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Thema: Belletristik

Ein Jahr von Selbstmorden

Die Selbstmordschwestern„Die Selbstmordschwestern“ – ok, ich gebe zu, dieser Buchtitel klingt ein wenig morbide. Aber lassen Sie sich nicht abschrecken – das Lesen lohnt sich. Der Autor Jeffrey Eugenides präsentiert in diesem Buch das kurze Leben der fünf Lisbon-Schwestern in einer amerikanischen Vorstadt der siebziger Jahre.

Aus der Sicht der Nachbarsjungen sind die fünf schönen Töchter der Lisbons so faszinierend, dass sie das Geschehen um die Mädchen herum wie besessen verfolgen, Fotografien sammeln und jedes Detail analysieren. Als Leser verfolgt man mit ihrem Blick die Vorkommnisse in der scheinbar ganz normalen Familie, die durch den Selbstmord der jüngsten Schwester aus den Fugen gerät. Aber wirklich eindringen kann man nicht.

Die vier verbleibenden Schwestern sind unergründlich, ihr Verhalten ist unauffällig, aber man ahnt, dass dahinter einiges brodeln muss. Die Strenge des Elternhauses allein kann es wohl nicht sein. In den Mädchen scheint etwas zu stecken, das das Weiterleben einfach nicht zulässt. Das Ganze ist verstörend, aber auch wunderbarer, poetischer Lesestoff. Die kleinbürgerliche Kulisse und die sich durch den Roman ziehenden Motive der Vergänglichkeit machen den Roman des Pulitzerpreisträgers zu einem wirklich großen Wurf. Auch die Verfilmung von Sofia Coppola ist übrigens hervorragend. Der Film lief bereits im Fernsehen, sollte er mal wieder gezeigt werden: unbedingt anschauen!

Aber zurück zum Buch. Wenn Sie etwas übrig haben für zeitgenössische amerikanische Literatur der nicht ganz simplen Sorte, werden Sie die Lektüre – trotz des melancholischen Titels – sicher genießen. Diesen Debüt-Roman von Jeffrey Eugenides erhalten Sie bei uns natürlich zum Top-Preis.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 28.09.2009, 08.52 | (1/0) Kommentare (RSS) | (1) TB | PL

Entspannt die Vergangenheit genießen

Canterbury ErzählungenEs hat keinen Zweck zu jammern, wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass die Tage wieder kürzer werden. Aber das hat auch sein Gutes. Endlich kann ich es mir abends wieder so richtig schön mit einem Buch gemütlich machen. Ich meine, ohne dass mir die Sonne sagt: Buch zuklappen und raus an die frische Luft, du Stubenhocker!

Das Buch, das ich Ihnen für kühle Abende ans Herz legen möchte, ist aus einer fernen Zeit, amüsant und mit feinem Humor. Geoffrey Chaucers „Canterbury Erzählungen“ sind etwas für diejenigen, die sich für vergangene Zeiten interessieren, aber nicht so sehr auf den klassischen historischen Roman stehen. Es geht zwar laut Rahmenhandlung der „Tales“ um eine Pilgerfahrt, doch geht es nicht wirklich fromm zu. Die insgesamt 22 Geschichten werden von den unterschiedlichsten Teilnehmern der Reise zum Besten gegeben und handeln von Liebe, Habsucht, Betrug, Rache und allerlei Menschlichem. Dabei bekommen alle Stände ihr Fett weg, Adel, Klerus und Bauern gleichermaßen. Die Geschichten stammen aus dem 14. Jahrhundert und bieten einen spannenden Einblick in eine für uns heute fremde Welt. Wer sie liest, wird feststellen: Die Umstände haben sich zwar enorm geändert, die Menschen selbst aber nicht.

Beeinflusst von Boccaccios Decamerone sind die „Canterbury Tales“ immerhin ein Stück Weltliteratur. Und Sie müssen die Geschichten schließlich nicht im originalen Mittelenglisch lesen, sondern können sie auf Deutsch ganz entspannt genießen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

Jokers 25.09.2009, 09.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Partnertausch im Urlaub

Die WahlverwandtschaftenSie heißen Eduard und Charlotte, Otto und Ottilie. Klingt schon fast wieder modern, es handelt sich aber um die Hauptfiguren in Goethes Roman „Die Wahlverwandschaften“. Zwei Paare, die sich unglücklicherweise in den jeweils anderen Partner verlieben.

