
Campinos Tante
Die Straßenbahn – ein steter quell für Klatsch und Tratsch, Philosophisches und Banales, Wahres und Falsches. Hier kann man alles Mögliche auf- schnappen. Wie ich neulich: „Wusstest du, dass Elke Heidenreich die Tante von Campino ist?“, fragte hinter mir ein Mädchen seinen Begleiter. Der war genauso erstaunt wie ich. „Doch, doch! Das haben die schon mehrfach öffentlich bestätigt“, legte das Mädchen nach. Die „Literaturpäpstin“, wie sie von den Medien genannt wird, und der Sänger der Punkband „Die toten Hosen“? Natürlich musste ich das überprüfen.Das Ganze stellte sich als „Scherzchen“ heraus, das Heidenreich und Campino, die gut befreundet sind, gern machen, um die Öffentlichkeit zu irritieren. Es ist ihnen prima gelungen, zumindest bei mir. Immerhin hatte ich mich bereits dabei ertappt, dass ich nach Ähnlichkeiten zwischen den beiden gesucht hatte. Die Nase vielleicht? Nein. Die Art zu sprechen? Naja, Campino grölt seine Lieder gern, aber Elke Heidenreich spricht eher normal. Auch aus den Texten der beiden konnte ich keine „Verwandtschaft“ destillieren.
Am ehesten könnte man zwischen den beiden noch Parallelen in der Lebensführung finden. Beide sind unkonventionell und sich zeitlebens treu geblieben. Allerdings muss ich sagen, für einen Rocksänger scheint mir das nicht ganz so schwer zu sein denn für eine Literaturkritikerin. Ich habe meine Speku- lationen wieder aufgegeben: Weniger verwandt können zwei Menschen wohl nicht sein. Aber vielleicht streue ich das nächste Mal dieses Gerücht und warte ab, auf welche Ähnlichkeiten die anderen kommen ... 17.12.2006, 08.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges
Die Weihnachts-Gurke
Sei kein Schurke, zeig mir erst die Gurke. Wer die Gurke sieht, und zwar die Weihnachts-Gurke, der darf zuerst sein Geschenk auspacken. So ist die Spiel- regel. Erfunden von geplagten Eltern, die es nicht leiden können, wenn alle Kinder gleichzeitig ihre Geschenke unterm Christbaum auszupacken begannen. Das gibt immer ein Remmidemmi der Son- derklasse, wenn die Verpackung mit Werkzeugen oder Händen demoliert wird. Jede und jeder will möglichst schnell an sein Weihnachts-Geschenk rankommen.Aber gerade heutzutage ist die Ver- packung oft der wichtigste Bestandteil des Geschenkes. Geschenke können in Plastik eingeschweißt sein, Geschenke können in einem dicken Karton sein, bei dem nicht erkennbar ist, wo sich der Deckel befindet. Damit dieser Höllenkrach zeitlich verteilt und somit erträglicher wird, hängen manche Eltern eine oder mehrere grüne Weihnachts- Gurken in den grünen Christbaum. Etwas getarnt eben. Weil: Wer eine Weihnachts-Gurke, die aus Glas geblasen ist, zuerst entdeckt, darf sein Geschenk als erster auspacken. Dann erst kommt der nächste Gurken-Finder dran.
Schöner Brauch, finde ich. Nur ein Problem habe ich damit. Auf meinem Christkindlesmarkt habe ich keine einzige Weihnachts-Gurke gefunden. Was tun? Soll ich mir im Supermarkt ein Glas Essig-Gurken besorgen und die in den Christbaum hängen? Keine gute Idee. Die tropfen den Teppich voll und somit sind sie sehr leicht zu entdecken. Oder gleich das ganze Glas mit Essiggurken hinhängen? Dazu müsste ich mir einen sehr stabilen Weihnachtsbaum besorgen. Der kostet aber einiges mehr. Ich werde mir erst mal eine Essig-Gurke aus dem Glas schnappen, hinein beißen und mir dabei überlegen, wo dieses Weihnachts- Gurken-Ritual eigentlich herkommt.
