
Riff-Ranger
Tauchen, Schnorcheln, Abenteuer erle- ben, ab und an ein wenig bloggen – und ansonsten in der Sonne liegen und braun werden. Wem würde so ein Job nicht gefallen?
Und genau deswegen ist die Seite http://www.islandreefjob.com/ seit Tagen auch kaum erreichbar: Weltweit bewerben sich Hunderttausende auf die Stelle Riff-Ranger am Great Barrier Reef, die mit sage und schreibe 80.000 EUR für 6 Monaten ausgeschrieben ist.
Die Anforderungen sind dabei gar nicht einmal so hoch: Englisch muss der Bewerber natürlich können, ein wenig Schnorcheln und Tauchen - und das war´s dann eigentlich auch schon. Dann muss er noch in einem Videoclip erläutern (auf Englisch), weshalb genau er der geeignete Kandidat für den Riff-Ranger-Job wäre – und das Glück haben, aus einer halben Million Bewerber herausgefiltert zu werden. Und die ganze Welt schaut zu: Wer wird das große Los ziehen? Wer darf für ein halbes Jahr Hausmeister am Riff spielen?
Einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich nicht vielleicht auch... nur als Versuch... aber dann war die Seite wieder offline, der Server überlastet. Also werde ich mich wohl nicht auf diesen Traumjob bewerben und stattdessen weiter in Bildbänden über Australien und die wunderbare Unterwasserwelt am Great Barrier Reef schwelgen. Dafür bekomme ich zwar keine 80.000 Euro in sechs Monaten, ziehe aber auch nicht den Neid ganzer Nationen auf mich. Und wenn ich dann zum Beispiel „Wunder der Tiefe“ durchblättere, nun ja, dann frage ich mich schon, ob ich tatsächlich der geeignete Kandidat dafür wäre, ganz alleine in solche Tiefen vorzudringen... Ich glaube, ich bewundere die Schönheit der Meere doch lieber vom sicheren Landboden aus.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
31.01.2009, 08.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Great Barrier Reef, Riff-Ranger, Wunder der Tiefe ,
Nachbarn, die keine Bücher lesen
Ich habe neue Nachbarn bekommen. Ich lud die zwei neuen Mieter gleich zu einem Kennenlernkaffee in meine Wohnung. Das Gespräch war sehr nett, weshalb ich kurze Zeit später gern die Gegeneinladung in die Nachbarwohnung annahm. Mittlerweile wohnte das noch relativ junge Pärchen schon einige Monate da und kannte mich als Nachbarn bereits. Allerdings mehr als mir lieb war. So begrüßte man mich mit „Schön, dass du uns besuchst. Wir dachten schon, du wärst ein Einsiedlerkrebs, so selten wie du Besuch bekommst.“
Huch! Was war das denn? Wurde ich da etwa überwacht? Es schien so, denn im weiteren Gespräch erfuhr ich, was meine geschätzten Nachbarn noch so von mir wussten: „Deine Erkältung vor ein paar Wochen hat sich ja ganz schön hingezogen. Wir konnten dich wochenlang husten hören.“ „Du hast einen komischen Musikgeschmack. Black und RnB hörst du gar nicht, oder?“ und als Krönung: „Du gehst gar nicht mehr weg, stimmt´s? Für das Nachtleben bist du wohl schon etwas zu alt.“
Die beiden gaben sich ganz einer Fähigkeit hin, um die ich sie als eher schweigsamer Mensch beneide. Sie sprachen ununterbrochen und meist sogar gleichzeitig. Dabei erfuhr ich schon nach kurzer Zeit, dass die Friseuse und der Arbeitslose gern den Feierabend mit Wodka, Red Bull und ein paar Joints ausklingen lassen. Auch von seiner Zeit im Knast, seinen sexuellen Abenteuern, dem gemeinsamen Besuch einiger Rave-Partys nebst unverzichtbarem Tablettengebrauch und diversen weiteren Vorlieben erfuhr ich, ohne mich im Geringsten wehren zu können. Die beiden überschütteten mich mit Details aus ihrem Privatleben, die ich aus reiner Höflichkeit ertrug.
