Jokers Blog Deutschland
Sie können in diesem Blog mitschreiben. Laden Sie einfach Ihren Text oder Ihr Bild hoch!
Hier mitmachen!
Suchmaschine
Es wird in allen
Einträgen gesucht.

drik:
Ich kann diese Bildband nur empfehlen; es ent
...mehr

Flüge:
Klingt genau nach dem Buch, was ich gebrauche
...mehr

Jose:
Trommel Klänge unterstüzen einen in allen Leb
...mehr

Enis:
Sehr tolle Artikel über Bücher und Lektüren i
...mehr

Lena:
Klingt echt spannend. Ich glaube, dass es mir
...mehr

Einträge ges.: 1183
ø pro Tag: 0,7
Kommentare: 245
ø pro Eintrag: 0,2
Online seit dem: 15.05.2005
in Tagen: 1760

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Unterwegs

Eintauchen!

Früher bin ich sehr gerne getaucht – sogar in der kalten Jahreszeit zog es mich in den heimischen Seen ins Wasser. Und manchmal habe ich auch am Rheinschwimmen zu Silvester teilgenommen. Aber irgendwann reduzierte ich das Tauchen auf Urlaube. Je älter man wird, desto angenehmer ist es, in warmen Gewässern zu tauchen statt in heimischen Gewässern zu bibbern. Sehr gerne verbringe ich dann und wann ein paar Tauchtage in Ägypten, um im Roten Meer die Unterwasserwelt zu erforschen. Besonders angetan haben es mir die Nachttauchgänge. Wenn man in seichtem Ufergewässer unter Wasser die Lampe ausschaltet und mit der Hand ganz leicht durch das Wasser streift, leuchtet fluoreszierendes Plankton auf: Es sieht aus, als ob man inmitten eines Sternschnuppen-Regens sitzt ...

Great Barrier ReefDiese traumhaften Erinnerungen trage ich wie ein kostbares Gut in mir und rufe sie mir immer dann wach, wenn ich gestresst bin. Ich schließe kurz die Augen und entsinne mich jener zauberhaften, magischen Momente.

Neulich kam ein Freund aus seinem Jahresurlaub zurück. Im Gepäck hatte er zahlreiche Fotografien der australischen Unterwasserwelt. Hatte er doch spontan einen Tauchkurs am Great Barrier Reef gebucht! Gemeinsam gingen wir die Aufnahmen durch – und, siehe da, er hatte sogar einige Nachttauchgänge gemacht! Leider war das leuchtende Plankton auf den Hobby-Aufnahmen nicht zu erkennen, aber auch so ist das Great Barrier Reef nicht umsonst das berühmteste Riff der Welt.

Leider kann ich Sie, lieber Leser, nicht an den farbenprächtigen Bildern meines Freunds teilhaben lassen. Dafür habe ich aber einen besonderen Bildband im Jokers Programm entdeckt, den ich Ihnen empfehlen kann: „Great Barrier Reef“ zeigt unzählige faszinierende Aufnahmen der Unterwasser-Welt am Riff. Schauen Sie sich unbedingt die sagenhaften Detailinfo-Bilder an!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 27.09.2008, 14.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zusammenbruch

Am Wochenende traf ich mich mit einem Freund, den ich seit längerer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Wir wollten eine kleine Bergwanderung unternehmen. Eigentlich bin ich ja relativ sportlich, das meinen zumindest meine Freunde, und ein wenig Anstrengung macht mir nichts aus. Also stapfte ich frohgemut los, um die ungefähr 1000 Meter Höhendifferenz in Angriff zu nehmen.

Es war richtig heiß, und nach den ersten 150 Metern hatte ich mich schon bis aufs Unterhemd ausgezogen und überlegte, ein wenig langsamer zu gehen. Ich blickte nach oben: Noch circa 850 Meter trennten mich von der ersehnten Hütte. „Lass uns eine Abkürzung nehmen“, meinte da mein Freund, der vorauseilte, und ich stimmte zu. So schlugen wir uns querfeldein in direkter Linie zum Gipfel.

