
Blogeinträge (themensortiert)
Thema: Kultur und Gesellschaft
Macht’s Murphy möglich?
Wenn ein Ereignis eingetreten ist, für das die Wahrscheinlichkeit äußerst gering war, weil dafür sehr viele negative Faktoren gleichzeitig wirken müssen, so wird dieses Ereignis gern mit »Murphys Gesetz« erklärt: »Wenn irgendetwas schief gehen KANN, dann WIRD es auch schief gehen«. So jedenfalls ist »Murphys Gesetz« in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen.
»Murphys Gesetz« geht höchstwahrscheinlich auf Captain Ed Murphy von der US Air Force zurück. Der Physiker hatte 1949 ein Gerät gebaut, das Gravitationskräfte messen sollte. Gleich bei der ersten Vorführung versagte der Apparat: Einer von Murphys Mitarbeitern hatte es geschafft, ALLE 16 Mess-Sensoren falsch anzuschließen. Auf einer Pressekonferenz sollte sich Murphy für die teure Panne rechtfertigen. Schließlich sei es ja recht unwahrscheinlich, dass hinter einem derart kompletten Versagen keine Absicht stünde. Woraufhin Murphy sein »Gesetz« formulierte.
Der im Grunde sehr simple Satz (Murphy hat ihn wahrscheinlich besser formuliert als oben zu lesen, doch der Wortlaut ist über die Jahre verloren gegangen) hört sich an wie eine dumpfe Allerweltsweisheit, hat aber einen wissenschaftlich fundierten Hintergrund. Hier geht es um die Wahrscheinlichkeitslehre.
Wenn wir im Alltag von Wahrscheinlichkeiten reden, ist uns eine sehr wichtige Eigenschaft der Wahrscheinlichkeit meist nicht bewusst: Wie gering die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis auch sein mag: wenn sie größer als Null ist, wird das Ereignis auch eintreten. Irgendwann. Sonst wäre die Wahrscheinlichkeit ja Null. Sie würden ganz sicher den Lotto-Jackpot knacken wenn Ihre Zeit auf dieser Welt, bzw. die Möglichkeit, Lotto-Tipps abzugeben, nicht begrenzt wäre...
Stellt sich noch die Frage nach dem Umkehrschluss bei »Murphys Gesetz«: Tritt, wenn alles schief geht, was schief gehen kann, ein Ereignis von äußerst geringer Wahrscheinlichkeit ein? Bevor die Fußball-Fans in Augsburg oder Nürnberg jetzt schon auf die Meisterschaft anstoßen: Nein. So nicht.
Geschrieben von Gerald Wunder
22.05.2012, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Auf nach Atlantis!
Wissen Sie schon, wos im Sommer-Urlaub hingehen soll? Nein? Ich hätte da einen Tipp: Atlantis - sagenhafter, versunkener Kontinent. Heimat einer hoch entwickelten Kultur. Von dort kamen all die Götter unserer Mythologie und brachten uns ihre Zivilisation. Dort kann man tatsächlich Urlaub machen! Ich war letztes Jahr da.
Atlantis wurde von US-Forschern pünktlich zur Urlaubssaison 2011 wiederentdeckt: auf Zypern, meldete ein TV-Bericht, der geflissentlich verschwieg, dass die »Entdeckung« schon 2004 gemacht wurde. Aber egal: Ferien bei den Göttern, zahlen mit Euro, das hört sich gut an, dachte ich mir. Ist aber, wie ich mittlerweile weiß, nix Neues.
Sie werden überrascht sein: Die Wahrscheinlichkeit, dass auch Sie schon in Atlantis waren, ist enorm hoch. Über 40 Mal wurde es bereits »entdeckt«. Atlantis war demnach eine Insel im Atlantik (klar), Kreta und Santorin (da ging schon vieles unter), Nord- und/oder Südamerika (die Zivilisation kommt von den Amis, logisch).
Alles grad noch nachvollziehbar. Aber auch in Belgien (die Götter brachten uns fettige Pommes, mieses Bier...), den Niederlanden (... und schlechten Fußball???), Ostpreußen (gibts nen Atlantis-Vertriebenenverband?) und sogar Mecklenburg (naja, da geht die Welt zwar unter, aber laut Bismarck 100 Jahre später) haben »Forscher« Atlantis schon entdeckt.
Ein flächendeckendes Filialnetz: einmal auch in Ihrer Nähe! Atlantis ist wie die Post.
Autor: Gerald Wunder
Bild: Südküste von Zypern © Dieter Schütz/www.pixelio.de
02.05.2012, 08.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Au(r)a, das tut weh!
