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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Politik/Gesellschaft

Rauchst du noch oder liest du schon?

Das neue Rauchverbot in Bayern trifft auch meinen Freundeskreis hart. Vor allem, nachdem „Nichtraucherclubs“ als letzte Bastion einiger Freunde geschlossen werden, bewegt das Thema bald mehr als die Fußball-WM. Rauchst du noch oder schimpfst du schon, heißt die neue Devise. Kollegen werden selbst bei Sturm und Hagel zum Rauchen vors Haus verbannt. Bierzelte auf Sommerfesten verwaisen. Und Allen Carrs „Endlich Nichtraucher!“ erlebt einen neuen Boom. Allein nach meinem Exemplar, mit dem ich selbst vor einigen Jahren zum Nichtraucher wurde, fragten schon drei Kollegen. Der einzige Lichtblick für Bayerns Raucher scheint das Oktoberfest zu sein. Denn dort darf zumindest dieses Jahr noch in den Festzelten nach Herzenslust geraucht werden.

So verhärten sich die Fronten. Spätestens beim Feierabendbier trennen sich Raucher von Nichtrauchern. Die einen lästern im „Rauchereck“ fernab vom Krug über die intoleranten Gesundheitsfanatiker. Die anderen trinken fröhlich weiter und preisen die neue, saubere Atmosphäre.

Ein Glück, dass ich schon vor einigen Jahren mit dem Rauchen aufgehört habe. Denn neben gesundheitlichen Aspekten hat das auch meinem Geldbeutel genutzt. Und von dem Geld, das ich noch vor fünf Jahren für Zigaretten ausgegeben habe, finanziere ich heute so manches schöne Buch.

"Auferstanden aus der Asche" bei Jokers

Bild: Claudia Hautumm/pixelio



Jokers 04.08.2010, 11.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Bücher als Strafe?

4305_Gerechtigkeit_klein.jpgWie ich neulich auf Spiegel online las, greift in Fulda ein Jugendrichter zu recht ungewöhnlichen Erziehungsmaßnahmen. Anstatt Sozialarbeit verordnet er jugendlichen Straftätern die Lektüre eines Buches. Je nach Straftat müssen die Jugendlichen ein Buch lesen, das ihnen die Konsequenzen für sich und die Opfer verdeutlicht. Sexualstraftäter müssen z. B. „Kurzer Rock“ von Christina Wahlden lesen. Es geht darin um die Vergewaltigung einer Frau durch zwei junge Männer. Schläger bekommen hingegen „Evil“ von Jan Guillou aufgebrummt.

Wie der Jugendrichter Christoph Mangelsdorf sagt, wirkt die Buchlektüre zum Thema besser als Arbeiten, die mit der eigentlichen Straftat wenig zu tun haben. Die Lektüre scheint die jungen Menschen deutlich mehr zu berühren und Prozesse des Nachdenkens über die Tat in Gang zu setzen. Erschütternd finde ich nur, dass es tatsächlich auch schon Jugendliche gegeben haben soll, die lieber arbeiten wollten als lesen.

Aber vielleicht sollte man die Sache missionarisch sehen. Wenn nur ein paar junge Menschen den Geschmack an Gewalt verloren und dafür an Büchern gewonnen haben, ist die Welt schon ein bisschen schöner und besser geworden.


Bild: Thorben Wengert/pixelio.de

Jokers 02.06.2010, 13.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Männerdomänen

panthermedia_02237981_klein.jpgVor kurzem stand eine Freundin mit ihrem 1980er-Jahre-Kadett in der Pampa. Nichts ging mehr. Sie rief mich an, ihr zu helfen. Als ungefähre Wegbeschreibung erhielt ich vage Angaben wie „da ist ein LKW-Parkplatz in der Nähe“ und „ein Spargelhäuschen ist auch da“. So dauerte es fast 2 Stunden, bis ich sie gefunden hatte. Sie war bis zu den Ellbogen ölverschmiert und doch strahlte sie vor Freude, als sie mir kundtat, sie hätte die vermeintlichen Fehlerquellen aufgetan.

