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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Kultur und Gesellschaft

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Cyborg-Zukunft

Ach, was waren das noch für Zeiten, als Arnie Terminator über die Kinoleinwände flackerte! Erinnern Sie sich an sein besonderes »Sehvermögen«? Dieses Display im Auge, das ihm dazu verhalf, seinen Opponenten immer einen Schritt voraus zu sein, weil ihm diese Sehhilfe der besonderen Art wichtige Informationen direkt aufs Auge präsentierte? Wer hätte gedacht, dass uns dieses Sciencefiction-Szenario tatsächlich schneller als erwartet einholen würde. Allerdings ist das erste Lebewesen, dass auf derart innovative Weise zu einem »Seher« wurde, kein künftiger Politiker - sondern ein Hase.


Forscher veröffentlichten einen Bericht mit dem Titel »A single-pixel wireless contact lens display im Journal of Micromechanics and Microengineering« (http://iopscience.iop.org/0960-1317/21/12/125014). Danach haben sie erfolgreich ein knuddeliges weißes Löffeltier in einen waschechten Cyborg verwandelt. Sie entwickelten eine Kontaktlinse von zwei Zentimetern, in die als optisches Element eine LED, die auf einem 750x750 Quadratmikrometer großen, transparenten Saphir-Chip saß, integriert wurde. Die aktuell noch sehr geringe Anzahl von Pixeln, die eine Informationsübertragung maximal im Morse-Code erlaubt, könnte schon bald auf mehrere hundert Pixel erweitert werden. Die Wissenschaftler lösten das Problem der Energieversorgung der Linse dadurch, dass sie eine drahtlose Variante benutzten. Die nötige Energie fängt eine etwa 500 x 500 Quadratmikrometer große Antenne auf, als Ring um die Kontaktlinse gelegt. Mit Hilfe einer Mikrolinse wurde das Licht der LED direkt auf die Netzhaut fokussiert.


Werden in wenigen Jahren menschliche Cyborgs mit einer Daueranbindung ans Internet, ganz ohne externe Displays, sondern mit direkter Projektion der Facebook - Statusmeldungen auf die Netzhaut durch unsere Straßen gehen? In dem Werk »Automaten Roboter Cyborgs« begibt sich Randi Gunzenhäuser auf die Spur des Cyborg-Traums: Medienrevolutionen bedeuten immer auch Körperrevolutionen, ist die Grundannahme des Buchs. In ihm werden amerikanische und europäische Maschinenmenschen in verschiedenen »Aufschreibesystemen« zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert (in Büchern, Filmen und Computerspielen) untersucht. Äußerst spannend und auch erschreckend, wenn man bedenkt, was heutige Technologie schon zu leisten vermag.


Buch "Automaten - Roboter - Cyborgs" bei Jokers





15.12.2011, 14.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Nobel: Von Rezeptoren zum Gähnen von Schildkröten

536093_R_K_by_Rita Thielen_pixelio.de.jpgEs war eine traurige Nachricht: Ralph Steinman, einer der drei diesjährigen Träger des Medizin-Nobelpreises, starb bereits drei Tage vor seiner Benennung. Dennoch wurde ihm der Preis posthum zugesprochen, was eine Neu-Definition des Reglements des Nobelpreises bedeutete. Steinman teilt sich den mit 10 Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Preis mit zwei weiteren Forschern zur Immunabwehr, Bruce Beutler und Jules Hoffmann. Die Begründung der Preisverleihung: Die Arbeiten der Forscher hätten maßgeblich zur Entwicklung besserer Impfstoffe bei Infektionen und zu Fortschritten im Kampf gegen den Krebs beigetragen. Auf Steinman geht die Entdeckung der dendritischen Zellen, die zu einer Aktivierung der T-Lymphozyten führen, zurück. 1973 entschlüsselte er diesen komplizierten Teil der Immunabwehr.


