
Hier mitmachen!

- Autoren
- Belletristik
- Buchmesse
- DVD/Filme
- Englische Bücher
- Fachbücher
- Fremdbeiträge
- HÖR-Bar
- In der Presse
- Jokers intern
- Kinder und Jugend
- Kulturgeschichte
- Kunst
- Musik
- Naturwissenschaften
- Nebensächliches
- Philosophie
- Politik/Gesellschaft
- Ressourcen
- Rund ums Buch
- Sachbücher
- Software
- Termine
- Gewinnspiele
- Zeitgeschehen
- Zum Schmunzeln
- Unterwegs


ø pro Tag: 0,7
Kommentare: 250
ø pro Eintrag: 0,2
Online seit dem: 15.05.2005
in Tagen: 1943
Blogeinträge (themensortiert)
Thema: Autoren
Raritäten

Ja, aber sind denn E-Mails keine Briefe? Gut, sie sind nicht mehr per Hand auf Papier niedergeschrieben, aber sie ähneln doch dem, was Briefe früher waren: Mittel zu dem Zweck, dem Empfänger eine Botschaft zu übermitteln – oder ihm auch einfach nur zu zeigen, dass man an ihn denkt.
Ich sehe es ähnlich, und eigentlich bin ich froh, dass ich nicht mehr allzu viele handgeschriebene Briefe erhalte. Wer schreibt denn heute noch leserlich genug, dass es eine Freude wäre, die Zeilen zu lesen? Über Mails freue ich mich jedoch immer. Die Leserlichkeit ist gewährleistet und Rechtschreibkorrekturprogramme sorgen dafür, dass auch der Orthografie Genüge getan wird.
Einen Nachteil hat das Ganze jedoch: Alles Digitale ist mehr als vergänglich. Wer hebt schon Mails auf, wer legt sie ab, wer liest sie nach Jahren noch einmal? Das war früher anders: Gott sei Dank, sage ich, gab es zu Schillers Zeiten noch keine Computer. Dann hätten wir heute nämlich nicht das Vergnügen, seine zahlreichen Briefwechsel mit großen Persönlichkeiten wie Goethe, Lotte v. Lengefeld und Caroline v. Beulwitz, Gottfried Körner oder Georg Göschen und anderen nachverfolgen zu können. Und da würde uns wirklich etwas entgehen. Über 2.200 Briefe verfasste Schiller!
Ein Brief an Goethe zum Beispiel lautet so – achten Sie auf die wunderbare, ausgefeilte Wortwahl, auf die eloquenten Formulierungen:
Hochwohlgeborner Herr,
Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath!
Beiliegendes Blatt enthält den Wunsch einer Sie unbegrenzt hochschätzenden Gesellschaft, die Zeitschrift, von der die Rede ist, mit Ihren Beiträgen zu beehren, über deren Rang und Werth nur Eine Stimme unter uns sein kann. Der Entschluß Euer Hochwohlgeboren, diese Unternehmung durch Ihren Beitritt zu unterstützen, wird für den glücklichen Erfolg derselben entscheidend sein, und mit größter Bereitwilligkeit unterwerfen wir uns allen Bedingungen, unter welchen Sie uns denselben zusagen wollen.
Hier in Jena haben sich die HH. Fichte, Woltmann und von Humboldt zur Herausgabe dieser Zeitschrift mit mir vereinigt, und da, einer nothwendigen Einrichtung gemäß, über alle einlaufenden Manuscripte die Urtheile eines engern Ausschusses eingeholt werden sollen, so würden Ew. Hochwohlgeboren uns unendlich verpflichten, wenn Sie erlauben wollten, daß Ihnen zu Zeiten eins der eingesandten Manuscripte dürfte zur Beurtheilung vorgelegt werden. Je größer und näher der Antheil ist, dessen Sie unsre Unternehmung würdigen, desto mehr wird der Werth derselben bei demjenigen Publicum steigen, dessen Beifall uns der wichtigste ist. Hochachtungsvoll verharre ich
