Jokers Blog Deutschland

Füße hoch und genießen!

Das Auge liest mit – also ich jedenfalls freue mich immer, wenn ein Buch ein besonders schönes Cover hat. Wenn der Inhalt dann auch noch richtig gut ist, handelt es sich um einen Glücksfall und löst bei mir sofort den Kauf- und Leseimpuls aus.

Annie ProulxUm einen solchen Glücksfall handelt es sich zweifellos bei „Hinterland“ von Annie Proulx. Auf dem Cover zwei riesige Kuhköpfe, im Innern herrliche Geschichten aus Wyoming, einem amerikanischen Bundesstaat, den man so gar nicht mit der Coolness New Yorks oder dem ausgeflippten Hippietum San Franciscos verbinden mag. Wyoming klingt nämlich ganz stark nach Kaff, Hinterwäldlertum und sehr, sehr viel Gegend. (Nur mal so am Rande: Wyoming ist so groß wie Rumänien, hat aber nur so viele Einwohner wie Hannover – noch Fragen?)

In dieser ländlichen Einsamkeit lebt die Autorin Annie Proulx seit einigen Jahren selbst. Man darf also annehmen, dass sie genau weiß, wie es dort zugeht, unter all den Farmern, Cowboys, Kühen und Lebenskünstlern. Und sie kann so lakonisch, schnörkellos und wunderbar komisch davon erzählen, dass die elf Geschichten sich weglesen wie nichts. Es lohnt sich, das spleenige Personal dieses ganz speziellen „Hinterlands“ kennenzulernen, etwa den Wildhüter, der einen Wilderer stellt, der vor seinen Augen buchstäblich im Höllenschlund versinkt. Oder das Ehepaar, das plötzlich in der Einöde feststellt, dass es gar nicht zusammenpasst.

Die Pulitzerpreisträgerin ist Spezialistin für interessante Gestalten – denken Sie an „Schiffsmeldungen“, ihren ersten Welterfolg, oder an „Brokeback Mountain“, das 2005 mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal verfilmt wurde und viele Auszeichnungen erhielt. Ich empfehle Ihnen also: Setzen Sie sich in den imaginären Schaukelstuhl auf Ihrer Veranda, blicken Sie in die endlose Weite, legen Sie die Cowboystiefel hoch, freuen Sie sich über Ihr preiswertes Jokers-Schnäppchen und genießen Sie „Hinterland“!


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

05.02.2010, 08.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Annie Proulx, Wyoming, Hinterland,

Ein Gedicht zum Auswendiglernen

Erich KästnerAm 23. Februar diesen Jahres würde Erich Kästner 111 Jahre alt: Wenn diese Schnapszahl nicht ein besonderer Geburtstag ist! In Dresden geboren, studierte der weltbekannte deutsche Autor nach dem Ersten Weltkrieg Germanistik, Geschichte und Philosophie. Im Jahre 1925 promovierte er in Philosophie, 1927 übersiedelte er nach Berlin.

Auch als Theaterkritiker und als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen war Kästner tätig. Doch seinen Ruhm erlangte er sicherlich mit seinen in mehr als einhundert Sprachen übersetzten Kinderbüchern. Doch er war auch ein Schriftsteller für „große“ Leser: Viele seiner Romane wurden auch verfilmt. Drei Männer im Schnee, Der kleine Grenzverkehr, Notabene, Die Schule der Diktatoren, Kurz und bündig, Die kleine Freiheit, Die verschwundene Miniatur, Fabian, Gesang zwischen den Stühlen, Ein Mann gibt Auskunft, Lärm im Spiegel, Herz auf Taille hießen die Verfilmungen.

Die „Lyrische Hausapotheke“ ist einer meiner Lieblingsgedichtbände von Kästner: Wir bieten sie Ihnen jetzt als besonderen Hörgenuss auf CD an. Hier ein kleiner Vorgeschmack auf die Verse des einzigartigen deutschen Autors:

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen, sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken. –
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.



(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

03.02.2010, 15.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: andere Medien | Tags: Erich Kästner, Sachliche Romanze, Lyrische Hausapotheke,

Eine Wiederentdeckung

Als Avantgardistin der modernen amerikanischen Literatur galt sie: Gertrude Stein, die die Dinge immer ein wenig anders betrachtete als ihr Umfeld, ist für mich eine der größten US-Autorinnen überhaupt. Das, was Menschen von Tieren unterscheide, sei nur das Geld, stellte sie einmal in einem ihrer Prosatexte fest. Sie hatte den hohen Anspruch, „Stücke wie Landschaften“ zu schreiben. Am 3. Februar 1874 in Allegheny, heute Pittsburgh, Pennsylvania, wurde sie geboren. Sie starb am 27. Juli 1946 in Paris. Dort war es auch, wo sie ihren berühmten Salon unterhielt.