Mythos BergeNach einer Stunde fing ich an, meine Beine mit meinen Armen zu unterstützen: An einigen Stellen musste ich mein Bein hochheben, um den nächsten Schritt unternehmen zu können, so müde waren meine Muskeln. Mein Freund wartete liebenswürdig ab und an auf mich, er plapperte ununterbrochen, während bei mir nur noch ein Röcheln aus meiner Luftröhre drang. Er schwitze nicht einmal, während ich das Gefühl hatte, in einem Dampfbad gefangen zu sein. „Normalerweise jogge ich hier immer hoch“, grinste er, als ich ihn keuchend fragte, woher er seine unverschämte Fitness nähme.

Nach weiteren fast zwei Stunden – sie erschienen mir endlos - waren wir oben. Und ich brach über meiner Wasserflasche zusammen. Himmel, dachte ich, als ich in den wolkenverhangenen Horizont blickte, ich bin dir ein Stück näher.

Für alle, die ebenso wie ich die wunderschöne Aussicht von Gipfeln und Aussichtsplattformen schätzen, aber sich diese einzigartigen Momente vielleicht nicht unbedingt selbst ersteigen wollen: Das reich bebilderte Werk „Mythos Berge“ entführt jeden Naturliebhaber in die wundersame Welt unserer Gebirge. Ohne Zusammenbruch.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

Jokers 21.07.2008, 04.04 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Wo haust das Verbrechen?

KriminalmuseumZwischen Wiesen und Weiden in der Nähe des Wattenmeeres im Zentrum der grünen Halbinsel Butjadingen! Dort am Ortsrand von Stollhamm hat ein Kleinverlag namens Achilla Presse sein Büro aufgeschlagen. Der Verleger interessiert sich vor allem für Krimis, weshalb er schon seit vielen Jahren Krimis sammelte.

Im Frühjahr 2007 hat er auf 175 Quadratmetern diese Privatbibliothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und damit das erste deutsche Krimimuseum geschaffen. Rund 4.500 Exponate ab 1792 zeigen, dass das Krimigenre eine lange Tradition hat. Hier lässt sich die Geschichte des Krimis verfolgen und Buchliebhaber werden sich kaum von den farbig gestalteten alten Buchumschlägen losreißen können.

Wenn jemand der Leser dieses Blogs das Zentrum des Verbrechens etwa in seinem Urlaub besuchen möchte, hier ist die Adresse:

Erstes deutsches Krimimuseum
Hauptstraße 80
26969 Butjadingen-Stollhamm
Telefon: 0 47 35 - 81 03 06

Link:

http://www.achilla-presse.de/

Jokers 21.02.2008, 21.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Perle des Mittelmeeres

KroatienDer Frühling kann sich noch nicht recht entscheiden, den Winter zu vertreiben: Schnee und Sonne wechseln einander ab. Und ich – ich bin des Wartens auf Wärme überdrüssig. Auch wenn der Winter mild war. Langsam wächst das Fernweh in mir zu einer riesigen Klage: Ach, wäre ich doch fort … an einem weiten Sandstrand, unter Palmen, die sich im Winde wiegen, über mir nichts als der freie Himmel und die gleißende Sonne, vor mir nichts als das Meer!

Geht es Ihnen auch so? Immer um diese Jahreszeit sehne ich mich danach, meine sieben Sachen zu packen und mir eine kleine Auszeit zu gönnen. Weg von meinem Schreibtisch und der Arbeit, aber an Urlaub ist noch nicht zu denken.

