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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Kunst

Kunstlexikon des 20. Jahrhunderts

KunstLeisten kann ich mir ihre Werke nicht, aber klar kenne ich die Künstler Neo Rauch und Jonathan Meese. Die Medien berichten schließlich sehr gern über die neue deutsche Kunst mit ihren „wilden“ Vertretern.

Einige ihrer Werke gefallen mir sogar ganz gut. Aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, ich hab’s eher mit der Kunst des letzten Jahrhunderts. Für das Werk eines Andy Warhol würde ich schon ein paar Euro lockermachen. Wir hätten da auch noch eine geeignete Wand im Wohnzimmer. Bis genug zusammengespart ist, gehe ich mit meiner Frau eben ins Museum, um die berühmten Werke des 20. Jahrhunderts von Kandinsky, Klee, Picasso und Warhol zu bewundern.

Gut ist dann natürlich, wenn man ganz nonchalant ein paar Fachbegriffe wie „Abklatschverfahren“ oder „Konstruktivismus“ fallen lassen kann, um Menschen, die nahe stehen, in angemessenes Erstaunen zu versetzen. Noch besser ist es allerdings, wenn man sich tatsächlich einmal mit solchen Begrifflichkeiten und Stilrichtungen beschäftigt. Das macht einen Museums- oder Ausstellungsbesuch – wie heißt es im Moment allenthalben – nachhaltiger.

Selbstverständlich kann ich Ihnen dafür ein geeignetes Werk empfehlen, das ganz nach Jokers-Art zudem einen überaus attraktiven Preis hat: DuMonts Kunstlexikon des 20. Jahrhunderts. Damit werden Sie einfach ein bisschen mehr Kunstkenner – und das kann nicht schaden.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 22.10.2009, 09.19 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mongolische Kunst und Literatur

kamelDie Mongolei gehört noch zu den Gegenden, die uns ziemlich fremd sind. Von der schier unendlichen Landschaft und den Hirten in ihren Zelten, da wissen wir ein bisschen was. Und durch den Film „Das weinende Kamel“ wurde uns die Mongolei und ihre Menschen etwas vertrauter. Ziemlich exotisch ist für uns die mongolische Kultur. Sie ist interessant, das beweist uns die Seite „Mongolian Art“.

mongolenAllein schon der Comic über „Die Geheime Geschichte der Mongolen“ ist den Besuch dieser Seite wert. Die historische und spannende Bildergeschichte stammt von Otgonbayar Ershuu aus Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, wo der Künstler geboren wurde.  Von ihm sieht man auch weitere Bilder aus den Themenbereichen Pferde, Götter bis Erotik. Auch traditionelle mongolische Malkunst kann er. Wobei die Wimmelbilder mit unangezogenen Menschen, na ja, immerhin mit Farbe ausgestattet,  hineintauchenswert sind, zumindest mit neugierigen Blicken.  

Mongolische Autoren und ihre Literatur werden auf „Mongolian Art“ von Renaet Bauwe, eine promovierte Mongoistin aus Merseburg, liebevoll und kenntnisreich betreut.

(Geschrieben von Otgo)

Jokers 05.10.2009, 08.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Eine gelungene Überleitung?

016.320.334.jpgLetztes Wochenende gönnten meine Frau und ich mir das, was wir unsere „Movie-Night“ nennen: Jeder von uns sucht einen Film aus, den wir dann zusammen sehen. Die Regel ist, dass sich jeder aussuchen darf, was er will, ohne Rücksicht darauf, ob es dem anderen gefällt oder nicht.

Ich wählte einen Action-Film, meine Frau kam mit „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“. Gemäß unserer Abmachung schwieg meine Frau während des Actionfilms, unterdrückte tapfer ihr Gähnen und schimpfte auch nicht wie sonst manchmal über eine angeblich fehlende Handlung.