Manche behaupten, es werde in den Vereinigten Staaten gepflegt. Andere sagen, der Weihnachts-Gurken-Mythos stammt aus Thüringen, wo einst ein Nikolaus einen Jungen aus dem Gurkenfass rettete.
Der Chef eines Tannenbaum-Anhänger-Fachversands meint: "Wir wissen nicht, ob diese Gurken-Geschichte wahr ist. Doch selbst wenn nicht - es bleibt eine schöne Geschichte." Recht hat er.
17.12.2006, 07.59 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Bücher
Mensch und Wal
Als im 16. Jahrhundert die ersten Wale an der niederländischen Küste stran- deten, wurden diese Meerestiere für die Menschen erst Wahrheit und Realität. Auch durch die Darstellung mit Holz- schnitten, Kupferstichen und Zeichnun- gen. Die Basken sollen die ersten Euro- päer gewesen sein, die Wale jagten. Schon im 19. Jahrhundert war der leicht zu jagende Grönlandwal aus der europäischen Arktis verschwunden.Ein großer Anhänger der Wal-Fängerei und -Schlachterei war auch Kaiser Wilhelm II. Besonders, nachdem er 1892 eine dreizehnein- halbstündige Hatz auf einen Wal miterleben durfte. Die bekannteste literarische Waljagd ist die nach dem legendären weißen Wal namens Moby Dick. Geschrieben von Herman Melville.
Sehr anschaulich wird die Geschichte des Walfangs bei der Oldenburger Ausstellung mit einer Wal-Verarbeitungsstation dargestellt. Diese stammt von der Küste Spitzbergens.
Für die schnelleren Wale erfand der Norweger Svend Foyn eine Harpune, die ausgerechnet am Heiligabend patentiert wurde. Foyn in seinem Tagebuch, das auch in der Ausstellung gezeigt wird: "Ich danke Dir, mein Gott! Es ist einzig und allein Dein Werk." Wir sehen das heute etwas anders. Inzwischen ist der Wal für uns ein schützenswertes Wesen geworden, das vom Aussterben bedroht ist. Wir brauchen die Produkte, die aus dem großen Meerestier hergestellt werden, nicht mehr.
In manchem CD-Player drehen sich heutzutage sogar Scheiben, auf der die sensiblen Wal-Stimmen als eine Art seltsam faszinierender Gesang zu hören sind.
P.S.: Das Zitat im Titel der Wal-Ausstellung vom „großen, fetten Walen“ stammt aus einem Walfänger-Lied.
P.P.S.: Die Ausstellung in der Landsbibliothek Oldenburg dauert bis zum 27. Januar 2007
Meville bei Jokers
16.12.2006, 15.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges
Ringelnatz
Ich klicke ein wenig im Internet herum, schlage einige Bücher auf, doch es gelingt mir nicht, mich auf die Texte zu konzentrieren. Der Tee wird kalt, wütend stehe ich schließlich auf, schlendere betont gelassen zum CD-Regal und beginne, darin herumzuwühlen. Ich suche nichts Bestimmtes, ziehe nach dem Zufallsprinzip Disc um Disc heraus, werfe einen Blick aufs Cover, stelle sie zurück. Bis meine Augen an einem Hörbuch, das sich zwischen den Musik-CDs versteckt hatte, hängen bleiben: "Ich hatte leider Zeit", steht da drauf, 55 Gedichte von Joachim Ringelnatz. Ha, denke ich, da wollen wir doch mal sehen! Ich schiebe die CD in den Player, mache es mir im Sessel gemütlich und lausche - und habe schließlich einen der gemütlichsten Sonntagabende des vergangenen Jahres.16.12.2006, 08.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren
Das Wort zum Jahr
