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Wo der Tod regiert

Josef WinklerAn Allerheiligen wurde der Georg Büchner-Preis verliehen: Josef Winkler, der österreichische Autor, nahm ihn mit einer fesselnden Dankesrede entge- gen. Zu den wichtigsten Werken von Winkler zählen: Wenn es soweit ist, Natura Morta, Römische Novelle, Leichnam, seine Familie belauernd, Roppongi, Requiem für einen Vater sowie Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot.

Der Tod, aber vor allem auch die Vernetzung von Leben und Sterben, sind zentrale Themen des 1953 geborenen Kärntners. Sein individuelles Symbol für den Niedergang sind Gladiolen: Sie sind Winklers zentrale Metapher und werden überall dort sichtbar, wo das Leben dem Tod weicht. Genau diese Blumen schmückten als Dekoration die Bühne des Darmstädter Staatstheaters, in dem Josef Winkler den wichtigsten deutschen Literaturpreis entgegennahm.

Ich will gar nicht versuchen, das Werden des großartigen österreichischen Schriftstellers zu psychologisieren oder zu analysieren: Die Gefahr ist groß, sich in der harten bäuerlichen und durch und durch archaisch-katholisch geprägten Kindheit des Autors zu verlieren. In und durch die Literatur habe sich Josef Winkler gerettet, meinte der Wiener Publizist Ulrich Weinzierl, der die Laudatio auf Winkler hielt.

Egal, was dahinter steckt: Mich fasziniert das Werk Josef Winklers sehr. Und auf eigentümliche Art und Weise erinnert es mich an das literarische Schaffen von Georg Büchner selbst. Aber lesen und vergleichen Sie doch selbst: Besonders empfehlenswert zu diesem Zweck sind Büchners Werke „Woyzeck“ und „Leonce und Lena“.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

30.11.2008, 11.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Büchnerpreis, Josef Winkler, Leonce und Lena, Woyzeck,

Präsidenten-Fiktion

Die letzte Liebe des PraesidentenWahrscheinlich haben auch Sie die amerikanische Präsidentschaftswahl aufmerksam in den Medien verfolgt: Wer macht das Rennen? Obama oder McCain? Der Demokrat oder der Republikaner? Schlussendlich geschah das, was noch vor einigen Jahren als Unmöglichkeit galt: Die USA haben den ersten schwarzen Präsidenten der Geschichte!

Wir Nicht-Amerikaner konnten nicht mitbestimmen, wir konnten nur gespannt den Ausgang der Wahlen verfolgen. Den Umfragen zufolge war ein dringendes Anliegen der Amerikaner, das entscheidend den Wahlentscheid beeinflusste, die Sorge um die US-Wirtschaft – hier liege einiges im Argen, meinte die Bevölkerung.

Einen Einblick in das amerikanische System zu erhalten, um tatsächlich kompetent mitreden zu können, ist nicht einfach. Meine amerikanischen Bekannten erzählen mir von 16-Stunden-Arbeitstagen, davon, dass sie keinen Tag Urlaubsanspruch in den ersten beiden Jahren der Betriebszugehörigkeit haben, von maximal einer Woche bezahlter Krankheitszeit pro Jahr. Ich höre bei solchen Erzählungen aufmerksam und erstaunt zu – und bin froh in Europa zu leben.

Sehen wir einmal, welche Flügel nun der neue Präsident dem amerikanischen Traum verleiht. Und was die Präsidentschaft mit den Träumen (und Wahlversprechen) des Kandidaten anstellt. Und nicht nur ich habe mir schon mehrmals die Frage gestellt, weshalb jemand überhaupt ein solches politisches Mandat tragen will. Was geschieht mit einem Menschen, der eine derartige Machtposition hat? Was bleibt von der Person?

Die letzte Liebe des Präsidenten“ heißt der Roman von Andrej Kurkow, der die fiktive Geschichte des ukrainischen Präsidenten des Jahres 2013 erzählt. Wer weiß: Manchmal nimmt die Fiktion die Wirklichkeit vorweg...

(geschrieben von Matthias Stöbener)

29.11.2008, 11.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Präsidentenwahl, Andrej Kurkow, Wirtschaft USA ,

Wut im Heimatdorf

Es ist eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch: Ein 35-jähriger Bankangestellter aus einem kleinen Dorf im Allgäu verschwindet von einem Tag auf den anderen spurlos. Weder Freundin noch Familie noch Freunde aus dem Musikverein, in dem er seit Jahren das Flügelhorn blies, noch seine Arbeitskollegen, die ihren Mitarbeiter als zuverlässig und liebenswert beschreiben, können sich erklären, was geschehen ist.

Sein schwarzer VW Golf wird auf einem Parkplatz gefunden. Der Schlüssel steckt, auf dem Beifahrersitz liegen Handy und Bankunterlagen. Auf seinem Konto fehlt kein Geld, die Bank kann keinen Missbrauch feststellen. Nichts deutet darauf hin, dass sich der Finanzberater einfach aus dem Staub gemacht haben könnte.