Euer Hochwohlgeboren gehorsamster Diener und aufrichtigster Verehrer
Jena 13. Juni 1794
F. Schiller.
Als Rarität bieten wir Ihnen einige wenige Exemplare des Werkes „Schöne Briefe“ an: Eine besondere Auswahl von Schillers Briefen wird in dieser luxuriösen und bibliophilen Ausgabe in Faksimiles und Transkriptionen mit Erläuterungen vorgestellt. Ein echtes Fundstück für alle Literaturbegeisterten!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 15.03.2010, 17.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Das Verlangen nach Liebe

Aber mit dem vielsagenden Titel „Die große Liebe“ hat sich Hanns-Josef Ortheil bei mir einen sicheren Platz auf dem Gebiet der unkitschigen, sülzfreien, einfach nur tiefromantischen Liebes-Literatur erkämpft. Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass ich seit geraumer Zeit einen Lesetipp meiner Bekannten Ruth befolge und im Urlaub nun immer Bücher lese, die in meinem aktuellen Urlaubsland spielen. Ich habe das Buch in Italien gelesen. Die Handlung des Titels findet an der Adria statt und lebt davon, dass die Liebe einfach einmal gelingt. Das hat man in Büchern ja sonst nicht so oft, denn unglücklich Liebende sind mit ihren Seelenqualen nun einmal literarisch meist interessanter.
Auch Ortheils Nachfolge-Roman „Das Verlangen nach Liebe“ ist, soviel sei verraten, nichts für Schwarzseher: Nach achtzehn Jahren treffen sich Kunsthistorikerin Judith und Konzertpianist Johannes, früher ein Paar, zufällig in Zürich wieder. Man verabredet sich nun beinahe täglich, berichtet aus seinem Leben, lotet aus, was erneut möglich sein könnte – die alte Anziehung erflammt erneut. Und nein, am Ende erfolgt keine Katastrophe.
Das tut uns Lesern, die wir verzweifelt und unerwidert Liebende in der Literatur so viel häufiger erleben, doch auch mal gut! Wie schön, dass es das Ganze ebenfalls als Hörbuch gibt, so kann man „Das Verlangen nach Liebe“ ganz unmittelbar erleben.
Dass das Hörbuch außerdem ein geradezu unverschämtes Jokers-Schnäppchen ist, traue ich mich fast nicht zu sagen, das klingt so unromantisch ...
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 13.03.2010, 17.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Ein Autor, der in seinen Bann zieht

Zum Glück für uns Lesehungrige, die wir immer auf der Suche nach neuen Erlebnissen sind, sind die Werke Márais (der übrigens eigentlich Grosschmid hieß) seit Ende der neunziger Jahre wieder auf dem Markt.
Sie eröffnen uns eine Welt, die längst versunken ist, eine Welt der altmodisch-mondänen Hotels, der monokeltragenden Herren und der Damen, die mit Sonnenschirm zum Nachmittagstee flanieren. Hinter dieser großbürgerlichen Fassade des alten Europa lauern bei Sándor Márai aber immer die menschlichen Abgründe, die die Menschen gnadenlos umtreiben, ihnen den Frieden rauben und sie nicht selten ins Verderben ziehen.
Im Roman „Die Fremde“ ist der Autor radikaler als sonst. Der alternde Professor Viktor Askenasi verlässt Frau und Kind und stürzt sich in eine oberflächliche Affäre mit einer Tänzerin. Doch auch dadurch findet er keinen Seelenfrieden, es bleibt eine stets flackernde Unruhe. An der dalmatinischen Küste versucht Askenasi auf Anraten seiner Freunde, durch einen allein verbrachten Urlaub wieder zu sich selbst zu finden. Wie dies gründlich misslingt und schließlich in einer sinnlosen Katastrophe endet, das ist, so komisch das klingt, wunderbar zu lesen. Márai beschreibt den Strudel, in den sein Held gerät, so plastisch, dass man ganz hautnah miterlebt, wie er langsam jegliches Maß verliert und unaufhaltsam in einen unheilvollen Wahn gerät.
