
Macht’s Murphy möglich?
»Murphys Gesetz« geht höchstwahrscheinlich auf Captain Ed Murphy von der US Air Force zurück. Der Physiker hatte 1949 ein Gerät gebaut, das Gravitationskräfte messen sollte. Gleich bei der ersten Vorführung versagte der Apparat: Einer von Murphys Mitarbeitern hatte es geschafft, ALLE 16 Mess-Sensoren falsch anzuschließen. Auf einer Pressekonferenz sollte sich Murphy für die teure Panne rechtfertigen. Schließlich sei es ja recht unwahrscheinlich, dass hinter einem derart kompletten Versagen keine Absicht stünde. Woraufhin Murphy sein »Gesetz« formulierte.
Der im Grunde sehr simple Satz (Murphy hat ihn wahrscheinlich besser formuliert als oben zu lesen, doch der Wortlaut ist über die Jahre verloren gegangen) hört sich an wie eine dumpfe Allerweltsweisheit, hat aber einen wissenschaftlich fundierten Hintergrund. Hier geht es um die Wahrscheinlichkeitslehre.
Wenn wir im Alltag von Wahrscheinlichkeiten reden, ist uns eine sehr wichtige Eigenschaft der Wahrscheinlichkeit meist nicht bewusst: Wie gering die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis auch sein mag: wenn sie größer als Null ist, wird das Ereignis auch eintreten. Irgendwann. Sonst wäre die Wahrscheinlichkeit ja Null. Sie würden ganz sicher den Lotto-Jackpot knacken wenn Ihre Zeit auf dieser Welt, bzw. die Möglichkeit, Lotto-Tipps abzugeben, nicht begrenzt wäre...
Stellt sich noch die Frage nach dem Umkehrschluss bei »Murphys Gesetz«: Tritt, wenn alles schief geht, was schief gehen kann, ein Ereignis von äußerst geringer Wahrscheinlichkeit ein? Bevor die Fußball-Fans in Augsburg oder Nürnberg jetzt schon auf die Meisterschaft anstoßen: Nein. So nicht.
Geschrieben von Gerald Wunder
22.05.2012, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur und Gesellschaft | Tags: Murphys Gesetz, Wahrscheinlichkeiten, Allerweltsweisheit, Captain Ed Murphy,
Bücher fürs Drogennäschen
Laut Oliver Kahn riecht Fußball nach einer Mischung von Gras, Schweiß und Metall. Heinrich Heine befand, Sauerkraut sei ein toller Duft (»Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut! // Holdselig sind deine Gerüche.«) Es gibt so exzentrische Parfüm-Kreationen wie »Eau de Karotte« und nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans bewegte viele Journalisten die Frage, welchen Duft der Eyjafjallajökull habe.
Einen Berliner Parfümeur hat nun, so berichtet die SÜDDEUTSCHE, die Frage gelöst, wie Bücher riechen. Er hat in Kooperation mit Größen wie Karl Lagerfeld und Günter Grass das Parfüm »Paper Passion« kreiert, mit dem angeblich Leseratten zu betören sind. Ein Jahr lang brauchte es, bis er auf der Designmesse Mailand sein Werk präsentieren konnte, das weltweit erste Parfüm mit Papiergeruch. Angeblich riecht das Parfüm nach druckfrischem Buch. Für Menschen wie den Göttinger Verleger Gerhard Steidl soll der Geruch eines frischen Buchs so betörend wie ein Rauschmittel sein. Aber Vorsicht: Für Bibliophile kann die Droge Buch sehr teuer werden (es sei denn, sie bestellen ihre Bücher bei Jokers).
17 Versuche und 13 verschiedene Rohstoffe wurden für das neue Parfüm gebraucht. Nun soll Paper Passion weltweit in Buchhandlungen, Museumsshops, Concept Stores (was immer das ist) und so genannten Nischenparfümerien verkauft werden. Und wenn es stimmt, dass in Reisebüros mit Sonnenmilchduft mehr Reisen verkauft werden, dürfen wir Bibliophile uns freuen, wenn wir bald in allen Thalias und Hugendubels dieser Republik mit einem noch stärkeren Buchgeruch als bisher umworben werden.
Bild: Bücher © Lupo/www.pixelio.de
16.05.2012, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Parfümeur, Bücher, Paper Passion, Leseratten, Buchgeruch,
Neues von Nessie?