Auch auf ein Gewaltverbrechen deutet nichts. Die Polizei durchkämmt im Großeinsatz mit Hundestaffeln und Helikoptern weiträumig das hügelige Voralpen-Gelände. Sie findet keine Spur. Es wird nur herausgefunden, dass im Auto ein Fahrrad transportiert worden ist. Ansonsten herrscht in der kleinen Allgäuer Gemeinde Ratlosigkeit.

Bis die Polizei in Spanien knapp eineinhalb Jahre später einen Mann aufgreift, auf den die Beschreibung des Allgäuer Bankangestellten passt. Familie und Freunde sind gleichzeitig erleichtert wie entsetzt. Der Vermisste hat sich offensichtlich heimlich still und leise nach Spanien abgesetzt, wo er ein neues Leben begann. Schließlich schickt dieser ein 150-seitiges Manuskript an den örtlichen Heimatverleger, in dem er seine Geschichte erklärt. Der Titel lautet „Mein zweites Leben“.

Darin schildert der ehemalige Bankangestellte, wie er sich 11.000 Euro angespart hat und dann mit dem Rad und einer Camping-Ausrüstung heimlich nach Spanien abgehauen ist, um ein neues, „gesünderes“ Leben zu beginnen. Das Buch mit einer Auflage von 500 Stück war im Nu ausverkauft. Heute herrscht in dem kleinen Heimatdorf des Mannes vor allem Wut. Viele der ehemaligen Freunde und seine Familie fühlen sich auf den Arm genommen. Zu Recht, wie ich finde. Schließlich ist die Geschichte vom Mann, der eben mal „Zigaretten holen“ ging, für diejenigen, die dieser Mann zurückgelassen hat, in keiner Weise amüsant.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.11.2008, 10.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Aussteiger, Flucht, Auf-Nimmer-Wiedersehen,

Hollywood trauert

Michhael CrichtonMichael Crichton (geboren am 23. Oktober 1942), der Roman- und Drehbuchautor, dessen Talent Steven Spielberg größer fand „als seine Dinosaurier in ‚Jurassic Park‘“, ist am 4. November im Alter von 66 Jahren gestorben. Seine Werke verkauften sich mehr als 150 Millionen Mal, neben John Grisham und Stephen King gehört er zu den meist gelesenen Bestsellern des Thriller-Genres.

Ihm verdankt die Welt Bestseller wie „Andromeda“ (The Andromeda Strain), „Die Gedanken des Bösen“ (Sphere) oder „Beute“ (Prey) und natürlich Kino-Blockbuster wie „Coma“, „Andromeda – tödlicher Staub aus dem All“, „Jurassic Park“ und die Serie „ER – Emergency Room“.

Crichtons großes Talent war es, wissenschaftlich sauber recherchierte Tatsachen in spannende Geschichten zu verpacken. Dabei gerieten meist irgendwelche Experimente aus den Fugen und drohten die Welt zu zerstören.

Man mag ihm vorwerfen, zu populärwissenschaftlich ausgerichtet gewesen zu sein. Spannend waren seine Werke allemal. Und Crichtons Phantasie war schier grenzenlos. Nicht zuletzt deshalb verdanken wir ihm Einblicke in Welten, die wir selbst uns wohl nie träumen hätten können.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

27.11.2008, 12.58 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: andere Medien | Tags: Michael Crichton, Jurassic Park, Coma, Andromeda,

Ein Star wollte ich werden

Jede achte bis zehnte Frau erkrankt an Brustkrebs. Das „Mammakarzinom“ ist bei Frauen die häufigste Krebserkrankung. Fast jeder Mensch in Deutschland kennt mindestens eine Frau, die an Brustkrebs erkrankt oder sogar gestorben ist. Bei meiner guten Freundin Susanne ist das eine alte Bekannte, die sie schon als Kind sehr verehrt und geschätzt hatte: die Schauspielerin Liane Hielscher.

Die charismatische Künstlerin wohnte in den 80er Jahren im gleichen Haus wie Susannes Vater und war gut mit der Familie befreundet. „Wir sollten bei ihren vielen Theater-Tourneen ihre Blumen und Pflanzen gießen“, erinnert sich Susanne. „Ich als junges Mädchen war immer wie verzaubert, wenn ich Liane traf. Sie erzählte mir viel vom Theater, vom Film und wie es bei Dreharbeiten zuging. Und sie brachte mir immer neue Autogrammkarten ihrer Kollegen mit.“ Daraus wurde bald eine große Sammlung. Schließlich spielte die Schauspielerin in zahllosen „Derrick“- „SOKO 5113“- und anderen deutschen Serien mit und hatte in „Moselbrück“ sogar eine Hauptrolle.

„Wenn es jemanden gibt, der mir die Liebe zur Kunst und zum Theater beibrachte, dann sie. In dem eher konservativen Wohnhaus war sie damals wie eine Lichtgestalt für mich“, sagt Susanne.