Dann legte sie ihren Film ein. In Erwartung eines romantischen Liebes-Desasters biss ich die Zähne zusammen und dachte, dass Filme selten mehr als 1,5 Stunden Laufzeit haben. Doch schon nach 5 Minuten wünschte ich mir, der Streifen würde ewig dauern. Im Handumdrehen tauchte ich in die Welt des Robert Zimmermann ein, der, natürlich (!), seine Probleme mit der Liebe hatte – aber auf eine ganz und gar eigene, mitreißende Art. Na ja, Zimmermann hat ja gewissermaßen Bob Dylan als Namensvetter. Der hieß nämlich ursprünglich Robert Allen Zimmerman. Geboren wurde am 24. Mai 1941 in Duluth, Minnesota. Bob Dylan beeinflusste Generationen von Musikern und Fans mit seinen Texten und Songs. Seine Autobiografie haben wir nun im Angebot.

Das war doch jetzt mal eine gelungene Überleitung zum Verkaufen, oder?

http://www.jokers.de/3/15623049-1/buch/chronicles.html

Jokers 12.04.2009, 08.21 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Clemens Spankler

RollenspielDarf ich Ihnen Clemens Spankler vorstellen? Er ist 38 Jahre alt, gelernter Stuntman, lebt aber hauptberuflich vom Schmuggel verbotener, intergalak- tischer Zauber-Blumen. Er beherrscht wie kein anderer das kernspaltende Lichtschwert in Grün, ist ein enga- gierter Kämpfer für das Gute und hat ein heimliches Faible für rosa-farbene Pudel. Und Clemens ist die Hauptfigur eines neuen Rollenspiels, zu dem mich Gregor mitnehmen möchte.

Denn jüngst eröffnete mir mein alter Freund eine völlig neue Art, Ge- schichten selbst zu schreiben. Er erzählte mir von seiner Rollenspieler- Gruppe und lud mich ein, doch auch einmal an ihren Abenteuern teil- zunehmen.

Zunächst war ich etwas irritiert. Als Rollenspieler kannte ich bis dahin nur albern verkleidete Herr-der-Ringe-Fans, die mit „Orks“ kämpfend durch Wälder stürmen. Doch Gregor beruhigte mich. Einmal im Monat träfe er sich mit seinen Spielerfreunden Hannes und Emil zu rein fiktiven Abenteuern am Spieltisch. Alles, was sie dazu brauchen sind ein Block, ein Bleistift und ein paar Würfel.

Am liebsten tummeln sie sich in „Cyber-Punk“-Welten. Irgendwo in naher Zukunft kämpfen sie gegen Mutanten und fliegen mit Raumschiffen durch die Landschaft. Dabei denken sich die Spieler immer wieder neue Geschichten aus, neue Geheimnisse, neue Schätze, neue Monster. Und das nur mit Papier und Bleistift! Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und so kann das Spieler-Grüppchen auch ins Mittelalter, in die Steinzeit, ins übernächste Jahrtausend reisen oder einfach in der Gegenwart bleiben.

Das Spannendste ist, dass jeder Spieler in eine völlig neue Rolle schlüpfen kann. Je nachdem, welche Figur er sich ausdenkt. So wurde in meinem Fall Clemens Spankler geboren. Bis jetzt ist er noch nicht zum Einsatz gekommen, aber demnächst, wenn mich Gregor mit zur Spielerrunde nimmt. Wer weiß, vielleicht kommen mir beim Spielen ein paar zündende Ideen für den Abenteuer-Roman, den ich seit Urzeiten schon schreiben will – die Hauptrolle spielt natürlich Clemens Spankler …

Jokers 05.01.2008, 15.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ziemlich surreal

Dali„Die beiden größten Glücksfälle, die einem Maler passieren können, sind: erstens Spanier zu sein, zweitens Dalí zu heißen.“ Dieses Zitat wird angeblich Salvador Dalí zugeschrieben - wenn man den gesammelten Anekdoten um seine Biografie Glauben schenkt. Sie beschreiben ihn als aus- geprägten Egomanen und neurotisch veranlagten Exzentriker.

Auch wenn Dalí wegen seiner Nähe zum spanischen Diktator Franco kritisiert wurde, bleibt sein Werk doch bedeutend. Mit seinem surrealistischen Stil läutete er eine neue Ära der schönen Künste ein. Nicht nur als Maler, auch als Schriftsteller, Bühnenbildner, Bildhauer und Schauspieler betätigte sich das Multitalent - Dalí war ein echter Allrounder.