In solchen Momenten tröste ich mich immer mit einer Art virtueller Ferien: Ich nutze meine Pause, um in unserem Lager zu stöbern und auch vorhin bin ich fündig geworden. Ein wunderschöner Bildband ist mir in die Hände gefallen. Prachtvolle Abbildungen sanfter Hügel, lockender Strände, grüner Haine betörten meine wintermüden Augen. Ich bestaunte die Fotos, las interessiert die erklärenden Texte dazu, nahm den Bildband schließlich mit an meinen Schreibtisch. Mein nächstes Urlaubsziel ist hiermit beschlossene Sache! Zu Hause muss ich den Bildband „Kroatien“ nur noch meiner Frau zeigen und wenn auch sie die „Perle des Mittelmeers“ bald erleben bald erleben will …


Jokers 19.02.2008, 18.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Labyrinthisch

Waren Sie schon einmal in einem Maisfeldlabyrinth? Ich schon. Letztes Wochenende überredete meine Frau mich zu einem Ausflug. Sie wuchs auf dem Land auf und aufs Land fuhren wir auch – zu einem Maisfeld mit Labyrinth. Als Kind streifte sie stundenlang durch Maisfelder und mit anderen Kindern spielte sie darin Verstecken.

LabyrintheWeil Landwirte etwas dagegen haben, wenn Erwachsene durch ihre Maisfelder trampeln, legen manche Maisfeldlaby- rinthe an: In den übermannsgroßen Mais wird eine Bresche gezogen, so verschlungen, dass ein riesiger Irr- garten entsteht. Man stapft los, schlägt mal die eine, mal die andere Richtung ein, findet sich bald vor einer undurchdringlichen Pflanzenwand, mal entdeckt man, dass man nur im Kreis lief.

Nach einer halben Stunde im Maisfeldlabyrinth war ich reichlich genervt: Eigentlich hatte ich gedacht, dass dieses "Spiel" in wenigen Minuten hinter mir läge. Nach zwei Stunden bekam ich Angst, meine Frau zwischen den Kolben verloren zu haben und nur mit Mühe schaffte ich es endlich zum Ausgang. Dort erwartete mich meine Frau lachend - sie hatte, im Gegensatz zu mir, großen Spaß gehabt.

Verstimmt ging ich zum Auto, um die Heimfahrt anzutreten, griff dabei in meine Jackentasche, um den Autoschlüssel herauszunehmen - doch der war verschwunden! Er war einfach weg! In mir flackerte Panik auf: Ich sah mich bereits die nächsten Stunden, ach was, die nächsten Tage (!), auf allen Vieren im Maisfeld herumkriechen, um meinen Autoschlüssel zu suchen!

Meine Frau blieb cool: Sie ging zum Auto, öffnete die Fahrertür und fand den Schlüssel dort, wo ich ihn gelassen hatte: Er steckte im Zündschloss.

Als ich am nächsten Tag aus der Arbeit kam, lag ein Päckchen für mich auf dem Küchentisch. Ich packte es aus und fand darin "Das große Buch der Labyrinthe und Irrgärten". "Mein lieber Bücherwurm, ich glaube, manche Dinge gehst du besser erst nach einem Studium an", stand auf der beiliegenden Karte. Und ein dickes rotes Herz war auch noch auf die Karte gemalt.



Jokers 21.10.2007, 09.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der anregende Stuhl in der Hofbibliothek