Liane Hielscher war eine starke und sehr kreative Künstlerin, die sich nichts anmerken ließ, als sie Anfang der 90er Jahre an Brustkrebs erkrankte. „Als sie 2000 schließlich daran starb, fiel ich aus allen Wolken“, erzählt Susanne. „Ich hatte sie zwar ein paar Jahre nicht mehr gesehen, doch war es mir unvorstellbar, wie so eine wunderbare Frau den Kampf gegen den Krebs einfach verlieren konnte.“

Erst kürzlich entdeckte ich das Buch, das die Schauspielerin nur wenige Tage vor ihrem Tod fertig geschrieben hatte: „Ein Star wollte ich werden, ich wurde ein Mensch“.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

26.11.2008, 01.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Liane Hielscher, Brustkrebs, Derrick, Soko 5113, Moselbrück,

Berufswunsch Nobelpreisträger

Meine Schwester hatte geladen: Rund 15 Kinder sammelten sich um den Geburtstagstisch meiner Nichte, die 10 Jahre alt wurde. Nachdem die Torte gegessen war und die Geschenke ausgepackt waren, wollten die Kids natürlich spielen. Doch bei den jungen Gymnasiasten kann man mit Würstchenschnappen oder Topfschlagen nicht mehr punkten. Also wurde kurzerhand „Beruferaten“ gespielt: Die Jungs und Mädchen sollten pantomimisch ihren Traumberuf nachstellen, die anderen Gäste sollten ihn erraten.

NobelpreistraegerEs war eine lustige Runde: Einige der Mädchen hüpften Pirouetten drehend auf einem Bein (Balletttänzerin), ein Junge hielt die Hände um ein imaginäres Lenkrad und „brummte“ (Formel-1-Fahrer), ein anderer reckte sich empor und hob den Zeigefinger (Lehrer). Doch ein Mädchen, so sehr es sich auch mühte, scheiterte an der künstlerischen Darstellung ihres Berufswunsches: Sie legte die Stirn in Falten, verdrehte die Augen, öffnete den Mund halb und zog die Augenbrauen hoch. Keiner wusste, was sie darstellen wollte.

„Ich will Friedensnobelpreisträger werden!“ rief sie schließlich empört. „Das ist doch nicht so schwer!“ Und wirklich: Jetzt, da ich es wusste, meinte ich eine gewisse Ähnlichkeit zu Martti Ahtisaari, dem ehemaligen finnischen Präsidenten und diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises, zu erkennen. Weltweit wurde der Diplomat in zahlreichen politischen Vermittlungsmissionen eingesetzt – und mit dem hoch dotierten Preis geehrt.

Wenn ich groß bin, werde ich Nobelpreisträger“ heißt das zauberhafte Bilderbuch, das wir im Angebot haben: Leider ist die Freundin meiner Nichte wohl zu alt für das wunderschöne Büchlein, aber wer weiß – vielleicht kann Ihr Kind aus dem Werk eine Anregung ziehen …

(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 10.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Berufswunsch, Nobelpreisträger, Buch Nobelpreisträger,

Der andere Weg

Derandere WegManch einer geht den Jakobsweg: Zu sich selbst finden, sich selbst kennen lernen, sich eine Auszeit nehmen – das sind meist die Beweggründe, die Menschen dazu treiben, für einige Tage oder auch Wochen ihr Haus zu verlassen und sich den Strapazen eines Fußmarsches zu stellen.

Mein Freund Joachim zog letzten Sommer los, um ein Teilstück des Jakobswegs zu absolvieren. Er brach vorzeitig ab, nicht nur, weil er einmal umknickte und sein Knöchel geschwollen war. Er beendete seine Route vor allem deswegen verfrüht, weil er die vielen Mitpilger um sich herum nicht mehr ertragen konnte. Einsam hatte er sich seinen Weg vorgestellt, mühsam und hart. Und dann fand er sich inmitten fröhlich plappernder Wanderer, die genau wussten, wo sie die Nacht verbringen und wo sie ihr nächstes Essen herbekommen würden.

Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die den Jakobsweg tatsächlich „erleben“: Vielleicht haben sie eine andere Route gewählt, vielleicht eine andere Jahreszeit, ich weiß es nicht. Vielleicht haben sie auch einfach eine andere Einstellung.

So wie Andreas Altmann: Er ging nicht den Jakobsweg, der Einsamkeit und Entbehrung vortäuscht. Er entschied sich für eine Route, die unzählige Menschen schon mit dem Auto gefahren sind. Andreas ging von Paris nach Berlin. 34 Tage, 33 Nächte war er unterwegs. Ohne Geld, ohne Essen, ohne Netz und doppelten Boden startete er im heißen Sommer des Jahres 2003. Was Andreas Altmann auf seinem ganz persönlichen Jakobsweg erlebte, ist in seinem Buch „34 Tage, 33 Nächte“ zu lesen. Eine faszinierende Geschichte!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

24.11.2008, 10.43 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Andreas Altmann, 34 Tage, Jakobsweg, Fußmarsch,

Wendy:
Hallo, vielen Dank für den Buchtipp! Das Buch
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Near-Dark.de:
Obwohl Polit-Thriller nicht so ganz mein Genr
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flo filmproduktion:
großartiger film! unbedingt ansehen! politthr
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Schüssler Salze abnehmen:
Toll, das ist endlich mal ein gut geschrieben
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E.Rasmus:
Ach ja, "die Rettung der Welt". Oder ist es n
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