Geboren wurde er im Mai 1904 im katalonischen Figueres, in seiner Geburtsstadt starb er auch am 23. Januar 1989.

SurrealistenSalvador wurde von seinem Vater, einem wohlhabenden Notar, schon früh gefördert: Als er 10 Jahre alt war, bekam er seinen ersten privaten Zeichenunterricht. Der angesehene spanische Impressionist Ramon Pichot und später auch ein Kunstprofessor der Städtischen Zeichenschule waren seine Lehrer. 1923 erwarb Salvadors Vater für seinen talentierten Sohn sogar eine eigene Druckerpresse.

Seine angeborene Arroganz hinderte Dalí daran, an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Madrid sein Examen zu machen. Er sei talentierter als jene Künstler, die ihn dort benoten sollten. So wurde er zwei Mal der Akademie verwiesen. Ab 1929 arbeitete Dalí dann in seinem eigenen surrealistischen Stil: Das bedeutete den Durchbruch für den jungen Maler. Erst in den fünfziger Jahren wandte sich Dalí von diesem Stil ab und ließ sich von den großen klassischen Malern inspirieren.

Doch der Name Dalí bleibt nach wie vor mit dem Surrealismus verbunden, oder, wie Dalí selbst behauptete: „Es gibt keinen Surrealismus. – Der Surrealismus, das bin ich!“

Hier wird es surrealistisch!


Jokers 22.05.2007, 09.05 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Singen, springen, scherzen

FruehlingFreilich: Es ist Frühling! Da fängt man schon mal zu dichten an. Und durch Gazetten, Moderationen und Fernseh- Weisheiten flattert wieder jenes blaue Band, das ich hier nicht weiter aus- führen will. Wen es interessiert, kann ja mal nach dem blauen Band in unserer Gedichte-Datenbank suchen und dort auch gleich beim Jokers Lyrikwettbe- werb mitmachen. Immerhin locken 5.000 Euro Preisgelder.

Statt das blaue Band zu bemühen, will ich hier mal ein Gedicht, ein Frühlingslied zum Besten geben, das ich viel schöner finde. Die meisten meiner Bekannten kennen leider nur die ersten zwei Zeilen. Der deutsche Hochschullehrer und Dichter Hoffmann von Fallersleben hat es 1835 geschrieben:

Alle Vögel sind schon da,
alle Vögel, alle.
Welch ein Singen, Musiziern,
Pfeifen, Zwitschern, Tiriliern!
Frühling will nun einmarschier'n,
kommt mit Sang und Schalle.

Wie sie alle lustig sind,
flink und froh sich regen!
Amsel, Drossel, Fink und Star
und die ganze Vogelschar
wünschen dir ein frohes Jahr,
lauter Heil und Segen.

Was sie uns verkünden nun,
nehmen wir zu Herzen:
Wir auch wollen lustig sein,
lustig wie die Vögelein,
hier und dort, feldaus, feldein,
singen, springen, scherzen.

Jokers 31.03.2007, 08.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mangelndes Talent

Interessieren Sie sich auch für Kunst? Wenn Sie diese Frage mit "ja" beantworten, so haben Sie sicherlich Ihre bevorzugte Stilrichtung und Ihren Lieblingsmaler. Vielleicht ist es der surrealistische Dali, der fantasiereiche Hundertwasser oder der tragische Schiele, der es Ihnen besonders angetan hat...

Adolf FrohnerEiner der von mir am meisten bewun- derten Künstler ist der Österreicher Adolf Frohner. Im Alter von 72 Jahren verschied nun der international bekannte Maler am 25.Januar. Zeitlebens erregte er mit sei- nem "Österreichischen Aktionismus" viel Aufsehen. Düstere Farben, später oft ein dominantes Rot, bestimmten seinen Stil, der meist den Menschen inmitten einer gespaltenen und aggressiven Welt wiedergibt.

