Jokers Blog Deutschland

Interkulturelle Bibliothek

In Ballungszentren nutzen 20 bis 35 % Menschen mit Migrationshintergrund öffentliche Bibliotheken. Keine andere deutsche kulturelle Institution wird so intensiv von Einwanderern genutzt. Und was suchen sie dort? Materialien zum Deutschlernen z. B. Aber auch fremdsprachige Literatur. Viele Verlage haben schon auf diesen Trend reagiert und veröffentlichen mehr zweisprachige Bücher als früher.

Nun wurde für die öffentlichen Bibliotheken ein so genanntes interkulturelles Webportal freigeschaltet, das den Bibliothekskunden und den Bibliothekaren den Zugang zu fremdsprachigen Beständen in mehr als 20 Sprachen erleichtern soll. Denn auch in kleinen Orten und kleinen Städten wächst der Anteil an Bibliotheksbenutzern, die fremdsprachige Literatur oder Materialien zum Deutschlernen suchen – ohne dass jedoch die kleinen Bibliotheken dort entsprechend reagieren können. Die Etats sind oft einfach zu gering. Aber die Fernleihe kann hier helfen. Das interkulturelle Bibliotheksportal kann so mithelfen bei der weiteren Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.

Zum einen stellt das Portal den Bibliothekaren Informationen und Hilfestellungen zur Verfügung, zum anderen bekommen aber die User selbst Zugang zu den fremdsprachigen Beständen und Quellen von mehr als 20 wichtigen Migrantensprachen. Ein Fernziel im Hintergrund ist auch die Einrichtung einer interkulturellen Bibliothek. Eine solche multikulturelle Nationalbibliothek könnte sicher viel zur Verständigung und Kommunikation zwischen den Kulturen beitragen. Ich hoffe, dass die Initiatoren die gesteckten Ziele verwirklichen können.

(geschrieben von Matthias Stöbener) 

16.11.2008, 16.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Interkulturelle Bibliothek, Migranten, Öffentliche Bibliotheken,

Top 10 der Rezensierten

RezensionenDie Mühe muss man sich erst einmal machen! Dieser Tage las ich im Buchreport eine interessante Studie. Fleißige Menschen haben neun Wochen lang in 14 Print-Zeitungen und Magazinen gestöbert und kamen per Hochrechnung darauf, dass in deutschen Tages- und Wochen- zeitungen über 20.000 Buchbesprech- ungen jährlich veröffentlicht werden. Damit steht Deutschland an der Spitze der Kulturen, in denen in den Medien über Bücher berichtet wird. Kaum irgendwo sonst findet sich eine so rührige Rezensionswelt. Das hängt auch mit den Presseabteilungen der Verlage zusammen, die den Zeitungsredakteuren jährlich tausende von Vorabexemplaren gratis zukommen lassen.

So beeindruckend die 20.000 Buchbesprechungen pro Jahr klingen, so ernüchternd ist der genaue Blick auf sie. Da stellt sich nämlich heraus, dass die Neuerscheinungen der beiden Frankfurter Verlage S. Fischer und Suhrkamp am meisten rezensiert werden. Daniel Kehlmann hatte vor Wochen über die Konzentration auf wenige Titel geschimpft. Was nicht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stehe, werden gar nicht mehr rezensiert. So der Schriftsteller.

Gut, so schlimm ist es noch nicht. Aber 20.000 Buchbesprechungen bedeuten nicht, dass 20.000 Bücher in die Mangel genommen werden. Der Buchreport wies genau nach, dass es vor allem die Bücher der Verlage S. Fischer, Suhrkamp, Beck, Rowohlt, Berlin Verlag, dtv, Hanser, Diogenes, Kiepenheuer & Witsch sowie Eichborn sind, die es zu Hauf in die Feuilletons deutscher Printmedien schaffen.

Woran das wohl liegen mag? Sind diese 10 Verlage wirklich diejenigen, die unsere besten Bücher herausbringen? Oder haben sie die besten Presseabteilungen oder die tollsten Buchmessefeste oder warum finden die Bücher von anderen Verlagen nicht so viel Aufmerksamkeit bei deutschen Kritikern?


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

14.11.2008, 11.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Feuilleton, Literaturkritik, Rezensionen, Buchreport-Studie,

Einblicke in den Terrorismus

Einige Jahre dachten wir in Mitteleuropa, dass sich mit dem letzten Attentat der RAF Anfang der 90er Jahre die Jahrzehnte des Terrorismus dem Ende zuneigen würden. Damals, am 01. April 1991 wurde der Chef der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, ermordet.

Die Atempause war kurz: Auch wenn sich andere europäische Untergrundorganisationen mehr oder weniger still verhielten, auch wenn beispielsweise immer wieder über die Waffenniederlegung der ETA diskutiert wurde – die Anschläge des „11. September“ versetzten die ganze Welt in Angst und Schrecken. Und mit der Panik und Verzweiflung erwachte erneut eine seltsam morbide Faszination für die Thematik des Terrorismus.

Mein Leben bei al-QaidaEnde September kommt nun der Film „Der Baader-Meinhof-Komplex“ in die Kinos. Das gleichnamige Buch von Ex-„Spiegel“-Chef Stefan Aust ist seit seinem Erscheinen ein Bestseller, jetzt wird es pünktlich zum Kinostart des Films und versehen mit Bildern neu aufgelegt.