Jetzt ist es heraus: „Fanmeile“ ist das Wort des Jahres. Wie jeden Dezember, so kürte die Gesell- schaft für deutschen Sprache (GfdS) auch diesmal wieder jenes Wort, das die Stimmung des Jahres in Deutschland am besten charakterisiert. „Fanmeile“ erfasse laut Jury das „ganz besondere Lebensgefühl“, das während der WM in Deutschland geherrscht hatte. Und die WM war ja DAS Großereignis des Jahres…
Den zweiten Platz hat „Generation Praktikum“ erreicht. Dieses Wort be- zeichne laut GfdS „ein anderes, für viele weniger positives Lebensgefühl der jüngeren Generation, die vermehrt unbezahlten oder minder be- zahlten Tätigkeiten in ungesicherten beruflichen Verhältnissen nach- gehen muss.“
Platz drei nimmt der „Karikaturenstreit“ ein, der die Meinungs- verschiedenheiten um die in Zeitungen abgedruckten Karikaturen des Propheten Mohammed bezeichnet. Auf Platz vier brachte es der „Rechtschreibfrieden“. Ihm sei das vorläufige Ende der heftigen Debatten um die neue deutsche Orthografie zu verdanken.
Zu den Wörtern des Jahres 2006 zählen ferner „Prekariat“ (als „kritisch zu sehende Benennungsalternative für „Unterschicht““), „Bezahlstudium“, „Problembär“ (man erinnere sich an Bruno, dessen Freiheitsliebe sowohl für den Braunbär als auch für diverse Kleintiere tragisch endete), „Poloniumspuren“, „Klinsmänner“ und auf Platz 10 „schwarz-rot-geil!“ (womit sich die Grundstimmung der Bevölkerung in Deutschland während der WM abrunde).
Seit 1972 wählt die GfdS jährlich einen sprachlichen Jahresrückblick. Im vergangenen Jahr waren es unter anderem „Bundeskanzlerin“, „Wir sind Papst“ und „Tsunami“.
16.12.2006, 07.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern
Echt kafkaesk…
„Aber was genau macht Kafka aus?“, war meine nächste Frage. Um ehrlich zu sein, ist es schon ein Weilchen her, seit ich zuletzt etwas von ihm gelesen habe – natürlich den „Prozess“. So erkundigte ich mich ein über Franz Kafka. Ich erfuhr, dass er die Erzählung „Das Urteil“ quasi in einem Akt lite- rarischer Schöpfung in nur acht Stunden niedergeschrieben hat. Dunkel erin- nerte ich mich auch noch an das bedrückende Gefühl, das mich damals bei der Lektüre des „Prozesses“ be- schlichen hatte. Die Recherchen veri- fizierten: Das albtraumhafte Gefühl, dunklen Mächten ausgeliefert zu sein – eben das „Kafkaeske“ – ist charak- teristisch für Kafkas Werk.Mit Frauen soll er auch kein sonderlich glückliches Händchen gehabt haben. Seine große Liebe fand er erst mit 37, vier Jahre vor seinem Tod (er starb an Tuberkulose). Inwieweit da ein Zusammenhang besteht, kann ich nicht sagen.
Eine Anekdote am Rande fand ich bemerkenswert: Wenige Wochen vor seinem Tod soll Franz Kafka ein kleines Mädchen getroffen haben. Es war traurig, weil es seine Puppe verloren hatte. Kafka, so heißt es, schrieb ihr in den folgenden Wochen täglich einen Brief, der angeblich von der Puppe stammte. Diese berichtete, dass sie gerade auf Reisen sei, das kleine Mädchen ihr aber schrecklich fehle. Jeden Tag bekam das Mädchen einen neuen Brief. Die Puppe ging zur Schule, sie verliebte sich und heiratete. Der Briefkontakt dauerte so lange, bis das Kind gar nicht mehr traurig war über den Verlust der Puppe.
