
Wir sollten alle mal bosseln
Neulich war ich in Friesland und konnte dort einen merkwürdigen Win- ter-Brauch erleben. Hier trinken Men- schen ihren wärmenden Punsch und bosseln nebenbei oder umgekehrt. Das ist nicht so genau auszumachen. Bosseln, das ist kein Sport für Boss-Anzugträger oder für höhere Ab- teilungsleiter, um ihre Untergebenen zu schikanieren, sondern ein einfach- er Sport mit Kugeln. Allerdings kein Boccia und kein Boule, sondern eben Bosseln. Hat sich entwickelt aus dem Klootschießen, das fast so kompliziert ist wie das englische Cricket. Bosseln lässt sich auf jeder Seitenstraße spielen, die der Werfer der Kugel allerdings gut kennen muss. Es ist kein eigenes Sportfeld vonnöten. Das ist schon mal ein Riesenvorteil bei diesem Friesen-Sport. Da spielt jedes Schlagloch, jede Kurve, jede Steigung und jede Rille eine Rolle. Regelrechte Wettkämpfe werden ausgetragen. Aber auch Einzelmeisterschaften. Zwei Mann- schaften werfen dabei um den Bossel-Sieg. Und das Schönste an diesen Wettkämpfen ist, dass sie oft von einem Wirtshaus zum nächsten führen. Dazu hat der Werfer 10 Würfe. Eine Feinheit ist dabei: Als geworfen gilt die Kugel nur dann, wenn mindestens fünf Meter weit geworfen wurde und der Ball auf der Straße aufkommt. Die Zuschauer wandern mit den Spielern mit. Auch die Punschlieferanten. So kann man in Friesland eine wärmende Sportart erleben, die ich gerne mal als olympische Sportart erleben würde. Oder ist Punsch auch eine Droge? Droht dann der Ausschluss wegen Doping? 31.12.2006, 08.19 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges
Wie kurz!
Manchmal genieße ich die verregneten Sonntage, die uns dieses Jahr so oft beschert wurden: Ich lade einen Freund ein und zusammen blättern wir in einem Atlas. Nein, wir legen keine konkreten Urlaubspläne fest, wir umgeben uns nicht mit hunderten von Reiseangebo- ten – mehr oder weniger ohne Ziel schlagen wir den Atlas mal auf dieser, mal auf jener Seite auf. Ab und zu stoßen wir zufällig auf die Karte eines Landes, das wir bereits besuchten – dann schwelgen wir in Erinnerungen, erzählen uns gegenseitig unsere Er- lebnisse an jenem fernen oder auch nahen Ort, träumen uns an sonnen- beschienene Strände oder auf hohe Berge.Dieses Mal klingelte mein Freund jedoch mit einer Überraschung an meiner Tür: Er hatte einen Reiseführer der ganz besonderen Art mitgebracht. „1000 places to visit before you die“, stand da in großen Lettern auf dem Cover des dicken Schmökers. Sofort war mein Interesse geweckt: Während draußen der Regen prasselte, saßen wir, ausgerüstet mit eben jenem Werk, Tee und Leuchtstiften am Boden und vertieften uns in die Aufgabe, all jene uns unbekannten Orte nachzuschlagen. Die Städte und Länder, die wir kannten, kennzeichneten wir mit einem dicken grünen Punkt. Doch alles in allem war das keine leichte Aufgabe für zwei Männer, die zwar gerne und viel reisen, die aber sicherlich noch keine tausend verschiedenen Plätze besichtigen konnten. Zusammen kamen wir an die 80 Örtlichkeiten- ach, wie groß ist die Welt, ach, wie kurz ist doch immer der Urlaub!
30.12.2006, 08.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft
Ein kleiner literarischer Rückblick
Ein Jahr geht zu Ende. Für mich ein Grund für einen kleinen literarischen Rückblick. Was hat sich 2007 alles getan? Also, ich persönlich habe es in der Tat geschafft, alle Bücher zu lesen, die ich mir vorgenommen hatte. Von verschiedenen Sachbüchern bis hin zu belletristischen Werken. Und noch ein persönlicher Erfolg: 2006 war sogar das Jahr, in dem ich die Psychologie-Bibel, den „Zimbardo“, gelesen habe – und zwar von vorn bis hinten, Kapitel um Kapitel!