Doch es gibt auch einen Nobelpreis ganz anderer Art. Ich meine nicht den Alternativen Nobelpreis, sondern den IG Nobelpreis. Dieser Preis ehrt Forscher-Ambitionen, die keine empirische Relevanz haben, zumindest nicht auf den ersten Blick. So muten die Kurzbeschreibungen des Preises teilweise skurril an. Oder finden Sie es normal, wenn ein Bürgermeister ordnungswidrig geparkte Autos einfach von einem Panzer überrollen lässt? Der Bürgermeister der litauischen Hauptstadt Vilnius, Arturas Zuokas,
hat so gehandelt und für sein unorthodoxes Vorgehen den IG Nobelpreis bekommen.


Doch auch die anderen Preisträger dieses Preises zeichnen sich durch besonderen Erfindergeist aus. So fanden japanische Forscher heraus, dass Wasabi-Geruch perfekt als Feueralarm einsetzbar ist und sogar Taube wecken kann; von anderen ausgezeichneten Forschern wurde der blinde Paarungstrieb australischer Käfermännchen, die gerne eine Bierflasche besteigen, genauso unter die Lupe genommen wie die Angewohnheit des Homo Sapiens, unter bestimmten Umständen herzerweichend zu seufzen.


Mein besonderer Liebling unter den ausgezeichneten Forschungsergebnissen der IG Veranstaltung ist die Untersuchung, ob man(n) eine Schildkröte zum Gähnen bringen kann: Bislang gelang es nicht. Der Forscher, der das herausfand, ist ebenfalls IG Nobelpreisträger.


Diese Auszeichnung (der IG-Nobelpreis ist ein Wortspiel mit "ignoble«, also schändlich, unwürdig) ist keineswegs als Veräppelung des traditionellen Nobel-Preises. Er wird von der Universität Harvard verliehen und von »echten« Nobelpreisträgern überreicht. Ein extravaganter Clou ist, dass die Ausgezeichneten nur wenige Sekunden Zeit für ihre Dankesworte zur Verfügung haben. So wird das humorige Ambiente der Veranstaltung unterstützt - seit nun mehr 21 Jahren.


Bild: Schildkröte © Rita Thielen/
www.pixelio.de

28.10.2011, 14.53 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Halloween

545421_R_K_by_Lilo Kapp_pixelio.de.jpgAm 23.09. begann der kalendarische Herbst, am 30.10. beginnt die Winterzeit. Keiner würde dran denken, den Oktober noch zum Sommer zu zählen, auch wenn die angenehmen Temperaturen des Altweibersommers definitiv wärmer als die des Monats Juli waren. Doch früher markierte die Nacht vom 31.10. zum timeMinute11Hour0101.11. den Übergang vom Sommer zum Winter wie auch den Jahreswechsel des keltischen Kalenders. In jener Nacht verabschiedeten keltische Priester den Sommer (Jahreszeit der Götter und des Lebens) und begingen feierlich die Ankunft des »Todenfürsten«Samhain (ausgesprochen: Sa huin, Bedeutung: Sommer-Ende). Samhain beherrschte den Winter.


Ein schauriger Glaube begleitete damals unser heutiges Halloween: Die Menschen fürchteten sich davor, dass sich ein Toter ihres lebendigen Körpers bemächtigen würde, um in ihm für ein ganzes Jahr zu leben also erbrachte man Opfer, um sich zu schützen.


Das Wetter unterschied sich zur Eisenzeit allerdings nicht allzu sehr vom heutigen: Auch damals musste die Ernte zum Winter eingebracht sein, die Bauern hatten dann wieder mehr Zeit für Tradition, Familie, Feiern und waren Meister darin, alle drei in eigentümlich anmutenden Ritualen zu vereinen.Ein keltischer Brauch beispielsweise veranlasste die Männer, zwei Brote in ein loderndes Feuer zu werfen. Verbrannten beide, verhieß dies eine reichhaltige Ernte im nächsten Jahr, hüpfte ein Laib jedoch wieder heraus, so bedeutete dies einen bevorstehenden Ehebruch. Getreide und seine Erzeugnisse wurden gern für besondere Prophezeiungsriten verwendet. So war es auch Usus, die Körner zur Zukunft zu befragen oder in ein Brot einen Ring zu backen wer diesen Ring dann nach dem Aufteilen des Brotes erwischte, hatte Aussicht zum Sommerbeginn zu heiraten.