Ich frage mich, was für ein Mensch man sein muss, um eine so liebenswerte Tat zu vollbringen. Franz Kafka muss ein außer- gewöhnlicher Mensch gewesen sein.
15.12.2006, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren
Regentag Dunkelbunt
Der am 15.12.1928 in Wien geborene Künstler hatte ein ausgeprägtes Faible für eigenwillige Eigenkreationen - was sich eben nicht nur in seinen wunder- baren Werken, sondern auch in seiner Namenswahl bemerkbar machte: Seine weiteren selbst gewählten Vornamen "Regentag Dunkelbunt" verblüffen durch eine phantastische Extravaganz.Als Aktionskünstler galt er, unter anderem von Schiele inspiriert, und ins- besondere das Hundertwasserhaus in Wien erreichte internationale Bekannt- heit.
In meinen Augen verströmte das leider 2000 verstorbene Genie etwas Abenteuerliches: Allein der Anblick des vollbärtigen Mannsbilds mit der markanten Nase erinnert an einen edlen Piraten vom alten Schlag - an jemanden, der für das Gute kämpft, einen Robin Hood der Meere oder eben einen Hundertwasser der Umweltpolitik. In seinen letzten Jahren trat der Künstler nämlich als vehementer Umweltaktivist auf. Ob es ihm tatsächlich gelang, unser Ökosystem zu schützen, kann ich nicht beurteilen - sicher ist jedoch, dass Friedrich Stowasser für mehrere Generationen zum Leitbild für kreative Genialität und umweltbewusstes Denken avancierte.
Happy birthday an diesem dunkelbunten Regentag, Friedensreich Hundertwasser!
15.12.2006, 08.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft
Ein Winternachtstraum
Nur noch ein paar Tage, dann ist sie wieder da, die längste Nacht des Jahres. Dann hat auch diese dunkle Jahreszeit endlich wieder ihren Zenit überschritten.
Wie immer im Winter kann ich mir gar nicht vorstellen, wie es ist, barfuß im warmen Gras zu laufen und von Märchengestalten oder verzauberten Wäldern zu träumen. Wenn ich gerade die Heizung aufgedreht habe und mir mit dem x-ten heißen Tee die klammen Hände wärme.
Vielleicht war es deshalb gut, mir ausgerechnet im Winter den „Sommernachtstraum“ anzuschauen. Mir ein bisschen sommerliche Leichtigkeit in Erinnerung zu rufen. Ein bisschen daran zu denken, nicht immer alles schwer zu nehmen.
In den Worten des Elfen Puck:
“If we shadows have offended,
think but this, and all is mended,
that you have but slumbered here,
while these visions did appear,
and this weak and idle theme,
no more yielding but a dream.
Gentles - do not reprehend,
if you pardon, we will mend.
And, as I am an honest Puck,
if we have unearned luck.
Now to scape the serpents tongue.
We will make amends ere long;
else the Puck a liar call.
So - goodnight unto you all.
Give me your hands if we be friends.
And Robin shall restore amends.”
Mehr von Shakespeare
14.12.2006, 14.19 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Autoren
Bond ist doof
Ich erinnere mich noch ganz genau, wie erstaunt ich einst als kleiner Junge war, als ich in den Büchern, die meine Mutter zum Flohmarkt bringen wollte, „Der Spion, der mich liebte“ von Ian Fleming fand. James Bond kannte ich schon damals nur aus dem Fernsehen. Dass dieser aber ursprünglich eine Romanfigur gewesen ist, war mir unvorstellbar. Doch tatsächlich. Ich staunte sogar, wie genau sich der Regisseur des gleichnamigen Bond-Films an Flemings Original gehalten hatte.