Heute heißen Sie Hanna und Thomas, Fritz und Augustine und sind die Filmcharaktere des Films „Mitte Ende August“, der sich an Goethes großen Roman anlehnt. Vielleicht haben Sie „Die Wahlverwandschaften“ schon einmal gelesen, vielleicht können Sie das Buch neu entdecken. Wie gesagt, es geht um Partnerwechsel: Während sich Baron Eduard rückhaltlos in Ottilie, die Pflegetochter seiner Frau Charlotte verliebt, gesteht diese sich ihre Neigung zu Otto, Eduards altem Freund, zunächst nicht ein. Beide neuen Paare finden schließlich, zumindest zeitweise, zusammen.

Sollten Sie das Buch noch nicht gelesen haben, verzeihen Sie mir, wenn ich es schon einmal verrate: Das Ganze geht nicht gut aus. Es wird gelitten und gestorben und es kommt schließlich zur Katastrophe. Dennoch eine unbedingte Lese-Empfehlung meinerseits – ein ganz und gar unverstaubter Klassiker.

Den Film können Sie sich ja trotzdem noch anschauen. Der ist jedenfalls weniger hart im Umgang mit seinen Protagonisten und unserer Zeit entsprechend lässiger. Wo Goethe noch große Konsequenzen folgen lässt, es um alles oder nichts geht, ist heute nur noch der Sommerurlaub ruiniert.

Ihr Urlaub soll hingegen erholsam und einfach schön sein? Dann nehmen Sie doch Eduard, Charlotte, Otto und Ottilie einfach mit und genießen Sie Literatur vom Feinsten.

 
(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 02.09.2009, 09.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zeit zum Träumen: Avalon

Die Hueterin von AvalonAls meine Bekannte Susanne noch einiges jünger war, verschlang sie alle Bücher von Marion Zimmer Bradley, erzählte sie mir. Für sie existierte keine andere Autorin, die es so wunderbar verstand, den Leser mit in eine zauberhafte Welt voll Magie, Abenteuer und Liebe zu nehmen.

Gerade für Jugendliche weiblichen Geschlechts scheinen die Werke der Science Fiction- und Fantasy-Autorin oft ein Schlüsselerlebnis zu sein. Marion Zimmer Bradley spinnt ihre Erzählungen sehr oft um die Geschichte einer Frau, die mit ihrem Mut und ihrer Klugheit der Männerwelt selbstbewusst entgegentritt.

„Die Nebel von Avalon“ und „Die Feuer von Troja“ waren die ersten Romane, die Susanne von ihr las. Dann entdeckte sie ihre Science Fiction-Welten um „Darkover“, doch die magische Welt zur Zeit des König Artus blieb nach wie vor ihre Sehnsucht.

Als ich nun auf der Suche nach der geeigneten Ferienlektüre für meine Nichte war, entdeckte ich „Die Hüterin von Avalon“. Die Erzählung ist als Vorgeschichte zu „Die Nebel von Avalon“ zu sehen und nicht einmal Susanne kannte das Buch! Es versteht sich von selbst, dass sie es auch bestellen musste.

Da werden wohl bald zwei unterschiedlich alte Frauen mit roten Wangen und leuchtenden Augen in ein sagenhaftes Epos eintauchen ...


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 28.08.2009, 09.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ich, Dreyfus

Ich, DreyfusIch, DreyfusIm Juli wurde es auf die Top-Ten-Bestenliste der Sachbücher gesetzt. Jeden Monat präsentieren die Süddeutsche Zeitung, das Buchjournal, das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, der Norddeutsche Rundfunk und Telepolis ihre Empfehlungen. „Der Fall Dreyfus“ von Louis Begley geht der Funktion von Antisemitismus und Rassismus in einer vermeintlich liberalen Gesellschaft nach und zieht Parallelen zwischen der Teufelsinsel und Guántanamo.