Ich ging eine alte Treppe hoch zur Wiener Hofbibliothek. Schon an der Türe stand ein Mann in Uniform. Mehrer Männer in Uniform bewachten die literarischen Schätze in der alten Bibliothek von Wien. Staunend, ja ehrfürchtig betrat ich den riesigen, ja gigantischen Saal dieser barocken Bibliothek. Erbaut 1716 nach den Plänen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach und seinem Sohn. Zuerst drang mein Blick geradeaus vor. Zwischen einer Reihe von alten Buchregalen hindurch verlor sich mein Blick im Schummrigen zwischen hellen Skulpturen und großen Globuskugeln. Dann ließ ich meinen Blick in die Höhe schweifen. Über eine Wand aus unzähligen Buchrücken. Nach zwei wunderbar bemalten Tonnengewölben bildete eine wohl dreißig Meter hohe Kuppel den faszinierenden Mittelpunkt dieser historischen Bibliothek. Dann folgten wieder zwei lange Tonnegewölbe. Ich bekam schier eine Genickstarre. Dieser herrlich gestaltete Bibliotheks-Himmel überdeckt eine Fläche von über tausend Quadratmetern. An den hohen Bücherregalen standen rollbare Treppen. Zwischen den Bücherwänden, die alle mit einheitlich gebundenen Büchern ausgestattet waren, war die einer oder andere Geheimtüre leicht geöffnet. Dahinter waren Zimmer zu sehen, in denen früher sicher die Wissenschaftler oder die Ärzte oder die Juristen mit Perücken auf dem Kopf die Lektüre studierte hatten.



Nachdem ich mich unter der mächtigen Kuppel hingesetzt hatte, um im Paradies der Bücher ein wenig zu meditieren, kam ein Uniformierter auf mich zu. Ich dachte schon, ich hätte etwas Unerlaubtes getan. Mich vielleicht auf einen Stuhl niedergelassen, der gar nicht zum Hinsetzen gedacht war. Auweia! Doch es kam anders. Wenn ich später etwas Besonderes sehen möchte, würde er mir das gerne zeigen, sagte der Uniformierte freundlich zu mir. Gut, nach einer Weile nahm ich dieses Angebot wahr. Er zeigte mir einen hölzernen Stuhl, in dessen Sitzfläche die Löcher so angeordnet waren, dass sie einen Stern bildeten. Den Stern der Sowjets. Auf diesem Stuhl war nach dem Zweiten Weltkrieg ein literaturbegeisterter General der siegreichen sowjetischen Armee gesessen, wurde mir berichtet. Der hatte sich diesen Stuhl für seine Aufenthalte hier in der Wiener Hofbibliothek extra anfertigen lassen. Der General hatte sich in eine Wienerin verliebt, die ihm die Hofbibliothek gezeigt hatte. Der General war ein Russe aus Moskau. Er war ein Freund der deutschen Literatur. Sein Vater war Bibliothekar gewesen. Deswegen soll dieser General auch verhindert haben, dass die Wiener Hofbibliothek ausgeraubt wurde.



Eine Lieblingsstelle des Generals waren die Gedanken einer liebenden Frau in dem Roman „Godwi“ von Clemens Brentano, die der General seiner Wiener Freundin beim Abschied zitierte: „Seufzend blickte ich nach dem wunderheimlichen Sopha, der Wiege so mancher süßen Annäherung, trat in die Bibliothek, verhüllte meinen Busen, damit mein Herz nicht zutage liege, setzte mich auf einen unbequemen Stuhl und legte das letzte Päckchen Briefe vor mich auf den kalten Marmortisch.“ Danach hat der General seiner Wiener Freundin nicht nur alle ihre Liebesbriefe an ihn zum Abschied überreicht, weil er nach Moskau zurück musste. Er hat ihr auch seinen Stuhl mit dem Stern in der Sitzfläche als Andenken geschenkt, den sie aber wiederum der Hofbibliothek überließ, wusste der Uniformierte. Sie war nämlich die Tochter des damaligen Bibliotheks-Direktors gewesen.

Ich durfte mich sogar auf den legendären Stuhl des Generals setzen und eine Weile nachdenken. Der Uniformierte stellte sich wie eine Leibgarde neben mich. Dabei zitierte er aus dem Gedächtnis: „Ich hatte alles vergessen, sie und mich, der Kuss, den er mir raubte, hatte den ganzen stolzen Tempel meiner Weisheit zusammengestürzt. Der Kontrast war so groß, dass er mich stärkte. Ich nahm alle meine Gewalt zusammen, und bat ihn, gleich den andern Tag wegzureisen. Er kniete vor mir, und bat auch, nun musste ich befehlen, und er reiste.“ Er habe sich dieses Buch von Brentano gekauft, nachdem er die Geschichte vom Stuhl des Generals erfahren habe, erklärte mir der Uniformierte. Er habe nach der Schule keine Bücher mehr gelesen. Aber durch den General und seinen wundersamen Stuhl sei er motiviert worden wieder in ein Buch - und dann - in viele andere zu schauen.