Dass die so genannte Esoterik nicht, wie versprochen, ins, sondern eher hinters Licht führt, dürfte allgemein bekannt sein. Dass man damit im wahrsten Sinne des Wortes ein Heidengeld verdienen kann, weiß man auch und sogar die Politik mischt da fröhlich mit...
Die Externsteine bei Horn in Nordrhein-Westfalen sind seit dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel. Die bis zu 40 Meter hohe Felsformation sieht so ungewöhnlich aus, dass »spirituelle« Menschen sie seit dem Mittelalter für einen magischen, mystischen »Kraft-Ort« halten.
Heute gelten die Externsteine in der esoterischen Literatur als alter germanischer Kultplatz, obwohl die Archäologie keinerlei Hinweise darauf gefunden hat. Dem Stadtrat von Horn ists egal, denn Esoteriker geben gern Geld aus.
Und deshalb will man die Esoteriker seit einigen Jahren verstärkt anlocken: »Das vorhandene Potential an Esoterik sollte noch konsequenter und planvoller ausgenutzt werden«, forderte ein Antrag der Stadträte von Horn.
Wie das aussehen könnte? Zum Beispiel könnte zu den Sonnwendfesten jeweils ein großes Spektakel nach dem Vorbild der Love-Parade unter dem Motto »Friede, Freude, Mistelkuchen« stattfinden. Da gibts dann Met-Wurst und die Musik der Barden-Band »Wir sind Kelten«. Die dürften allerdings nicht ihren großen Hit Denk mal spielen, denn das widerspräche allen esoterischen Grundsätzen...
Autor: Gerald Wunder
Bild: Externsteine © Rainer Klinke/www.pixelio.de
30.04.2012, 15.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Wenn selbst die Schwaben ihre Sparsamkeit vergessen...
... dann haben sie ihr »Handy« eingeschaltet. Bis fast ans Ende der 1990er-Jahre galten Menschen, die mit Handys rumliefen, als lächerliche Wichtigtuer. Heute macht sich lächerlich, wer noch ein Festnetz-Telefon benutzt und noch lächerlicher, wer überhaupt kein Mobil-Telefon hat.
Vergessen ist, dass sich noch vor ein paar Jahren fast jede/r über nervige Klingeltöne und dämliche, in aller Öffentlichkeit geführte Telefonate aufregte. Heute piepsen und dämlichen alle mit.
Auch von den Bürgerinitiativen gegen Handy-Sendemasten hört man kaum noch was. Und schon gar nicht von den Vermutungen der ewigen Schwarzseher, dass Handy-Strahlung schwere Gesundheitsschäden verursacht: an Zellen, an den Genen, am Gehirn. Ist ja auch egal. Schließlich hat man mit dem Handy die Möglichkeit, die lebenswichtige Info »Ich bins. Ich bin in der Straßenbahn. Bis bald. Tschüs.« weiterzugeben.
Mehreren Studien zufolge drehen sich 99% aller Mobil-Telefonate um solch wertvolle Inhalte. Hirnschäden? Na und? Wozu braucht man denn da noch Hirn? Das fragt man sich auch, wenn man hört, dass die meisten Smartphone-Nutzer deswegen keine Angst vor schädlicher Mobiltelefon-Strahlung haben (selbst wenn sie existieren würde), weil sie mit ihren Mobiltelefonen kaum telefonieren. Sondern überwiegend SMS schreiben oder Social Networken. Und von schädlicher SMS- oder Facebook-Strahlung war ja nie die Rede...
Sehr interessant ist auch, dass die Umsätze der Mobilfunk-Anbieter steigen und steigen. Egal, wie viel Krise grade ist. Tatsächlich könnte man aus den Statistiken herauslesen, dass die Lohnerhöhungen seit dem Jahrtausendwechsel nicht etwa von der Inflation und schon gar nicht von der Euro-Einführung »aufgefressen« wurden. Sondern von der ausufernden Handy-Telefoniererei.
Sogar in Schwaben vermobiltelefoniert man Häusle und Hof. Womit wir wieder am Anfang des Lamentos wären. Denn von den Schwaben erhielten die Mobiltelefone ihren Namen. Sie kennen den Witz: »Hän die koi Schnur?« Haha.