Alfred Dreyfus´ Lebens- und Leidensweg ging in die Geschichte ein. Der jüdisch-französische Hauptmann Alfred Dreyfus (1859 - 1935) wurde 1894 wegen angeblichen Landesverrats verurteilt und lebenslänglich auf die gefürchtete und berüchtigte "Teufelsinsel" in Französisch-Guyana verbannt.

Für alle Leseratten, die Romane mögen, die sich an der tatsächlichen Historie orientieren, haben wir nun ein besonderes Buch im Angebot: Die Autorin Bernice Rubens verarbeitet die realen Ereignisse in einer beeindruckenden und fiktiven Romanerzählung. In ihrer Geschichte wird Alfred Dreyfus zum Schuldirektor, der einen Schüler ermordet haben soll. In einem Aufsehen erregenden Prozess wird er trotz Mangels an Beweisen zu lebenslanger Haft auf der Teufelsinsel verurteilt. Nur seine Familie ist von Dreyfus´ Unschuld überzeugt. Und dann stößt die Anwältin Rebecca Morris bei ihren Nachforschungen zu dem Fall auf ein Geheimnis...


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 14.07.2009, 09.30 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Sehnsucht nach Weite und Freiheit

Dschingis KhanDschingis Khan: Jeder hat schon etwas von ihm gehört. Noch immer erinnere ich mich daran, wie ich als Kind im Fernsehen einen Spielfilm über den berühmten Mongolen-Herrscher sah. Dieser Streifen hat mich so beeindruckt, dass ich bis heute einzelne Bilder davon im Kopf habe.

Aber sonst? Was wissen wir über den Imperator aus dem Osten wirklich? Was wissen wir über die Mongolen, die im Mittelalter unter eben jenem Dschingis Khan vereint wurde? Warum haben sie die Grenzen ihres Reiches bis nach Europa erweitern wollen?

Eine Freundin träumt von dem einmaligen Steppenland des Dschingis Khan, seit sie den Film „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ im Kino sah. Und jetzt hat sie tatsächlich für Anfang September eine Reise in die Mongolei gebucht. Zwei Wochen wird sie auf einem Kamel-Treck unterwegs sein.

Als ich sie fragte, weshalb die unbedingt in dieses Land reisen will, wusste sie keine rechte Antwort zu geben. Eine unbestimmte Sehnsucht bringt sie dazu, vor Ort Weite und Freiheit nachempfinden zu wollen. Ich habe sie überredet, einen Fotoapparat mitzunehmen. Normalerweise weigert sie sich beharrlich, ihre Reiseindrücke woanders als in ihrem Herzen festzuhalten. Wenn sie zurückkehrt, lässt sie mich sicherlich an einigen Erlebnissen teilhaben.

Ich habe ihr derweil schon einmal die geeignete Vorbereitungslektüre herausgesucht. Die Romanbiografie „Dschingis Khan“ beschreibt spannend und anschaulich das Leben und Wirken des großen Mongolenführers im 12. Jahrhundert.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 19.06.2009, 08.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Train Days

Jetzt habe ich so viel gearbeitet, jetzt darf ich mir auch mal einen kleinen Spleen gönnen“, erzählt mir eine Freundin. Seit sie vor ein paar Wochen das Lied „Train Song“ von Tom Waits hörte, ließ sie der Gedanke nicht mehr los, das Szenario, das der große Musiker besingt, nachzustellen. Jetzt ist es soweit: Kurz entschlossen buchte sie einen Flug nach Kansas City, um von dort in einen Zug nach St. Louis zu steigen, mit dem „Train Song“ im Ohr und dem Gefühl der Freiheit, die hart bezahlt wurde. Am Samstag geht es los, nach 4 Tagen wird sie zurück sein.

Train DaysIch persönlich halte diese Idee ja für ziemlich abgefahren, aber auf der anderen Seite bin auch sehr gespannt auf ihre Erlebnisse, die sie mir hoffentlich ausführlich berichten wird. Meine Frau und ich überlegten, was wir unserer Freundin als Zeitvertreib für den langen Flug schenken könnten. Einen Reiseführer für Kansas City hielten wir für unangebracht, sie will sich schließlich nicht die Stadt ansehen, und was Musik angeht – nun, da sind wir ein wenig vorsichtig geworden. Wer weiß, ob sie nicht an den Nordpol abhaut, wenn in irgendeinem Song die eisige Kälte der Antarktis besungen wird …

Aber ich würde nicht bei Jokers arbeiten, hätte ich nicht bald das passende Geschenk gefunden: „Train Days“ heißt die spannende und auf Deutsch übersetzte Autobiografie von Eddy Joe Cotton, der als 19-Jähriger abhaut, um auf Güterzügen durch Amerika zu fahren – ohne Ziel vor Augen.