Ich beschloss, wenn ich mal viel Zeit und genügend Geld habe, was wahrscheinlich nie der Fall sein wird, mir auch einen Stuhl extra für meine Bibliothek machen zu lassen. Aber welches Symbol soll meine Sitzfläche dann zieren? Vielleicht ein Fragezeichen?

Jokers 30.03.2007, 16.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Dracula in Wien

Bram StokerWien kommt in vielen Büchern vor. Doch beim berühmtesten Grusel-Ro- man aller Zeiten taucht Wien schon im ersten Satz auf: „3.Mai/Bistritz - Am 1. Mai um 20.35 Uhr Abfahrt aus München. Ankunft in Wien um 6.46 Uhr mit einer Stunde Verspätung.“ Richtig, es ist der erste Satz aus „Dracula“, dem Vampir-Bestseller des Irländers Bram Stoker. Der erste „Dracula“-Satz stammt aus dem fiktiven Tagebuch eines Jonathan Harker, der den unheimlichen Graf Dracula auf seiner Burg in Transsylvanien aufsuchen musste. Der Graf, der sich später als wüster Blutsauger herausstellte, wünschte einen Wohnsitz in London. Harker war der Angestellte einer Londoner Immobilien -Agentur.

„Dracula“ war der Höhepunkt der zweiten Gothic-Novel-Welle, die im deutschsprachigen Raum Schauer-, Grusel- oder Sensationsromane genannt werden. Für meinen Wien-Trip hatte ich mir Stokers Kurzgeschichten mitgenommen. Gleich die erste, mit dem Titel „Draculas Gast“, führt mich nach Österreich. Ein Brite geriet in der Walpurgisnacht auf einen verwunschen Friedhof in einem leeren Dorf in der Steiermark. Dort erlebte er vor dem riesigen Grabmal der Gräfin Dolingen von Gratz Schreckliches: Eine Frauenleiche wurde vom Blitz wiederbelebt. Dann fiel ein Wolf über ihn her. Soldaten retteten ihn vor der Bestie. Auf dem Rücken eines Pferdes, hinter einem Soldaten sitzend, gelangte der Engländer wieder zurück nach München. Wieder bestens versorgt im Hotel „Vier Jahreszeiten“ erfuhr der Brite den Grund seiner Rettung. Es war ein Telegramm, das im Hotel eingetroffen war. „Tragen Sie ja Sorge um meinen Gast. Wie oft drohen Gefahren durch den Schneefall, von Wölfen, von der Nacht. Verlieren Sie keine Sekunde, sobald sie vermuten, es könnte ihm etwas zugestoßen sein.“ Absender: Graf Dracula! Diese Geschichte war von Stoker eigentlich als Einleitungs-Erzählung zu seinem „Dracula“ gedacht gewesen.