Doch der wilde Halloween-Abend war mit diesen »einfachen« Bräuchen noch lange nicht zu Ende. Die Menschen verkleideten sich als Geister oder Tote, vor allem auch, um die wahren Toten, die auf der Suche nach einem lebendigen Körper waren, zu täuschen. Dennoch ging man früh zu Bett, jedoch nicht bevor nicht den Ahnen Speis und Trank in die gute Stube gestellt war, sollten sie in jener Nacht, in der es leicht war, zwischen den Welten zu wandeln, ihre Verwandten besuchen.


Auch die fortschreitende Christianisierung konnte die keltischen Riten nicht auslöschen. Erst als Papst Gregor IV im Jahre 837 veranlasste, dass am 1. November Allerheiligen und am darauf folgenden Tag Allerseelen begangen wurde, gab er den heidnischen Bräuchen ein anderes Gesicht. Halloween wurde dann erst im 16. Jahrhundert durch die protestantische Kirche geboren: Sie gab der christlichen Feier den Namen All Hallowed Evening.


Das »Trick or Treat« geht ebenfalls auf einen christlichen (und etwas makaberen) Usus zurück: »Seelenkuchen« waren im 9. Jahrhundert n. Chr. die »Treats«, auf die es junge Christen abgesehen hatten.

Am 2. November erbaten sie sich an jeder Tür solche Süßigkeiten, um als Gegenleistung Gebete anzubieten oder, sollte es keinen Seelenkuchen geben, einen »Trick«, also einen Fluch, auszusprechen.


Bild: Halloween
© Lilo Kapp/www.pixelio.de


24.10.2011, 13.21 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Tag der Philosophie

Die Nachricht ging um die Welt: Einstein ist ausgehebelt, die Überlichtgeschwindigkeit ist erreicht! Und wahrlich, es ist kaum zu glauben, welche Resultate die Testreihen der Physiker am europäischen Kernforschungszentrum Cern ergaben: Neutrinos, winzige Elementarteilchen, können sich um 0,002 Prozent schneller als das Licht bewegen und damit wäre das bisherige Verständnis von Raum und Zeit, wie Einstein es uns lehrte, gehörig auf den Kopf gestellt. Die Forscher schickten dabei in ihrem »Opera-Experiment« Neutrinos von Cern aus bis zu einem unterirdischen Labor in den italienischen Abruzzen: Die Teilchen legten eine ca. 730 Kilometer lange Strecke unter den Alpen hindurch in etwa 2,43 Millisekunden zurück; das entspräche einer Geschwindigkeit von 299.798.454 Metern pro Sekunde die Neutrinos reisten also mit Überlichtgeschwindigkeit!


Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen hätten sie Folgen für unser Weltbild? Welche? Werden sich eventuell am diesjährigen Welttag der Philosophie am 17. November bereits die ersten Denker mit diesen Fragen beschäftigen? Der 17. November wurde von der Unesco zum Tag der Philosophie ausgerufen. Weltweit finden an diesem Tag in den Medien und an Schulen, Universitäten und Instituten Veranstaltungen rund um das breite Themengebiet der Philosophie statt. Wir von Jokers haben für Sie ein umfangreiches Angebot an philosophischen und naturwissenschaftlichen Werken. Von Büchern bis hin zu DVDs finden Sie sicher genau das, was Sie interessiert. Und wer weiß: Vielleicht ist es ja »Lieber Hr. Einstein«, die Sammlung an Briefen, die Kinder an niemand anderen als Albert Einstein schrieben, und die er in seinem unnachahmlichen Stil beantwortete. Was denken Sie, was er wohl auf die Frage antwortete, ob es Geräusche auch dann gibt, wenn niemand sie hört? Dieses Paradoxon ist ja auch in der Zen-Tradition als einer der klassischen Koan bekannt.