Sie war Sprössling einer deutsch-jüdischen Familie. Ab 1902 lebte sie in Paris. Steins Salon wurde zum Treffpunkt von Malern der Moderne (Matisse, Picasso) und US-Schriftstellern (John Dos Passos, Ernest Hemingway). Gertrude Stein übte mit ihren sprachlich gewagten Experimenten (Klangspiele, keine Interpunktion etc.) einen bedeutenden Einfluss auf ihre Kollegen aus.

Gertrude SteinIhr Leben war mehr als ungewöhnlich: In Cambridge studierte sie Biologie und Philosophie am Radcliffe College, dem Harvard-Ableger für Frauen. Als Hörerin des Psychologen und Philosophen William James beeindruckte dessen Begriff Bewusstseinsstrom (stream of consciousness) die gelehrige Studentin sehr. Ab 1897 nahm Gertrude Stein deshalb ein Studium der Psychologie und Medizin an der Johns Hopkins Medical School in Baltimore auf und bezog mit ihrem Bruder Leo eine gemeinsame Wohnung. Baltimore sollte ihr Leben grundlegend beeinflussen. Denn dort begann sie in einem Kreis von Gleichgesinnten die ästhetischen und moralischen Regeln des puritanischen Bürgertums zu hinterfragen und schließlich abzulehnen.

Die Jahre in Baltimore waren ebenso von ihrer langen Beziehung zu einer Kommilitonin geprägt: Gertrude Stein hatte ein Verhältnis mit May Bookstaver. Mary war diejenige, die Gertrude zu dem kurzen Roman Q. E. D. (Quod Erat Demonstrandum), 1903 verfasst, inspirierte. Posthum wurde er im Jahr 1950 unter dem Titel The Things as They Are veröffentlicht. Literaturkritiker betrachten den Roman, thematisch eine Dreierbeziehung, als Autobiografie.

Zu ihrem Geburtstag haben wir z. B. „Porträts und Stücke“ von Gertrude Stein im Angebot: Viele Werke der großartigen Literatin sind hier zusammengefasst.

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

03.02.2010, 08.30 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Gertrude Stein, Avantgardistin, Literatin,

Die Welt der verbrannten Bücher

Das Buch der verbrannten BücherErich Kästner gehört zu den deutschen Kinderbuch-Autoren, die in der ganzen Welt bis heute am meisten gelesen werden. Seine bekanntesten Werke “Emil und die Detektive”, “Pünktchen und Anton” und “Das doppelte Lottchen” wurden in über 100 Sprachen übersetzt und teilweise mehrfach verfilmt.

Doch seine bezaubernden Kinderbücher, die auch noch Erwachsene verzücken, waren nicht immer so beliebt, wie sie heute sind: In der Nazizeit hatte der deutsche Literat nicht nur Publikationsverbot, seine Bücher wurden sogar verbrannt. Es lag sicher auch an seinen Antikriegs-Gedichten, die trefflich die kalte Sinnlosigkeit von Waffengewalt beschreiben. Das folgende Gedicht sollte man kennen:




Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn






Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?

Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.

Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!

Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!

Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.

Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein.
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.

Selbst Geist und Güte gibt's dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.

Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!

Unser heutiges Angebot „Das Buch der verbrannten Bücher“ sollte in ihrem Regal nicht fehlen: Es bewahrt Dutzende von Texten, die einst dem Flammentod zum Opfer fielen. Volker Weidermann hat diese einmaligen Schriftstücke, die gleichsam ein Porträt ihrer Zeit sind, gesammelt. Klassiker finden sich hier neben wieder zu entdeckenden Schätzen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

01.02.2010, 08.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Bücherverbrennung, verfemte Autoren, Erich Kästner,

Wendy:
Hallo, vielen Dank für den Buchtipp! Das Buch
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Near-Dark.de:
Obwohl Polit-Thriller nicht so ganz mein Genr
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flo filmproduktion:
großartiger film! unbedingt ansehen! politthr
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Schüssler Salze abnehmen:
Toll, das ist endlich mal ein gut geschrieben
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E.Rasmus:
Ach ja, "die Rettung der Welt". Oder ist es n
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