DraculaAuch die anderen Grusel-Geschichten von Stoker machten mir Lust auf mehr Gänsehaut. Ich ging ins Literatur-Haus von Wien und ließ mir die literarischen Angstmacher-Produkte von österreich- ischen Autoren zeigen. Sie präsen- tierten mir die Bücher von Karl Hans Strobl (1877-1946), geboren in Iglau, gestorben in Perchtoldsdorf. Mit seinem Roman „Eleogabal Kuperus“ hatte Strobl das Vorbild für den Film- bösewicht Dr. Mabuse geschaffen. Geschichten wie „Die knöcherne Hand“ oder „Gespenster im Sumpf“ gehören zu seinen bekanntesten. Mit seiner Story vom „Grabmal auf dem Pére Lachaise“ schrieb er auch eine mysteriöse Vampir-Geschichte. Ein weiterer österreichischer Grusel- Autor war Gustav Meyrink, geboren 1868 in Wien, gestorben 1932 in Starnberg. Verfilmt wurde Meyrinks Schauerroman „Der Golem“. Eine alte Sage aus Prag. Besonders fasziniert hat mich natürlich Meyrinks Erzählung „Walpurgisnacht“. Damit schloss sich der Kreis. Ich war auch mit dem Zug, über München, wie einst Jonathan Harker, nach Wien gekommen. Und Meyrink war nach München gegangen, wo er als Bankier und Journalist arbeitete und beim Kabarett „Simplicissimus“ aufgetreten war.

Was soll ich sagen? Nachdem es draußen, vor dem Literaturhaus, langsam dämmrig wurde, wanderte über meinen Rücken ein komisches Kribbeln. Ich nahm mir vor, diese Nacht in meinem Hotelzimmer das Licht brennen zu lassen. Und lesen, zum Einschlafen, konnte ich später im Bett nur richtig lustige Angstvertreiber-Sachen.

Fortsetzung folgt.

Jokers 29.03.2007, 13.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Eddy hat es geschafft

Wer Wien besucht, sollte auch den Prater besuchen. Und dort sollte er im Riesenrad fahren. Der Prater und das Riesenrad tauchen schließlich immer wieder in der Literatur auf. Sie gehören zusammen und sind legendär.

Nun gut, am dritten Tag in Wien fuhr ich mit der U-Bahn zum Prater. Der Himmel war bewölkt, der Wind blies ab und zu. Aber die Sonne schien auch ab und zu. Gleich nach dem Eingang zum Prater steht rechts das Riesenrad. Es ist wirklich riesig.

Prater WienNachdem ich die Eintrittskarte gekauft hatte, ließ ich mich mit einem uniformierten Angestellten des Rie- senrads fotografieren. Er strahlte neben mir mit einem wienerisch charmanten Lächeln unterm Zwirbelbart in die Kamera. Er zeigte mir danach den Vorraum zum Einstieg. Hier war die Geschichte des Praters in ausge- dienten Zirkuswagen mit kleinen Modellen nachgestellt. Die Wagen drehten sich auf einer großen Holz- scheibe. An den Wänden zogen bekannte Figuren Österreichs vorbei, die dorthin gemalt worden waren.

Dann stieg ich in das Riesenrad. Eine beeindruckende Konstruktion. Eine Ka- bine fasst mindestens zehn Menschen. In meiner Kabine waren drei Mitfahrer. Es war noch nicht die Zeit und das Urlaubswetter, bei dem die Touristenmassen über den Prater strömen. In manchen Kabinen konnte ich auch Tische und Stühle entdecken, die wohl eine kleine Party im Riesenrad zuließen.

Wir drehten uns nach oben. In unserer Kabine war eine große Holzbank. Meine Höhenangst verschwand langsam, als ich registrierte, dass die Kabinen recht stabil gebaut sind. Auch wenn der Wind blies, machte das nichts aus. Ganz oben, als ich über den Prater und seine vielen Buden, von der Geisterbahn bis zum Weinzelt, blicken konnte, verlor sich meine Höhenangst. Ich fotografierte fleißig Wien von oben. Es war eine wunderbare Fahrt im Riesenrad. Unvergesslich. Ich stieg aus und sah mich noch ein wenig im Souvenirshop des Riesenrads um. Natürlich nahm ich dort einige Ansichtskarten mit, die ich meinen Freunden senden wollte.