Autor: Gerald Wunder
Bild: Handy © Niko Korte/www.pixelio.de
25.04.2012, 16.04 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Sensationen und Skandale:
60 Jahre BILD-Zeitung
Sie sind absoluter BILD-Gegner? Sie fassen dieses Blatt höchstens mit der Zange an, um es umgehend in Ablage P zu befördern? Dann halten Sie letztgenanntes Instrument schon mal griffbereit: Am 23. Juni werden zur Feier des Jubiläums alle Haushalte Deutschlands mit einem kostenlosen BILD-Exemplar bestückt. Da hilft auch der »Keine Werbung«-Aufkleber nix.
Manche BILD-Phobiker überlegen sich schon einen Briefkasten-Schutz-Sticker im IKEA-Stil: »Nein, ich will NICHT die BILD!« Obs hilft? Wir werden sehen. Alternativ kann man das wertvolle Zeitungspapier immer noch als Einlage für den Kaninchenstall oder als Fensterputzlappen benutzen. Auch die guten alten Papierflieger oder Origami-Kunstwerke würden dem Blatt eine gewisse Kreativität verleihen.
Vor nackten Tatsachen auf Seite 1 müssen Sie sich übrigens nicht mehr fürchten die wurden im März nach 28 Jahren in den Innenteil verbannt. Grund war wohl weniger, dass die BILD neue Moralvorstellungen entwickelt hätte, sondern eher Aspekte des Marketings: Die britische The Sun, die ihre girls auch erst auf Seite 3 platziert, hat die BILD im Januar 2012 erstmals als auflagenstärkste Zeitung Europas abgelöst. Es geht also abwärts im Jubiläumsjahr. Was nicht zuletzt Herrn Günter Wallraff freuen dürfte.
Buch "Der Aufmacher" bei Jokers
Übrigens: Falls Sie doch mal ein Argument zum Lesen der BILD-Zeitung brauchen: BILD bildet tatsächlich. Keine beherrscht die Werbesprache so perfekt wie sie: KISS lautet die Formel - Keep it stupid and simple. Ich sage nur: »Wir sind Papst!«
Dabei hätte »Wir sind Wulff!« noch viel schöner geklungen. Doch schon 2006 erklärte Springer-Chef Matthias Döpfner: »Für die Bild-Zeitung gilt das Prinzip: Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten. Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.« Es lebe die Meinungsfreiheit!
Buch "Feindbild Springer" bei Jokers
Buch "Bild dir dein Volk" bei Jokers
Geschrieben von Anne Eichmann
16.04.2012, 10.21 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Zeig dich, Sonderling!
Wer denkt nicht ab und zu über berufliche Veränderungen nach? Interessante Herausforderungen, neue Kollegen, bessere Bezahlung oder einfach mehr Zeit für sich, Ruhe und Einsamkeit gar? Vor ein paar hundert Jahren hätten Sie da eine spannende Option wahrnehmen können: eine Anstellung als Schmuckeremit! Kost und Logis wären Ihnen schon mal sicher gewesen. Bescheiden versteht sich, denn Schmuckeremiten hatten im 18. und 19. Jahrhundert den Auftrag, englische Landschaftsparks zu beleben. Ihre Bleibe war also eine Erdhöhle oder eine Grotte. Auf Körperpflege war zu verzichten der Schmuckeremit sollte mit langen Haaren und Bart beeindrucken. Zu tragen hatte er ein schlichtes, wollenes Gewandt, als »Accessoires« dienten ihm lediglich eine Bibel und eine Brille, sein Alter sollte unbedingt fortgeschritten sein weltabgewandt und sonderbar, aber gelehrt sollte er erscheinen. Zu festgelegten Zeiten musste der Eremit sich zeigen, um mit seinem bloßen Anblick den Grundstückseigner und seine Gäste zu erfreuen.
Scheinbar war ein wohlgepflegter Landschaftsgarten erst perfekt, wenn ihm ein kleiner, künstlicher »Makel« zugefügt worden war also die karge Bleibe eines vermeintlichen Einsiedlers. Und nichts schien das Auge mehr zu erfreuen als ein alter, in Lumpen gekleideter Mann mit langem grauen Bart, der den Launen der Natur ausgesetzt war und keinerlei Ansprache hatte. Der eigene Reichtum lässt sich doch gleich viel mehr genießen, wenn man sieht, wie bescheiden andere Menschen hausen.
Sollten Sie noch Inspiration für Ihre Gartengestaltung benötigen hier werden Sie garantiert fündig. Nur auf professionelle Einsiedler werden Sie wohl verzichten müssen...
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"Handbuch Gartengestaltung" bei Jokers
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Bild: Garten © Katharina Wieland Müller/www.pixelio.de
11.04.2012, 14.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Olympische Spiele 2012: London ruft... wieder mal...