Doch es kam noch schlimmer. Auch die Mitbewohner des Hauses wurden thematisiert. Ich erfuhr, dass die freundliche Dame im Parterre zunehmend dement werde, dass der muskulöse Herr im 1. Stock gern Stringtangas im Leopardenlook trüge, und dass der Sohn der Dame im 2. Stock verunglückt sei.
Das Pärchen, das ich bislang als jung und eher aufgeschlossen empfunden hatte, wetterte zum Schluss mit steigender Aggression gegen ausländische Mitbewohner, die „Türken im Viertel“ und „all das faule Gesocks“. Auch die „Studierten“ bekamen ihr Fett weg. „Die ganzen Typen, die sich für was Besseres halten, nur weil sie ständig Bücher lesen, gehören doch auch alle weg.“
Ich war so perplex, dass mir die Worte fehlten. Ziemlich schnell verabschiedete ich mich und ging in meine Wohnung zurück. Was soll man tun, wenn man solche Nachbarn hat? Ausziehen? Ich habe mir vorgenommen, diese Begegnung als Warnung zu sehen vor dem, was geschieht, wenn Menschen keine Bücher mehr lesen.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
30.01.2009, 18.00 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Nachbarschaft, Bücher lesen, Kennenlernen,
Die schönste Liebesgeschichte der Welt
In der früheren DDR gehörte es zur Schulliteratur, auch in Frankreich kommt es einem Dauer-Bestseller gleich: das Buch "Dshamilja" von Tschingis Torekulowitsch Aitmatow ist nur hierzulande nicht allzu bekannt. „Dshamilja“ ist das erste und das mit Abstand verbreitetste Werk des kirgisischen Autors, der am 12. Dezember 1928 in Scheker im Talas-Talm geboren wurde und erst letztes Jahr am 10. Juni 2008 in Nürnberg starb.
I
ch selbst habe den Roman erst kürzlich gelesen: Liebesgeschichten sind normalerweise nicht so ganz nach meinem Geschmack, selbst, wenn sie Weltklasse haben. Aber meine Frau legte mir „Dshamilja“ so ans Herz, dass ich das Büchlein schlussendlich doch zur Hand nahm. Und in einem Rutsch durchlas.
Jede Zeile ist reinste Poesie. Und ich weiß nicht wieso meine Assoziationen einen solch unverständlichen Weg gehen, aber diese Erzählung erinnert mich an die Gedichte von John Donne.
“No man is an island, entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main. If a clod be washed away by the sea, Europe is the less, as well as if a promontory were, as well as if a manor of thy friend's or of thine own were. Any man's death diminishes me because I am involved in mankind; and therefore never send to know for whom the bell tolls; it tolls for thee.”
„Niemand ist eine Insel, in sich selbst vollständig; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinentes, ein Teil des Festlands. Wenn ein Lehmkloß in das Meer fortgespült wird, so ist Europa weniger, gerade so als ob es ein Vorgebirge wäre, als ob es das Landgut deines Freundes wäre oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn mich betrifft die Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; es gilt dir selbst.“
Das ist eines der bekanntesten Zitate des englischen Dichters, der bereits anno 1631 starb. Zum Sonderpreis von nur EUR 2.95 bieten wir Ihnen „Hier lieg ich von der Lieb erschlagen“, eine zweisprachige (englisch-deutsche) Sammlung seiner schönsten Gedichte.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
29.01.2009, 10.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Dshamilja, Tschingis Torekulowitsch Aitmatow, John Donne ,
Umkehren!