Vielleicht nimmt unsere Freundin den Roman zum Anlass, ihre eigene „Zuggeschichte“ zu schreiben?



(geschrieben von Matthias Stöbener) 

Jokers 31.05.2009, 08.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Fugger

Der Spion der FuggerAm 6. März 1459 wurde er in der „Fuggerstadt“ geboren, gestorben ist er am 30. Dezember 1525: Jakob Fugger ist einer der weltweit bekanntesten Söhne der Stadt Augsburg. Genannt wurde der geschäftstüchtige Kaufmann unter anderem „Jakob der Reiche“. Um ihn ranken sich zahlreiche Gerüchte. Seinen Besitz soll er mit nicht gerade humanen Methoden erworben haben, und eine der Hauptattraktionen Augsburgs, die Fuggerei, habe er nur gestiftet, um sich sein Seelenheil zu erkaufen.

Wie dem auch sei: Die Fuggerei ist die älteste Sozialsiedlung der Welt und zieht heute Touristen aus jedem Fleckchen Erde an, vor allem auch deswegen, weil die kleinen adretten Häuser immer noch bewohnt sind – für nicht einmal einen Euro pro Jahr.

Jakob Fugger und seine Nachkommen haben ihre Spuren hinterlassen. Bis heute gilt die Fugger-Familie als Mythos, ist immer noch Grundlage verschiedenster Romane und Krimis. Zum Geburtstag des Bankiers haben wir „Der Spion der Fugger“ im Angebot: In diesem historischen Krimi erzählt Roman Kessing spannend die Geschichte des jungen englischen Geheimdienstes Ende des 16. Jahrhunderts...


(geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 01.05.2009, 08.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ich bin mal eben weg

Urlaubslektuere„Schatz, ich geh mal kurz Zigaretten holen!“ Sprach´s - und kehrte nie wieder. Immer wieder hört man von braven Familienvätern, die eben mal schnell etwas besorgen wollten und dann nie wieder auftauchten. Nicht, weil sie entführt, überfallen oder gekidnapped wurden. Nein. Sie sind einfach abgehauen und fangen irgendwo anders, meist an irgendeinem Strand, ein neues Leben an.

So, wie es Andreas Höfele in seiner neuen Erzählung „Abweg“ schildert. Allerdings flüchtet der Protagonist Wieland nicht an irgendein sonniges, warmes Plätzchen. Nachdem der Universitätsdozent sein Büro angezündet hat, beendet er zwar auch sein ganzes bisheriges Leben. Doch Wieland bleibt weiter in Deutschland. Statt Strand und Meer zu suchen, schließt er sich einer Drückerkolonne an, dreht ahnungslosen Senioren Zeitschriftenabonnements an und räumt nebenbei auch deren Wohnungen aus.

Allein schon diese Wendung zeigt, dass es sich bei Höfeles Erzählung um keinen einfachen Roman handelt, der den Ausstieg aus dem Alltagstrott besingt. Vielmehr behandelt der Autor die Angstneurosen der Hauptfigur, die vor allem ihre eigenen seelischen Abgründe in der Gesellschaft im Jahr 1979 ergründen muss.

Mit gerade mal 100 Seiten ist das Büchlein eine perfekte Urlaubslektüre, wie ich meine.


(geschrieben von Matthias Stöbener)



Jokers 04.08.2008, 17.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der Werbeleiter macht Hausaufgaben

Werbeleiter.jpg

Lieferscheine unterschreiben. Geschenke nachbestellen. Umfragen der Messegesellschaft beantworten. Auch wenn gerade kein Massenauflauf am Stand ist: Werbeleiter Timm Boßman hat immer was zu tun.

Jokers 18.04.2008, 11.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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