Im Juli und August 2012 finden die XXX. Olympischen Sommerspiele in London statt. Nicht das erste Mal: London war bereits Austragungsort der Sommerspiele 1908 und 1948.
Bei der IV. Olympiade im Jahre 1908 bewies der US-Amerikaner Forrest Smithson, dass Bücher nicht nur klug machen. Zu den Vorläufen über 110 Meter Hürden trat er mit einem Buch in der Hand an. Seinen Konkurrenten wollte er damit wohl sagen, dass er bei seiner läuferischen Überlegenheit nebenher gemütlich lesen könne, ohne seinen Sieg zu gefährden.
Ein dummer Psycho-Trick. Aber ein wirksamer. Denn Smithson kam bis ins Finale. Das entscheidende Rennen lief er ohne die Lektüre für unterwegs. Doch seine Gegner waren so eingeschüchtert, dass sie keinen Versuch mehr machten, ihn zu besiegen. Unangefochten wurde Smithson Olympiasieger.
Hätte der kleine Trick Schule gemacht, wären heute wohl auch Buch-Versender unter den Olympia-Sponsoren: 110 Meters Hurdles: presented by Jokers - where smart People buy English Books... oder Sprachführer?!
Geschrieben von Gerald Wunder
Bild: London © C. Meisinger/www.pixelio.de
09.04.2012, 09.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Bielefeld? Gibts doch gar nicht, oder?
Stellen Sie sich vor, Sie leben in einer Stadt, von der behauptet wird, sie existiere gar nicht. Dann gibt es die BewohnerInnen also alle auch nicht? Bielefeld ist das passiert, jener völlig unspektakulären Stadt zwischen Weser und Ems. Sie wurde Opfer einer Verschwörungstheorie, genauer gesagt der Bielefeldverschwörung. Derzufolge ist die Stadt pure Erfindung. Und jeder, der behauptet, Bielefeld sei real, gilt als Teil der Verschwörung.
Der »Bielefake« ist nicht die einzige krude Theorie, die durch die Geschichte der Menschheit geistert. Verschwörungstheorien gab es bereits in der Antike. Die bekannteste jedoch ist die Legende, die sich um das Kennedy-Attentat rankt. Demnach ging der Mord an dem US-Präsident John F. Kennedy auf die Kappe von CIA in Zusammenarbeit mit der Mafia, Exilkubanern, Vizepräsident Lyndon B. Johnson und Vertretern des militärisch-industriellen Komplexes.
Warum sind derartige Geschichten so faszinierend? Der englische Psychologe Michael Wood von der Kent University hat dazu eine Studie initiiert. Er fand heraus, dass Verschwörungstheorien ähnlich wie Religionen wirken. Seinen Forschungen zufolge ist es ebenso schwer, sie zu beweisen, wie sie zu widerlegen. Und er förderte zu Tage, dass Menschen immer dann den bizarren Thesen folgen, wenn sie das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren.
Während hinter den meisten Verschwörungsfantasien eine handfeste Paranoia steckt, war es im Fall von Bielefeld purer Spaß. 1994 setzte der Informatikstudent Achim Held das Gerücht in Umlauf, die Stadt sei reine Einbildung. Er wollte sich damit einfach nur über die bierernsten Verschwörungstheoretiker lustig machen, die ihre wahnhaften Vorstellungen mit Zähnen und Klauen verteidigen. Was er nicht ahnte: Die Bielefeldverschwörung verbreitete sich wie ein Lauffeuer über das damals noch junge Internet und hält sich bis heute hartnäckig, allerdings immer mit einem Augenzwinkern. So richtig daran glauben, dass es die »B-Stadt« nicht gibt, tut eigentlich niemand. Oder waren Sie etwa schon einmal in Bielefeld? Nein? Und Sie kennen auch niemanden, der schon einmal dort war? Nein? Sehen Sie, Bielefeld gibt es nicht, kann es gar nicht geben...