Prater WienAm nächsten Tag besuchte ich ein typisch wienerisches Café, in dem sich Tische voller Zeitungen und Magazine befanden. Ich schnappte mir einige davon. Beim Kellner orderte ich das Sonderangebot Kaffee Melange mit einem Stück Sacher-Torte. Dann blätterte ich entspannt in meinem Lesestoff. In einem österreichischen Magazin war ein Artikel über den Prater und das Riesenrad. Den nahm ich mir vor. In dem flott geschriebenen Bericht wurde ein gewisser Eddy vorgestellt. Er war mal Handwerker gewesen, dann abgestürzt, obdachloser Alkoholiker geworden, ein Penner in Wien. Dazu bekannte sich Eddy öffentlich. Aber: Er hatte es seit einiger Zeit wieder geschafft. Eddy war nun Angestellter beim Riesenrad. Das konnte man auf einem Foto auch deutlich sehen. Eddy stand da in seiner schönen Uniform mit einem strahlenden Lächeln unterm Zwirbelbart an der Cassa beim Riesenrad. Es war der Mann, mit dem ich mich vor dem Einstieg ins Riesenrad fotografieren ließ. Ich transportierte ein süßes Stück Sacher-Torte zum Mund und dachte mir: Wie klein doch selbst so eine große Stadt wie Wien sein kann!

Fortsetzung folgt.

Jokers 28.03.2007, 12.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Das besondere Ticket

Engel„Es lebe der Zentralfriedhof und alle seine Toten“, singt Wolfgang Ambros, der österreichische Barde mit dem gewissen Schmäh. Ich machte am zweiten Tag meines Wien-Urlaubs eine lange Fahrt mit der alten Straßenbahn von der Wiener Innenstadt zum Zentralfriedhof. Als dann Schilder am Straßenrand auftauchten wie „Grab- steinland“ oder „Grabsteine-Sonder- preisaktion“ wurde mir klar, dass ich bald am Ziel sein werde. Ich stieg schon bei der Haltestelle „Zentralfried- hof, erstes Tor“ aus. Auch wenn es klang, als würde noch eine Haltestelle „Zentralfriedhof, zweites Tor“ kommen.

Die Sonne drückte sich durch die Wolken. Das Wetter war eher heiter als düster. Mir hätte ein nebliges Wetter für einen Gang über den Zentralfriedhof auch getaugt. Ich wanderte abseits des geteerten Hauptweges durch die Reihen von teilweise verfallenen und überwucherten Gräbern. Die eisernen Zäune um die Gräber rosteten vor sich hin. Dem einen oder anderen steinernen Engel am Grab war eine Hand, ein Kopf oder ein Flügel abgefallen. Der Verfall, der Weg aller Dinge, war hier deutlich zu sehen. Das gefiel mir. Keine renovierungssüchtige Hand hatte eingegriffen. Hier war noch alt, was alt geworden war. Ein Ort voller Wahrheit. Meine Seele atmete auf. Keine verschämten Schönheitsoperationen. Alles echt. - Ein Lob an die Friedhofsverwaltung des Wiener Zentralfriedhofs, falls die das hier lesen. Bitte weitersagen, falls jemand einen von denen kennt.

EngelIch wollte auch die Gräber von berühmten Menschen besichtigen und fotografieren. Aber ich verirrte mich in dem Meer aus Grabsteinen, Säulen und Tempelchen. Irgendwann, ungefähr nach einer Stunde oder mehr, war ich am anderen Ende des Zentralfriedhofes angekommen. Ich brauchte eine Pause. Die Fußsohlen brannten. Der Bilderspeicher-Chip in meiner digitalen Kamera war fast schon voll. Ich setzte mich auf eine Bank. Sie stand am Rande des geteerten Weges. Nein, eine Straße war das schon. Das tat gut. Auf der anderen Seite des breiten Weges sah ich ein Schild. Ein Halteschild für einen Bus. Ich ging hin. Tatsächlich: Dort war auch ein Schild mit den Abfahrtszeiten für einen Bus angebracht. Und siehe da, nach wenigen Minuten kam der Bus. Ich staunte. Ich stieg ein. Ein paar Leute saßen drin. Beim Lösen der Fahrkarte erkundigte ich mich beim Fahrer nach den Gräbern der Prominenten. Ich müsse nur bei der Station an der Aussegnungshalle aussteigen. Dort würde ich sie finden, kein Problem. Er wünschte mir noch einen schönen Aufenthalt beim Aussteigen. Ich bedankte mich.