„Das ist ja ganz nett, aber nicht welt- bewegend“, werden Sie jetzt denken. „Warum erzählt der mir das?“ Sie haben Recht. 2006 hat sich in der Tat literarisch viel mehr bewegt. Zum Beispiel wird Deutschlands Aushän- geliterat Günter Grass dieses Jahr ewig in Erinnerung behalten. Unver- gessen wird wohl für alle Literatur- liebhaber bleiben, als er im August zugab, was nicht einmal sein Biograph für möglich gehalten hätte: Grass gestand, in seiner Jugend bei der Waffen-SS gewesen zu sein.
Nur einige Tage später, es mag wohl auch am „Sommerloch“ gelegen haben, bewegte Eva Hermans „Eva-Prinzip“ die Nation. Die Frau, so Herman, verwirklicht sich am besten hinter dem Herd, der Mann verdient die Brötchen. So weit, so rückständig. Das kommt wohl davon, wenn ehemalige Fernsehmoderatorinnen zur Feder greifen...
Daneben kamen aber auch eine Reihe Neuerscheinungen heraus. Nur ein kurzer Auszug: Thomas Sullivan „Der Wasserwolf“, Michael Slade „Kamikaze“, Stephen King „Puls“, Tom Clancy „Der Archimedes-Effekt“, Thomas Harris „Behind the Mask“ - das sind nur einige wenige. Und ich habe gerade mal zwei davon gelesen. Es gibt also wieder viel, viel neuen Stoff - und 2007 hat noch nicht einmal angefangen...
„Das ist ja ganz nett, aber nicht welt- bewegend“, werden Sie jetzt denken. „Warum erzählt der mir das?“ Sie haben Recht. 2006 hat sich in der Tat literarisch viel mehr bewegt. Zum Beispiel wird Deutschlands Aushän- geliterat Günter Grass dieses Jahr ewig in Erinnerung behalten. Unver- gessen wird wohl für alle Literatur- liebhaber bleiben, als er im August zugab, was nicht einmal sein Biograph für möglich gehalten hätte: Grass gestand, in seiner Jugend bei der Waffen-SS gewesen zu sein.Nur einige Tage später, es mag wohl auch am „Sommerloch“ gelegen haben, bewegte Eva Hermans „Eva-Prinzip“ die Nation. Die Frau, so Herman, verwirklicht sich am besten hinter dem Herd, der Mann verdient die Brötchen. So weit, so rückständig. Das kommt wohl davon, wenn ehemalige Fernsehmoderatorinnen zur Feder greifen...
Daneben kamen aber auch eine Reihe Neuerscheinungen heraus. Nur ein kurzer Auszug: Thomas Sullivan „Der Wasserwolf“, Michael Slade „Kamikaze“, Stephen King „Puls“, Tom Clancy „Der Archimedes-Effekt“, Thomas Harris „Behind the Mask“ - das sind nur einige wenige. Und ich habe gerade mal zwei davon gelesen. Es gibt also wieder viel, viel neuen Stoff - und 2007 hat noch nicht einmal angefangen...
29.12.2006, 17.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft
Die Last mit dem Gerümpel
„Der Mist muss raus!“ entfuhr es neulich meiner Frau. Ich war gerade damit beschäftigt, mir einen Überblick über den Inhalt meiner vielen Schreibtischschubladen zu verschaffen. Eigentlich wollte ich nur meinen Taschenrechner finden. Aber dabei kam mir allerlei anderes Zeug in die Quere, das ich, des Überblicks wegen, gleichmäßig auf dem Boden verteilte.
So saß ich zwischen alten Zeitungsausschnitten, Knöpfen, Büro- klammern und Bergen von Kugelschreibern, Radiergummis und Bleistiften. Alles hoch wertvoll, alles voller Erinnerungen und unver- zichtbarer Informationen. Und so räumte ich alles, den Taschenrechner hatte ich nicht gefunden, wieder fein säuberlich haufenweise und vollkommen unsystematisch in die Schubladen zurück.
Als ich am nächsten Tag von der Arbeit nach Hause kam, empfing mich meine Frau mit einem Buch namens „Entrümpeln Sie Ihr Leben“. „Lies das doch bitte einmal!“, war ihr knapper Kommentar. Naja, nun ist mir das Thema „Entrümpeln“ ja nicht gänzlich fremd. Im Kleinen kenne ich mich damit durchaus aus. Die wesentliche Bedeutung blieb mir bisher allerdings anscheinend verborgen. Und so vertiefte ich mich unter den wachsamen Augen meiner Frau nach den Nachrichten in das Buch. Befreiend soll es sein, sich von unnötigem Zeug, das die Vergangenheit repräsentiere, zu trennen. Ein zentnerschwerer Stein rolle einem buchstäblich von der Seele.