Der Lebenslauf des Malers ist verblüffend: So wurde ihm zum Beispiel Mitte der Fünfziger Jahre die Aufnahme in die Akademie der Schönen Künste wegen "fehlendem Talent" verweigert. Als Autodidakt eignete er sich das notwendige Handwerkszeug in verschiedensten Städten an, um später als brillanter und provokativer Künstler in Aktion zu treten. Im Februar 1962 schockierte er die Welt: Er gab das Manifest "Blutorgel" heraus - nachdem er sich gemeinsam mit Hermann Nitsch und Otto Muehl drei Tage eingemauert hatte. Diese Tat sollte dann als die Grundlegung des „Österreichischen Aktionismus“, in dessen Zentrum stets der Mensch stand, in die Memoiren der Kunstgeschichte eingehen. Seine akademische Tauglichkeit stellte er schließlich noch als Professor an der Wiener Hochschule für Angewandte Künste unter Beweis: Viele Jahre war er dort tätig.

Nun ist er also tot, der berühmt-berüchtigte Künstler, und wie sein Leben wirft auch sein Tod viele Fragen auf: Die Todesursache ist noch nicht bekannt.

Jokers 27.01.2007, 09.00 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Slammiges

Ist ja toll. Immer mehr Leute entdecken die Poesie. Man sieht’s nicht nur an unserer Gedichte-Datenbank und unserem Jokers-Lyrik-Preis. Auch beim so genannten „Poetry-Slam ist der Trend zur Poesie gut bemerkbar. Zum zweiten Mal fand in München der deutschsprachige Poetry Slam 2006 statt. Es kamen hunderte von Teilnehmern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz um die besten Bühnen-Poeten zu küren.

Was ist eigentlich Poetry Slam? Ganz einfach: Auf einer Bühne tragen weibliche und männliche Dichter ihre eigenen Werke vor. Auswendig oder vom Blatt. Im Stehen oder im Sitzen. Oder auch im Liegen. Manche bewegen sich dazu, gestikulieren wild herum. Manche machen dazu eine richtige Show. Und das Publikum darf spontan darauf reagieren. Manche Slammer, so nennt man die Bühnen-Poeten auch, bauen sogar das Publikum mit ein. Und das Publikum soll kein schweigender Konsument sein, sondern darf die auftretenden Künstler auch beurteilen. Horst Thieme, einer der dienstältesten Slam-Macher (seit acht Jahren veranstaltet er seinen „Lauschangriff“ und hat bereits über 90 Slams steigen lassen) meint: „Alles ist möglich - und genau das macht den Reiz des Abends aus. Während bei herkömmlichen Lesungen gedimmtes Licht und eher leise Töne zählen, kann man beim Poetry Slam alles erleben. Vom Liebesgedicht über Freestyle Rap bis zu urlustiger Prosa.“

Vier Tage hat die Poetry-Slam-Meisterschaft 2006 in München in verschiedenen Clubs gedauert. Besonders wichtig finde ich es nicht, wer da gewonnen hat. Wichtig ist doch, dass Poesie wieder eine gefragte Sache ist, oder? Trotzdem melde ich hier den Gewinner des Poetry-Slam 2006: Tusch! Es ist Marc-Uwe Kling aus Frankfurt an der Oder. Beim Einzelwettbewerb. Den Teamwettbewerb gewann die Poesie-Truppe LSD aus Berlin. In der Sparte U20 (Unter 20 Jahre) gewann Lara Stoll aus Schaffhausen in der Schweiz. Weitere Slam-Spezial-Preise gab es für Erotik, Story-Teller, Haiku, Polit und Mundart.
Inzwischen finden die Poetry-Slams das ganze Jahr über an 70 Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Ja, es hat sich schon ein richtiges Poetry-Slam-Netzwerk gebildet. Und wer wissen will, wo in der Nähe seines Wohnortes der nächste Poetry-Slam steigt, der sollte im Internet nachschauen.
Eine gute Übersicht existiert bei http://www.slamffm.de/slamlinks.html.

Mein Tipp: Unbedingt hingehen - oder noch besser, mitmachen!

Jokers 21.12.2006, 07.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Regentag Dunkelbunt

Sagt Ihnen der Name Friedrich Stowasser etwas? Nein? Das ist nicht weiter verwunderlich. Vielleicht wird der eine oder andere Linguistiker unter ihnen erkennen, dass das Wort "sto" in unterschiedlichen Sprachen "100" bedeutet und daraus schließen, dass Friedrich Stowasser kein anderer als der berühmte Friedensreich Hundertwasser sein kann. Und der hat heute Geburtstag!