Ein faszinierendes Buch und – falls Sie den ungarischen Autor noch nicht kennen – ein perfekter Einstieg in sein Werk. Denn ich prophezeie Ihnen: wenn Sie einmal angefangen haben, werden Sie mehr davon lesen wollen.
In unserer Auswahl von Sándor Márai stöbern.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 12.03.2010, 16.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Von goldenen Salamandern und blutenden Lilien
Der kolumbianische Schriftsteller ist fürwahr ein echter Erzählkünstler. Allein, wie er auf den ersten Seiten die verzweifelte Reise durch den Dschungel schildert, machte mich sofort süchtig nach mehr: „In jenem Paradies aus Feuchtigkeit und Schweigen vor dem Sündenfall, wo die Stiefel in dampfenden Ölpfützen versanken und die Buschmesser blutende Lilien und goldene Salamander köpften, wurden die Männer der Expedition von ihren ältesten Erinnerungen heimgesucht.“ Düsterer, bezaubernder und schöner kann man einen Dschungel nicht beschreiben, finde ich. Diesen Stil nennt man „Magischen Realismus“. Er integriert magische Elemente in realistischen Situationen. Als Erfinder gilt Garcia Márquez.
Am liebsten würde ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. So begeistert bin ich, nach Rafik Schami wieder einen Schriftsteller gefunden zu haben, der mich fesselt. Und das Beste: „Hundert Jahre Einsamkeit“ ist nicht die einzige Perle, die ungelesen in meinem Regal schlummert. Dort stehen noch „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ und „Chronik eines angekündigten Todes“.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 11.03.2010, 16.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Etwas Spätromantisches von Heine

"Heine habe ich mit Tränen in den Augen gelesen", ehrte ihn z. B. Christian Morgenstern. "Eine kleine Probe von Heines politischem Wischiwaschi hab ich ... neulich ... gefunden und großen Ekel dagegen gefasst." Oder "Er ist ein Dichter ganz und gar, aber nit eine Viertelstunde könnt' ich mit ihm leben...", bewertete Eduard Mörike seine Begegnung mit ihm. Friedrich Nietzsche hingegen war begeistert: "Den höchsten Begriff vom Lyriker hat mir Heinrich Heine gegeben ... Er besaß jene göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag ... Man wird einmal sagen, dass Heine und ich bei weitem die ersten Artisten der deutschen Sprache gewesen sind ..."
Heinrich Heine war einer der Hauptvertreter des Jungen Deutschland. Empfindungsreichtum ging in seinen spätromantischen Werken und Gedichten mit Skepsis und Ironie („Buch der Lieder“, 1827; „Romanzero“, 1851) Hand in Hand. Sein unterhaltsamer Prosastil („Reisebilder“, 1826 bis 1831) machte ihn zum Begründer des modernen Feuilletonismus.
Jetzt im Monat März fiel mir eines seiner Gedichte wieder in die Hände:
Die Liebe begann im Monat März,
Wo mir erkrankte Sinn und Herz.
Doch als der Mai, der grüne, kam:
Ein Ende all mein Trauern nahm.
Es war am Nachmittag um Drei
Wohl auf der Moosbank der Einsiedelei,
Die hinter der Linde liegt versteckt,
Da hab ich ihr mein Herz entdeckt.
Die Blumen dufteten. Im Baum
Die Nachtigall sang, doch hörten wir kaum
Ein einziges Wort von ihrem Gesinge,
Wir hatten zu reden viel wichtige Dinge.
Wir schwuren uns Treue bis in den Tod.
Die Stunden schwanden, das Abendrot
Erlosch. Doch saßen wir lange Zeit
Und weinten in der Dunkelheit.