Super, dachte ich. Ich hätte den ADAC angerufen. Doch da war sie natürlich nicht Mitglied. Ich sah mir die Sache an. Aber helfen konnte ich nicht. Inzwischen war es dunkel. Da kam ihr, dass sie bei ihrer Versicherung einen Schutzbrief abgeschlossen hatte. Ein Glück: Die Versicherung bestätigte meiner Freundin, dass sie tatsächlich stolze Inhaberin eines Schutzbriefes sei. Und es würde auch nur etwa eine Stunde dauern, bis der Abschleppdienst vor Ort wäre.

Nun gut, es dauerte dann doch fast zwei Stunden, bis uns der Service-Wagen im Nirvana fand. Nachdem meine Freundin dem Mechaniker vom Dienst berichtete, dass die Benzinleitung total trocken sei, fragte er: „Haben Sie da auch Benzin drin?“ Eine Frage, die meine Freundin völlig unangebracht fand und sich schmollend zurückzog. Ja, es war genug Benzin im Tank und der Mechaniker stellte bald schon fest, dass der Schaden an der Pumpe und an der Zündspule lag. Der alte Kadett musste abgeschleppt werden.

Meine Freundin beschwerte sich hinterher bitter bei mir: „Glaubst du, dass ein Mann auch gefragt worden wäre, ob er Benzin im Tank hat? Solche dämlichen Fragen bekommen nur wir Frauen gestellt.“ Stimmt, musste ich zugeben. Mit der Gleichberechtigung und Gleichbehandlung ist es auch heute oft gar nicht so weit her, wie man annimmt.


Bild: Marina B./panthermedia.de

Jokers 01.06.2010, 12.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Familie im Focus

Leben mit verwirrten älteren Menschen„Dieses so kostbare Leben“ – ein Titel, der eigentlich schon alles Wesentliche sagt. Eine Frau begleitet ihren alten Vater beim Sterben und lässt sein langes Leben Revue passieren. In einer Mischung aus Dankbarkeit, Pflichtgefühl und manchmal auch Angst kümmert sie sich um den 96-Jährigen und beschreibt, wie schwer es ist, dem starrsinnigen alten Mann seine Würde zu lassen und nicht mehr zu versuchen ihn zu ändern, sondern ihn so zu akzeptieren, wie er ist – mit all seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Auch die Schwägerin der Erzählerin liegt im Sterben. Ein Buch also, das ganz eindeutig vom Tod handelt. Deprimierend? Nein. Eher ein Loblied auf die Familie, auf Zusammenhalt und eben auf das „so kostbare Leben“.

Margaret Forsters Bücher wie „Familiengeheimnisse“ und „Das Vermächtnis meiner Mutter“ sind nicht umsonst Bestseller. Alle sind gefühlvolle Schilderungen des Kosmos Familie, in dem sich jeder von uns befindet. Die britische Autorin lotet sie aus, die ganzen Verstrickungen und Geheimnisse, das Unausgesprochene und die vielfältigen Verbindungen, die jede Familie ausmachen. Wir alle stecken mitten drin und genau das macht Margaret Forsters Titel so spannend für jeden, der sich für mitreißende Familiengeschichten, die oft über Generationen reichen, interessieren.

Bei „Dieses so kostbare Leben kommt hinzu, dass es sich bei dem Buch um eine autobiographische Schilderung handelt, was die Intensität dieses Themas noch steigert. Also der Tipp: sich nicht abschrecken lassen von einem Titel, der von Krankheit und dem Sterben handelt. Die Autorin schreibt so behutsam und klug darüber und entdeckt neben der Tragik auch so komische Momente, dass man sich darauf mit Gewinn einlassen kann.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 19.01.2010, 17.05 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Stille Zeile Sechs

Monika MaronEin bisschen stolz bin ich schon, dass ich es geschafft habe. Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ mit seinen fast tausend Seiten. Ein mitreißendes Panorama der letzten Jahre der DDR, wirklich faszinierend. Viele der dort beschriebenen Themen und Details waren mir neu und ich fand es spannend, sich als Wessi in diesen Kosmos zu begeben.