Wenn Sie die Antwort kennen, können Sie sicher auch vermuten, was Einstein entgegnen würde, fragte man ihn, ob Überlichtgeschwindigkeit existiert, wenn nichts da ist, was sie beeinflussen kann, Neutrinos hin oder her


Buch "Lieber Herr Einstein" bei Jokers






21.10.2011, 12.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Loriot

87 Jahre ist er alt geworden: Er hatte ein langes Leben. Dennoch hätten wir wohl alle gewünscht, er wäre noch viel älter geworden, hätte uns noch viele Jahre mit seiner Sicht der Dinge erfreut: Vicco von Bülow verstand es wie wenig Andere, aus alltäglichen Ereignissen skurrile, unterhaltsame Anekdoten zu stricken. Am 22. August starb Loriot in seinem Haus in Ammerland am Starnberger See, er ist »sanft entschlafen«, wie Diogenes-Sprecherin Ruth Geiger mitteilte.


Vicco_von_buelow_loriot_08_2005.JPGWarum eigentlich nannte sich Vicco von Bülow Loriot? Die Erklärung ist denkbar einfach, aber dennoch kaum bekannt: Er wählte als Künstlernamen einfach die französische Bezeichnung für das Wappentier der Familie Bülow (Pirol = loriot).


Jeder von uns hat wohl sein eigenes Bild abgespeichert, wenn er an Loriot denkt: Vielleicht ist es die der Herren im Bad, bei denen die Ente draußen bleiben soll, oder aber die Nudel im Gesicht, die beim Rendezvous reichlich stört. Und ganz sicher haben Sie entweder »Ödipussi« oder »Pappa ante portas« nicht nur gesehen, sondern geliebt.


Bekannt wurde von Bülow erstmals mit seinem Knollennasenmännchen in Zeitschriften-Cartoons, dann begeisterten seine Fernseh-Sketche, etwa in der ARD-Serie »Loriot I-VI« in den 70er Jahren, ein breites Publikum. Mit seiner 2007 gestorbenen Kollegin Evelyn Hamann verzauberte er in Sketchen über die Familie Hoppenstedt als talentierter Schauspieler.


Er war auch einer der Ersten, die die heute so populären Differenzen der Geschlechter humorvoll unter die Lupe nahmen: Sein Dialog über das weich- oder hartgekochte Frühstücksei ist ein pointiertes Beispiel für seine pointierte Weltsicht.


Die Liste seiner Kreationen ist schier unendlich: Er erschuf so viele Figuren und Charaktere, dass manch Einer erstaunt entdecken mag, dass zum Beispiel auch das Zeichentrickpärchen Wum und Wendelin in der Fernsehshow »Der große Preis« mit Wim Thoelke aus Loriots Feder stammen.


Loriot erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen wie den Deutschen Filmpreis, den Deutschen Kleinkunstpreis, die Goldene Kamera, den Karl-Valentin-Orden, den Wilhelm-Busch-Preis und den Ernst-Lubitsch-Preis. Loriot war auch Mitglied der Berliner Akademie der Künste und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.


Wir haben in unserem Shop ein umfangreiches »Loriot Memorial«-Programm zusammengestellt: Von Kalendern bis hin zu Sammelwerken finden Sie sicher genau das Richtige für Sie, um Loriot in Erinnerung zu behalten.


Bild: Loriot/wikimedia commons


Loriot bei Jokers



13.09.2011, 10.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Wer hat Angst vor Hilda Doolittle?