Das wollte ich ausprobieren. Ich ging in den Keller. Ins Zentrum alten Zeugs, das seit Jahren ungenutzt vor sich hin „rümpelt“. Und so ging es los: Der alte VHS-Videorecorder inklusive Kassetten: raus! Die Autoreifen meines alten Autos, das ich schon vor 10 Jahren verkauft hatte: raus! Langsam packte es mich. Die Musik-Platten-Sammlung meiner Jugend: raus! Die alten Hosen, in die ich schon seit langem nicht mehr passte: raus! Und so ging es weiter. Vor meinem Haus entstand ein stattlicher Haufen Sperrmüll, in meinem Keller befreiende Leere. Am nächsten Wochenende war ich im Speicher zu Gange. Alte Verkaufsverpackungen: raus! Kleiderbügel und unansehnlich gewordene Möbel: raus!
Der Befreiungsschlag ereilte schließlich unsere ganze Wohnung. Vom Kleiderschrank über das Bücherregal bis hin zur Besteckschublade. Ich habe mich von viel altem Gerümpel befreit und es geht mir erstaunlich gut. Seit langem habe ich zum ersten Mal wieder das Gefühl, freier durchatmen zu können. Meine Frau ist natürlich begeistert. Zum Dank für meine Mühe sollte ich mir in dem Möbelhaus, das jüngst bei uns um die Ecke eröffnete, „etwas Schönes“ aussuchen. Ich lehnte dankend ab!
So saß ich zwischen alten Zeitungsausschnitten, Knöpfen, Büro- klammern und Bergen von Kugelschreibern, Radiergummis und Bleistiften. Alles hoch wertvoll, alles voller Erinnerungen und unver- zichtbarer Informationen. Und so räumte ich alles, den Taschenrechner hatte ich nicht gefunden, wieder fein säuberlich haufenweise und vollkommen unsystematisch in die Schubladen zurück.
Als ich am nächsten Tag von der Arbeit nach Hause kam, empfing mich meine Frau mit einem Buch namens „Entrümpeln Sie Ihr Leben“. „Lies das doch bitte einmal!“, war ihr knapper Kommentar. Naja, nun ist mir das Thema „Entrümpeln“ ja nicht gänzlich fremd. Im Kleinen kenne ich mich damit durchaus aus. Die wesentliche Bedeutung blieb mir bisher allerdings anscheinend verborgen. Und so vertiefte ich mich unter den wachsamen Augen meiner Frau nach den Nachrichten in das Buch. Befreiend soll es sein, sich von unnötigem Zeug, das die Vergangenheit repräsentiere, zu trennen. Ein zentnerschwerer Stein rolle einem buchstäblich von der Seele.
Das wollte ich ausprobieren. Ich ging in den Keller. Ins Zentrum alten Zeugs, das seit Jahren ungenutzt vor sich hin „rümpelt“. Und so ging es los: Der alte VHS-Videorecorder inklusive Kassetten: raus! Die Autoreifen meines alten Autos, das ich schon vor 10 Jahren verkauft hatte: raus! Langsam packte es mich. Die Musik-Platten-Sammlung meiner Jugend: raus! Die alten Hosen, in die ich schon seit langem nicht mehr passte: raus! Und so ging es weiter. Vor meinem Haus entstand ein stattlicher Haufen Sperrmüll, in meinem Keller befreiende Leere. Am nächsten Wochenende war ich im Speicher zu Gange. Alte Verkaufsverpackungen: raus! Kleiderbügel und unansehnlich gewordene Möbel: raus!Der Befreiungsschlag ereilte schließlich unsere ganze Wohnung. Vom Kleiderschrank über das Bücherregal bis hin zur Besteckschublade. Ich habe mich von viel altem Gerümpel befreit und es geht mir erstaunlich gut. Seit langem habe ich zum ersten Mal wieder das Gefühl, freier durchatmen zu können. Meine Frau ist natürlich begeistert. Zum Dank für meine Mühe sollte ich mir in dem Möbelhaus, das jüngst bei uns um die Ecke eröffnete, „etwas Schönes“ aussuchen. Ich lehnte dankend ab!