Mehr als zwanzig Jahre nach der Wende ist es immer noch interessant, die Welt der DDR in den 1980er Jahren zu entdecken. Mit dieser Welt beschäftigt sich auch Monika Maron in „Stille Zeile Sechs“: Die Historikerin Rosalind Polkowski kündigt ihre Arbeitsstelle und lässt sich vom ehemaligen Funktionär Herbert Beerenbaum anstellen, der seine Memoiren aufschreiben lassen möchte.

Rosalind Polkowski sieht in Beerenbaum einen Täter, einen skrupellosen bildungsfeindlichen Parteigenossen, der in ihren Augen auch an der Verurteilung eines ihrer Freunde Schuld trägt. Sie konfrontiert ihn mit Vorwürfen. Der alte Mann erleidet einen Schlaganfall. Erneut also Schuld und Täterschaft – diesmal auf Seite der Historikerin, die in ihrer unbändigen Wut keine Rücksicht auf die angeschlagene Gesundheit Beerenbaums nimmt.

Monika Maron war in der ehemaligen DDR als Regieassistentin und Journalistin tätig, bevor sie Schriftstellerin wurde und schließlich 1988 in den Westen Deutschlands ging. Die Autorin soll selbst einige Jahre für die Staatssicherheit tätig gewesen sein – aber wie dem auch sei, „Stille Zeile Sechs“ ist in jedem Fall eine fesselnde Auseinandersetzung mit dem Leben in der DDR.

Wenn man die Geschichte des eigenen Landes auf eine so gefühlsintensive Weise (und, ganz nebenbei, zu einem solch attraktiven Preis) präsentiert bekommt, kann ich nur sagen: unbedingt zugreifen!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 11.01.2010, 10.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Überraschende Auszeichnungen

Natürlich haben Sie es mitbekommen, dass der diesjährige Nobelpreis für Literatur an die in Rumänien geborene Deutsche Herta Müller ging. Die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm begründete ihre Auswahl unter anderem mit der „Reinheit der Dichtung“, die Müllers Werke beinhalten. Die Autorin Herta Müller zeichne "mittels der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit".

Bereits 1987 war sie mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Richard Wagner, von Rumänien nach Deutschland ausgewandert, sie ließ damit ein von ihr verabscheutes politisches System zurück, das sie in vielen Erzählungen beschrieb. Müllers Werke sind hauptsächlich von jenen Erfahrungen im totalitären System des rumänischen Ceausescu-Regimes geprägt.

Wichtige Werke sind die Bände "Niederungen" (1984), "Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt" (1986) und "Barfüßiger Februar" (1987). Ihre bedeutendsten Romane sind: "Der Fuchs war damals schon der Jäger" (1992), "Herztier" (1994), "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" (1997) und ihr letztes Werk "Atemschaukel" (2009).

Herta Müller publizierte auch die Essay-Sammlungen "Der fremde Blick oder Das Leben ist ein Furz in der Laterne" (1999), "Der Teufel sitzt im Spiegel" (1991), "Hunger und Seide" (1995) und "Der König verneigt sich und tötet" (2003).
Mit Herta Müller ist zum 13. Mal ein deutschsprachiger Autor mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Hier eine Übersicht über ihre deutschsprachigen Vorgänger:

1902 Theodor Mommsen
1908 Rudolph Eucken
1910 Paul Heyse
1912 Gerhart Hauptmann
1919 Carl Spitteler (Schweiz)
1929 Thomas Mann
1946 Hermann Hesse (Schweiz)
1966 Nelly Sachs (schwedisches Exil)
1972 Heinrich Böll
1981 Elias Canetti (Bulgarien)
1999 Günter Grass
2004 Elfriede Jellinek (Österreich)
2009 Herta Müller

Die Auszeichnung Herta Müllers ist genauso viel diskutiert worden wie die Ehrung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama mit dem Friedensnobelpreis. Der „Hoffnungsträger für eine friedlichere Welt“ ist der dritte US-Präsident, der während seiner Amtszeit den Friedensnobelpreis erhält. Vor ihm hatten Theodore Roosevelt im Jahr 1906 und Woodrow Wilson 1919 die Ehre. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Weißen Haus erhielten Jimmy Carter (2002) und Ex-Vizepräsident Al Gore die Auszeichnung.