Warum kam eigentlich Hilda Doolittles Lebensgeschichte bisher noch nicht in die Kinos? Stoff genug böte die Biografie der Dichterin allemal.


Die 1886 in Pennsylvania geborene Amerikanerin gilt als Ikone der Gender-Bewegung. 1911 kam sie mit ihrem Verlobten Ezra Pound nach London. Sogleich mischte sie sich unter die dortige Bohème. Zu dem illustren Kreis zählten neben anderen William Carlos Williams, D.H. Lawrence, Marianne Moore und Robert Creeley. Auch auf den Schriftsteller Richard Aldington traf Hilda dort. Den heiratete die Imaginistin sozusagen vom Fleck weg. Doch nach zahlreichen Affären seinerseits entfremdete sich das Paar bald. So trägt Hildas Tochter Frances Perdita zwar noch den Namen Aldington, ihr leiblicher Vater war allerdings der Maler Cecil Grey.


Als Hilda an der Spanischen Grippe erkrankte, rettete ihr eine Frau das Leben, von deren Seite Hilda nie wieder weichen würde: die reiche Schriftstellerin Bryher, die damals dem Selbstmord nahe war. Das Schicksal schweißte die beiden außerdem durch eine Liebesgeschichte zusammen. Diese ging sogar soweit, dass sich die Ladys zeitweise Bryhers wechselnde Ehemänner teilten.


1933 zog es H.D., wie Hildas Pseudonym lautet, nach Wien, um sich von Sigmund Freud therapieren zu lassen. Über diese Erfahrung veröffentlichte sie 1943 das Buch »Tribut an Freud«. Im Alter von 75 Jahren starb Hilda Doolittle am 27. September 1961 in Zürich.


So viel geballte Lebens-, Leidens- und Liebeserfahrung findet man nicht in allen Künstler-Biografien. Deshalb hier ein Aufruf an alle uninspirierten Produzenten Hollywoods: Bevor ihr noch den zigsten Fortsetzungsteil irgendwelcher seichten Komödien dreht - die Lebensgeschichte der Hilda Doolittle würde den geneigten Kinogänger im Gegensatz dazu sicher brennend interessieren. Die Dame feiert zudem 2011 gleich zwei Jubiläen: ihren 125. Geburtstag sowie ihren 50. Todestag.




08.09.2011, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der literarische Stammtisch

Es gibt Männer, die Bücher lesen. Ganz normale Männer, keine schmächtigen Abiturienten, langhaarigen Studenten oder so. Und über Bücher wird nicht nur in Literaturcafés und ähnlichen Etablissements diskutiert. Nein, auch in der ganz normalen Stammkneipe nebenan. Zum Beispiel in einer Augsburger Cocktailbar im Schatten des Jakobertors, wo auch einige Jokers-Mitarbeiter ihre Freizeit verbringen.


Vlad.jpgWies dazu kam: Der Barkeeper hatte »Vlad« von C.C. Humphreys gelesen. Also das Thema »Dracula« in einem an historischen Personen und Ereignissen orientierten Roman. Er lieh ihn einem der Gäste, Tage später sprachen sie darüber, das Interesse anderer Gäste wurde geweckt, das Buch weiterverliehen.


Tja, und seitdem tauschen sich die Bier- und Bücherfans in besagter Bar über ihre literarischen Erfahrungen aus. Es geht meist um Unterhaltungsliteratur, aber die wird durchaus fachkundig kommentiert.


Ein kleiner Vergleich:


Laut »phantastic-news.de« zeichnet C.C. Huphreys in »Vlad« ein »überzeugend realistisches, atmosphärisch unheimlich dichtes und auch in Details stimmiges und faszinierendes Bild«.