Seit dem Jahr 565 geht das nun schon so: Viele wollen etwas gesehen haben, niemand kann es beweisen. Foto- und Videomaterial des Monsters zeigen nebulöse Umrisse eines Fabeltieres. Genauso gut könnte es auch ein verwitterter Baumstamm oder ein großer Stör oder Aal sein.

Quelle: Sarah Grazioli / pixelio.de
Weltberühmt wurde das von seinen Fans liebevoll Nessie genannte Wesen 1933, als die internationale Presse die Geschichte aufgriff und seither gerne in der »Sauren-Gurken-Zeit« über Neuigkeiten von Loch Ness berichtet. Auch die Wissenschaft hat sich durchaus ernsthaft um das Seeungeheuer bemüht. Man ging Fragen nach, ob es sich um einen Kryptiden handeln könnte, eine bisher unbekannte Tierart; oder ob man es mit einem fossilen Brückentier zu tun hat, das die Eiszeit überlebte. Die Forschungen förderten so recht (noch) keine Ergebnisse zu Tage. Schade. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die letzte Sichtung von Nessie jedenfalls liegt erst kurze Zeit zurück. Es bleibt spannend!
Wer das Fabelwesen kennenlernen möchte, ist hier richtig:
Nessie - Das Geheimnis von Loch Ness
Und wer zu einer eigenen Nessie-Expedition aufbrechen möchte, schaut am besten hier rein:
Insider - Schottland Nord
Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
15.05.2012, 16.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sonstiges | Tags: Nessie, Loch Ness, Schottland, Fabelwesen, Seeungeheuer, Seeschlange,
Fragen eines Lyrik-Laien
Wie beeinflusst das »Drumrum« die Wirkung eines Gedichtes? Also, da gibts ja das »normale« Gedicht, mit mehr oder weniger gelungenen Reimen, sauber untereinander geschriebenen Strophen und so weiter. Steht ein solches Werk auf einem stinknormalen, langweilig weißen A4-Blatt, so wird es doch, poetisches Talent des Dichters vorausgesetzt, seine Wirkung entfalten: Das Liebesgedicht macht meist eher glücklich, das Klagelied meist eher traurig, ums ganz einfach auszudrücken.
Wird nun die Wirkung des Liebesgedichtes verstärkt, wenn man es auf ein rotes Plüschherz schreibt? Oder anders gefragt: Was ändert sich an der Wirkung dieses Liebesgedicht es, wenns der Steinmetz dereinst vom langweiligen weißen A4-Blatt auf den Grabstein überträgt?
Es würde den Lyrik-Laien also interessieren, inwieweit die Art der optischen Darstellung eines Gedichtes ein lyrisch geschultes Gehirn bei der Aufnahme der Worte beeinflusst. Hintergrund: Nachdem die Jury des Jokers Lyrikpreises 2012 ihre Arbeit beendet hatte, konnte ich einige der eingereichten Werke lesen oder besser: auf mich wirken lassen.
Dass mit Worten Bilder gemalt wurden (nicht im übertragenen Sinn; die Worte eines Frühlingsgedichtes sind da schon mal in Form einer Blume angeordnet) war schon fast normal. Andere Gedichte erinnerten mich an die »Tag-Wolke« hier auf der Jokers-Blog-Seite (siehe rechts). Die Darstellung ist in solchen Fällen Teil des Werkes, das ist auch mir klar. Die AutorInnen haben sich ja was dabei gedacht. Nur wirds leider oft übertrieben, das Wort »Butterbrotpapier« erhält keine tiefere Bedeutung, nur weil man die Silben quer über fünf Zeilen verteilt. Ich hätte gern Mäuschen bei den Beratungen der Jokers Lyrik-Preis-Jury gespielt um zu hören, wie das erste und wie das einhundertzweiundvierzigste »Butterbrotpapier«-Gedicht bewertet wurden...
Die Lyrik hat übrigens längst die dritte Dimension erobert, wie auch einer der Jokers Lyrikpreis-Beiträge, eingesandt von Chiko Sebe-Opfermann, zeigt: Eine flache weiße Schachtel, darinnen, dekorativ angeordnet, sechs hauchdünne, getrocknete halbe Fruchtkern-Schalen (von der Avocado?), die einige wohl gewählte Worte umhüllen. Sehr schöne und interessante Idee, wie ich finde, die viel Raum für Interpretationen bietet. Aber sehen Sie selbst... Was meinen Sie?
14.05.2012, 15.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Jokers Lyrikpreis, Gedicht, dritte Dimension, Tag-Wolke, Lyrik,



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