Stöbern in unserem Heinrich Heine-Fundus
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 10.03.2010, 20.05 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Tucholsky war nicht nur politisch
„Der Feldgendarm wachte darüber, dass vorn richtig gestorben wurde. Für viele war das gar nicht nötig. Die Hammel trappelten mit der Herde mit, meist wussten sie gar keine Wege und Möglichkeiten, um nach hinten zu kommen, und was hätten sie da auch tun sollen! Sie wären ja doch geklappt worden, und dann: Untersuchungshaft, Kriegsgericht, Zuchthaus, oder, das schlimmste von allem: Strafkompanie. [...] Manche Nationen jagten ihre Zwangsabonnenten auch mit den Maschinengewehren in die Maschinengewehre. So kämpften sie. Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.“Doch Kurt Tucholsky war keineswegs „nur“ ein politischer Journalist. Viele seiner Werke sind geprägt von seinem speziellen Humor, der oft die herrschenden Gesellschaftsverhältnisse kommentiert. Doch auch der Mensch als Individuum bekommt wie der Mensch als Herdentier immer wieder auf ironisch-bezaubernde Weise sein Fett ab. Ganz besonders hat es mir sein Frühlingsgedicht angetan:
Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,
dann im Kalender und dann in der Luft,
und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde
sich in die frisch gewaschene Frühlingskluft.
Ach ja, der Mensch! Was will er nur vom Lenze?
Ist er denn nicht das ganze Jahr in Brunst?
Doch seine Triebe kennen keine Grenze –
dies Uhrwerk hat der liebe Gott verhunzt.
Der Vorgang ist in jedem Jahr derselbe:
Man schwelgt, wo man nur züchtig beten sollt,
und man zerdrückt dem Heiligtum das gelbe
geblümte Kleid – ja, hat das Gott gewollt?
Die ganze Fauna treibt es immer wieder:
Da ist ein Spitz und eine Pudelmaid,
die feine Dame senkt die Augenlider,
der Arbeitsmann hingegen scheint voll Neid.
Durch rau Gebrüll lässt sich das Paar nicht stören,
ein Fußtritt trifft den armen Romeo
mich deucht, hier sollten zwei sich nicht gehören...
Und das geht alle, alle Jahre so.
Komm, Mutter, reich mir meine Mandoline,
stell mir den Kaffee auf den Küchentritt.
Schon dröhnt mein Bass: Sabine, bine, bine ...
Was will man tun? Man macht es schließlich mit.
Selbstverständlich haben wir einen ganzen Fundus an Werken von Kurt Tucholsky in unserem Programm: Stöbern Sie doch einfach mal darin!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 03.03.2010, 08.07 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Selbstgewählte Einsamkeit
„Da ist ein Licht,
das schräg sich neigt
an Wintertagen,
schwer wie das Gewicht
von kathedralen Klängen.
Und wenn es kommt,
hört alle Landschaft zu.
Schatten halten den Atem an,
wenn es vergeht.“
In diesen Tagen, in denen der Hochnebel wie über den Dächern festgefroren wirkt, die Vögel frierend in den Bäumen kauern und von Frühlingserwachen weit und breit keine Spur ist, trifft sie den Nagel auf den Kopf. Jedes Mal, wenn ich über die amerikanische Schriftstellerin nachdenke, die seit ihrem 20. Lebensjahr das Leben einer menschenscheuen Einsiedlerin führte, staune ich. Denn obwohl sie kaum Kontakt zu Menschen pflegte und ihr Zimmer bis zum frühen Tod mit 56 Jahren kaum verließ, schuf Dickinson ein mannigfaltiges Gedankenwerk, das noch heute seinesgleichen sucht: Nach ihrem Tod entdeckte man 40 handgebundene Bücher mit über 800 Gedichten von ihr.
Dieser Gedanke spendet mir immer wieder Trost, wenn ich denke, noch nicht genug von der Welt gesehen zu haben. Denn genau dagegen steht Emily Dickinsons legendärer und wunderschöner Satz: „To make a prairie it takes a clover and a bee, one clover, and a bee, and revery. The revery alone will do, if bees are few.”