Mit „Casino Royal“ wird ja der allererste Roman Flemings aus dem Jahr 1953 verfilmt. James Bond von Anfang an quasi. Und doch werden auch hier nicht allzu viele persönliche Details von Bond geklärt. Zum Glück entdeckte ich zufällig, als ich in meiner Lieblingsbibliothek stöberte, ein anderes Werk: „James Bond: The Authorized Biography“ von John Pearson. Es lüftet den Schleier um die Herkunft Bonds und beinhaltet auch sonst alles, was ein James-Bond-Fan wissen muss.
Zum Beispiel: James Bond wurde am 11. November 1920 im Nordrhein-Westfälischen Wattenscheid geboren. Seine Mutter war eine Schweizer Bergsteigerin, sein Vater ein schottischer Ingenieur. Beide Elternteile kamen bei einem Skiunfall ums Leben, als Bond gerade mal 11 Jahre alt war. Am interessantesten finde ich den Umstand, dass James Bond ausgerechnet in Wattenscheid geboren wurde. Was verschlägt eine Schweizer Bergsteigerin und einen schottischen Ingenieur ausgerechnet in diese Stadt?
Der Frage bin ich aber nicht weiter nachgegangen. Ich entdeckte nämlich in eben derselben Bibliothek das neueste Werk von Paul Auster, „Die Brooklyn Revue“. Bond hin, Bond her. Das fand ich dann doch interessanter…
14.12.2006, 08.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern
Was für eine Frau!
So legte sie großen Wert auf geistige und persönliche Freiheit und lebte sowohl im Berufsleben, als auch privat entgegen der damaligen Konventionen. Sie war zum Beispiel die erste Frau, die Philosophie- Vorlesungen an der Universität Jena besuchte (und zwar bei Johann Gottlieb Fichte). Sie schrieb verschiedene Erzähl- ungen, Essays, Gedichte und die zwei Romane „Das Blütenalter der Empfin- dung“ und „Amanda und Eduard“. Ferner gab sie mehrere Almanache und die Zeitschrift Kalathiskos heraus. Ihre größ- ten Erfolge feierte sie mit ihren Natur- und Landschaftsgedichten, die mehrfach ver- tont wurden, unter anderem von Ludwig van Beethoven oder Johann Friedrich Reichardt. Ihr Mentor war übrigens Friedrich Schiller.Auch privat ging sie ihren Weg. Sie ließ sich 1801 als erste Frau im Herzogtum Sachsen-Anhalt von ihrem ersten Mann, Friedrich Ernst Karl Mereau, scheiden. Man sagt ihr nach, sie hätte ihre Freiheitsliebe auch in Bezug auf Männer ausgelebt, und, wenngleich verheiratet, unzählige Liebhaber gehabt. Zwei Jahre nach ihrer Scheidung wurde sie die Frau von Clemens Brentano. Die Ehe mit dem großen Dichter brachte schließlich die Wende. In nur drei Ehejahren wurde die begabte Schriftstellerin viermal schwanger, verlor aber jedes einzelne Kind. Sie selbst kam nicht mehr zum Schreiben. Im Kindbett des vierten Kindes starb sie schließlich. Leider viel zu früh.
13.12.2006, 09.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft
Rudolph
"Was soll ich nur mit der roten Nase", fragte ich die beiden überrascht. "Auf- setzen!", war die klare Antwort. Erklär- end fügten sie hinzu, dass die kleinere der beiden Mädchen, ein süßes, vor- lautes Gör mit Namen Kati, den Nikolaus unweigerlich mit dem Rentier Rudolph in Verbindung brachte. Und eigentlich bestand sie darauf, dass dieses Rentier den Santa Claus begleiten müsste. Nachdem es aber nicht so einfach ist, in unseren Brei- tengraden ein rotnasiges Rentier auf- zutreiben, beschlossen die Eltern kurzerhand, dass eben der Nikolaus eine rote Nase haben müsste - als Rentier-Gruß sozusagen.Das war mir dann doch zu viel. Als ob alle Rentiere rot funkelnde Nasen hätten! Lange dachte ich nach, schlussendlich fiel mir eine andere Geschichte zu Rentieren ein: Eine bezaubernde Story um Blizzard, den jüngsten Rentier-Spross aus dem Stall des Weihnachtsmanns, der mit seinen magischen Fähigkeiten das Herz der 10-jährigen Katie erobert.