Ganz tief steckte ich die Busfahrkarte in meine Tasche und dachte mir: Das ist ein besonderes Souvenir. Wer hat schon das Ticket eines Friedhofs-Busses?

Fortsetzung folgt.

Jokers 27.03.2007, 12.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Manche Dinge sind anders

Der Himmel war grau, als ich mit dem Zug in Wien ankam. Ich wollte ganz für mich allein einen kleinen Urlaub in Wien machen. Museen besuchen, die morbide Atmosphäre des Zentralfriedhofs auf mich einwirken lassen, in den Cafés Kaffee und Kuchen mit vielen Zeitungen genießen.

Nach der Ankunft am Wiener Westbahnhof wollte ich mir erst einen Überblick über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten schaffen. Ich kaufte mir eine drei Tage geltende Wien-Karte für die Bahnen und Busse, wozu auch ein Prospekt mit Gutscheinen und Infos zu den Sehenswürdigkeiten gehörte. Mein Gepäck samt der neuen Wien-Karte schleppte ich in ein nettes kleines und doch modernes Café im ersten Stock des Bahnhofes.

Wiener BurgtheaterDort wurde ich sofort von der Bedienung begrüßt und wusste damit, dass ich im Land der professionellen und vor allem freundlichen Gastronomie bin, wo der Gast noch König ist. Ich blätterte in meinem Prospekt und suchte mir einige Sehenswürdigkeiten aus, die ich un- bedingt aufsuchen wollte. Das Museumsquartier, den Prater, das Hundertwasserhaus, den Zentralfriedhof und ein Museum mit Körperteilen aus Wachs. Ich orderte bei der netten Bedienung, die mich mit ihren wienerischen Sätzen gleich in die passende Atmosphäre einhüllte, eine Tasse Kaffe. Keinen normalen Filterkaffee. Ich bestellte mir einen Kaffee, wie man ihn in Wien trinkt: Einen Verlängerten.

Ich sah mich ein wenig um. An einer Säule hingen die Tages-Angebote zum Essen und Trinken. Darunter auch ein Paar Sacher-Würste. Ich kannte das Wort Sacher nur in Verbindung mit Wien und der leckeren Sacher-Torte. Neugierig geworden erkundigte ich mich bei der herumflitzenden Serviererin, was es denn mit der Sacher-Wurst auf sich habe. Ob sie mit Kakao oder mit Pralinen oder so gefüllt sei. Sie schaute mich ein wenig erstaunt an. Fast wie einen Scherzbold. Dann beantwortete sie ernsthaft meine Frage. Nein, in der Sacher-Wurst ist nichts Süßes. Das sei eine ziemlich große Wurst. Sie schmecke hervorragend. Ob ich eine wolle? Ich bestellte eine. Sie war größer als der Teller. Und sie schmeckte wirklich wie eine Wurst schmecken sollte.

Ich tauchte die Wurst in den Senf und dachte mir: Probieren geht über Studieren. Auch in Wien sind die Dinge nicht immer, wie man es sich vorstellt.

Fortsetzung folgt.

Jokers 26.03.2007, 07.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL

RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3
Follow Jokers at twitter

TwitThisFacebookGoogleMySpaceTechnoratiMister WongDiggDeliciousYiggLinksilo
<< März 2010 >>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01020304050607
08091011121314
15161718192021
22232425262728
293031    



PDF-Datei
Größe: ca. 10 MB

Gratis-Download







Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
Bloggeramt.de
frisch gebloggt
Deutsches Blog Verzeichnis
Blog Top Liste - by TopBlogs.de