29.12.2006, 08.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges
Das hört ja gut auf …
Neulich bekam ich eine „Einladung zu unserer Sylvester-Partie“. Natürlich nahm ich gern an, auch wenn es mir die Haare aufstellte. Mein guter Freund, von dem die Einladung stammt, ist als Programmierer eigentlich ein kluger Mann. Und doch ist ihm der Fauxpas unterlaufen, den ich persönlich als „den letzten Orthographie-Fehler des Jahres“ nenne. Würde man seine Einladung nämlich wörtlich nehmen, käme was ganz anderes raus: nämlich eine Partie (Schach vielleicht) mit einer Person namens Sylvester. Dabei kann es sich um Sylvester Stallone genauso handeln oder um den Zeichentrickkater Kater Sylvester.
Sylvester mit Ypsilon, so erfuhr ich neu- lich, hat nämlich gar nichts mit dem 31. Dezember zu tun, wenngleich diese Schreibung weit verbreitet ist. Das kor- rekte Wort „Silvester“ hingegen entstand im Jahre 1582. Bis zu diesem Jahr galt in Europa noch der Gregorianische Kalen- der. Der letzte Tag des Jahres war bis dahin der 24. Dezember. Das Jahr wurde verlängert bis zum Todestag des Papstes Silvester I. Im Liturgischen Kalender gilt dieser Tag auch als Namenstag.
Auf jeden Fall werde ich zur „Sylvester- Partie“ meines Freundes gehen. Immer- hin ist er gut für Überraschungen. Wer weiß, vielleicht hat er ja tatsächlich irgendeinen Sylvester eingeladen, und der hat vielleicht einen Schlitten dabei …
Sylvester mit Ypsilon, so erfuhr ich neu- lich, hat nämlich gar nichts mit dem 31. Dezember zu tun, wenngleich diese Schreibung weit verbreitet ist. Das kor- rekte Wort „Silvester“ hingegen entstand im Jahre 1582. Bis zu diesem Jahr galt in Europa noch der Gregorianische Kalen- der. Der letzte Tag des Jahres war bis dahin der 24. Dezember. Das Jahr wurde verlängert bis zum Todestag des Papstes Silvester I. Im Liturgischen Kalender gilt dieser Tag auch als Namenstag.Auf jeden Fall werde ich zur „Sylvester- Partie“ meines Freundes gehen. Immer- hin ist er gut für Überraschungen. Wer weiß, vielleicht hat er ja tatsächlich irgendeinen Sylvester eingeladen, und der hat vielleicht einen Schlitten dabei …
28.12.2006, 07.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft
Ein Leben im Wald
Als ich neulich meine Eltern besuchte, ging ich in meiner alten Heimat ein bisschen spazieren. In Erinnerungen schwelgend, kam ich dabei auch in jenes Waldstück, in dem ich vor vielen, vielen Jahren einmal mit Freunden ein Baumhaus errichtet hatte. Und tatsäch- lich: Erstaunlich weit über dem Wald- boden zeugten noch ein paar vereinzelte Bretter von meinem ehemaligen Lieb- lings-Rückzugsort. Wie oft hatte ich mich hier versteckt, gelesen, vor mich hingebrütet oder einfach die Tiere beobachtet!Später war mein großes Vorbild Henry David Thoreau. Jener Schriftsteller, der sich vor 160 Jahren für zwei Jahre in eine Blockhütte tief in den Wäldern von Massachusetts zurückzog, um der industrialisierten Gesellschaft zu entfliehen. Seine Absicht war es, einen alternativen Lebensweg zu finden, mit sich selbst und der Natur ins Reine zu kommen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. „Die unaufhörliche Aufregung und Sorge vieler Menschen ist eine fast unheilbare Krankheitsform. Wir übertreiben die Wichtigkeit von allen, was wir tun, und wie vieles geschieht doch ohne uns“, schrieb er.