Lust bekommen auf Verschwörungstheorien? Dann haben wir hier etwas für Sie:
Buch "Agenten des Bösen" bei Jokers
Sie sind felsenfest überzeugt davon, dass es Bielefeld tatsächlich gibt? Dann fahren Sie mal hin:
Buch "Echt-Bielefeld" bei Jokers
Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
Bild: Sparrenburg Bielefeld © Marion Heidemann-Grimm/www.pixelio.de
06.04.2012, 15.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL
10 Meter gehn, is des schee
Da ist meine Nichte noch keine 14 Jahre und kennt schon fast sämtliche Casting-Shows, die über das Fernsehen flackern. Besonders favorisiert sie die diversen Model-Castings. Und, natürlich, hegt sie mit ihren Freundinnen den Wunsch, selbst einmal, gestylt als Feder-Diva oder im Tiger-Look, vor der Kamera zu stehen. Immer, wenn meine Nichte mit leuchtenden Augen erzählt, in welcher Stadt die künftigen Models ihr Laufstegtraining absolvieren, hallt mir der alte Wiesn-Hit von Chris Böttcher in den Ohren: »10 Meter geh, ja mei ist des schee, gehst nei, gehst grod aus, drahst um, gehst wieder naus...«
Als Mann kann ich schwer nachvollziehen, weshalb sich die Zukunftspläne vieler Mädchen um eine Karriere als Topmodel drehen. Egal: Weil man ja schenken soll, was Freude bereitet, brachte ich meiner Nichte letztens die DVD »So wirst du Topmodel« mit. Dieser Film ist praktisch ein Lehrfilm, eine Anleitung zur Vorbereitung auf das große Geschäft im Show-Bizz.
Natürlich stürzte sich meine Nichte begeistert auf die DVD. Vielleicht dachte sie, sie hätte damit praktisch den Fahrplan zum Erfolg im Laptop. Doch ziemlich kleinlaut kam sie später wieder aus ihrem Zimmer hervor. Denn dass eine Model-Karriere der VORBEREITUNG bedarf, nun, das hätte sie nicht gedacht... Vorbereitung ist Arbeit. Arbeit ist aber etwas anderes, als in Kapstadt oder New York über den Dächern der Welt im glitzernden Sonnenschein zu posieren. Arbeit ist etwas anderes, als in Couture-Kleidern Sekt zu schlürfen...
Ich habe den Eindruck, meine Nichte denkt gerade über neue Berufsbilder nach. Jüngst hat sie von Tiermedizin gesprochen. Dass eine DVD so heilsam sein kann, hätte ich nicht erwartet.
DVD "So wirst du Topmodel" bei Jokers
02.04.2012, 16.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Brauchen wir noch einen Frauentag?
Am 08. März wurde der alljährliche Internationale Frauentag gefeiert. Wie viele Frauen denken wohl noch an seine Bedeutung? Die Wurzeln des Internationalen Frauentags gehen auf nordamerikanischen Sozialistinnen zurück, die im Jahre 1909 erstmals einen nationalen Frauenkampftag durchführten: Sie warben für Ideen des Sozialismus und propagierten das Frauenwahlrecht. Tatsächlich litten die Frauen im sich ausbreitenden Kapitalismus weit mehr als die Männer: Als Fabrikarbeiterinnen bekamen sie einen spärlichen Lohn bei horrenden Arbeitszeiten, und auch als Mütter erdrückten sie ihre Pflichten. Schon ein Jahr darauf wurde am 27. August 1910 von der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen, zu der einhundert Delegierte aus 17 Ländern kamen, auf Initiative von Clara Zetkin die alljährliche Durchführung eines Frauentages beschlossen, der sich gegen die Ausbeutung richten sollte.
1911 fand der erste Internationale Frauentag am 19. März in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Viele Millionen von Frauen beteiligten sich. Die Wahl eines Tages im März zeigte politisch revolutionäre Geschichte: Der 18. März wurde als Gedenktag für die Gefallenen in Berlin während der Revolution 1848 begangen, und die Pariser Commune, erster Versuch einer proletarischen Revolution, fand im Zeitraum vom 18. März bis 28. Mai 1871 statt.
1921 schließlich wurde der 8. März als Internationaler Frauentag festgelegt: An diesem Tag wurden bereits von 1857 bis 1907 immer wieder in verschiedensten Ländern Demonstrationen und Streiks durchgeführt. Die zentralen Forderungen damals waren: Gegen den imperialistischen Krieg, für Arbeitsschutzgesetze, Wahl- und Stimmrecht der Frauen, gleicher Lohn bei gleicher Leistung, Achtstundentag, Mutter- und Kinderschutz sowie die Festsetzung von Mindestlöhnen.
Und spätestens wenn sich die moderne Leserin, der moderne Leser diese ursprünglichen Forderungen ansieht, läuft es ihm und ihr kalt den Rücken hinab: Sollten tatsächlich heute, fast ein Jahrhundert später, noch wichtige Forderungen unerfüllt sein? Wie sieht es heute aus mit Mindestlöhnen und gleichem Lohn für gleiche Arbeit?
Bild: © Rainer Sturm/www.pixelio.de
30.03.2012, 10.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL



ø pro Tag: 0,6
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