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 26.02.2010, 08.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Russische Literatur: jetzt genau das Richtige!
Was für ein Winter! Diese Allgegenwart von Schnee und Kälte! Der Anblick von dick vermummten Menschen hat so etwas Russisches, finde ich. Jedenfalls passt derzeit die Lektüre von Dostojewski, Tolstoi, Puschkin und Co. besonders gut in die Landschaft. Beim Blick aus dem Fenster in das Schneetreiben draußen wirken „Schuld und Sühne“, „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“ einfach noch intensiver.Und nicht zuletzt sind diese ja meist recht seiten- und personenreichen Werke im Winter besser zu verdauen – flockige Sommerlektüre ist das nicht. Eher etwas für lange Winterabende, an denen man etwa in Dostojewskis „Der Idiot“ den Fürsten Myschkin dabei erlebt, wie er verzweifelt einer unerreichbaren Liebe hinterherhetzt.
Den ganz Lesewütigen empfehle ich natürlich das Hauptwerk des 2010-Jubilars Lew Tolstoi – er hat in diesem Jahr den 100. Todestag – „Krieg und Frieden“, die faszinierende Geschichte dreier Familien vor dem Hintergrund der russisch-napoleonischen Kriege. Ein Meisterwerk der Weltliteratur und ein Reigen an großen Gefühlen, der seinesgleichen sucht: Krieg, Liebe, Hass, Abenteuer – alles dabei. Dass es sich hier auch um starken Filmstoff handelt, ist klar und für Freunde prächtiger Ausstattungsfilme ein echtes Muss!
Bevor also die Tage wieder frühlingshafter werden und Sie das dringende Bedürfnis nach Spaziergängen und Gartenarbeit verspüren (das wird nicht mehr allzu lange dauern ...), lassen Sie doch noch ein wenig russische Seele einwirken – das ist gut fürs Gemüt und schadet trotz des Seitenreichtums auch dem Geldbeutel nicht!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 19.02.2010, 09.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Auch bei Kehlmann kann man sparen!
Der dies gesagt hat, ist kein geringerer als Daniel Kehlmann, der mit „Die Vermessung der Welt“ 2005 einen fulminanten Bestseller verfasst hat. Mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren (nur im deutschsprachigen Raum!) und Übersetzungen in etwa 40 Sprachen ist Kehlmann zweifellos in die Kategorie der Bestsellerautoren emporgestiegen. Und das mit dem eher sperrigen Thema der Entstehung der modernen Wissenschaft, dargestellt am Leben des Forschers Alexander von Humboldt und des Mathematikers Carl Friedrich Gauß.
Beide Wissenschaftler bewegen sich ständig zwischen Erfolg und Niederlage, beide sind ein wenig sonderbar und schrullig, aber mit Leib und Seele ihrer Wissenschaft verschrieben. Das Ganze ist voller Fantasie und kommt ebenso abenteuerlich wie philosophisch daher – ein bisschen denken muss man bei der Lektüre also schon...
