
Vollmond
Leiden auch Sie unter Schlafstörun- gen speziell bei Vollmond? Angeblich sind fast 80 % der Bevölkerung "mondsüchtig": Sobald die runde Kugel am nächtlichen Himmel glänzt, wälzen sie sich schlaflos im Bett herum. Ein bisschen gehörte ich auch zu den Mondsüchtigen. Für die Zeit der monatlichen Ruhestörung habe ich persönlich eine Abhilfe geschaf- fen: Ich lese einfach so lange, bis ich tatsächlich über dem Buch einschlafe. Ich weiß, dass ich damit gegen die Tipps des psycho- logischen Wissenschaftszweigs, der sich mit Schlafhygiene beschäftigt, verstoße - aber mir hilft´s.Was könnte in solchen Vollmondnächten besser passen als echt gruselige Werwolfgeschichten? Wer sich jemals fragte, was das Wort "Werwolf" eigentlich bedeutet: Es heißt nichts anderes als der "Mannwolf". "wer" bzw. "wair" bedeutete nämlich im Alt- u. Mittelhochdeutschen bzw. im Gotischen "Mann". Erstaunlich ist dabei, dass auch die "Welt" auf den gleichen etymologischen Ursprung zurückzuführen ist: "Welt", im Althochdeutschen "weralt", "worolt"; im Mittelhochdeutschen: "werelt", "we(r)lt", setzt sich nämlich zusammen aus "wer" (= Mann) und dem Gotischen "alt" (= Zeit). Welt bedeutet also ursprünglich Menschenzeit, Menschenalter.
Es stellt sich nun für die Wissenschaft nur noch die Frage, ob denn auch die Werwölfe schon seit Menschenalter unter vollmondbedingten Schlafstörungen leiden … Ich meine, diese Frage wäre eine Doktorarbeit wert.
05.11.2006, 08.43 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher
Gnadenbrot für Bücher!
Als ich letztens am Flussufer entlang schlenderte, waren einige Jugendliche gerade dabei, ein Lagerfeuer anzufachen. Doch die feuchte Kohle wollte und wollte sich nicht entzünden. Ich setzte mich auf eine Bank, um dem Treiben ein wenig zuzusehen - sie hatten auch einen tragbaren CD- Player dabei und rockige Musik schallte aus den Lautsprechern. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, eigentlich war alles wirklich wunderbar. Bis mir auffiel, mit welchem Trick sich die jungen Leute nun behelfen wollten: Einer von ihnen hatte nämlich ein Taschenbuch herausgezogen und wollte es gerade zerpflückten, als ich einschritt. Da wollten diese Halbstarken doch glatt ein Buch verbrennen, um ihr Feuer in Gang zu bringen! Wie kann man nur auf solch eine absurde Idee kommen? Die Jahre der Buchverbrennungen gehören doch längst der dunklen Vergangenheit an, dachte ich. Wo bleibt der Respekt vor dem geschriebenen Wort, die Achtung vor intellektuellem Eigentum?Ich stellte die Jungs zur Rede: Sie wüssten sich nicht anders zu helfen, schließlich wollten sie sich an den Flammen ein wenig wärmen. Einer von ihnen war sehr gewitzt: Es sei doch auch üblich, Zeitungen zu verbrennen - weshalb man also bei Büchern so ein Aufsehen errege? Ja, das stimmt - Zeitungen müssen oft als Anzünder herhalten. Oder landen im Altpapier. Weil sie sicher nicht für die Ewigkeit geschrieben sind, weil sie kurzlebig sind, weil... Ja, warum eigentlich? Sind es nur die schlimmen Altlasten der Vergangenheit, die uns Lesefreunden bei dem Gedanken, ein Buch zu verbrennen, Schauer über den Rücken jagen?
Ich weiß nicht recht... Ich persönlich hebe alle meine Bücher auf oder verschenke sie weiter, dennoch verbrenne auch ich die eine oder andere Tageszeitung. Seltsam... Aber ich empfinde es wirklich so: Bücher sind für die Ewigkeit bestimmt, sind es wert, gehegt und gepflegt zu werden, gerne gebe ich ihnen nach dem Lesen das verdiente Gnadenbrot und stelle sie in mein übervolles Regal. Schließlich haben sie mir viele wunderbare Lesemomente beschert - ich finde das nur fair. Und so tauschte ich mit den Jugendlichen mein Feuerzeug gegen ihr Taschenbuch. Schon bald brannte das Feuerchen - ohne Bücheropfer.
02.11.2006, 09.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft
Halloween
Wer dachte, Halloween sei typisch amerikanisch, irrt wahrscheinlich: Sicher ist zwar nur wenig auf dieser Welt, aber laut den alten Überlieferungen ist Halloween auf einen keltischen Brauch zurückzu- führen. Die vierte Jahreszeit der Kelten nämlich, Samhain, war die wichtigste Saison unserer Vorfahr- en: Am Sommerende war die Ernte eingebracht, die Großfamilien trafen in ihren Gehöften zusammen, Mystik lag in den langen nebeligen Nächten in der Luft. Man glaubte, dass die Zeit brüchig würde: An einem bestimmten Abend Ende Oktober würden die Verstorbenen vom Jenseits ins Diesseits gleiten. Deshalb stellte man ihnen Opfer bereit, versorgte die Toten in den eigenen Wohnzimmern mit Speis und Trank. Der Tod war keine mit Furcht beladene Angelegenheit bei den wagemutigen Kelten - die einzige Angst bestand darin, durch die Brüchigkeit der Zeit selbst von einer Dimension in die nächste zu schliddern.
Mit dem Aufleben des Christen- tums wurden die traditionellen Bräuche und die Geistergläubig- keit durch andere Riten ersetzt: Allerheiligen löste, so die Deu- tung, das ursprüngliche Samhain- Fest ab. Als All Hallows´ Day wird Allerheiligen in den USA began- gen - der Vorabend nannte sich All Hallows´ Eve. Mit der Zeit wurde schließlich Halloween daraus - das spektakuläre Kinderfest, immerhin in den USA die zweitwichtigste Feierlichkeit des Jahres! Auch hier in Europa ist es inzwischen fast schon Tradition, Halloween zu feiern - viele Kinder freuen sich wochenlang auf die spukige Nacht, basteln, malen und üben Schmink- und Verkleidungstricks...
Halloween bei Jokers
31.10.2006, 21.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft

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