Egal, wie sehr die beiden frisch gekürten Nobelpreisträger polemisiert werden: Ich finde, beide haben ihren Preis verdient. Und ich gratuliere ihnen aus ganzem Herzen.

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

Jokers 23.10.2009, 09.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Happy birthday, Mr. Ex President

Am 19. August 1946 wurde William Jefferson „Bill“ Clinton geboren. Er war von 1993 bis 2001 der 42. Präsident der Vereinigten Staaten. Amtsnachfolger von George H. W. Bush und Vorgänger von George W. Bush. Seit 1975 ist der Baptist mit Hillary Clinton verheiratet, die Lewinsky-Affäre brach ihm neben anderen Faktoren politisch das Genick. Der Prozess gegen ihn glich einer Inszenierung, einer Show. Trotz des Vorwurfs des Meineids wurde er freigesprochen. Lange Zeit blieb er der Buh-Mann in der amerikanischen Öffentlichkeit und darüber hinaus.
Es gab keinen Präsidenten, über den so viele schmutzige Witze kursierten. Sein Privat- und Liebesleben empörte und faszinierte die ganze Welt. Und bis heute fragt man sich, ob ein Politiker, also ein Mann der öffentlichen Aufmerksamkeit, tatsächlich auch im Privaten ein ethisch unantastbares Leben führen muss – oder ob er sich, wie jeder andere Sterbliche, nicht auch einmal einen Ausrutscher erlauben darf. Bill Clinton wurde sein Ausrutscher nie verziehen.
Michael Schwelien widmet sich in einem ganz besonderen Werk der Entzauberung eines Mythos: „Die voyeuristische Gesellschaft oder Bill Clinton und die Selbstzerstörung der amerikanischen Demokratie“ untersucht auf anschauliche Weise, wie es dazu kommen konnte, dass das höchste amerikanische Amt entzaubert wurde, ein politisch gelähmter Präsident mit sprichwörtlichem Knebel und metaphorischen Handfesseln im Amt bleiben, die Volksvertreter das Volk vergessen konnten und schlussendlich die Gewaltenteilung aus dem Gleichgewicht geriet.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 24.08.2009, 17.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein Rückblick auf amerikanische Zeitgeschichte gefällig?

Nun ist Barack Obama bereits eine Weile im Amt. Ihnen ist sicher schon aufgefallen, dass über diesen 44. amerikanischen Präsidenten schon eine ganze Menge Bücher erschienen sind. Überall locken Tische bedeckt mit Titeln über den charismatischen Politiker, ja sogar über seine Ehefrau Michelle sind mehrere Werke auf dem Markt. Einmal ganz abgesehen von „Yes we can“-T-Shirts in allen Farben des Regenbogens.

Vielleicht haben auch Sie die Amtseinführung Obamas mit seinem sympathischen Versprecher bei der Vereidigung live im Fernsehen verfolgt und dem Präsidenten und seiner Frau dabei zugesehen, wie sie sich von Ball zu Ball getanzt haben. Ganz unberührt gelassen hat wohl niemanden diese Wahl.

Mich hat die US-Präsidentenwahl mit ihrem langwierigen und komplizierten Vorlauf dazu gebracht, mich einmal mit der amerikanischen Zeitgeschichte zu beschäftigen. Klingt trocken, ist aber überaus spannend.

Sich zum Beispiel mit Obamas Vorgänger George W. Bush und dessen Irakpolitik zu beschäftigen, kann einen Leseabend schon sehr interessant - wenn auch nicht immer nur angenehm- machen. Da kann ich z. B. das Buch „Politik der Wahrheit“ empfehlen.



Oder wer es satirisch mag, ist auch mit „Kapitale Lügner“ gut bedient.




(geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 19.02.2009, 21.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Präsidenten-Fiktion

Die letzte Liebe des PraesidentenWahrscheinlich haben auch Sie die amerikanische Präsidentschaftswahl aufmerksam in den Medien verfolgt: Wer macht das Rennen? Obama oder McCain? Der Demokrat oder der Republikaner? Schlussendlich geschah das, was noch vor einigen Jahren als Unmöglichkeit galt: Die USA haben den ersten schwarzen Präsidenten der Geschichte!

Wir Nicht-Amerikaner konnten nicht mitbestimmen, wir konnten nur gespannt den Ausgang der Wahlen verfolgen. Den Umfragen zufolge war ein dringendes Anliegen der Amerikaner, das entscheidend den Wahlentscheid beeinflusste, die Sorge um die US-Wirtschaft – hier liege einiges im Argen, meinte die Bevölkerung.

Einen Einblick in das amerikanische System zu erhalten, um tatsächlich kompetent mitreden zu können, ist nicht einfach. Meine amerikanischen Bekannten erzählen mir von 16-Stunden-Arbeitstagen, davon, dass sie keinen Tag Urlaubsanspruch in den ersten beiden Jahren der Betriebszugehörigkeit haben, von maximal einer Woche bezahlter Krankheitszeit pro Jahr. Ich höre bei solchen Erzählungen aufmerksam und erstaunt zu – und bin froh in Europa zu leben.

Sehen wir einmal, welche Flügel nun der neue Präsident dem amerikanischen Traum verleiht. Und was die Präsidentschaft mit den Träumen (und Wahlversprechen) des Kandidaten anstellt. Und nicht nur ich habe mir schon mehrmals die Frage gestellt, weshalb jemand überhaupt ein solches politisches Mandat tragen will. Was geschieht mit einem Menschen, der eine derartige Machtposition hat? Was bleibt von der Person?

Die letzte Liebe des Präsidenten“ heißt der Roman von Andrej Kurkow, der die fiktive Geschichte des ukrainischen Präsidenten des Jahres 2013 erzählt. Wer weiß: Manchmal nimmt die Fiktion die Wirklichkeit vorweg...

(geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 29.11.2008, 11.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Einblicke in den Terrorismus

Einige Jahre dachten wir in Mitteleuropa, dass sich mit dem letzten Attentat der RAF Anfang der 90er Jahre die Jahrzehnte des Terrorismus dem Ende zuneigen würden. Damals, am 01. April 1991 wurde der Chef der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, ermordet.

Die Atempause war kurz: Auch wenn sich andere europäische Untergrundorganisationen mehr oder weniger still verhielten, auch wenn beispielsweise immer wieder über die Waffenniederlegung der ETA diskutiert wurde – die Anschläge des „11. September“ versetzten die ganze Welt in Angst und Schrecken. Und mit der Panik und Verzweiflung erwachte erneut eine seltsam morbide Faszination für die Thematik des Terrorismus.

Mein Leben bei al-QaidaEnde September kommt nun der Film „Der Baader-Meinhof-Komplex“ in die Kinos. Das gleichnamige Buch von Ex-„Spiegel“-Chef Stefan Aust ist seit seinem Erscheinen ein Bestseller, jetzt wird es pünktlich zum Kinostart des Films und versehen mit Bildern neu aufgelegt.

Mit der Auflösung der RAF 1998 schien der Terror gebannt. Doch schon arbeiteten neue Terror-Zellen an weiteren blutigen Übergriffen, um ihr politisches Ideal durchzusetzen. „Mein Leben bei al-Quaida“ erzählt autobiografisch vom entsetzlichen Doppelleben des Omar Nasiri. Der Untertitel „Die Geschichte eines Spions“ deutet darauf hin, dass Omar riskante Aufträge zu erfüllen hatte: So sollte er die Trainingslager der Dschihadisten auskundschaften...

Spannend wie ein Krimi liest sich diese Beschreibung der wahnwitzigen Terroristenausbildung, die der Londoner absolvierte. Die tief gehenden Einblicke in die Welt des Dschihad haben mich persönlich am meisten gefesselt. Und ich bin froh, dass Omar Nasiri sich entschied, dieses Buch zu schreiben statt als Terrorist aktiv zu werden, um irgendwann als Filmvorlage zu dienen.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 13.11.2008, 10.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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