Manchmal war ich versucht, es Thoreau gleich zu tun. Einmal habe ich es sogar 20 Stunden in dem kleinen Bretterverschlag ausgehalten. Dann wurde der Hunger zu groß, und ich kehrte in mein warmes Heim zu Herd, Sofa und Kühlschrank zurück. Sieben Jahre habe ich auch in einem Kloster als Mönch gelebt. Der Gedanke, zumindest für ein paar Wochen die Zivilisation hinter mir zu lassen und tief im Wald mit der Natur im Einklang zu leben, zu lesen und zu schreiben, reizt mich noch heute. Aber, um ehrlich zu sein, ich bin zu bequem geworden. Andere würden von Realismus reden. Auch wenn ich den Wald und die Natur noch so gerne mag, auf eine warme Mahlzeit und ein warmes Bett kann ich einfach nicht mehr verzichten.
Doch ich habe einen Mittelweg gefunden. Immerhin stammt von Thoreau ja auch der Satz: "Wollt Ihr euch wohl fühlen, dann achtet darauf, mit jeder Stimmung der Natur in Harmonie zu sein." Und das geht auch auf einem gemütlichen Sofa ...
27.12.2006, 08.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher
Werbereime
Es wird in letzter Zeit ja viel gelästert über englische Slogans bei deutschsprachigen Anzeigen. Viele Menschen verstehen einfach nicht, was der Anzeigen-Texter mit flotten englischen Worten sagen will. Eine große Firma hat vor einiger Zeit tatsächlich wegen Kritik ihren englischsprachigen Slogan geändert. Der Energie-Riese machte in seinen Anzeigen aus "One hand - multy utilities" den Spruch "Energie und Wasser aus einer Hand". Immerhin. Die Medien sollten einfach viel mehr die positiven Beispiele der Reim-Artistik beim Marketing vorstellen.
Neulich habe ich bei meinem Schuster am Eck ein Schild gesehen, da stand drauf:
"Sind dein Schuhe kaputt,
bring sie zu mir,
wirf sie nicht auf den Schutt!"
Natürlich brachte ich mein nächstes Paar Schuhe zu ihm, damit er ihm eine neue Sohle verpassen konnte. Schon deswegen, weil ich sehen wollte, welch dichtender Kopf in der Schusterei steckt. Ich ging also rein und wurde auch gleich mit einer schönen Lyrik-Ansprache begrüßt:
"Hereinspaziert - hier wird repariert!"
Ich schrak ein bisschen in dem dämmrigen Geschäft zusammen. Die Stimme war sowas von krächzig, dass ich dachte, wer eine solche Stimme besitzt, muss ein Pirat oder was Schlimmeres sein. Dann wieder: "Herein- spaziert - hier wird repariert!" Und wieder. Ich wusste nicht, was mit mir gespielt wurde. Die Gestalt, die hinter einer Theke saß und sich über einen kaputten Schuh beugte, sah zu mir auf. Sie machte mich auf einen Papagei aufmerksam. "Dem dressiere ich jede Woche immer einen schönen Reim an", lachte der Schuster. "Wissen Sie, ich bin nicht der Meinung, dass der Schuster bei seinen Leisten bleiben soll, ein bisschen Dichten, erfreut doch das Herz meiner Kunden, oder?" Ich musste ihm Recht geben. Ich liebe seit meiner Kindheit lustige Werbesprüche, die sich reimen. Manche gehen mir nie mehr aus dem Kopf. Ich sage nur:"Halb so schlimm, nimm Vim!"
Aber ich bin nicht der einzige, der Werbesprüche in Reimform liebt. Es sind noch viele andere Leute unterwegs, die gereimte "Klein- Kunstwerke, mit denen gutgelaunte Einzelhändler die Seele der Kunden zu erquicken suchen", fleißig sammeln. Zu sehen ist eine herzer- frischende Reklame-Reim-Sammlung mit betörender Kaufmanns-Lyrik auf der Internet-Seite
http://www.einzelhandelspoesie.de
Ein Beispiel:
Beim Fußball ruft man freudig Tor!
bei Fernsehsorgen ruft man Mohr!
Diese ergreifende Einzelhandels-Poesie stammt von der Firma Fernseh Mohr in Elmshorn. Ich werde in Zukunft nur noch mit Bleistift und Block zum Einkaufen gehen und mir die schönsten Verse bei Bäcker, Metzger oder Elektriker notieren und auch an Lars Weber und Christian Kern senden, welche diese überaus originelle Seite betreuen, auf denen auch Fotos zu bestaunen sind. Diese Seiten kann ich immer wieder und wieder ansehen.
Wie heißt es so schön:
"Lieber lyrisch in der Zeitung werben,
als einsam hinterm Schreibtisch sterben!"
25.12.2006, 08.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges

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