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Friede, Freude, Eierkuchen?

Seit 1901 wird jedes Jahr am Todestag Alfred Nobels, also am 10.

Dezember, der Friedensnobelpreis in Oslo verliehen. Er ist mit 10 Millionen

schwedischen Kronen dotiert. Schon letztes Jahr gab es einige Unmutsäußerungen,

als der amerikanische Präsident Barack Obama die Auszeichnung erhielt, doch im

Vorfeld der diesjährigen Verleihung des Friedenspreises zeichnen sich größere Auseinandersetzungen

ab.

 

Vaclav Havel, Desmond Tutu und der Dalai

Lama haben sich dafür stark gemacht, dem inhaftierten chinesischen

Schriftsteller Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis zu verleihen. Doch so, wie es

aussieht, will die chinesische Regierung das verhindern. Viel Zeit hat sie

nicht mehr, um die mögliche Entscheidung des Nobel-Komitees zu boykottieren:

Sie soll am 08.10.2010

bekannt gegeben werden.

 

China geht es augenscheinlich darum, dass ein "nominierter

Dissident", so die offizielle Aussage, den Preis erhalten soll: Anderthalb

Wochen vor der Entscheidung in Oslo sagte Geir Lundestad, der Direktor des

norwegischen Nobelinstitutes, im Fernsehsender NRK, dass Vize-Außenministerin

Fu Ying ihm gegenüber bei einem Besuch im Juni mit einer "Verschlechterung

der chinesisch-norwegischen Beziehungen" drohte, falls die Auszeichnung an

eben einen der "nominierten Dissidenten" vergeben werde. Der Autor Liu

ist Präsident des unabhängigen chinesischen PEN-Clubs und wurde im vergangenen

Dezember zu elf Jahren Haft wegen "Untergrabung der Staatsgewalt"

verurteilt. Zu den 237 Kandidaten für den Friedensnobelpreis gehören auch der

Anti-Aids-Aktivist Hu Jia und der Menschenrechts-Anwalt Gao Zhisheng.

 

Vize-Außenministerin Fu Ying bestritt bei einer Pressekonferenz in

Peking, dass China das Nobelpreis-Komitee unter Druck setze, allerdings gab die

Außenamtssprecherin Jiang Yu bei einer anderen Pressekonferenz bekannt, dass

sie Liu für eine „schlechte Wahl“ als Friedensnobelpreisträger halte:

"Diese Person wurde verurteilt, weil sie gegen chinesische Gesetze

verstoßen hat", sagte sie Ende September: "Seine Handlungen

widersprechen fundamental den Zielen des Nobelpreises."

 

Schon im Jahre 1989 mussten gewaltige Schwierigkeiten in der

bilateralen Kommunikation zwischen Norwegen und China überwunden werden, als

der Dalai Lama den Friedensnobelpreis erhielt. Es bleibt abzuwarten, wie in

Zeiten, in denen Norwegen und China ein bilaterales Handelsabkommen verhandeln,

die Entscheidung ausfällt. Ich bin gespannt.


Bild: Alfred Nobel/wikimedia.de

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