Bei uns können Sie sich sogar zwischen zwei Ausgaben von Daniel Kehlmanns Weltbestseller entscheiden. Kräftig sparen können Sie bei beiden!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 17.02.2010, 19.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Bert Brecht und Lion Feuchtwanger
Am 10. Februar 2010 feierten wir Bert Brechts 112. Geburtstag. Was wurde über Eugen Berthold Friedrich Brecht – erst später machte er seinen zweiten Vornamen ohne das „h“ zu seiner „Marke“ – nicht schon alles gesagt und geschrieben! Wir wissen, dass er bei Karl Valentin in die „Schule“ ging, und wir wissen auch, dass er Lion Feuchtwanger auf eine sehr spezielle Weise freundschaftlich verbunden war.Marta Feuchtwanger erzählt unter anderem vom Beginn dieser ungewöhnlichen Männerfreundschaft, die nicht immer unproblematisch war: „Brechts Vater kam aus Augsburg zu Lion, um ihn um Rat zu bitten. Sein Sohn habe jetzt vor, das Medizinstudium aufzugeben, um Schriftsteller zu werden. Und da wollte er Lion fragen, der doch schließlich schon ein bekannter Autor sei, ob er glaube, dass sein Sohn genügend Talent habe, um es zu etwas zu bringen. Feuchtwanger antwortete: ‚Ich bin sonst nicht der Ansicht, dass man einem jungen Menschen anraten soll, Schriftsteller zu werden. Aber wenn Brecht nicht schreibt – der ist nämlich ein Genie -, wäre es eine Sünde.’ Da hat der Vater gesagt: ‚Schön, ich werde Ihren Rat befolgen und ihm auch weiter seinen Scheck schicken.’ Als er an der Tür war, drehte er sich noch einmal um und sagte: ‚Sehen Sie, ich bin Fabrikant, ich fabriziere wunderbares weißes Papier, und dann bedrucken Sie es.’“
Auch der umfangreiche Briefwechsel zwischen Brecht und Feuchtwanger ist sehr aufschlussreich und informativ (Lion Feuchtwanger. Briefwechsel mit Freunden 1933 – 1958, Band 1. Aufbau-Verlag. Berlin). Der Freundschaft zwischen Brecht und Feuchtwanger entstammen sogar drei gemeinsam erarbeitete Stücke: „Das Leben Eduards II“, „Kalkutta, 4. Mai“ und „Die Geschichte der Simone Machard“.
Dabei wäre die Freundschaft beinahe in die Brüche gegangen, weil sich Brecht in Feuchtwangers Roman „Erfolg“ sehr ungünstig charakterisiert empfand. Dort hat Feuchtwanger mit der Figur des Kaspar Pröckl seinem Freund Bert Brecht ein literarisches Denkmal gesetzt, das diesem ganz und gar nicht gefiel, wie man leicht verstehen kann, wenn man nur einige Stellen in dem wunderbaren Roman, der so etwas wie ein Zeitdokument ist, liest: „Der Kerl roch wirklich wie Soldaten auf dem Marsch“, oder an anderer Stelle: „die anstrengend, unmanierliche, schrille, schreiende Stimme Pröckls“. Brecht soll sogar wiederholt auf Feuchtwanger eingeredet haben, diese Stellen zu entschärfen. Aber Feuchtwanger wollte dies offensichtlich nicht, da es sich schließlich um einen Roman und nicht um eine Dokumentation handelte. Hätte er sich von seinem Freund dazu erweichen lassen, wäre dies gewissermaßen eine Bankrotterklärung seines künstlerischen Schaffens gewesen.
Brecht und Feuchtwanger haben sich zeitlebens gegenseitig sehr viel gegeben, vom politischen Durchblick bis hin zum dramatischen Bewusstsein. Nachzulesen in: „Schatten über München“. Eine Dokumentation von Reinhart Hoffmeister. Langen Müller, München, sowie in Volker Skierka: „Lion Feuchtwanger. Eine Biographie, erschienen im Quadriga Verlag J. Severin, Berlin, oder im oben erwähnten Briefwechsel bzw. in „Nur eine Frau“ von Marta Feuchtwanger. Aufbau-Verlag, Berlin.
Wer mehr über diese seltsam anmutende Seite Brechts erfahren will, dem seien die hier erwähnten Bücher wärmsten ans Herz gelegt. Wenn er nicht bei uns im Shop etwas findet!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
Jokers 16.02.2010, 08.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

| << | September 2010 | >> | ||
| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
| 01 | 02 | 03 | 04 | 05 | ||
| 06 | 07 | 08 | 09 | 10 | 11 | 12 |
| 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |
| 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 |
| 27 | 28 | 29 | 30 |




