Mit der Auflösung der RAF 1998 schien der Terror gebannt. Doch schon arbeiteten neue Terror-Zellen an weiteren blutigen Übergriffen, um ihr politisches Ideal durchzusetzen. „Mein Leben bei al-Quaida“ erzählt autobiografisch vom entsetzlichen Doppelleben des Omar Nasiri. Der Untertitel „Die Geschichte eines Spions“ deutet darauf hin, dass Omar riskante Aufträge zu erfüllen hatte: So sollte er die Trainingslager der Dschihadisten auskundschaften...

Spannend wie ein Krimi liest sich diese Beschreibung der wahnwitzigen Terroristenausbildung, die der Londoner absolvierte. Die tief gehenden Einblicke in die Welt des Dschihad haben mich persönlich am meisten gefesselt. Und ich bin froh, dass Omar Nasiri sich entschied, dieses Buch zu schreiben statt als Terrorist aktiv zu werden, um irgendwann als Filmvorlage zu dienen.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

13.11.2008, 10.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: al-Quaida, Omar Nasiri, RAF, 11. September, Terrorismus,

Krisenresistenter Versandhandel

InterneteinkaufBankenkrise, Konsumkrise? An- scheinend nicht im Versandhan- del. Das meint jedenfalls der Versender-Verband bvh. Der hat eine Untersuchung „Distanzhan- del in Deutschland 2008“ gemacht und dabei festgestellt, dass es beim Versand über Katalog und Internet immer noch zu Zu- wächsen kommt, zwar nur noch um 3, 6 Prozent, aber immerhin.

Am meisten würden Textilien und Schuhe per Katalog und im Internet gekauft, gefolgt von Medien, wozu auch Bücher zählen. Gute Nachrichten also auch für uns von Jokers, vor allem unseren Onlineshop.

Hauptargument für den Einkauf im Versand und Internet ist für die befragten Konsumenten, dass die bestellten Waren bis an die Haustür geliefert werden. Das kann ich gut nachvollziehen, denn auch ich liebe es in der Zwischenzeit übers Internet oder per Katalog zu bestellen. Ich stehe in keiner Parkhaus- und keine Kassenschlange, habe keinen Stress beim Geschäfte-Durchhetzen und muss mich nicht mit muffigen Verkäuferinnen oder Verkäufern herumschlagen, die meistens überfordert sind, wenn ich etwas Genaueres von ihnen wissen will.

Und auch das in der Untersuchung genannte Argument der größeren Auswahl zieht bei mir: Selbst im größten Kaufhaus habe ich nicht die Auswahl, die ich im Internet habe, zumal ich im Internet noch eine Preissuchmaschine nach dem günstigsten Preis bei Produkt X befragen und so oft ganz schön sparen kann. Preisunterschiede von 100 Euro bei gleichem Gerät sind nicht selten.

(geschrieben von Matthias Stöbener) 

12.11.2008, 11.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Bankenkrise, Versandhandel, Internet-Einkauf,

Reichspogromnacht

Meine Nichte musste nicht in die Schule und ich nutzte den freien Tag, um sie zu besuchen, denn auch wir von Jokers hatten die Schotten dicht: 3. Oktober. Tag der Wiedervereinigung. Doch der eigentliche Mauerfall war am 9. November 1989. Warum sie also gut 4 Wochen vorher nicht in die Schule muss, wollte meine Nichte wissen.

Ella LingensSeit vielen Jahren feiern wir nun schon den 3. Oktober als offiziellen „Tag der Wiedervereinigung“. Der 9. November gerät dabei mehr und mehr in Vergessenheit. Doch es hat seinen guten Grund, weshalb man den Gedenktag vorverlegt hat: Aus Respekt vor der jüdischen Religion und aus Abscheu vor den Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes be- schloss die deutsche Regierung vor Jahren, den 9. November nicht als Feiertag zu begehen. Schließlich ging die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 als „Reichspogromnacht“ in die furchtbare Nazi-Geschichte ein. In jener Nacht nämlich wüteten SS und SA besonders und zerstörten unzählige Synagogen in Deutschland.

Gefangene der Angst“ heißt der Titel des Buchs: Ella Lingens ging als Widerstandskämpferin in unser Andenken ein. Ihrer Hilfe haben viele jüdische Familien ihr Überleben im Horrorjahr 1938 zu verdanken ... Ich nutzte die Gelegenheit, der Frage meiner kleinen Nichte ausführlicher nachzugehen und las den Bericht von Lingens. So etwas lässt mich nicht mehr los.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

12.11.2008, 01.44 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Ella Lingens, Reichspogromnacht, 3. Oktober ,

Wendy:
Hallo, vielen Dank für den Buchtipp! Das Buch
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Near-Dark.de:
Obwohl Polit-Thriller nicht so ganz mein Genr
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flo filmproduktion:
großartiger film! unbedingt ansehen! politthr
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Schüssler Salze abnehmen:
Toll, das ist endlich mal ein gut geschrieben
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E.Rasmus:
Ach ja, "die Rettung der Welt". Oder ist es n
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