater verlor, verlief ihr weiteres Leben wie im Bilderbuch:

1912 lernte Agatha als 22-Jährige auf einem Ball Archibald Christie kennen – er diente im ersten Weltkrieg an der französischen Front. Nur zwei Jahre später heirateten die beiden an Weihnachten 1914 und zogen nach London. Hier begann Agathas Karriere als Krimi-Autorin: Inspiriert von ihrer Arbeit in einer Krankenhausapotheke schrieb sie ihren Mord-Roman. Eine Prise Gift war dabei.

Belgische Kriegs-Flüchtlinge lieferten ihr schließlich die Vorlage für ihren berühmten Detektiv: Penibel ordnungsliebend und richtig schlau, so sollte er sein – der Logiker Hercule Poirot wurde als ihr Roman-Held geboren.

Am 12. Januar 1976 starb Agatha Christie in Winterbrook House – und hinterließ uns zahlreiche mitreißende Geschichten. Anlässlich ihres Geburtstages haben wir ein besonders umfangreiches Programm an Agatha Christie-Werken für Sie zusammengestellt: Vom Hörbuch bis hin zur Biografie finden Sie hier alles Lesens- und Hörenswertes zu der großartigen Dame.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.10.2008, 23.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Agatha Christie, Hercule Poirot, Krimi-Autorin,

Perfekte Symbiose

Wie gut Katzen und Bücher zusammenpassen, bewies neulich Susannes Kater. Er ist ein lieber schwarzweißer Herr, der nach einem bewegten Leben seine alten Tage bei der Katzenfreundin verbringt. Susanne liebt dieses Tier über alle Maßen, was dankbar erwidert wird. Tag für Tag sitzt der Kater auf dem Schoß der Selbständigen, während sie am PC arbeitet, und zeigt seine Zuneigung mit behaglichem Schnurren. Auch ansonsten weicht er nicht von ihrer Seite. Ob abends beim Lesen, beim Schlafen oder beim Frühstück, der Kater sitzt dabei und schnurrt.

Doch jetzt musste sich Susanne für zwei Wochen von ihrem Liebling trennen. Denn auch eine Selbständige braucht einmal Urlaub. Und so beauftragte sie ihre Mutter, ihres Zeichens selbst große Katzenfreundin, das verschmuste Pelztier zu betreuen. Vor Ort war die „Urlaubsvertretung“ so begeistert von Susannes großer Bücherauswahl, dass sie noch am ersten Tag einige Werke herauszog und sofort zu lesen begann.

Katzen und BuecherDer Kater, der zuvor misstrauisch den neuen Besucher unter der Couch beäugt hatte, wurde neugierig und gesellte sich zu seinem „Ersatzfrauchen“ auf das Sofa. Das Phänomen „Lesende Frau auf Sofa“ kannte er zur Genüge, weshalb er sich schließlich in alter Gewohnheit an die Lesende kuschelte. Susannes Mutter war entzückt. Nicht nur, dass sie hier eine größere Bibliothek als bei sich zu Hause vorfand. Hier gab es auch noch einen anschmiegsamen Kater, der das Lesen noch angenehmer machte.

Als Susanne aus dem Urlaub zurückkam, konnte sie ihre Mutter kaum aus ihrer Wohnung vertreiben. Zu sehr hatte diese sich an die Annehmlichkeiten dort gewöhnt. Schließlich bot sie ihrer Mutter an, so viele Bücher mitzunehmen, wie sie wollte. Mit zwei voll gepackten Einkaufstaschen entließ sie schließlich ihre Mutter. Der Kater durfte bei Frauchen weiterschnurren.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

27.10.2008, 09.38 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Katze, Lesen, Symbiose, Auf der Couch lesen,

Wendy:
Hallo, vielen Dank für den Buchtipp! Das Buch
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Near-Dark.de:
Obwohl Polit-Thriller nicht so ganz mein Genr
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flo filmproduktion:
großartiger film! unbedingt ansehen! politthr
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Schüssler Salze abnehmen:
Toll, das ist endlich mal ein gut geschrieben
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E.Rasmus:
Ach ja, "die Rettung der Welt". Oder ist es n
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