Wenn ich noch einmal das Wort Krise höre, bekomme ich Sie! Ehrlich gesagt bin ich das tägliche Rezessions-Gebrüll der Medien mehr als Leid. Jeden Tag erschlagen Zeitungen, Nachrichten und so genannte „Krisenticker“ uns alle mit neuen Horrormeldungen. „Banken brechen ein“, „Rezession trifft deutsche Unternehmen mit voller Wucht“, „Absatzeinbruch“, „Schlimmste Wirtschafts- krise der Nachkriegszeit“ – ich kann es nicht mehr hören! Von allen Seiten erreicht uns die Botschaft: „Habt Angst! Es wird schrecklich! Es wird verheerend! Wir werden alle untergehen!“
Wie Balsam legte sich da ein Interview mit Peter Sloterdijk auf meine krisengebeutelten Nerven, das ich kürzlich in der Süddeutschen las. Darin stellte er nüchtern fest, dass es in Deutschland keine „Krise“ gäbe. Denn das Wort Krisis stamme aus der Medizin und bezeichnete den Zustand eines Organismus zwischen Tod und Genesung. Die deutsche Wirtschaft steht keineswegs vor der Auslöschung. Vielmehr sei es endlich Zeit, umzudenken und sich auf echte Arbeit und Werte zu besinnen.
Angesichts maßloser Börsenspekulanten und Gewinnerwartungen, die in keinem Maß zur Leistung stehen, erklärte er Harry Potter als den eigentlichen Helden dieser Epoche. Die Potter-Romane „überredeten eine ganze Generation, den Zauberer in sich zu entdecken. Das englische Wort Potter bedeutet übrigens ‚Töpfer‘, einen Handwerker, der Hohlkörper verfertigt. Nur Verlierer glauben heute noch an die Arbeit, die Übrigen betreiben magische Töpferei und lassen ihre strukturierten Produkte fliegen.“
Anders als die Marktschreier der Krise sieht der Philosoph den Ausweg aus dem Dilemma nicht im Untergang, sondern in der Umkehr: Entsprechend heißt sein neuestes Buch „Du musst dein Leben ändern“.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
28.01.2009, 08.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Harry Potter, Rezession, Sloterdijk, Krisengerede,
ALK
Haben Sie es gelesen? Mit mehr als 5 Promille ist am Wochenende ein 33-jähriger Mann aufgegriffen worden – und er hat es überlebt. Obwohl nach medizinischen Einschätzungen ein Alkohol-Pegel von 4 Promille bereits tödlich sein kann. Jener Mann hatte 5,18 Promille im Blut – um kurz nach 4 nachmittags.
Immer wieder hört man von solchen „rekordverdächtigen“ Zahlen: 5,52 Promille soll mal ein Radfahrer gehabt haben, ein LKW-Fahrer wurde angeblich sogar mit über 7,5 % angehalten. Das heißt, dass diese Menschen trotz der bereits „letalen Dosis“ sogar noch in irgendeiner Weise bewegungsfähig waren – sie konnten ja Radeln bzw. Fahren …
Ich habe keine Ahnung, wie viel ein Mensch trinken muss, um derart unglaubliche Promillewerte zu erreichen. Und, ganz ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, ob ich das wissen muss. Denn ich selbst werde nie, niemals so viel Alkohol auf einmal trinken. Wozu denn auch?
Dennoch interessiert mich das Thema „Alkohol“ aus medizinischer Sicht – und so bin ich auch über das „fast medizinische Sachbuch“ mit dem Titel „Alk“ von Simon Borowiak gestolpert: Der Autor hatte selbst gerade eine Entwöhnungstherapie hinter sich, als er es verfasste. Hier beschreibt er wichtige physiologische Hintergründe, die Biologie des Alkoholismus, die Methodik der Entziehung und viele andere spannende Fakten.
Und für alle, die sich ihr Gläschen Wein oder Bier dennoch nicht nehmen lassen wollen, findet sich unter
http://www.onmeda.de
ein aussagekräftiger Promillerechner.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
27.01.2009, 18.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher | Tags: Alkohol, Promille, Alkohol-Pegel,



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