In unsrem Jokers-Programm haben wir Blizzards Abenteuer als DVD - klar, dass ich sie mit in den Nikolaussack steckte. Blizzard hat nämlich keine rote Nase, auch wenn er ein ganz wunderbares Rentier ist. Und für die kleine Nachbars-Kati war dieser Film ein viel schönerer Gruß von Rudolph, the red-nosed-Rendeer, als eine aufgesetzte Pappnase in meinem Konterfei je sein könnte...
12.12.2006, 07.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher
Katze am Steuer
Katzen können viel. Türklinken herunterdrücken, Bäume hinauf- laufen, immer auf allen Vieren landen, Erdbeben wittern. Zum Beispiel. Aber dass sie auch lesen oder gar Bücher schreiben können, war mir bis vor kurzem neu.Ich muss voraus schicken: In meinem Bekanntenkreis tummeln sich viele Katzen. Viele Freunde und Bekannte haben eine – manche sogar mehrere. Ich hätte, muss ich gestehen, auch gerne eine, aber meine Frau … Und so kommt es, dass ich immer wieder hingebungsvoll den Katzengeschichten meiner Freunde lausche.
So wusste ich seit geraumer Zeit, dass Matisha, die Siamkatze meiner Freundin Anna-Maria, lesen kann. Nach Aussagen ihres Frauchens tut sie das, indem sie sich auf ein Buch setzt und den Inhalt quasi mit ihrem Hintern „scannt“. Dass sie das Buch gelesen hat, merke man an ihrem intellektuellen und weisen Blick, den sie nach der Lektüre trägt, sagt Anna-Maria.
So weit so gut. Dass es aber auch Stubentiger gibt, die schreiben können, erfuhr ich erst jüngst, als wir an einem geselligen Abend auf das Thema Katzenliteratur kamen. Ganze Romane seien bereits von Katzenpfoten verfasst worden. Zwar nur als „Co-Autoren“, aber immerhin.
Die wohl bekannteste „Hand- langerin“ (im wahrsten Sinne des Wortes) einer Katze ist Rita Mae Brown, erfuhr ich. Zusammen mit ihrer Tiger- katze „Sneaky Pie Brown“ hat sie bereits zwölf Romane geschrieben. Held ihrer Werke ist – wie könnte es anders sein – eine Katze, und zwar „Miss Murphy“. Zu den Werken der beiden Autoren gehören unter anderem die Katzenromane „Schade, dass du nicht tot bist“, „Ruhe in Fetzen“ oder „Die Katze riecht Lunte“. Allein wegen der Titel hätte ich mir in der nächsten Zeit das ein oder andere Werk aus Katzenpfote vorgeknöpft. Aber aus den Erzählungen meiner Freunde weiß ich jetzt auch, dass es in Rita Mae und Sneaky Pie Browns Geschichten richtig zur Sache geht. Lesen oder Schreiben: Damit begnügen sich die Hauptdarsteller nicht. Sie können viel mehr. Sogar Autofahren! Das war mir dann doch zu hoch, und ich fragte mich, ob es wohl bereits einen Roman gibt, in dem Katzen eine wissenschaftliche Abhandlung über die Stringtheorie schreiben… Nichtsdestotrotz kam ich zu dem Entschluss: Sollte ich jemals eine Katze haben, darf sie gerne meine Bücher lesen. Sie darf gerne Romane schreiben, vor allem, wenn sie auch noch Bestseller werden. Aber ans Steuer meines Autos lasse ich sie nicht!
11.12.2006, 09.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges



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