 


Dasselbe meint wohl der literarische Stammtisch, wenn auch etwas anders formuliert: »Ein unglaubliches Gemetzel, mit so detailliert beschriebenen Folterszenen, dass die Grausamkeit grad eben noch nicht den Spaß verdirbt. Insgesamt aber richtig gute Unterhaltung, von der man länger was hat: 600 Seiten.«



Das triffs doch, oder? Alles drin, was man wissen muss...



01.06.2011, 11.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Bis dass die Ohren bluten

Manchmal tun mir die Ohren weh. Nicht wegen Zugluft, zu spitzen Wattestäbchen oder zu lauter Musik. Es sind Sätze, Wörter oder einfach nur Lautäußerungen, die mir täglich ans Gehör drängen und es vor Schmerzen förmlich bluten lassen. Sätze aus Radio, TV, Bus-, Bahn- oder Friseurgesprächen, die mich am Volksmund verzweifeln lassen. Angefangen mit den Absolutadjektiven »das Einzigste« oder »das Optimalste«, die zwar fast schon flächendeckend akzeptiert, aber dennoch falsch sind, über die Redewendungen »Das geht ja gar nicht«, »das ist ein No-Go«, »ein Stück weit«, »das klingt ja spannend« bis hin zum Oxymoron »eine humanitäre Katastrophe«.



Meine Empfindlichkeit der Sprache gegenüber ist keineswegs das Zeichen fortschreitenden Alterns. Ich war schon an der Uni so. Doch heute habe ich das Gefühl, dass in Zeiten des Netspeaks die Sprache gänzlich verroht. Trauriger Höhepunkt des anarchischen, weil anonymen Palavers sind Forenbeiträge und Statuskommentare in sozialen Netzwerken wie Facebook. Hier, so scheint es, mag so gar keine Regel mehr gelten, weder Orthographie noch Interpunktion, ja nicht einmal mehr die einfachste Höflichkeit.



Umso größer war meine Freude, als ich meinen alten Freund aus Studienzeiten, Dieter E. Zimmer, wieder fand. Mit »Redens-Arten. Über Trends und Tollheiten im neudeutschen Sprachgebrauch« und »So kommt der Mensch zur Sprache - Über Spracherwerb, Sprachentstehung und Sprache und Denken« hatte er mir schon im Studium so manche Zeitungslektüre versüßt. Mit meinem Uni-Abschluss verblasste die Erinnerung an den Vorzeige-Sprachwissenschaftler leider.



Doch jetzt habe ich auch seine neueren Werke »Deutsch und anders Die Sprache im Modernisierungsfieber« und »Die Wortlupe Beobachtungen am Deutsch der Gegenwart«  entdeckt und natürlich sofort gekauft. Was soll ich sagen. Es tut einfach nur gut, seine Sprachkritiken zu lesen!


31.05.2011, 09.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mein Freund, der Roboter

Wie wird unser Leben in fünfzig Jahren aussehen? Wie die Gesellschaftsstrukturen, wie unsere zwischenmenschlichen Beziehungen? Werden wir noch in klassischen Kleinfamilien zusammenleben, werden wir noch heiraten? Ich vertreibe mir gerne laue Abende mit solchen Gedankenspielen und einmal im Jahr hole ich mir Anregungen für meine Phantasie auf der Ausstellung der Ars Electronica in Linz.. Natürlich musste ich auch die diesjährige Exponate zu »Robotinity« besuchen: Schließlich wird hier gezeigt, die sich das Zusammenwachsen von Mensch und Maschine weiter entwickeln könnte.


Roboter_by_Hanspeter Graf_pixelio.de.jpgIch halte die Ausstellung für ziemlich gelungen: Nicht nur, dass die Besucher Aufnahmen ihrer Retina anfertigen lassen oder an digitalen Zeichenbrettern eigene Interaktionsfiguren entwerfen können auch die »Haustiere der Zukunft« stehen dort zum Anfassen und Bestaunen zur Verfügung. Insbesondere Paro, die kleine, kuschelige Robbe, hat es mir angetan. Mit großen Augen schaut sie die Besucher an, reagiert auf Streicheln und auf Stimmen. Die Robbe wird müde, sie mag es nicht, wenn man sie an den Schnurrbarthaaren zieht, kurzum: Paro verhält sich wie ein »echtes« Tier und löst auch entsprechende Emotionen in ihrem Interaktionspartner aus. Der Beschützerinstinkt wird geweckt, wenn man das Roboter-Fell streichelt und Paro daraufhin sein Köpfchen wendet und sich wohlig aalt.


