
Ein Ausflug in die Fantasy
Lisvana lebt in Snögglingduralthorma. Ok, werden Sie vielleicht denken, wir befinden uns offensichtlich irgendwo bei „Herr der Ringe“ oder in ähnlich sagenhaften Gefilden. Dort, wo Elfen und Trolle wohnen und wo alle wallende Gewänder tragen. In gewisser Weise stimmt das auch, denn das Land mit dem unaussprechlichen Namen ist wirklich ein Reich voller märchenhafter Wesen. Erfunden hat es Karen Duve und es ist Handlungsort ihres Romans „Die entführte Prinzessin“. Wer schon einmal etwas von Karen Duve gelesen hat, dürfte sich nicht wenig wundern, ist die Hamburger Autorin doch eher für ihre schnoddrig-modernen Bücher wie „Dies ist kein Liebeslied“ oder „Taxi“ bekannt. Aber Frau Duve kann auch anders, wie sie uns mit „Die entführte Prinzessin“ beweist.
Hier geht es um eine Brautwerbung, die grandios mit Märchenmotiven und Elementen der Fantasy-Welt spielt. Zwei Galane buhlen trotz popeliger Mitgift um die Gunst einer schönen Königstochter. Kammerjungfern, Drachen mit Mundgeruch, edle Ritter und Zwerge geben sich ein Stelldichein – eine schillernde, bunte Märchen-Parodie! Etwas, was typisch für die Schriftstellerin ist, bleibt aber zur Freude der Duve-Leser auch bei diesem Genrewechsel erhalten: Spaß, Humor und Unterhaltung. Sie versteht es, überall komische Momente zu platzieren, zu überzeichnen und amüsant zu parlieren.
Ganz offensichtlich hatte die Autorin großes Vergnügen am Ausflug in die Fantasy- und Märchenwelt und das überträgt sich! Wer also einmal Karen Duves andere Seite entdecken und sich dabei köstlich amüsieren möchte, ist hier richtig. Und absolut fantastisch ist natürlich auch unser Preis.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
23.11.2009, 08.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Karen Duve, Hamburger Autorin, Die entführte Prinzessin,
Antworten in bewegten Zeiten
Vielleicht gehören Sie auch der „Douglas-Adam-Generation“ an: Sein „Per Anhalter durch die Galaxis“ wurde zum Bestseller. Bis heute hat sich hartnäckig ein eigentümlicher Witz gehalten, den allerdings nur Adam-Leser verstehen. Wenn jemand eine Frage stellt, auf die es keine wirkliche Antwort gibt, so grinst der Gefragte gerne: „42“.Genau diese Antwort spuckte der in Adams Buch gebaute Riesen-Computer aus: Er wurde vor langer, langer Zeit eigens konstruiert, um die Antwort auf die Frage aller Fragen zu finden. Und so rechnete die Maschine Ewigkeiten, um schließlich die Antwort „42“ zu geben. Das Problem war nur, dass keiner mehr wusste, welche Frage dem Computer vor Urzeiten gestellt worden war.
Die Anekdote hat durchaus etwas Wahres: Wie oft verirren wir uns auf der Suche nach dem „Sinn des Lebens“ in seltsamsten Antworten? Wie oft stellen wir unseren Mitmenschen Fragen, die nicht zu beantworten sind? Dieser Durst nach Wissen ist kein Phänomen unserer Zeit. Schon in der Antike stellten Menschen ähnliche Fragen wie wir heute. Und schon damals war jeder froh, wenn er Wahrheiten an die Hand bekam, die es ihm ermöglichten, ein harmonisches Leben zu führen.
„Sokrates antwortet“ heißt das Büchlein, das eine wahre Schatztruhe an Weisheiten für den Alltag und auch auf der Suche nach „mehr“ ist. Treffend und wortgewandt sind hier die besten Aussagen der antiken Philosophie zusammengefasst. Für weniger als 4 € finden Sie rund 555 Lebensweisheiten zu allen wichtigen Themen. Eines der Zitate, die mir am meisten zusagen, ist: „Es ist besser, einen einzigen Freund zu besitzen, der viel wert ist, als viele, die nichts taugen.“
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
20.11.2009, 09.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Sokrates, 42, Antworten,
Zu schön, um schreiben zu können?
Eigentlich ist es ja völlig egal, wie Autoren aussehen. Man will ja schließlich nicht mit ihnen ausgehen, sondern ihre Werke lesen. Dennoch wird das Äußere von Autoren bisweilen eben doch kommentiert. Vor einigen Jahren betraf es Judith Hermann, die Autorin des gefeierten Buches „Sommerhaus, später“, zuletzt die Frisur der frischgebackenen Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller.Auch über die Autorin des Buches, das ich Ihnen nun empfehlen möchte, gibt es einiges zu hören. Und zwar nur Positives. Denn die Autorin von „Die alltägliche Physik des Unglücks“, Marisha Pessl, ist ausgesprochen attraktiv. Und jung obendrein. Natürlich gab es auch Kommentare nach dem Motto „Wer so hübsch und jung ist, der kann doch gar nicht gut schreiben können“ – von wegen vermuteter Oberflächlichkeit und angeblich mangelnder Lebenserfahrung. Marisha Pessl hat solche Negativ-Kommentatoren aber eines besseren belehrt und ein viel beachtetes Debüt hingelegt, das ihr erstmal einer nachmachen muss.
In ihrem Buch geht um das 16jährige Mädchen Blue. Ihre Mutter lebt nicht mehr und so zieht sie mit ihrem Vater, einem Universitätsprofessor, nach jedem Semester von Ort zu Ort durch viele Bundesstaaten der USA. Sie liest sich quer durch alle Klassiker, die sie in die Finger bekommt, ist aber auch einer feuchtfröhlichen Feier nicht abgeneigt. Als plötzlich ihre charismatische Lehrerin ermordet aufgefunden wird, gerät ihr Leben aus den Fugen und sie begibt sich auf die Suche nach den Gründen für deren Tod.
Das Buch strotzt nur so von Filmzitaten, Liedtexten und Anspielungen auf Werke der Weltliteratur. Von Shakespeare über Gustave Flaubert, Herman Melville und Joseph Conrad bis zu Franz Kafka geht der Reigen der großen Namen. Das macht Vergnügen, bringt immer wieder neue Facetten ins Spiel und liest sich intelligent und spannend. Mit 600 Seiten mein Lesetipp für lange Herbstabende!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
18.11.2009, 08.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Marisha Pessl, Debüt, Lesetipp,

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