HundertwasserDer am 15.12.1928 in Wien geborene Künstler hatte ein ausgeprägtes Faible für eigenwillige Eigenkreationen - was sich eben nicht nur in seinen wunder- baren Werken, sondern auch in seiner Namenswahl bemerkbar machte: Seine weiteren selbst gewählten Vornamen "Regentag Dunkelbunt" verblüffen durch eine phantastische Extravaganz.

Als Aktionskünstler galt er, unter anderem von Schiele inspiriert, und ins- besondere das Hundertwasserhaus in Wien erreichte internationale Bekannt- heit.

In meinen Augen verströmte das leider 2000 verstorbene Genie etwas Abenteuerliches: Allein der Anblick des vollbärtigen Mannsbilds mit der markanten Nase erinnert an einen edlen Piraten vom alten Schlag - an jemanden, der für das Gute kämpft, einen Robin Hood der Meere oder eben einen Hundertwasser der Umweltpolitik. In seinen letzten Jahren trat der Künstler nämlich als vehementer Umweltaktivist auf. Ob es ihm tatsächlich gelang, unser Ökosystem zu schützen, kann ich nicht beurteilen - sicher ist jedoch, dass Friedrich Stowasser für mehrere Generationen zum Leitbild für kreative Genialität und umweltbewusstes Denken avancierte.

Happy birthday an diesem dunkelbunten Regentag, Friedensreich Hundertwasser!

 

Jokers 15.12.2006, 08.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Kunst als Ding an sich?

Letztens führte ich ein sehr interessantes Streitgespräch mit einem Freund. Wir waren auf dem Weg zurück aus einem verlängerten Wochenende und steckten, natürlich, im Stau fest. Es hatte geregnet, die Luft schimmerte noch. Wir hatten den Motor abgestellt, starrten vor uns hin, als wir plötzlich einen doppelten Regenbogen entdeckten.

Weltatlas der KunstWir trauten unseren Augen kaum: Schillernd und leuchtend spannten sich zwei farbenprächtige Bogen auf. "Das ist wahre Schönheit", bemerkte mein Freund. "Die Schönheit als eigen- ständige Entität." Ich jedoch war anderer Meinung: Wie kann die Schönheit als Ding an sich existieren?

Meiner Ansicht nach entsteht Schönheit als Interpretationsvorgang: Die Schön- heit liegt also im Auge des Betrachters. Selbstverständlich existiert die Natur auch ohne den Menschen als "Konsument", die beeindruckenden Naturspektakel finden auch ohne das menschliche Auge als Referenz statt. Und doch sind sie vollkommen wertfrei, weder schön noch hässlich, vielmehr SIND sie einfach.

Nein, Schön- heit an sich gibt es nicht, Schönheit entsteht in meinem Kopf. Man sagt, dass die Fähigkeit, Kunst zu schaffen und zu genießen, den Menschen vom Tier unterscheidet. Vielleicht ist es so. Doch in Asien werden Elefanten trainiert, Bilder mit dem Rüssel zu malen. Können sie ihre Gemälde nach ästhetischen Kriterien wertschätzen? Ich bezweifle es.

Weltgeschichte der KunstDie Tauben, die sich unter meinem Dach eingenistet haben, erzeugen wunderbare Melodien, wenn sie unter den Ziegeln spazieren - doch fühlen sie sich als Komponisten? Manchmal aber will ich gar nicht weiter über diese philosophischen Hintergründe nachgrü- beln. Manchmal will ich einfach genießen. Vor allem, wenn es einen überzeugenden Anlass gibt: Am 14.07. feiern wir den 400. Geburtstag von Rembrandt. Wenn ich seine Kunst- werke betrachte, lasse ich mich vollkommen auf dieses Gefühl ein, Schönheit zu erleben. Dann interessiert es mich nicht mehr, ob diese Schönheit als Ding an sich oder nur in meinem Kopf entsteht.

Kunst bei Jokers

Jokers 28.06.2006, 08.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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