Diese Spielerei ist aber weitaus mehr als nur eine nette Idee: Insbesondere in der Geriatrie und in Pflegeheimen erweisen sich solche künstlichen Haustiere als wertvolle Helfer, um den Genesungsprozess zu fördern und das Wohlempfinden, insbesondere auch Demenzkranker, zu steigern. Eine tolle Sache also.


In seinem Buch »Menschmaschinen« entführt der Autor Rodney Brooks Sie in eine erstaunliche Zukunftswelt: Er begibt sich auf die Suche nach den neuesten Forschungsansätzen in den Laboratorien der Welt, um uns die aktuellen Entwicklungen in der Robotik vorzustellen. Androide Roboter, beinahe vollwertige Kommunikationspartner, auf Zärtlichkeiten reagierende Haustiere sind dabei keine Rarität mehr. Und wer weiß: Vielleicht muss man gar nicht fünfzig Jahre weiter denken, um sich eine vollkommen andersartige Interaktionswelt vorzustellen. Zwanzig Jahre könnten reichen, um unser gesellschaftliches Zusammenleben vollkommen auf den Kopf zu stellen.


"Menschenmaschinen" von Rodney Brooks bei Jokers



Bild: Spielzeugroboter © HANSPETER GRAF/www.pixelio.de

30.05.2011, 15.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Hüter der Bücherschätze

Gotthold_Lessing.jpgWas haben Lessing, Engels, Casanova und Ringelnatz gemeinsam - außer, dass sie großartige Schriftsteller waren? Sie arbeiteten als Bibliothekare, waren also Hüter der Bücherschätze! Wie beneiden wir doch diese professionellen Bücherfreunde, die sich den ganzen Tag mit dem umgeben können, was auch uns so sehr am Herzen liegt: dem Buch - und das in einer unübersehbaren Menge! Denken Sie nur an die prachtvolle österreichische Nationalbibliothek in Wien oder den Büchertempel der Herzogin Anna Amalia in Weimar. Unzählige Regalmeter an Bänden in kunstvoll ausgestalteten Palästen - da kann man als Bücherwurm nur neidisch werden...


Um sich da jedoch noch zurecht zu finden, bedarf es eines ausgeklügelten Systems - und eines Bibliothekars. Er ist nicht nur ein Hüter und Wächter, sondern auch der Führer durch den "Dschungel" des gedruckten Wortes. Schon in den ersten Bibliotheken der Menschheitsgeschichte, etwa der Tontafelsammlung von Ninive im 7. Jh. v. Chr., ging es nicht ohne jemanden, der den Überblick wahrte.


Damals wie heute sind Bibliothekare das Herz einer jeden Büchersammlung. Sie kennen nicht nur alle Geheimnisse der Archivierung, sie verantworten auch die Instandhaltung ihrer Schätze, organisieren Lesungen, helfen Benutzern bei der Literaturrecherche u.v.a.m. Der alte Zettelkasten hat dabei längst ausgedient. Heute verfügen nahezu alle der rund 14.000 deutschen Bibliotheken über ein computergestütztes Katalogisierungssystem.


Damit auch Ihre ganz private Bibliothek zu Hause wieder ein Stück wächst, lohnt sich ein Blick in unseren Jokers-Online-Shop. Bringen Sie Ihren Bücherschrank an seine Grenzen!


Bild: G. E. Lessing/wikimedia

17.05.2011, 13.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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